Wolfsheim-teil-1
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Zusammenfassung
In der 21. Folge von FRAX Music widmen sich Axel Breitung und Frank Engelmayer gemeinsam mit ihrem Gast Markus Reinhardt, Gründungsmitglied von Wolfsheim, der Geschichte und dem Vermächtnis dieser außergewöhnlichen Band. Das Gespräch beginnt mit persönlichen Erinnerungen an die Zusammenarbeit rund um das Album 'Casting Shadows', das als das erfolgreichste Werk der Band gilt. Markus schildert, wie sich die Zusammenarbeit mit Axel entwickelte und wie die geografische Nähe zwischen Hamburg und Hannover den kreativen Austausch förderte.
Im Zentrum der Folge steht das Album 'Casting Shadows', das 2003 erschien und für Wolfsheim einen Höhepunkt markierte. Trotz rückläufiger CD-Verkäufe in jener Zeit gelang es der Band, mit über 200.000 verkauften Einheiten Gold- und Platinstatus zu erreichen. Markus reflektiert offen über den Druck, der auf einem Independent-Label wie Strange Ways lastete, und wie wichtig es war, trotz aller Kommerzialisierung die künstlerische Integrität zu bewahren. Die Band hatte stets Angebote von Major-Labels ausgeschlagen, um unabhängig zu bleiben – eine Entscheidung, die ihre Authentizität bis heute prägt.
Frank und Axel betonen die anhaltende Relevanz von Wolfsheim, insbesondere auf Partys und in Clubs, wo Songs wie 'Kein Zurück' und 'Sparrows and Nightingales' nach wie vor für volle Tanzflächen sorgen. Axel liefert aktuelle Streaming-Zahlen und unterstreicht, wie sehr die Musik von Wolfsheim auch im digitalen Zeitalter gefragt ist. Markus zeigt sich stolz, dass die Band ohne große Werbekampagnen und dank der Kraft von Algorithmen und Mundpropaganda heute weltweit gehört wird – von Chile bis Australien.
Ein weiteres Thema ist die internationale Perspektive von Wolfsheim. Markus erzählt, wie seine musikalischen Einflüsse aus dem britischen und internationalen Indie-Bereich stammen und wie sich daraus ein eigenständiger Sound entwickelte, der sich nie an den Mainstream anbiederte. Die Band verstand sich immer als Teil einer Subkultur, wurde aber durch ihren Erfolg zu einer festen Größe der deutschen Musiklandschaft. Auch der Wandel von physischen Tonträgern zu Streaming und die Auswirkungen auf Reichweite und Fanbindung werden diskutiert.
Die Folge bietet einen tiefen Einblick in die künstlerische Philosophie von Wolfsheim, die Herausforderungen des Musikbusiness und die Bedeutung von Authentizität. Sie richtet sich an Musikliebhaber, die mehr über die Hintergründe einer der prägendsten deutschen Bands der letzten Jahrzehnte erfahren möchten.
Hintergrund & Kontext
Wolfsheim wurde 1987 in Hamburg gegründet und etablierte sich in den 1990er Jahren als eine der wichtigsten deutschen Bands im Bereich Synthpop und Dark Wave. Die Band, bestehend aus Markus Reinhardt und Peter Heppner, prägte mit ihrem melancholischen, elektronischen Sound und deutschen Texten eine ganze Generation von Musikfans. In einer Zeit, in der die Hamburger Schule und Indie-Kultur aufblühten, setzten Wolfsheim auf Eigenständigkeit und blieben Independent-Labels wie Strange Ways treu.
Ihr Durchbruch gelang ihnen mit dem Song 'Sparrows and Nightingales' (1991), der in der Gothic- und Wave-Szene Kultstatus erreichte. In den folgenden Jahren entwickelten sie ihren Stil weiter und schafften mit Alben wie 'Spectators' und 'Casting Shadows' den Sprung in die Charts. Wolfsheim verbanden elektronische Musik mit emotionaler Tiefe und gesellschaftlicher Relevanz – ein Ansatz, der sie von vielen Zeitgenossen unterschied.
Die Band war Teil einer Bewegung, die deutsche Popmusik modernisierte und international anschlussfähig machte. Ihr Einfluss reicht bis in heutige elektronische und Indie-Produktionen. Nach der Trennung 2005 blieb ihr musikalisches Erbe lebendig, nicht zuletzt durch die Möglichkeiten des Streamings, das ihre Songs neuen Generationen weltweit zugänglich macht.
Häufige Fragen
Was macht Wolfsheim so besonders in der deutschen Musikszene?
Wolfsheim verbindet elektronische Sounds mit tiefgründigen deutschen Texten und hat damit einen einzigartigen Stil geschaffen, der sowohl in der Gothic- als auch in der Popkultur bis heute nachwirkt. Ihr Einfluss reicht weit über die 90er hinaus.
Welches Wolfsheim-Album war am erfolgreichsten?
Das kommerziell erfolgreichste Album von Wolfsheim war 'Casting Shadows', das 2003 erschien und über 200.000 Mal verkauft wurde. Es brachte der Band Gold- und Platin-Auszeichnungen ein.
Wie viele Streams hat 'Kein Zurück' von Wolfsheim auf Spotify?
'Kein Zurück' ist Wolfsheims meistgestreamter Song mit über 14 Millionen Streams auf Spotify. Auch andere Titel wie 'Sparrows and Nightingales' und 'Once in a Lifetime' sind sehr beliebt.
Warum hat Wolfsheim nie bei einem Major-Label unterschrieben?
Wolfsheim blieb stets unabhängigen Labels wie Strange Ways treu, um künstlerische Freiheit zu bewahren. Trotz Angeboten von Major-Labels entschieden sie sich bewusst gegen den Mainstream und für ihre künstlerische Integrität.
Welche Rolle spielt Wolfsheim heute noch in Clubs und auf Partys?
Wolfsheim-Songs wie 'Kein Zurück' sind feste Größen auf Gothic-, Wave- und 80er-Partys. Ihre Musik wird weiterhin von DJs gespielt und begeistert neue Generationen von Musikfans.
Wie hat sich der Erfolg von Wolfsheim durch Streaming verändert?
Streaming-Plattformen haben Wolfsheim ein internationales Publikum verschafft. Heute werden ihre Songs weltweit gehört, was früher für ein deutsches Indie-Projekt kaum möglich gewesen wäre.
Gesprächs-Transkript
Hallo Musikfreunde, willkommen zu einer weiteren Ausgabe von FRAX Music. Und heute haben wir nicht nur Axel und mich am Start, sondern wir haben einen Gast. Bei uns ist Markus Reinhardt, den meisten bekannt von Wolfsheim, und wir freuen uns darauf, mit Markus zu sprechen. Herzlich willkommen bei FRAX Music, Markus.
Hallo ihr beiden. Hallo Frank. Hallo Axel. Ich freue mich auch. Wir kennen uns ja noch nicht, Frank, aber Axel, wir haben uns ja seit der Casting Shadows Produktion, speziell Approaching Lights, nie aus den Augen verloren.
Ja, Axel, ihr kennt euch. Erzähl mal, ihr seid ja beide auch geografisch nicht so weit auseinander gewesen. So Hannover, Hamburg. Wie lange kennt ihr euch schon?
Ja, wir kennen uns jetzt. Oh stimmt, seit der Produktion. Das müsste gewesen sein 2000.
Weißt du es noch?
Ja, also 2002 haben wir, glaube ich, angefangen.
Ganz genau. Ja, ja, richtig. Und das war gut. Das war lustig, weil Markus hatte Verbindung aufgenommen, weil er gehört hatte, dass mein Studio nur 2 Straßen weiter war. Und das war natürlich ein ganz guter, ganz gutes Entree. Und dann haben wir uns das erste Mal getroffen. Es hat gleich irgendwie, war doch ganz angenehm von vornherein. Und daraufhin haben wir dann auch, ja, habe ich eigentlich im Prinzip die Produktion noch durchgeführt und seitdem wir immer, wenn ich mal in Hamburg bin, jetzt in letzter Zeit, wo ich noch in Hamburg war, war es ja einfacher. Da habe ich mich mal drauf gefreut, wenn Markus dann auf, ja, im Prinzip dann aus Athen mal wieder in Hamburg war. Und dann, wir haben uns natürlich sehr häufig getroffen.
Genau.
Ja, generell, ja, vielleicht fangen wir damit mal kurz an, uns das vielleicht von von hinten nach vorn zu arbeiten. Denn das Letzte, was ihr gemacht habt als Wolfsheim, war ja das Album Casting Shadows. Und das Album war ja das letzte und eigentlich kann man sagen, das erfolgreichste, wenn es auch, wie ich jetzt feststellen musste in der Recherche, dann doch nicht das meistverkaufte war. Aber zumindest es war also von den Chartserfolgen her und wenn man es im Vergleich sieht, das erfolgreichste Album. Ja, wenn du zurückblickend sagst, also Kein Zurück sozusagen heißt ja der Singletitel, passt ja super gut. Aber wir gucken zurück jetzt mal. Da würde mich natürlich schon interessieren, wie siehst du denn dieses Album jetzt so aus musikalischer Hinsicht rückwirkend?
Also erstmal vielen Dank für die Information. Ich hätte jetzt, wenn ich bei Wer wird Millionär gesessen hätte und gefragt worden wäre, welches Album hätte sich am meisten verkauft, hätte ich doch tatsächlich den Joker ziehen müssen. Und ich hätte jetzt nicht gedacht, dass wahrscheinlich ja die Spectators dann noch ein bisschen mehr verkauft hat. Aber es liegt wahrscheinlich dann einfach an der Marktsituation zu der Zeit, dass dann schon weniger CDs verkauft wurden, wir mit weniger Verkauf trotzdem erfolgreicher waren. Für Wolfsheim war das damals, klingt ein bisschen doof, aber geradezu ein Glück, dass der Markt ein bisschen runtergegangen war, weil wir damit unserer größeren Fan-Hörerschaft sozusagen Großes bewegen konnten. Also die haben ja nicht irgendwie aufgehört, dann irgendwie Musik zu konsumieren, oder haben auch noch weiter CDs gekauft. Konnten wir eigentlich mit relativ wenigeren Verkäufen hoch in die Charts einsteigen und sind dann eben halt in diese typischen Mechanismen gekommen, ne. Also Top 10, dann war man auf einmal in den normalen Fernsehshows und dies und das, also in Programmen, die einen vorher geflissentlich ignoriert hatten, war man auf einmal drin. Ich hätte damals, wenn es mit Wolfsheim weitergegangen wäre, damals gerne einen Gang wieder runtergeschaltet, weil die ganze Produktion für Independent-Verhältnisse— also Wolfsheim ist ja dem Indie-Label Strange Ways und Indigo dann immer treu geblieben— war das ein extrem großes Unterfangen, also auch finanziell. Also es war eben halt, es hat funktionieren müssen, das Album. Und also es hätte eine Katastrophe gegeben für ein Independent-Label, wenn das nicht funktioniert hätte, weil die immer keine anderen Acts gehabt hätte, die gesagt, ach, dann fangen die das wieder auf, so, ne. Und das, den Druck hat man schon gespürt. Und dafür war man ja eigentlich nicht so lange in den Paddelmusiker gewesen, weil es ja eigentlich immer um die Kunst gehen sollte. Also wir hatten es ja verhindert, irgendwie bei der Industrie zu unterschreiben, die natürlich dann schon Schlange standen, also auch vor der, vor der Casting Shadows auf einmal, obwohl sie es in den 90ern und, und 80ern ganz anders gesehen hatten mit Wolfsheim. Hatten wir ja immer gewusst zu verhindern, aber auf einmal fühlt man sich auch so, ja, man schraubt dann irgendwie im sehr großen Ding. Und ist das— ich hatte so ein bisschen das Gefühl, ging es wirklich nur um die Musik. So ging es natürlich, wir haben es geschafft, aber das war— man musste sich irgendwie so gegen den, den Kommerz quasi ein bisschen stemmen.
Ja, also letztendlich gut, wie du schon sagtest. Vielleicht müssen wir es noch mal wiederholen. Es war ja so, dass zu dem Zeitpunkt, wo die Casting Shadows rauskam, war es notwendig, 100.000 CDs zu verkaufen, um halt dann letztendlich mit einem Gold Award beehrt zu werden. Erfreulicherweise waren es über 200.000. Ich hätte jetzt gehofft, dass du sogar sagen kannst, wie viel es genau sind. Es waren über 200.000, sonst wäre ja keine Platin Award gekommen. Aber hast du die genaue Zahl noch im Kopf? Also ungefähr wenigstens?
Leider tatsächlich nicht. Also das heißt jetzt gar nicht, dass ich so ignorant bin, aber das ist eben halt auch schon relativ lange her. Und tatsächlich, also ja, was heißt ignorant, aber Ich habe es mir irgendwie immer bewahrt, dass es mir letztendlich um die Musik ging. Also es war natürlich trotzdem eine schöne Sache, dass die Verkäufe da waren. Es war auch toll, dann irgendwie eine Platin und Gold bekommen zu haben. Aber ich habe die tatsächlich dann, die hatten sich schon gewundert bei der Plattenfirma, auch noch fast jahrelang, glaube ich, da stehen lassen. Ich hatte die ja nie abgeholt. Das Plattenlabel war so im Süden Hamburgs. Und heute hängt es einfach, nach all diesen Jahren, also bin ich irgendwie, jetzt habe ich glaube ich so ein bisschen die Zeit gehabt, das alles zu verarbeiten. Na ja, kein Wunder, ist ja auch schon relativ lange her. Und Ich bin ja ziemlich stolz drauf, dass die bei mir in der Wohnung hängen und noch stolzer drauf, dass letztendlich wahrscheinlich in Vergessenheit geraten ist, dass das heute gehört wird. Da kommen wir vielleicht ja auch noch mal zu, dann irgendwie halt heute mit dem Streaming und so. Das sind ja alles Entwicklungen gewesen, die wir damals oder die man so damals irgendwie schlecht abschätzen konnte.
Ja, das freut mich voll zu hören, dass du sagst, aus dir spricht halt der Künstler. So, du hast ja auf die Musik geschaut und natürlich freut man sich, wenn die erfolgreich ist. Man freut sich, wenn es Leute hören, man freut sich, Natürlich auch, wenn dann Einnahmen reinkommen. Aber die Legacy, die ist es. Und tatsächlich, Wolfsheim ist eine Band, vor allem die 90er Jahre, ist im Grunde genommen so, es gab so goldene 10 Jahre, ein bisschen mehr. Aber die ist ja immer noch präsent. Also ihr habt es ja geschafft, euch wirklich einen Stamm von Fans auch aufzubauen. Ich habe als DJ viel gearbeitet und wenn du auf so Partys bist, wo ein bisschen Gothic und Black Music kommt, das geht nicht ohne Wolfsheim. Also das kennen die Leute, das wollen die Leute.
Das ist wirklich, die Legacy ist riesig.
Und das muss bestimmt ein großartiges Gefühl sein, so, weißt du, wenn man dann so zurückschaut, hey, wow, man hat dieses Ding gemacht. Weil tatsächlich, die Abspielzahlen werden bestimmt heute auch noch gut sein, da bin ich mir ziemlich sicher. In den Clubs wird Wolfsheim gespielt. Das hat auch so eine künstlerische Frische immer noch. Das ist dann nicht mehr reine Retromusik, sondern es ist halt elektronische, urbane Musik. Und ganz viele DJs können das da in ihr Set einbauen. Die Legacy ist großartig und wird heute immer noch wahrscheinlich viel gestreamt.
Ja, da kann ich was zu sagen. Es ist richtig, da gibt es auch so eine, sozusagen, wenn man so will, eine Art Charts. Platz Nummer 1: Kein Zurück. Das ist der bekannteste Titel offensichtlich, hat auch über 14 Millionen Streams auf Spotify. Also das ist ja immer so ein bisschen der Gradmesser. Dann kommt Sparrows and Nightingales, das ist der nächste, und Once in a Lifetime gehört aber auch noch zu denen, die wirklich gut gestreamt werden.
Auf jeden Fall. Also ich bin auch sehr froh drüber, dass das, also das ist ja auch ohne Werbung gelaufen, ne. Also das ist, das hat sich jetzt wirklich so rumgesprochen. Natürlich ja die Algorithmen, die werden das irgendwie begünstigt haben. Also jetzt eventuell auch, weil es dann wieder irgendwie das 80er wieder ein bisschen mehr im Trend liegen und so. Und viele, die heute diese Art von Musik entdecken, also vermischt sich ja auch so ein bisschen. Wir werden da ja auch wahrscheinlich ja nicht, also ist ja nicht nur Goth-Bereich, aber auch alle, die dann so wavy Sachen hören oder 80er Jahre, werden natürlich dann über kurz oder lang irgendwie in ihrem Spotify-Radio oder sowas irgendwie Wolfsheim mal zu hören bekommen. Und das, ja, gesagt, das konnte ich ja früher auch nicht abschätzen, also wie sich das entwickelt hat. Heute werden wir ja auch viel stärker dann in Chile, Mexiko, in selbst in Australien und sowas gehört. Das hätte ja ein kleines Indie-Label so gar nicht bewerkstelligen können, ne. Also wenn jetzt Wolfsheim einfach so zu Bruch gegangen wäre, dann hätte es wahrscheinlich noch ein paar Jahre CDs irgendwo bei Karstadt, gab es ja damals noch, auf dem Krabbeltisch gegeben, die Abverkäufe. Und dann wäre so die Frage gewesen, ob man heute noch weltweit in irgendwelchen CD-Regalen, wenn es sowas auch geben würde, wie gesagt, noch stehen würde. Also insofern hat da die technische Entwicklung dem Ganzen sogar eigentlich ziemlich gut zugespielt. Das ist auch, weil ich damals natürlich auch dachte, ja, dass der Zug ist jetzt abgefahren mit der Musik. Da ging man ja davon aus, dass man dann unter Umständen nur noch mit Konzerten und dergleichen irgendwie Geld verdienen konnte, könnte. Und das ist ja offen gestanden nie so mein größter Wunsch gewesen, irgendwie Livemusiker zu werden.
Hast du in der, in der Wolfsheim-Zeit damals schon das internationale Publikum so im Blick gehabt? Hast du wirklich eine Musik gemacht, die, die ja auch in Amerika spielbar ist, oder eben, wie du jetzt sagst, eigentlich in allen möglichen Ländern, was einfach eine urbane Musik ist, wo du vom Hören her nicht erkennst, wo das herkommt. Es ist kein Blues, das ist keine Folkgeschichte drin, das ist einfach modern Elektrosound. Es könnte von überall kommen. Hast du das damals als Künstler auch schon so im Blick gehabt, eben diese internationale Perspektive, oder hast du dich eher so auch verbunden gefühlt mit einer Art Subkultur in Deutschland, so deutscher Underground? Hamburger Schule ist ja dann daraus geworden auch. Also war das eher so dein Ding, in dieser deutschen Szene zu sein? Was, wie hast du gearbeitet?
Also da muss ich glaube ich ein bisschen ausholen. Ich hoffe, dass sie damit mir da den Bogen spannen können. Also ich habe ganz, ganz merkwürdige Musik gehört, also als ich jung war. Was heißt merkwürdig, aber es wird heute auch noch oft dann auch durch YouTube und so was kann man es auch noch hören. Das sind aber manchmal so Sachen, die dann vielleicht irgendwie 800 Streams haben oder so was. Wenn da ein paar tausend bei sind, ist das schon ein bisschen mehr. Also ich habe geliebt Eilison Gasa, das war so ein Red Cherry Act, also ein indisch-englischer englisches Indie-Label, The Passage, also meines Erachtens irgendwie auch so Elektropioniere aus England, hat man früher in The Sound gelesen. Ich hatte damals dummerweise deren letztes Konzert in der Hamburger Markthalle kurz verpasst, irgendwie, ich glaube, die waren '83 da, ich habe die angefangen '84 zu hören. Und das waren auf jeden Fall, das war so Musik, die wirklich kaum zugänglich war. Die konntest du dann in ein paar Läden in Hamburg kaufen, irgendwie Rough Trade und dann Durchschnitt auch bei Michelle vielleicht noch, und das war's dann aber auch schon fast. Und, oder Fados waren die auch schon da. Ja, auf jeden Fall, ich habe damals gedacht, oh, so Musik machen, das wäre ja schon was Geniales. Ich war mir aber gar nicht bewusst, dass die vielleicht ein paar hundert Alben verkauft hatten insgesamt in Deutschland, vielleicht ein paar hundert mehr in England und so was. Das natürlich überhaupt gar keine Basis war für irgendwas, also keine Lebensgrundlage, eine Basis, um Kunst zu machen, keine Frage. Insofern war das dann nie davon beeinflusst, jetzt irgendwie zu glauben, man wird damit jetzt irgendwie berühmt werden oder so was. Also ein Lachereien. Muss ich sagen, wow, das ist schon verrückt, dass das überhaupt so viel verkauft wurde. Also ich glaube schon, dass wir auf eine gewisse Art und Weise durch eine Dickköpfigkeit auch es geschafft haben, so eine Art eigenen Stil zu schaffen, der dann irgendwie heute eben halt noch für sich selbst steht. Und musikalisch die Einflüsse, es gab also, es gab natürlich die Hamburger Schule, die ist so mit uns glaube ich auch groß geworden. Wir sind ja in Hamburg eher ignoriert worden, wir waren gar nicht cool, So, CD Hamburg war ja damals eines dieser Sprachrohre. Da hat dann noch ein Journalist, ich weiß gar nicht, warum ihm das nicht unangenehm war, geschrieben bei einer Plattenkritik, ich glaube für die Spectators. Er meinte dann irgendwie halt, da schreibt man sich die Finger wund und die Leute hören trotzdem Wolfsheim. Also er war wirklich schockiert, dass seine Arbeit nicht weiter Anklang gefunden hatte und dass das einfach ignoriert wurde. Und da habe ich dann damals schon gedacht, vielleicht liegt es dann daran, wie du schreibst oder so was. Aber naja, egal. Das ist heute, glaube ich, aber auch weg. Also im Nachhinein ist man, glaube ich, dann auch in Hamburg anerkannt. Vielleicht wird die Stadt Hamburg ja selbst auch sagen, oh wow, irgendwie, ne, so, das ist ein Hamburger Act. So, und dann auch noch aus Wilhelmsburg, ein Stadtteil, der oftmals auf Stadtplänen der Stadt Hamburg vergessen wurde, also, oder eher beschämt irgendwie unten abgeschnitten wurde. Es war wirklich so, dass man an, sagen wir mal, Hauptbahnhof oder sowas, wenn du dann HVV, also den öffentlichen Nahverkehr in Hamburg, und einen Plan gesehen hattest, Landkarte, war der Süden teilweise einfach nicht mit drauf, obwohl der geografisch gesehen relativ nah dran ist. Aber jetzt mal kurz den Bogen zu spannen musikalisch. Das fing schon damit an, dass mein Vater mich, glaube ich, da muss ich vielleicht 2, 3 gewesen sein, da bin ich schon mit Wendy Carlos groß geworden. Also Switched On Bach, das begründet wahrscheinlich meine Vorliebe für Bach bis heute. Also ich finde es sehr beruhigend. Und natürlich damals dieses Cover. Ich weiß nicht, ob es jemand kennt. Wendy Carlos. Auf jeden Fall war da jemand, ich weiß nicht, ob es Wendy Carlos war, Bach in einem barocken Kostüm und einem Astronautenanzug gleichzeitig irgendwie im All. Und das hat mich natürlich total geflasht, irgendwie so als Kind, dieses Bild und diese Musik. Da war es auch kein Wunder, als ich 1978 Kraftwerk das erste Mal gehört habe als 10-Jähriger, habe mir dann gleich die Roboter eben gewünscht zu Weihnachten, habe dann allerdings die Kraftwerk Autobahn bekommen. Das war erstmal so ein kleiner, kleiner Dämpfer, aber habe es dann eben halt alles so, so dann erkunden können, Schritt für Schritt. Und das war toll. Also ich finde, muss ich heute sagen, es hat ja wirklich was Kindisches eigentlich, oder Kindliches schon fast, wie Kraftwerk da heute, wenn man das heute so betrachtet, wieder so mit als Roboter rummarschieren. Aber früher wirkte das cool. Aber vielleicht ist das auch eines der Geheimrezepte, dieses, dieses Kindliche. Das heißt ja immer noch ein bisschen entdecken wollen, neue Dinge machen zu können. Und viele andere, die sich vielleicht zu cool als zu cool empfunden hätten, hätten so was gar nicht gemacht. Also sich da irgendwie so aufzuführen, sozusagen. Okay, das war jetzt ein langer Monolog.
Nee, das ist total spannend, was du erzählst, weil ich finde allein schon diesen Konnex. Du hast von Bach gesprochen, das ist diese Barockmusik und die kommt da auch immer in so Wellen. So, es ist ja im Grunde genommen schon wie so Loops. Genau, kannst du manche von den Sachen vorwärts wie rückwärts abspielen und sowas, ja, was die vielleicht damals nicht gemacht haben oder vielleicht auch schon. Aber das ist ja, da ist ja schon die Verbindung zu dem da, was dann auch die elektronische Musik eigentlich bis heute so reizvoll macht als Tool, weil du eben in diesen Loops arbeiten kannst. Und in den 60ern hat es doch auch schon angefangen mit so experimentellen Komponisten, Terry Riley, Philip Glass und so weiter. Und das hat er dann auch ein Einfluss genommen auf diese ganzen Elektropioniere im Krautrock und so weiter. Siehst du dich da auch in dieser— es ist ja wie so eine Perlenkette, die letzte ist von— kannst du von der Barockzeit bis heute bringen, so Generation für Generation, die da was gemacht haben. Und eure Musik ist ja so gestartet, auch an einer interessanten Schwelle eigentlich der Entwicklung der elektronischen Musik, weil Ende der 80er, auch in meiner persönlichen Erinnerung, da hat in der elektronischen Musik immer mehr der DJ sozusagen die Kontrolle genommen. DJs haben Acts gemacht. Ihr habt aber so euch dem Techno-Beat sozusagen nicht unterworfen, sondern ihr seid weiterhin den Weg gegangen, so mehr so Ambient und da neues Terrain auch zu erkunden. Ich finde es hochinteressant, eigentlich so diese Connection. Kannst du damit was anfangen, wenn ich das so sage? Und war dir das damals auch bewusst, welchen Weg ihr geht, also als eine Alternative zu den ganzen aufkommenden Techno-Sachen?
Ja, also als Alternative schon, aber irgendwie, das könnte ich, kann man natürlich dann unter Umständen stolz sein, wenn man heute so eingeordnet werden würde, von Bach über Kraftwerk Wolfsheim. Also wenn wir da irgendwie stattfinden, danke, danke, wenn du das so siehst. Habe ich damals noch nicht so sehen können, aber also eine Gegengeschichte schon. Also mit Techno konnte ich selbst dann gar nichts mehr anfangen. Ich fand es aber okay, ne, es ist eben halt eine andere Musik, anderer musikalischer Ausdruck, weil wir ja als Wolfsheim auch irgendwie auch oftmals konfrontiert waren mit dem Gedanken, dass wir ja gar keine echte Musik machen. Das war damals wirklich noch so im Gespräch, ne. Also Samples und so, das macht man ja gar nicht mehr selber. Also quasi vielleicht eine ähnliche Diskussion, die heute vielleicht jemand durchmachen muss, der irgendwie mit KI arbeitet und komponiert oder sowas, ne. Das ist ja auch wieder ein ganz anderer Schritt. Und das war damals so ein bisschen diese Sample-Geschichte. Ich selbst hatte damals Eigentlich wollte ich irgendwie was mit Film machen, aber irgendwie alles VHS und so fand ich damals irgendwie noch nicht so toll. Irgendwie die Technik, das sah irgendwie fürchterlich aus. Ist dann doch Musik geworden. Ich glaube, 1984 hatte ich, oder '85 hatte ich mir mein erstes Synthie gekauft, damals den Juno-6, dann MS-20. Und ja, das war möglich, weil die Geschichten damals so günstig wurden, die ganzen anderen, also die älteren analogen Synthies ohne MIDI. War immer der nächste technische Schritt eben halt, ne. Das, oh Gott, Axel, du weißt es bestimmt, ich vergesse immer, Musical Interface Digital, nee, Digital ist es nicht, aber irgendwie das kam dann raus. Alle haben ihre alten Geschichten, ihre Analog der 80er, genau, Anfang der 80er war es, ja, genau, die Geschichten verkauft, die diesen Anschluss noch nicht hatten. Und dann konnte man das relativ günstig aufkaufen. Da waren dann später viele Maschinen bei, die heute so ein Kultstatus haben, die TB-303 irgendwie, die hat wahrscheinlich noch für 300 Mark verkauft, Ich schätze mal, funktioniert dieses Gerät, wird heute weit über 3.000 Euro kosten. Ich hatte es aber für noch weniger gekauft. Das haben Leute wirklich so quasi als Schrott verkauft irgendwie. Und für mich war das dann in den 90ern, nee Quatsch, ja doch, frühe 90er bin ich da so auf den Gedanken gekommen, dass man das eventuell mal alles in seinem Computer haben wird. Ich habe Kabel nicht wirklich geschätzt und ich habe es auch nicht geschätzt irgendwie, dass man CDs noch stimmen musste und dergleichen. Und ja, so um 2000 rum war es dann für mich soweit zu sagen, habe ich es dann wirklich alles im Laptop gehabt, ich glaube 2002. Und das konnte ich Anfang der 90er selbst noch gar nicht so weit sehen. Ich dachte immer nur, alles zum Computer haben, habe dann aber noch so einen großen Personal Computer vor mir gesehen und nicht unbedingt Laptop. Und das war eine schöne, das ist eine schöne Entwicklung, das mitbekommen zu haben. Insofern bin ich heute da aber auch immer noch offen, wenn es dann irgendwie neue Impulse gibt, durch was auch immer, Wissenschaft, Kapitalismus oder sowas, also dass dann irgendwie mitzubekommen, was da läuft. Selbst habe ich mich jetzt noch nicht viel drum gekümmert, über, also mit AI zu kombinieren, komponieren. Aber ich würde da mich jetzt nicht unbedingt per se verschließen wollen, weil ich glaube, dass ich jetzt irgendwie die Weisheit gefressen habe, nur weil ich in den 80ern, 90ern aufgewachsen bin.
Ja, wo du jetzt bei den 80ern bist, das war ja eigentlich auch der Startpunkt für Wolfsheim. Also das war ja Ende der 80er, habt ihr ja angefangen. Etwas unruhigen Anfangs— Anfängen hat—
gab es da ja '92 das erste Album.
Und was mir dabei sehr aufgefallen ist, ihr seid ja eigentlich extrem treu gewesen. Zum einen Strangeways als Label, habt ihr ja eigentlich durchgehend mitgearbeitet bis zum Schluss. Also auch das ist nicht unbedingt zwangsläufig so. Also das war die eine Sache. Und die zweite war sicherlich der José Álvarez Brill, mit dem ihr ja als Produzenten sogar beim letzten Album ja noch mal offensichtlich noch mitgearbeitet habt. Das heißt auch da wart ihr eigentlich sehr, sehr treu, was euer Umfeld betrifft. Ja, das hat mich sehr gefreut, muss ich sagen, fand ich auch sehr gut. Aber dennoch kam es dann ja doch zu unserer Zusammenarbeit. Da wart ihr auf der Suche eigentlich nach was, doch dann doch nach einer Erweiterung zumindest?
Ja klar, also ab einem gewissen Punkt, also die ganze Zeit irgendwann, wenn das irgendwie zu eingetretene Pfade waren, also irgendwann hat man schon mal das Gefühl, dass man die auch wieder verlassen kann. Es hat auch oftmals ein bisschen was mit Kolonialität zu tun, dass man dann sagt, irgendwie, weißt du, jetzt sind wir mit dem und dem groß geworden, das können wir jetzt ja nicht einfach tschüss sagen oder sowas, weißt du. So, du kamst das dann auch bei dem Rosé, dass wir ihm dann noch ein Stück angeboten hatten für das neue Album, oder 2 waren sonst immer, weiß ich jetzt gar nicht mehr im Nachhinein. Nee, klar, einfach mal so gucken, was, was gibt's noch, was kann man noch machen. Und also so eine Mischung aus sich irgendwie alle alte Zöpfe abschneiden, aber mal ein bisschen weiter gucken. Also wie gesagt, ich hätte dann ja auch gerne, auch wenn es noch ein weiteres Album gegeben hätte, dann auch wieder geguckt, also weißt du, wie kann man das Ganze wieder reduzieren, Das wäre unter Umständen der schwerere Schritt gewesen. Das ist also, wenn man vorher gewöhnt war, groß zu produzieren, dann zu sagen, bewusst eine bewusste Entscheidung zu fällen, wir gehen jetzt wieder einen Schritt zurück, weil ich glaube, das ist auch eine Kunst für sich. Also ich wüsste gar nicht, wie das ist, heute mit Musik anzufangen, dass du alles zur Verfügung hast, Millionen von Sounds irgendwie. Das kann, glaube ich, auch überfordernd sein. Und man war, als ich angefangen hatte, eben halt so limitiert, dass man eben halt lernen musste, mit den, mit den, mit der geringen Auswahl auszukommen. Wenn ich das heute irgendwie halt höre, wie OMD das gemacht haben, denke ich so, ja siehste, dadurch haben sie aber auch einen eigenen Charme irgendwie, einen eigenen Stil, gerade so die ersten Alben, weil sie mit günstigsten Mitteln und viel, viel Kreativität was geschaffen haben. So, ne. Und ja, als ich später, kommen wir ja später wahrscheinlich noch zu, als ich jetzt mit Renard dann gestartet bin, irgendwie habe ich ja auch ein neues junges Team gehabt irgendwie, und da ist es dann auch schön, zu sehen, irgendwie wie man was einfließen lassen kann, was Neues, ohne seine eigenen Wurzeln zu verraten. Dann kann man es nämlich auch immer wieder was Neues schaffen. Also wenn man sich jetzt nicht nur so der Zeit anbiedert, weil man sieht, ja, das bin ich irgendwie, das würde ich machen. Und da habe ich für mich über die Jahre gelernt, also wenn das in mir eine Emotion auslöst, dann ist es eigentlich okay. Also ich brauche es dann nicht weiter irgendwie begründen oder so was. Wenn ich, ich glaube, ich versuche immer wieder, mich in diese Stimmung, die ich irgendwie als Jugendlicher erfahren habe, oder vielleicht auch als Kind, als ich es, wenn ich Carlos gehört habe, immer dieses Gefühl wieder zu reproduzieren. So, das ist glaube ich so bei mir als Musik so der Trick.
Ja, also dazu müsste man vielleicht jetzt dann doch noch mal hören, also ihr wart ja dann doch sehr erfolgreich als Duo. Das heißt mit anderen Worten, ihr habt ja auch wirklich, wie viele Jahre wart, habt ihr denn zusammengearbeitet, also Peter und du?
Ja, also weniger als es jetzt schon Geschichte ist, ne. Also ich glaube von '87 bis, Gott, wann war es offiziell Ende 2006.
Ja, 2006, richtig. Ja, es hat mich, insofern war ja seine Stimme dann doch also auch sehr prägend, das muss man ja nun mal wirklich sagen. Dennoch, so ein Split kam ja nicht von ungefähr. Und wer jetzt das denkt, okay, ich guck mal bei Wikipedia rein, da sieht das ja so aus, als ob er, als ob du derjenige wärst, der gesagt hat, also mit dir nicht. Also ja, Wie muss man das denn sehen?
Ich kann ja nur vermuten, wer sehr viel Sorge getragen hat, den Wikipedia-Eintrag so zu drehen, dass es irgendwie so ein bisschen wirkt, als wäre es meine Idee gewesen. Peter Heppner hat damals einen Solo-Vertrag unterschrieben und hatte mir gesagt, Wolfsheim wird nur weiter, wenn er fortan 80% bekommt. Also er hat irgendwie auf einen, also ich glaube, es ist eben halt ein kleines, viele Menschen haben da damit ein Problem mit Erfolg irgendwie und glauben dann, also ich glaube, er hat sich eine Zeit lang, vielleicht auch bis heute, eingebildet, dass er das alles gemacht hat. Und das kann ich so natürlich nicht stehen lassen, also weil man arbeitet nicht irgendwie daran, um es dann irgendwie dem Kommerz preiszugeben, so. Und das klingt auf einmal nur noch umgerillt. Er kam dann aber nicht wieder. Also ich habe es erstmal ein Jahr sacken lassen, und dann hat sich aber gemerkt, aber dass er auch nicht zurückkommen wollte, weil er da irgendwann bei Warner, glaube ich, unterschrieben hatte, so dachte ich irgendwie, gut, dann will ich aber als Wolfsheim weitermachen. Die Freiheiten muss ich mir ja nehmen irgendwie. Ich habe keine Lust damit aufzuhören. Ich wusste natürlich, dass es dann unter Umständen Probleme geben wird. Was heißt Probleme? Aber dass natürlich viele Wolfsheim als Duo eben halt sehen und auch natürlich die Stimmenträger ist. Aber das wäre mir dann ja auch egal gewesen, wenn es dann kommerziell weniger erfolgreich gewesen wäre. Ich hatte aber gar keine Lust, an dem Projekt aufzuhören. Aufzuhören. Das Ganze, ja, ich habe dann gedacht, ich kann da gerichtlich was machen, kann weitergehen. Die Gerichte haben es irgendwie anders gesehen, obwohl wir vertraglich eigentlich so gebunden waren, dass er hundertprozentig irgendwie seine Arbeitsenergie hätte Wolfsheim geben müssen. Hat er ja nicht mehr. Aber naja, Gerichte, das ist irgendwie genau auf hoher See. Und wie sagt man, vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Das hatte leider überhaupt nichts, irgendwie gar nichts bewirkt. Und Da habe ich dann einmal noch gemerkt, irgendwie, das kann ja, also das, ich hatte, ich hatte ja Peter schon Stücke gegeben für ein neues Album, also dieses Album, was ich ja schon im Kopf hatte, das so ein bisschen reduzierter hätte wieder sein sollen, meines Erachtens, so, das wäre meine Idee gewesen, schon gesagt und erwähnt. Er hat die Stücke von einem Gutachter begutachten lassen, der beweisen sollte, dass die künstlerische Schöpfungshöhe nicht groß genug ist, also weil er hatte sich so gesehen, dass ich ja als Musiker eigentlich nichts wert bin, einer solch göttlichen Stimme irgendwie solche Sachen vorzuspielen, die eben halt Wolfsheim auch immer ausgemacht haben. So, und für mich war das dann eine Genugtuung, als eines dieser Stücke, die er da hat begutachten lassen— übrigens hat der Gutachter das auch gar nicht herausgefunden, was er haben wollte, er hat das vielleicht so interpretiert— dann mit Marion Gold, also das Hotel ist ja jetzt mit Marion Gold, das Stück, also von der Instrumentierung her, hätte auch ein Wolfsheim-Track werden können. Und selbst das, was jetzt auf meinem Renard-Album gelandet sind, waren dann alles eigentlich auch noch Songstücke.
Ja, letztendlich ist es ja so, gut, wir haben jetzt diesen Split. Vielleicht ist es ganz gut, mal zu erklären, weil der dann ja doch eigentlich auch völlig unberechtigterweise ja natürlich dann auch so der Split, der ja offensichtlich vorher halbe-halbe war, dann zu seinen Gunsten auch noch gemacht werden wollte. Ich glaube, da müsste man vielleicht noch mal etwas mit einhaken und fragen, wie war denn eure musikalische Aufteilung, sodass man da mal so einen Einblick bekommt?
Was war jetzt deine Sache?
Was hat hast du gemacht? Wie, und wie sind daraus auch die Titel entstanden von Wolfsheim?
Also wir hatten, also oben, es ist natürlich Urheberrecht, ist ja eine Sache, aber wir haben, oder die Schöpfung, wir hatten intern eine Fifty-fifty-Regelung, weil es müßig ist, im Nachhinein dann sowas zu sagen, ja, aber ich habe hier die Note geschrieben, ich habe ja hier bei dem Text noch mal gesagt, irgendwie, ne, streicht das mal raus oder sowas, oder macht das so und so noch mal, weil jetzt ist das irgendwie wie die Hook und blablabla. Es ist total wüst. Ja, das Einfachste ist eben halt 50/50. Das hat auch Jahre gut geklappt, so, und dann halt irgendwann nicht mehr. Und die Songs eigentlich so, dass ich irgendwie meistens angefangen habe, teilweise waren sie komplett fertig, die Songs, und dann hatte irgendwann Peter sich mehr eigentlich irgendwie halt um den Text gekümmert und die Gesangslinie. So, das im Großen und Ganzen war so, und es gab auch irgendwas Schneiden und Anrichtung.
Ja, also ich habe das ja so kennengelernt, dass du wirklich, also vielleicht jetzt noch mal, musikalisch gesehen kennt man das ja im Allgemeinen so, dass jemand eine Komposition macht, dass man so Melodie hat, spielt mit Klavier oder Ähnliches. Ich habe bei euch aber auch so das gesehen, wie ich das eben auch als Band kennengelernt habe, dass irgendjemand anfängt und sagen wir mal, das Playback oder das, was im Hintergrund Instrumental läuft, zu kreieren. So habe ich es auch bei euch kennengelernt und sozusagen dann in einem zweiten Schritt zu sagen, okay, jetzt brauchen wir, jetzt soll der Gesang erfolgen darauf und dass dann also eine Melodie dazu kommt, die du ja vielleicht auch schon mit beeinflusst hast, die auch aufgrund der Akkordfolge, die dann im Hintergrund läuft, ja manchmal auch so intuitiv sowieso beeinflusst wird. Das ist ja auch ein ganz wichtiger Prozess. Dass man, sagen wir mal, mit der Hintergrundmusik eigentlich so bestimmte, wie du schon schön vorhin gesagt hast, dass man da ja auch eine Gefühlswelt in einem hochkommt, die dann sozusagen sich auch im Gesang ja immer ausdrückt. Das ist ja auch das Wichtige. Und das hat euch ja auch ausgemacht. Und ich weiß nicht, wie viele Titel ihr zusammen geschrieben habt, also aber mit Sicherheit über 50. Also dass man dann sozusagen sagen kann, dass da doch dass das eine große Inspiration ist für denjenigen, der danach halt die Melodieführung und natürlich auch aufgrund dieses, dieses Gefühls her auch einen gewissen textlichen Rahmen hat.
Auf jeden Fall, das ist wichtig, das ist eben das Fundament. Aber natürlich, die meisten Hörer fokussieren sich halt auf die Stimme, weil wir als Menschen kommunizieren über Stimme. Es ist klar, dass man das dann meint zu verstehen. In den letzten 10 sagt irgendwie, ich liebe dich, jemand hört einen Song, glaubt jetzt irgendwie, der Song als solches, als Gesamtkomposition löst eine Emotion aus, sowas wie Liebe oder Romantik oder so, dann glauben sie eben halt, der Auslöser kommt durch die Stimme. Das drunter wird nicht weiter beachtet, weil das eben eine Sprache ist, die wir nicht irgendwie benutzen zur Kommunikation. Das ist irgendwie nicht jedem bewusst und so ist das natürlich irgendwie. Und bei Wolfsheim ist aber auch noch ein bisschen Ja, also dass die Songs dann eher da waren. Es ist nie, also kann ich glaube ich zu 100% sagen, nie andersrum gelaufen. Es gab eine Gesangsmelodie und dann wurde dazu die Instrumentierung geschaffen und das Ganze natürlich so eingebettet irgendwie, ne, die Stimme. Und das habe ich ja auch gemerkt, als ich dann mit den anderen Künstlern bei meinem Reinhardt-Album zusammengearbeitet habe, wie ich dann eben halt auf die Stimme dann auch wieder in der Produktion eingehen kann. Sagen wir so, es gab einen gesamten Song oder vielleicht auch nur eine Idee dazu. Dann eben die Frage, kannst du dazu singen? Ja, und dann hat man eben halt produziert und unter Umständen bei der Produktion ist man dann noch mal auf die Gesangslinie eingegangen, um sie besser einzubetten, weil dann vielleicht irgendwo noch mal irgendwie eine Note gefehlt hat oder noch eine Harmonie oder vielleicht doch eine andere Rhythmik dann irgendwie besser gewesen wäre. So ist dann eben halt dieses Organische entstanden. Und ja, bei Wolfsheim, das gehört auch noch mal dazu, kam natürlich eben halt dazu, als dann an dem Moment, als viel Geld da war, sind natürlich viele Berater und so was gekommen, die dann eben halt auch gedacht haben, ja, den Rainer, den könnten wir ja eigentlich, den braucht ja keiner und so was. Weißt du, so, das ist irgendwie, die meisten hören ja irgendwie nur die Stimme, die sehen das Ganze natürlich nicht, wie es gewachsen ist, und haben oftmals erschreckenderweise, also auch gerade bei den Plattenfirmen, erschreckenderweise so null Ahnung von Musik gehabt. Also das war zumindest mein Empfinden. Und die hatten vielleicht eine Idee, wie sie Geld machen können, aber von der Musik selbst irgendwie keine Idee. Und Peter Heppner hat ja damals dann oft zu hören bekommen, dass er auch das Telefonbuch singen könnte, und Ich glaube, das stimmt ja nicht. Das hat er vielleicht mittlerweile auch wahrgenommen. Es gab ja, aber ich glaube nicht, dass er sich nochmal seinen damaligen Entschluss irgendwie wirklich, dass er sich da nochmal zurücknehmen könnte und sagen könnte, ich habe einen Fehler gemacht. Es gab ja mittlerweile schon 3 ernsthafte von außen kommende Versuche, Wolfsheim wieder zusammenzubringen. Und jetzt beim letzten gerade, das ist irgendwie gerade vor 1, 2 Wochen zu Ende gegangen, Also das hat Peter kategorisch abgelehnt. Und witzigerweise hatte irgendjemand auf Wikipedia aber ganz viel Wert drauf gelegt, dass der Satz drin steht, dass Peter Heppner gerne mit Wolfsheim weitermachen würde wollen und dass nur der böse Markus Reinhardt das nicht tun wollte oder auch nicht tun möchte. Und naja, es ist egal. Ich setze mich da jetzt nicht bei Wikipedia hin, um irgendwie daran rumzuschrauben und dann meine Geschichte der Wahrheit da reinzubringen. Das können dann gerne andere machen. Das war nicht so doof.
Ja, liebe Musikfreunde, ihr kennt ja den blöden Spruch: Immer wenn es am spannendsten ist, soll man aufhören. Aber hey, die gute Nachricht ist, wir werden natürlich den Faden hier aufgreifen. Hochspannend, was Markus gerade erzählt. Wie war das Ende von Wolfsheim? Und ist ja nicht ganz so im Feinen auseinandergegangen. Das werden wir natürlich in einem zweiten Teil dann wieder aufgreifen bei FRAX Music. Bis dahin gilt für euch: Danke fürs Einschalten. Und auch weiterhin diesen Kanal abonnieren, liken, hypen und seid gespannt auf den zweiten Teil bei FRAX Music mit Markus Reinhardt.
Bis dann!
