NDW war mehr als Nena – Neue Deutsche Welle mit Peter Schilling, Spliff, Markus, DAF | FRAX Music 14
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Zusammenfassung
In der 14. Folge von FRAX Music tauchen Axel Breitung und Frank Engelmayer erneut tief in die Welt der Neuen Deutschen Welle (NDW) ein. Im Fokus stehen diesmal nicht die immer gleichen Namen, sondern Künstler, die das Genre maßgeblich geprägt und weiterentwickelt haben: Peter Schilling, Spliff, Markus und DAF. Die Hosts diskutieren, warum NDW weit mehr war als nur Nena und „99 Luftballons“ und wie Songs wie „Major Tom (völlig losgelöst)“ von Peter Schilling internationale Erfolge feiern konnten.
Peter Schilling steht exemplarisch für den internationalen Durchbruch deutscher Musik in den 80ern. Sein Song „Major Tom“ wurde nicht nur in Deutschland ein Hit, sondern schaffte es auch in die US-Charts – und das, obwohl die amerikanischen Hörer die deutsche Version bevorzugten. Die Hosts beleuchten, wie Schilling mit „Fehler im System“ und „Die Wüste lebt“ den Zeitgeist der frühen 80er einfing: Kalter Krieg, Umweltängste und das Gefühl einer bedrohten Generation spiegeln sich in seinen Texten wider. Besonders spannend ist die Verbindung zu David Bowies „Space Oddity“: Schillings Major Tom ist eine Hommage an Bowies Astronautenfigur, aber mit einer eigenen, kritischen Note zur Technikgläubigkeit und Entfremdung der Moderne.
Ein weiteres Thema ist der Fluch und Segen des One-Hit-Wonders. Die Hosts diskutieren, wie es sich anfühlt, wenn ein Künstler wie Peter Schilling oder Matthias Reim auf einen einzigen Song reduziert wird – und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. Sie geben Einblicke in das Musikerleben hinter den Kulissen und sprechen offen über die Herausforderungen, die mit einem übergroßen Hit einhergehen.
Mit Spliff rückt eine Band ins Zentrum, die aus der legendären Nina Hagen Band hervorging. Die Musiker von Spliff waren keine typischen NDW-Vertreter, sondern vielseitige Künstler, die mit Songs wie „Carbonara“ und dem Album „Spliff Radio Show“ NDW-Geschichte schrieben. Die Hosts würdigen die musikalische Qualität und den Einfluss von Spliff, die sich zwischen Rock, Funk und satirischem Pop bewegten und damit weit über das Klischee der NDW hinausgingen.
Abgerundet wird die Folge durch einen Blick auf weitere NDW-Acts wie Markus und DAF, die mit ihrem Elektropunk und provokanten Stil das Genre erweiterten. Die Diskussion zeigt, wie vielfältig und innovativ die NDW war – und wie sie bis heute nachwirkt, etwa wenn „Major Tom“ als Torhymne bei der Fußball-EM eine neue Generation erreicht.
FRAX Music #14 liefert damit nicht nur spannende Anekdoten und persönliche Einblicke, sondern auch einen fundierten Überblick über die kulturelle Bedeutung der NDW jenseits der bekannten Chartstürmer.
Playlist zur Folge
Hintergrund & Kontext
Die Neue Deutsche Welle (NDW) entstand Ende der 1970er Jahre als Teil einer weltweiten Bewegung, die Punk, New Wave und elektronische Musik miteinander verband. In Deutschland entwickelte sich daraus ein eigenständiger Stil, der erstmals konsequent auf deutsche Texte setzte und damit ein neues Selbstbewusstsein in der Popkultur schuf. Während internationale Acts wie Kraftwerk den Weg für elektronische Klänge ebneten, griffen NDW-Künstler gesellschaftliche Themen wie Umweltzerstörung, Kalten Krieg und die Angst vor der Zukunft auf – Themen, die damals wie heute aktuell sind.
Die NDW war nicht nur musikalisch innovativ, sondern auch ein Spiegel gesellschaftlicher Umbrüche. Junge Menschen suchten nach neuen Ausdrucksformen und einer Abgrenzung von der Elterngeneration. Die Musik war oft ironisch, experimentell und provokant. Bands wie DAF brachten mit minimalistischen Beats und politischen Texten eine neue Radikalität in die deutsche Musikszene, während Gruppen wie Spliff oder Ideal Pop und Rock mit elektronischen Elementen kombinierten.
Der internationale Erfolg einiger NDW-Songs, darunter „99 Luftballons“ und „Major Tom“, zeigte, dass deutsche Musik auch außerhalb des deutschsprachigen Raums funktionieren konnte. Die NDW ebnete so den Weg für spätere Generationen deutschsprachiger Künstler und bleibt bis heute ein wichtiger Bezugspunkt für Pop, Rock und elektronische Musik aus Deutschland.
Häufige Fragen
Was ist der Song 'Major Tom' von Peter Schilling und worum geht es?
'Major Tom (völlig losgelöst)' ist ein NDW-Hit von Peter Schilling aus den 80ern. Der Song erzählt die Geschichte eines Astronauten, inspiriert von David Bowies 'Space Oddity', und thematisiert Technik, Entfremdung und Zeitgeist.
Welche Bedeutung hatte die Neue Deutsche Welle für die deutsche Musikszene?
Die Neue Deutsche Welle brachte frischen Wind in die deutsche Musiklandschaft der frühen 80er. Sie verband Punk, Pop und elektronische Musik und machte deutsche Texte international populär.
Welche bekannten NDW-Künstler gibt es außer Nena?
Neben Nena zählen Peter Schilling, Spliff, Markus, DAF (Deutsch Amerikanische Freundschaft) und viele weitere zu den prägenden NDW-Künstlern.
Warum wurde 'Major Tom' zur Torhymne der deutschen Fußballnationalmannschaft?
Seit der EM 2024 wird 'Major Tom' nach Toren der deutschen Nationalmannschaft gespielt. Der Song steht für Aufbruchsstimmung und verbindet Generationen durch seinen Kultstatus.
Was unterscheidet Spliff von anderen NDW-Bands?
Spliff entstand aus der Nina Hagen Band und war musikalisch vielseitig. Sie verbanden NDW mit Rock, Funk und satirischen Texten, was sie einzigartig machte.
Gesprächs-Transkript
Hallo liebe Musikfreunde, hier ist Teil 3 von unserer mittlerweile schon legendären NDW-Reihe. Heute wieder mit ein paar ganz großen Namen, z.B. Peter Schilling und Spliff und dem Ich-will-Spaß-Markus und ein bisschen Elektropunk mit der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft. Jetzt hier auf FRAX Music, bleibt dran! Hallo, willkommen bei FRAX Music, wo es hier weitergeht jetzt mit der NDW. Und die nächste Platte, die wir euch vorstellen, ist auch einer der Gigantensongs aus der Neuen Deutschen Welle, ein unzerstörbares, zeitloses Teil. Wir könnten es auch singen für euch, aber lass uns lieber drüber reden, über Peter Schilling.
Genau. Ja, Peter Schilling ist einer der Erfolgreichsten, muss man wirklich sagen. Er hat ewig und drei Tage die Nummer 1 völlig losgelöst und auch der zweite Titel ging auch noch mal sehr gut, muss man wirklich sagen.
Die Wüste lebt.
Die Wüste lebt, genau richtig. Und deshalb gehört er natürlich auch ganz sicher dazu, dass man ihn hier bespricht. Und unter anderem, er hat es auch geschafft, tatsächlich international erfolgreich zu sein. Er ist also sozusagen der vierte Titel von denen, die es geschafft haben, in die internationalen Charts zu kommen, in den Staaten. War jetzt also nicht groß, aber immer noch Top 50 gewesen. Top 30, glaube ich, wenn ich mich recht erinnere. Das will was heißen für einen deutschen Song, denn auch der ist ja nun mal aus hier komponiert. Ich meine, es wäre sogar die englische Fassung gewesen, die es dort geschafft hat, denn das haben sie noch mal übersetzt.
Das ist schön, dass du sagst, weil ich wollte dich gerade fragen, gab es da nicht auch eine englische Fassung? Ich meine mich zu erinnern, da gab es extra, manche sagen von den NDW-Songs hat man extra für den amerikanischen Markt noch mal auf Englisch gemacht, von denen natürlich auch die 99 Red Balloons. Aber tatsächlich, letztes Jahr Volker, gesagt man immer im Original. Leute in Amerika wollten das gar nicht auf Englisch hören, die wollten es auf Deutsch hören, so damit es eben auch ein bisschen exotischer klingt.
Das ist richtig, dazu muss man aber ergänzend sagen, dass nur die Briten haben darauf bestanden, 99 Red Balloons wollten sie haben. Die Amis haben nämlich genauso wie du gesagt hast, die haben es in deutscher Sprache genommen und es hat auch im Allgemeinen eher die deutsche Sprache erwischt als Englisch. Das ist interessant, finde ich, weil das sagt viel.
Fällt mir auch gerade noch ein: Kraftwerk, das Model. Da gibt es auch eine englische Version und die wiederum, da ist wieder in England, ist The Model, ich glaube, es waren 3 oder 4 Jahre nach der Veröffentlichung, weil es ist noch 70er Jahre, ist es aber dann Anfang der 80er, 81, als dann auf einmal diese New Wave Synthie-Geschichten in voller Blüte waren. Da war auf einmal Kraftwerk wieder cool und das ist dann in England noch mal richtig hochgegangen. Wenn es nicht sogar Nummer 1 war, aber in den Top Ten. Aber auf der englischen Version. Also die Engländer wollten das Deutsche nicht so hören, während die Amerikaner, für die war das eine exotische Sache, so das Deutsche haben wir auch irgendwann mal schon mal bei Rammstein.
Ja, genau, genau. Wobei man sagen muss, das scheint auch ein generelles Thema zu sein, weil auch BMW hat mit Deutschen, das Fahrvermögen, ja, hatten die ja auch mit geworben, mit Deutschland eben und dem Deutschen halt eben. Peter Schilling hat eigentlich im Prinzip damit ja auch gerade erst, möchte ich sagen, ist er ja wieder genommen worden, soweit ich gehört habe. Weißt du darüber mehr? Dieser Artikel hat ja—
Peter Schilling ist wieder ganz groß und in aller Munde. Nicht zuletzt wegen Fußball. Es hat da seit letztem Jahr, also 2025 war glaube ich im Sommer die Europameisterschaft im Fußball, war die sogar in Deutschland, und seitdem ist Peter Schillings Major Tom völlig losgelöst. Das ist die Torhymne geworden für die deutsche Fußball-Nationalelf. Wenn die ein Tor schießen und das Spiel ist in Deutschland, dann läuft Völlig Losgelöst. Und das hat natürlich auch wieder eine komplett neue Generation an Hörern erreicht, weil Fußball ist ein Riesending in Deutschland und die kennen jetzt auch alle Peter Schilling. Und feiern das halt ab, weil es auch wirklich einfach unsterblich ist. Spannend bei der Platte, weil wir haben schon gesagt, die Wüste lebt, ist der zweite bekannte Song darauf. Die Platte selber heißt Fehler im System. Da kommt halt auch was, was auch diesen Zeitgeist Anfang der 80er widerspiegelt, was heute auch wieder ganz stark ist. Heute gibt es viele junge Leute, die sagen, ja, wir sind die letzte Generation. Die Angst vor ökologischen Desaster, vor Umweltzerstörung, möglicherweise, dass alles den Bach runtergeht auf der Erde. Das ist Anfang der 80er auch schon ein ganz starkes Thema gewesen im Zeitgeist. Kalter Krieg, Atomwaffen. Da gibt es unendlich viele Songs, nicht nur in der NDW. 99 Luftballons ist auch so ein Lied. Aber auch in Englischen gibt es ganz viele Songs, die das thematisieren. Und das ist so ein Album, was wirklich voll diesen Zeitgeist einatmet. Fehler im System, die Wüste lebt, Ökologie, die am Kollabieren ist und so weiter. Und das finde ich auch total interessant, weil es heute für viele Leute so wichtig ist. Aber ich kann dir nur sagen, Anfang der 80er, wir waren auch schon die letzte Generation. Wir waren auch schon Generation X, Alex.
Ja, genau, stimmt. Letztendlich ist es ja auch dann, um noch eine Katastrophe dazuzunehmen, war ja die Sache mit den Bäumen, die dann ja alle so schlecht waren, dass die Baumkronen runtergefallen sind.
Das Waldsterben, das FCKW, das war alles so 80er.
Ja, das ist alles 80er, du hast vollkommen recht. Also wie gesagt, das gehört alles mit rein in das ganze Thema. Also insofern ist er da seiner Zeit fast ein bisschen voraus gewesen.
Eins sollte man vielleicht bei der Platte erwähnen und bei diesem Mega-Hit völlig losgelöst. Wer ist denn dieser Major Tom, von dem er da immer singt, der Schilling?
Ich weiß es nicht.
Na, das ist doch eine Hommage an den großen David Bowie, der in den 60ern Space Oddity geschrieben hat. Damals, als tatsächlich so diese Apollo-Missionen zum Mond waren, David Bowie diesen Jahrhundertsong Space Oddity geschrieben. Und das ist ja die Story von Major Tom. Schon in dem Bowie-Song ist Major Tom jemand, der in diesem ganzen technischen Ding, wo alles perfekt perfekt läuft und überall, und der bringt ja dann auch diesen, das in Texten rüber, die ganzen Wissenschaftler und Experten und Ingenieure alle am Leisten ihrer Arbeit, Hochrechenmaschinen. Und dann ist aber da der menschliche Faktor. Und es ist schon beim Bowie-Song eben Major Tom, der, das ist dann diese Anspielung auf die 60er, auf Drogenheld, der einfach loslässt, weißt du, und dann sich verabschiedet von der Erde. Und hier ist es auch so, so ein Zitat von dieser Major Tom Story von Peter Schilling. Major Tom macht einen Scherz. Also alle sind vorbereitet, aber er drückt das rote Knöpfchen, er zieht mal an dem Hebel und die Rakete startet, ist dann eben nicht mehr kontrollierbar. Und genauso wie bei Bowie die Tin Can, die Zinndose, die dann sich im endlosen All verliert. Das ist dann bei Major Tom auch noch. Und auch das ist einfach so ein genialer Move, oder? Von Peter Schilling diese Major-Tom-Story wieder aufzugreifen, auch international. Dann natürlich wissen Leute, was damit anzufangen.
Die Frage wird sein, ob völlig losgelöst der erste Gedanke war und der zweite war der Gedanke Major Tom oder war es umgekehrt? Also das ist manchmal so eine sehr gute Frage, sehr schwer herauszufinden.
Aber ich denke, es passt eben auch in dieses ganze Thema, was er in seiner Platte hatte. Also so diese Kritik auch an der Technik und an dem modernen Menschen und der entkoppelte Mensch, der keine Natur-Connection mehr hat. Da passt es natürlich auch rein, dieses Major-Tom-Thema, diese Raumfahrt und dort vielleicht in diese Perfektion, die die Raumfahrt verlangt, dort diesen Chaosfaktor reinbringen. Ich denke, der hatte auch dieses Major Tom Thema schon immer im Kopf, auch dass es ihm halt hier gut reinpasst.
Ja, wie immer gibt es ja auch zu mir direkt eine Verbindung, denn ich hatte zusammen mit ihm angefangen, Songs zu schreiben für ihn. Also deshalb insofern habe ich auch Gelegenheit gehabt, mit ihm zu arbeiten. War nicht so begeistert davon, weil auch dort fand ich nicht, dass er— also du hast ja manchmal so dieses zielgerichtete Arbeiten, will ich mal sagen, und das war nicht zu spüren. Also es war irgendwas halt und dann hat sich ich mich dann ein bisschen verloren. Aber ich wollte nur sagen, es ist wahnsinnig schwer für jemanden, wenn er mit so etwas auf die musikalische Bühne und eigentlich im Prinzip ohne großartige Vorkenntnisse so in so ein Ding landet, das jetzt auch wirklich langfristig aufrechtzuerhalten. Das ist wirklich eine besondere Kunst.
Ich frage mich ja wirklich immer, Axel, ist so was Segen oder Fluch, wenn du so einen Song hast? Segen, weil okay, da kann wirklich ein Song, der kann dich dein Leben lang tragen. Gerade jetzt, wenn es wieder so gehypt wird und dann wird es wieder gespielt. Du kriegst ja immer wieder Tantiemen dafür. Wenn es bei Spotify einer anklickt, läuft was rüber. Wenn sie irgendwo im Radio läuft, das ist ein Segen. Aber auf der anderen Seite ist es doch als Mensch auch ein Fluch. Ich meine, du hast irgendwann in jungen Jahren hast du so dein bestes Ding rausgehauen und dein Leben lang. Jeder kommt immer nur Peter Schilling, hey Major Tom, los, immer das Gleiche. Das muss ja auch brutal wehtun als Künstler. Alles andere, was du gemacht hast, interessiert de facto niemanden. Das ist das einzige Relevante. Segen oder Fluch? Hast du auch Erfahrung mit solchen Sachen? So diese One-Hit-Geschichten, die einfach— wie würdest du sagen, ist es Segen oder Fluch als Musiker, wenn du so einen Hit hast?
Ich persönlich stehe ganz klar drauf, es ist ein Fluch. Also für mich wäre das keine Option, jetzt bis an sein Lebensende meinen selben Song zu spielen. Das ist für mich buh. Für jemanden, der versucht, in erster Linie kreativ zu sein, passt es einfach auch nicht, irgendetwas dauernd zu wiederholen zu müssen. Und das musst du wiederholen. Die Leute erwarten es und auch zu Recht. Also ich sehe es an so was wie Matthias Reim, für den ich ja jetzt so einige Songs wieder geschrieben habe, und der muss sein Verdammt, ich lieb dich bis an sein Lebensende spielen. Gottlob hat er wenigstens noch ein paar andere Titel, die auch wirklich sehr gut gelaufen sind. Also insofern ist er nicht ganz so, aber man reduziert ihn letztendlich wieder auf diesen einen Hit, der halt überproportional war, war '89. Jetzt ist es auch schon, wenn man mal kurz nachrechnet, auch schon weit über 30 Jahre wieder her, ja, dass der Titel da war, und seitdem spielt er den ständig, ja. Ich weiß nicht, wo dann die Herausforderung ist. Dann fangen die Leute aber auch an und sagen, ich muss ja was Neues reinbringen, ja, und fangen dann irgendwie an, Stellen völlig anders zu interpretieren, und die, die, das ist so befremdlich für die Leute, weil sie kennen ihn ja nur so, wie er da war. Das ist auch ein Fehler. Also du hast gar keine Varianz da drin. Du kannst das nicht ändern. Das ist nun mal so. Und wenn du das änderst, dann sind die anderen Leute da draußen unzufrieden. Ja, du machst es aber für die Leute. Wenn du auf die Bühne gehst, arbeitest du für die Leute. Und so sehen das auch die Interpreten im Allgemeinen. Und deshalb akzeptieren sie dann, wie auch Peter Schilling. Peter Schilling gleich Major Tom.
Richtig übel wird es ja dann, wenn du als Künstler auch nicht nur auf die Musik, sondern auch auf eine gewisse Mode, auf eine gewisse Zeit reduziert wirst. Vor ein paar Jahren habe ich Konzertplakate gesehen. Sweet kam wieder auf Tour. Und ich meine, weißt du, das ist Glamrock aus den 70ern. Das ist, wo diese mit so großen Plateaustiefeln unterwegs waren und die krassesten Klamotten. Aber das ist halt Sweet. Und auf dem Konzertplakat waren die wieder in diesen Klamotten. Da denke ich mir, das ist ja schon fast entwürdigend als älterer Herr. Du hast dann auch nicht mehr ganz den Knackarsch, dass du da in solche Kostüme gehst. Jetzt musst du dich wieder so anziehen, auf die Bühne gehen. Das hat schon fast was Entwürdigendes. Aber hey, das ist ja auch Sweet und das ist ja gar nicht Andy Wilk. Kommen wir zurück zu unserem Thema.
Ja, aber trotzdem, es ist ja wichtig, das zu sagen. Wir kommen jetzt als Nächstes zu Spliff Radio Show. Und jetzt sind wir in einem ganz anderen Feld, nämlich fantastische Musiker. Also diese Truppe kommt ja nicht von ungefähr. Als Nina Hagen Band haben sie damals schon richtig reingehauen. Also meine größte Bewunderung, also aus den 70ern für die deutsche Szene, war für mich damals die Nina Hagen Band. Die Jungs dahinter, Und das ist Spliff Radio Show. Die haben das gemacht und sind dann in der Neuen Deutschen Welle. Man zählt sie dazu. Man kann sich auch drüber unterhalten. Es ist wirklich Neue Deutsche Welle. Gut, das Blech, also sprich, da fliegt ja doch das Blech weg. Ich denke mal, das war okay, das würde man auch dazu packen. Bei Carbonara.
Carbonara war so ein Wahnsinns-Hit. Das war der Sommerhit 1981, 82. Ich weiß noch, das lief rauf und runter. Und dann bist du halt NDW, weil es ist halt genau in dieser Zeit. Aber wie du sagst, Die Typen selber, die sind da zufällig reingerutscht, weil die halt in der Zeit auf Deutsch, Carbonara ist auf Italienisch oder halb Italienisch, halb Deutsch, weil die halt in der Zeit auf einmal am Start waren. Und dann bist du halt in NDW, hat auch einen Vorteil, weil durch diese Welle, die konntest du auch mitreiten und da haben die alle auch unglaubliche große Erfolge gehabt. Nicht nur Spliff, sondern da würde ich auch reinwerfen Bands wie Klaus Lage. Ich meine, das ist Ruhrpott-Rock, weißt du, das ist, ich höre da jetzt gar nicht was gar nichts was mit dieser NDW oder New Wave zu tun, ist einfach Rockmusik. Oder aus München natürlich die Spider Murphy Gang. Ja, die hatten mit Skandal im Sperrbezirk schon so einen typischen NDW mit Synthiesongs, aber die meisten Sachen, die Spider Murphy Gang gemacht hat, ist einfach Rock'n'Roll, so 50er Rock'n'Roll, das war deren Ding. Der Sänger auch mit einer Rock'n'Roll-Tolle. Okay, jetzt sind wir halt NDW, super, nehmen wir natürlich mit, aber eigentlich haben die halt Rock'n'Roll gespielt. Das ist bei ganz vielen Bands so. Aber Spliff ist wahrscheinlich von all diesen Bands mit eine der allerbesten. Du hast schon das erwähnt, wie sie die Nina Hagen Band waren, und Nina Hagen, das ist Das ist ein paar Jahre vorher. Bester Album heißt Unbehagen. Das ist das mit African Raggae drauf und so. Das ist Weltklasse. Das ist aber nicht Neue Deutsche Welle. Weil Neue Deutsche Welle definiert sich dann eben auch durch so ein gewisses Zeitfenster. Wenn du in den 70ern auf Deutsch gesungen hast, bist du nicht NDW. Offensichtlich, es kam dann tatsächlich mit, wir haben ja schon drüber gesprochen, ab 1980 dann mit Ideal und so weiter, ab da. Oder du hast es gemeint, der Begriff kam von 1979, wo der den hatte. Vorher halt nicht. Aber die Typen waren natürlich Weltklasse. Und was auch interessant ist, Musikalische Mastermind von denen ist der Schlagzeuger gewesen, der auch gesungen hat. Was hat mir auch schon mal ein Schlagzeuger, der singt? Das ist nicht so oft, aber es ist was Besonderes. Bei Herwig Mitteregger, so heißt er, ist es eben auch so ein unglaublich großartiger Drummer, der auch so die Fähigkeit hatte, so Reggae-Sounds zu spielen wie eben für Nina Hagen. Also so die feine Klinge auch auf dem Hi-Hat, weißt du, so ein bisschen wie der Copeland von The Police. So in diese Richtung geht das. Mitterägger, super Schlagzeuger, aber eben auch als Songwriter, als Bandleader ein großartiger Typ. Und Spliff Radio Show war, glaube ich, somit die erste Platte. Die war auch noch ein bisschen wilder. Und dann das hier ist wahrscheinlich so das Opus Magnum von der Band. Einfach die Seriennummer 85555. Und ja, Spliff, absolut fantastische Band, großartige Musiker. Und ich gönne es denen so sehr, dass sie diese Welle geritten haben, weil die haben es echt verdient.
Deshalb habe ich sie auch wieder mit zum Live-Bild entsprechend reingebracht, weil darum ging es ja bei denen. Haben wirklich live dann auch wirklich gut gerockt. Die haben ja mit der Nina Hagen Band auch schon so gespielt. Die Frage noch mal wegen der Nina Hagen Band, die muss man vielleicht auch noch mal neu definieren. Wäre zum Beispiel Ich glotz TV von Nina Hagen früher, das wäre für mich ein idealer Titel vom Inhalt her, so wie er gebracht worden ist, für Neue Deutsche Welle gewesen. Aber er war wesentlich früher, also passte er nicht rein und dann war man schon durch, durch die Sache. Also er hätte für mich perfekt dazu gepasst.
An der Stelle auch mal die Frage so ganz allgemein: Was machen wir denn eigentlich beim Thema NDW mit der DDR? Da wurde auch auf Deutsch gesungen und auch zur selben Zeit. Aber was ist mit Bands wie City oder Karat, Der blaue Planet? Also selbst beim Blauen Planet, da kommt wieder dieses Thema Ökologie und so weiter, das war auch in der DDR so. Aber diese Bands ordnen wir nie der NDW zu, sondern sagen einfach, das ist Ostrock.
Genau, also wir denken an Am Fenster, ein ganz bekannter Titel von City. Ich habe den als DJ neu aufgelegt, also mit anderen Worten, der war dann auch in der Anfangszeit, 80, 81 müsste das ungefähr gewesen sein, wenn ich mich recht erinnere. Also das hätte auch mit reingepasst. Also auch da hat man das nicht gefunden. Gut, war textlich aber auch nicht jetzt so mit einer Provokation. Wir haben ja doch einige Provokationen auch dazwischen.
Das ging natürlich in der DDR nicht so einfach. Da war es wieder so und auch super spannend als Musiker, du musst es so umschreiben. Du darfst nicht direkt auf Konfrontation gehen. Gerade bei City Am Fenster, saust du am Fenster, die Freiheit, Fliegvogel, weißt du, am liebsten hätte ich Flügel, um dann eben über eine Mauer zu fliegen oder so. So kannst du das machen. Aber du konntest das nicht irgendwie so direkt kritisch machen, wie das bei manchen von diesen NDW-Sachen war. Keine Ahnung, wir haben ja schon Polizisten genannt und so. Das waren die, da war ich so als 10-, 11-, 12-Jähriger, war ich geschockt. Habe so gehofft, dass das meine Eltern nicht hören, weil da gibt es vielleicht Ärger, wenn meine Eltern so subversive Musik hören. Aber ich habe es schon geliebt. Übrigens bei Texten, weil wir auch dabei waren, schon damals in den Anfängen der 80er dieser Zeitgeist, der so apokalyptisch war, dieser Untergang, findet sich bei Spliff auch wieder. Check mal, einer meiner Favoritesongs auf dem Album, da gibt es nicht nur so lustige, fröhliche Songs wie Carbonara. Check mal Déjà-vu aus, was das für ein düsterer Text ist. So: Wir sind die Letzten von 110. Wir warten, bis die Zeit vergeht. Das ist auch alles so wie Warten auf Camus, weißt du, auch so ein bisschen Avantgarde-Kunst. Da steckt so viel mehr drin. Wer glaubt, so Bands wie Spliff, das wäre jetzt nur billiger, schnell produzierter Trash. Der täuscht sich und der kann viel entdecken, wenn du das hörst. Eine großartige Band.
Provokation. Ich möchte darauf noch mal zurückkommen, denn auch der nächste hier ist Provokation pur. Markus. Ja, im Prinzip ja.
Alleine Provokation für uns.
Ja, eigentlich, ich weiß, dass das nicht so, aber ich will Spaß, ich will Spaß, ich gebe Gas, ich gebe Gas. Ja, also da würde ich doch mal sagen, was haben wir denn noch für Zeilen? Guten Kost, der Lieder 2 Mark 10. Ja, da hörst du also auch, also wir Wir wollen Spaß haben, verdammt noch mal, lasst uns zufrieden mit irgendeinem Mist. Ja, so wird das schön interpretiert. Könnte auch sein, wenn man sehr kommerziell verkauft ist.
Vielleicht ist es super gewagt, wenn ich das sage, aber möglicherweise ist es sogar so ein bisschen ein Zitat von Kraftwerks Autobahn. Da haben wir doch auch schon mal drüber gesprochen. Ja, Autobahn, plötzlich haben wir diese Freiheit. Wir können uns ein tolles Auto leisten, dann fahren wir da ordentlich über die Autobahn. Das macht uns einfach Spaß. Und das hat Markus auch gemeint. Und weil du nach Texten fragst, FRAX Music hat ja nicht gesungen: Mein Ferrari fährt 210, ups, die Polizei hat nichts gesehen. Genau das. Also ich bin sparsam auf der Autobahn. Ja, ja, im Grunde genommen auch recht so ein Hedonismus, also der, der die Popmusik halt eigentlich immer gut kommt, eigentlich in jeder Generation. Einfach Spaß, ein bisschen rebellieren. Pfeift drauf, was die Polizei sagt, pfeift drauf, was Mama und Papa sagen. Ich leih mir jetzt die Karre von meinem Alten und dann geht's auf der Autobahn. Yeah! Und tatsächlich, selbst dieses Bild hier, Es ist doch so ein bisschen, ich weiß nicht, ob es bewusst ist, aber es spielt doch ein bisschen mit dem Image des Rebellen. Es erinnert so ein bisschen an James Dean auch, oder? James Dean, so die Zigarette, der Blick auch, Lederjacke.
Ja, ja.
Dieses immer wieder Rebellische. Und das ist halt letztens, was auch so eine junge Musik ausmacht. Und das ist auch ganz klar, NDW ist in vielen Aspekten auch eine Teenie-Musik. Und ich sage das, weil ich damals selber Teenie war. Das hat auch was Rebellisches und du rebellierst gegen das Erwachsenentum. So gesehen stimme ich dir voll zu. Markus ist auch was provoziert.
Ja, das ist meiner Meinung nach eindeutig Provokation, wenn man derartig singt. Er hat natürlich dann mit Kleine Taschenlampe brennen, das war dann der zweite, den er mit Nena zusammen gesungen hat. Den muss man natürlich auch sehen. Wir haben also nicht nur einen, sondern hier haben wir noch einen zweiten profunden Hit, der eigentlich auch, ich weiß gar nicht, ob der eine Eins war, aber auf jeden Fall war der unter den ersten Dreien. Das ist also auch ein ganz profunder Hit geworden. Gut, vielleicht dazu, das war auch wieder, wir waren schon wieder im Weltraum. Keine Taschenlampe brennen. Ich sitze hier auf dem Planeten, lass die Beine baumeln oder so ähnlich.
Ich lieb dich in den Himmel. Warum ist da Nena eigentlich auf der Platte nicht erwähnt? Ich bin mir auch gar nicht mehr sicher. War das Nena?
Das war Nena, ja.
Dunkel kann ich mich erinnern, dass die mal was zusammen gemacht haben. Aber warum steht da Nena hier nicht gefeatured drauf?
Ich glaube, dass sie die Version noch mal neu gemacht haben.
Gibt es zwei, ein Solo von ihm und dann eins mit— Das kann gut sein.
Das war erst mal nur, weil er wahrscheinlich allein und dann, ich vermute ganz stark, dass er erst rauskam und dann haben sich da dafür entschieden, noch mal sie reinzuholen. Und das ist natürlich ein riesen Push gewesen. Pass auf, man müsste vielleicht mal sich auch noch mal genau angucken, wie sieht das eigentlich überhaupt aus mit so einer Zeitlinie? Ja, du hast einen großen Hit wie Ich will Spaß. Wann bringst du denn die nächste Nummer überhaupt raus? Wenn du sie zu früh bringst, dann reißt du den Verfolgung—
ziehst du von dem bisschen Energie weg. Der ist noch nicht ausgeschnudelt.
Genau richtig. Und wenn du den zu spät bringst, dann hast du den Nachteil, dann ist der Hype eigentlich auch nicht mehr so da. Ja, und da hilft es natürlich, wenn du ein Duett zusammenkriegst, dann kannst du ein bisschen die Sache später machen, das funktioniert. Ja, vielleicht haben sie den früh rausgebracht und der lief nicht so, lass uns mal gucken und so weiter. Oder sie haben vielleicht schon vorher eine Anfrage gemacht und sie hat dann gesagt, naja gut, ich muss mal gucken und das dauert dann einen Monat. Was machen wir jetzt? Bringen wir es raus? Dieser große Erfolg ebbt langsam ab, wir müssen langsam raus, was machen wir? Ja, also solche Sachen spielen immer wieder eine Rolle, hat der Künstler relativ wenig mit zu tun. Das ist eigentlich immer so eine Sache, die kommt von der Industrie, die optimal verarbeiten will das Ganze. Ja, sie wollen dafür sorgen, dass dafür auch entsprechende finanzielle Mittel reinkommen. Das ist ja ihre Aufgabe. Also wir dürfen einfach nicht vergessen, dass die Aufgabe der Industrie ist, aus der Musik das Maximum rauszuholen. Das erwarten Geldgeber, also die Investoren, Aktionäre oder wer das auch immer ist, die erwarten das. Also da ist dieser ganz normaler Industriebetrieb. Man darf also immer wieder sagen, es ist die Musikindustrie. Wir reden hier nicht von einem Vermarkter, der darauf achtet, dass der Name möglichst lange gut im Geschäft bleibt.
Das ist dem egal.
Das ist kein Thema. Ja, sie wollen die, solange dieser Name halt eben auch noch Rendite bringt, ist das sehr gewollt.
Und das alles, was du jetzt erzählt hast über Markus, also auch eben diese Kommerzialisierung und so weiter. Das ist im Grunde genommen alles, was du da gesagt hast, könnte man für dieses ganze NDW-Genre nehmen. Wir haben jetzt ja schon ein paar Mal drüber gesprochen, dass tatsächlich dort einige Leute gerade so am Anfang in der frühen Entwicklung einen äußerst hohen künstlerischen Anspruch haben. Ob die dem immer gerecht geworden sind, da, da, da, das ist eure Sache. Ich finde schon, aber sie hatten auf jeden Fall diesen künstlerischen Anspruch. Und jetzt vielleicht mit Markus, es kamen halt dann immer mehr so Leute dann, die reine Kommerzprodukte sind. Ein Markus, der steht nicht mehr mit einem Bein in den 70er progressiven Krautrock-Zeiten. Da werden wir überhaupt keine Verbindung mehr finden zu Conny Plank. Ich glaube, Conny Plank hätte so einen Typen Hausverbot gegeben. Du kommst doch gar nicht rein so mit deinen schmutzigen Füßen. Sorry Markus, we love you. Das ist auch okay, alles hat seinen Platz. Aber was wir halt hier reden, ist, wie eben aus diesem künstlerischen Avantgarde-Counterculture, so wir sind genau das verdammte Gegenteil von eurer Schlagerwelt, wie dann auf einmal der Kommerz wird. Und am Ende kommt man Ende der 80er, Anfang der 90er, Münchner Freiheit, kommen wir wieder mit den Schlagern raus.
Also für einen kommerziellen Titel, so wie er angelegt war, ist seine Gesangsperformance damals unterirdisch gewesen. Das muss man einfach auch mal so sagen. Und er weiß das auch. Er hat viel an sich gearbeitet. Arbeitet. Jetzt muss man sich jetzt mal seinen Weg überlegen. Also er kann als der Markus, ja, mit ich will Spaß, kann er durchaus weiter so machen, ja. Aber jetzt geht jetzt, wie ist denn der nächste Schritt? Was soll er denn tun? Jetzt ist, dann war ja das, habe ich gesagt, haben sie das möglichst schnell auch ausgenutzt. Ich bin ja, habe ja davon profitiert mit meinem Axel B. der Hammer, ja, dass ich da ja auch mit reingerutscht bin an der Stelle schon in die Branche, ja. Also etwas überraschend, weil konnte ich ja nicht ahnen, dass dass das so schnell gehen würde, ja, dann dass man dann plötzlich dann irgendwie da mitspielen darf, das war völlig unklar. Und deshalb habe ich natürlich diese Welle gleich mitgenommen, habe versucht oben zu schwimmen, war relativ weit unten. Also das ist eine andere Sache, aber letztendlich ist es so, dass wir natürlich schon diese Möglichkeit hatten. Was macht jemand wie er? Ich meine, der hat jetzt einen Riesenhit. Was macht er über die Zeit? Irgendwann hat er kapiert, er muss sich neu positionieren, und zwar sehr spät, ist noch lange nicht lange her, etwa 5, 6 Jahre. Dann hat er gesagt, okay, ja, ich sehe Schlager läuft und ich sehe ja auch meine Engagements, solche Leute leben dann nur noch von Live, ja, weil sie auf der Bühne stehen. Und wenn ich weiter so mache, dann irgendwann ist das unwichtig, was ich dann vor 40 Jahren gemacht habe, ja. Also wie gehe ich dann weiter vor? Und deshalb hat er hier, das sieht man hier noch mal, hier, das ist seine Schlagerabteilung. Ich habe selber einige Titel dort angeboten. Also insofern ist er als Schlagersänger auch so lala erfolgreich, muss man sagen. Er wird nach wie vor gut gebucht, in Kombi, ich will Spaß und dem, was er heute macht. Also deshalb ist er für mich immer noch ein Beispiel.
Ich sagte, wenn da nicht so groß Marco stehen würde, hätte ich aus dem Augenwinkel gedacht, das ist doch Stefan Effenberg, der doch Musik gemacht hat. Weiß ich gar nicht. Den blonden Haaren, ja voll.
Ganz genau. Ja, also jetzt noch mal zum Thema Avantgarde und das ist halt eben auch der Punkt, an dem ich jetzt noch mal einsetzen möchte. Es gibt ja Vorreiter. Das heißt also, bevor es dazu kam, was wir heute kennen, ja, diese ganzen Nummer 1 Hits oder was die Allgemeinheit kennt, ja, da gab es Vorreiter. Vorreiter. Hier habe ich 3 mal rausgesucht, die ich für sehr wichtig halte dabei. Das ist DAF, Palais Schaumburg und Fehlfarben. Die werden heute auch immer wieder genannt. DAF fand ich sensationell. Tanz den Mussolini. Hammer. Hammer, das Ding. Das hat gegroovt ohne Ende. Man könnte sich mal drüber nachdenken, wer das wohl produziert hat. Wer könnte das gewesen sein?
Das war Conny Plank?
Richtig. Nee, so häufig.
Immer dieselbe Antwort auf dieselbe Frage. Ich sage immer einfach nur Conny Plank, 50% Gewinnchance hier bei dir.
Genau richtig. Also wie gesagt, der hat das produziert und super produziert. Also sehr, sehr mechanisch und aber wirklich sehr auf dem Punkt.
Das ist, wenn ihr das nicht kennt, das ist Elektropunk. Und übrigens auch mal, falls ihr jetzt meint, Mussolini, ist das jetzt irgendwelche Faschomucke? Nein, ist es nicht. Den Vorwurf gab es natürlich damals auch schon, aber es ist es nicht. Das sind ganz sicher, man kennt ja die Leute, sind ganz sicher keine Faschos, sondern das ist eher so generelle Kritik an allen Autoritäten. Sie spielen eben mit Mussolini, da ist auch Adolf Hitler, wird genannt. Ja, damals in den 80ern hat man sich auch nicht geschämt, auch provozierend diesen Namen erwähnen zu können. Heute ist es schon, oh Mann, sagst du das überhaupt, gibt nur komisches Ding. Aber damals nicht. Mussolini, Adolf Hitler, Jesus Christus, also auch Kritik an Religion. Es ist Punk, das ist, was es ist. Es ist eine Ablehnung von Autoritäten, deswegen kann das niemals Faschomusik sein. Musikalisch halt auch so spannend, weil das ist so eine Musik, die es glaube ich nur ganz, ganz wenige Jahre gab. Elektropunk. Und das ist richtig spannend, sehr repetitiv. Das ist dann später alles, als dann Techno und so weiter gekommen ist, hat das dann keine Chance mehr gehabt. Aber das war wirklich noch handgemachte Musik. Elektropunk, ständig solche Loops, das wiederholt sich die ganze Zeit. Am besten natürlich DAF, aber man muss auch unbedingt dann erwähnen bei Elektropunk, und auch die sind eben ein ein künstlerischer Vorläufer von NDW, obwohl sie keine NDW-Band sind, würde ich die Krupps nennen. Die Krupps aus NDW, allein schon der Name Kruppstahl, auch da wieder dieses Technik, dieses Deutsche immer, Technik, Motor, Krupp, Stahl. Und kleiner Kick am Rande, weil wie ist dann die Geschichte weitergegangen? Kruppstahl, wie hieß der noch mal, der Döpfer, der das Mastermind von denen war, Döpfer oder Döpper? Der hat danach, hat er dann Propaganda gegründet und ist mit denen dann nach England gegangen, zu denen von dir schon erwähnten, Trevor Horn und hat dann dort dieses Album von Propaganda gemacht, was dann vielleicht eines der besten Alben der 80er ist. Aber das ist dann eben wieder internationaler Markt, da sind wir eben dann raus aus der NDW. Aber finde ich auch interessante Bands wie DAF, die Krupps. Das ist so, ja, super progressiv. Das ist nicht mehr Krautrock. Ich würde sagen, das ist die Next Generation Krautrock, die einfach mit allem bricht und schon tatsächlich schon neu. Und Klaus Dinger, also die Band Neu!, die haben schon so Proto-Punk gemacht und das ist so eine Linie vom Krautrock zum Elektropunk zur NDW.
Wer ein bisschen aus einem anderen Genre kommt, das war so mehr die Hochschulkulturband, weil Palais Schaumburg klingt schon so intellektuell. Ja, das ist intellektuell, deshalb war es auch nicht besonders erfolgreich. Aber sie zählen zu den Vorreitern, das muss man sagen. Und ich produziere jetzt einen Cliffhanger, denn die Fehlfarben – Monarchie und Alltag ist ihr Album gewesen. Die haben das ja noch geschafft, auf eine Nummer 1 zu kommen. Mit ihrem Titel. Und deshalb möchten wir natürlich jetzt nicht mehr das Fass aufmachen, sondern das machen wir beim nächsten Mal auf. Denn wenn wir mit der nächsten Folge kommen, dann könnt ihr euch freuen auf Fehlfarben. Es geht voran.
Also ich dachte, wir verabschieden uns jetzt mit einem fröhlichen Hurra, hurra, die Schule brennt!
Kommt noch, Leute, kommt noch, bleibt dran.
FRAX Music!
