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FRAX MUSIC#057. Mai 2026

Neue Deutsche Welle erklärt – Nena, Ideal, Witt – die wahre Geschichte Teil 1| FRAX Music Podcast #5

Neue Deutsche WelleNenaJoachim WittIdealNDW GeschichteConny PlankKrautrockdeutsche Popmusik

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Zusammenfassung

In der fünften Folge des FRAX Music Podcasts tauchen Axel Breitung und Frank Engelmayer tief in die Anfänge und Hintergründe der Neuen Deutschen Welle (NDW) ein – einer der prägendsten Musikbewegungen Deutschlands. Die Hosts nehmen die Hörer mit auf eine Reise durch die frühen 1980er Jahre, als NDW mit Acts wie Nena, Ideal und Joachim Witt die deutsche Musiklandschaft revolutionierte.

Axel Breitung, selbst Zeitzeuge und Musiker der NDW-Ära, schildert seinen persönlichen Weg in die Szene. Ursprünglich aus der Rockmusik kommend, beschreibt er, wie ihn die neue Energie und der experimentelle Geist der NDW anzogen. Besonders die Band Nena steht im Fokus: Mit „99 Luftballons“ gelang ihr ein internationaler Megahit, der bis heute als Inbegriff der NDW gilt. Doch die Hosts betonen, dass Nena weit mehr als nur diesen einen Song zu bieten hatte – auch Tracks wie „Nur geträumt“ zeigen die musikalische Vielfalt und den Einfluss von Punk und New Wave auf die Band.

Die Folge beleuchtet außerdem die Ursprünge der NDW. Sie entstand nicht aus dem Nichts, sondern entwickelte sich aus der deutschen Krautrock- und Progressive-Szene der 1970er Jahre, die für ihren künstlerischen Anspruch und ihre Experimentierfreude bekannt war. Die NDW griff diese Ansätze auf, kombinierte sie mit der Punk- und New-Wave-Revolution aus England und schuf so einen eigenen, unverwechselbaren Stil. Der Begriff „Neue Deutsche Welle“ wurde bereits 1979 von Alfred Hilsberg geprägt, lange bevor die ersten großen Hits die Charts stürmten.

Neben den musikalischen Aspekten geht es auch um die gesellschaftlichen und regionalen Besonderheiten der NDW. Die Bewegung war keineswegs homogen: Während einige Acts wie Markus mit „Ich will Spaß“ für die Party- und Spaßfraktion standen, gab es auch viele Künstler mit avantgardistischem Anspruch und kritischen Texten. Die NDW war ein Spiegelbild der deutschen Popkultur jener Zeit – bunt, vielfältig und voller Widersprüche.

Nicht zuletzt wird Produzent Conny Plank als Schlüsselfigur hervorgehoben. Sein Einfluss auf den Sound und die Entwicklung der NDW war enorm, da er viele Bands betreute und mit seinem experimentellen Ansatz neue Wege eröffnete. Die Hosts versprechen, in kommenden Folgen noch tiefer in die Geschichten und Hintergründe der NDW einzutauchen.

Diese Episode bietet einen spannenden Einstieg in die Welt der Neuen Deutschen Welle und macht Lust auf mehr – für Musikliebhaber, Nostalgiker und alle, die wissen wollen, wie deutsche Popgeschichte geschrieben wurde.

Playlist zur Folge

Hintergrund & Kontext

Die Neue Deutsche Welle entstand in einer Zeit des gesellschaftlichen und musikalischen Umbruchs in Deutschland. Ende der 1970er Jahre suchten viele junge Musiker nach neuen Ausdrucksformen, da der klassische Rock und die progressive Musik der 70er Jahre für viele an Relevanz verloren hatten. Die Punk- und New-Wave-Bewegung aus Großbritannien schwappte nach Deutschland über und inspirierte eine neue Generation von Künstlern, die sich von den etablierten Strukturen abgrenzen wollten.

Ein wichtiger Nährboden für die NDW war die sogenannte Krautrock-Szene, die bereits in den frühen 70er Jahren mit Bands wie Can, Neu! oder Kraftwerk experimentelle und innovative Musik schuf. Diese Bands legten den Grundstein für die Offenheit gegenüber neuen Sounds und ungewöhnlichen Songstrukturen, die später für die NDW typisch wurden. Auch die politische und gesellschaftliche Situation in Deutschland – geprägt von Kaltem Krieg, Teilung und einer aufkommenden Jugendkultur – beeinflusste die Texte und Themen der NDW-Künstler.

Die NDW war zudem eine der ersten Musikbewegungen, die konsequent auf deutschsprachige Texte setzte. Das war ein Bruch mit der Tradition, englischsprachige Musik zu imitieren, und gab der deutschen Popmusik eine neue Identität. Die Bewegung war regional vielfältig: Während in Berlin und Hamburg eher experimentelle und avantgardistische Acts entstanden, kamen aus dem Rheinland und Süddeutschland viele der späteren Chartstürmer. Die NDW öffnete die Türen für eine neue Popkultur in Deutschland und beeinflusst bis heute Künstler und Musikstile.

Häufige Fragen

Was ist die Neue Deutsche Welle (NDW)?

Die Neue Deutsche Welle ist ein Musikstil, der Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre in Deutschland entstand. Sie verbindet Elemente aus Punk, New Wave und Pop und zeichnet sich durch deutschsprachige Texte und einen experimentellen, oft minimalistisch gehaltenen Sound aus.

Welche Bands und Künstler gehören zur Neuen Deutschen Welle?

Zu den bekanntesten NDW-Künstlern zählen Nena, Ideal, Joachim Witt, Trio, Extrabreit und die Spider Murphy Gang. Diese Acts prägten die Bewegung mit ihren Hits und ihrem individuellen Stil maßgeblich.

Wie entstand die Neue Deutsche Welle?

Die NDW entwickelte sich aus der deutschen Rock- und Krautrock-Szene der 1970er Jahre und wurde stark von der Punk- und New-Wave-Bewegung aus England beeinflusst. Der Begriff wurde 1979 vom Musikjournalisten Alfred Hilsberg geprägt.

Was sind die größten Hits der NDW?

Zu den größten NDW-Hits zählen '99 Luftballons' von Nena, 'Da Da Da' von Trio, 'Eisbär' von Grauzone und 'Goldener Reiter' von Joachim Witt. Viele dieser Songs sind bis heute Kult.

Welche Rolle spielte Produzent Conny Plank bei der NDW?

Conny Plank war ein einflussreicher Produzent, der viele NDW-Bands betreute und mit seinem experimentellen Ansatz den Sound der Bewegung entscheidend mitprägte. Er arbeitete unter anderem mit Ideal und anderen wichtigen NDW-Acts.

Gesprächs-Transkript

Frank0:00

Hey Leute, FRAX ist wieder da und diesmal mit einem neuen Thema, was wir am Start haben. Wir wollen sprechen über NDW und das ist so eine große Story, die gibt es nicht nur in einer Folge. Aber diesmal geht es los, unter anderem mit so illustren Namen wie Nena, Joachim Witt und Ideal. Und wir werden auch ein bisschen über den Produzenten Conny Plank sprechen und werden der Frage nachgehen: Hat Conny Plank irgendwas mit Joachim Witt zu tun? Jetzt auf FRAX Music. Hey, liebe Musikfreunde, schön, dass ihr wieder am Start seid zu einer weiteren Ausgabe von FRAX Music. Und heute starten wir mal ein Thema, was wahrscheinlich über mehrere Sendungen geht. Wir beschäftigen uns mit NDW, Neue Deutsche Welle. Was ist das überhaupt? Wo kommt es her? Ist es nicht einfach nur billiger Commerz-Trash? Wir werden euch so die Geschichte von NDW erzählen. Wir werden über die großen Künstlerinnen und Künstler von NDW berichten, wie ist diese Musik entstanden, in welchem popkulturellen Kontext ist es einzuordnen, was waren die Vorläufer von NDW und wie hat die ganze Chose geendet? Jetzt bei uns. Und richtig cool ist, wir haben ja Axel Breitung hier am Start und du bist der Zeitzeuge von damals gewesen, NDW. Und wie wir alle wissen, der Hammersong. Du bist auch NDW Artist mal gewesen für eine Weile. Und vielleicht zum Einstieg in dieses große Thema NDW für dich gleich mal die Frage: Wie bist du damals zu NDW gekommen? Weil du warst ja schon vorher Musiker in den 70ern und da eher auf der Rockschiene unterwegs. Wie bist du auf einmal zu diesem NDW-Kram gekommen? Wie ist das entstanden so für dich?

Axel1:43

Eigentlich ein sehr ungewöhnlicher Weg, kann man sagen. Also ich habe eigentlich damit angefangen, dass ich halt in Bands, verschiedenen Bands war. Ab 1975 ging es erstmal mit meinen Brüdern los. Das ist ganz interessant. Also wir waren zu dritt damals. Meine Brüder sind Zwillinge. Das passt also ganz gut. Wir waren sozusagen Basis dieser Band Kings Bishop damals.

Frank2:02

Aber das war alles zu weitestgehend regional.

Axel2:06

Gut, im nächsten Step habe ich gesagt, okay, wir nehmen mal an Härte zu, bin dann nicht mehr in dem Bereich gewesen, sondern nach Göttingen rüber und hatten eine sehr harte Rockgruppe gehabt. Das war dann so das Nächste, was dann kam. Aber ich merkte dann so Anfang der 80er, das füllt mich so nicht so ganz aus. Also wie gesagt, nach all der Zeit, ich war Gitarrist auf der Bühne, habe viele zweite Stimmen gesungen und halt eben so was, was so die Aufgabe im üblichen Fall ist. Das war also diese Anfangszeit. Aber dann merkte ich, ich war auch noch dafür zuständig, dass wir Auftritte kriegen konnten. Also mit anderen Worten sozusagen als Sprachrohr für verschiedene Bands war ich dann da. Und ich merkte, wie es immer schwerer wurde, dann auch Auftritte ranzuholen. Also habe ich gesagt: Komm, ich muss mir was anderes suchen. Ja, habe die damals produzierte Single von meinen Brüdern mitgenommen und habe gesagt: Komm, jetzt stelle ich mich mal irgendwo vor in so einem Verlag. Der in der Nähe war, zu dem reinen Termin gemacht. So klassisch, möchte ich fast sagen. Und er sagt dann zu mir: Er kann nichts mit anfangen, aber er sucht Titel für Roland Kaiser. Denke ich, ist ja auch eine Möglichkeit. Dann setze ich mich mal in mein Studio, was ich nicht hatte, und mache mir mal Gedanken drüber, wie man so was umsetzen könnte. Merkte aber Schlager, davor war ich echt ziemlich weit weg. Das ist mir wirklich auf Anhieb nicht besonders gut gelungen. Gut, ich habe ein, zwei Sachen gemacht, Aber dann kam mir was zu Hilfe. Dass es die Neue Deutsche Welle gab. Und da dachte ich: Hey, das ist das Ding, das finde ich richtig gut. Hab mich also von Anfang an so ideal kannte ich natürlich und aus der Zeit heraus und so, da dachte ich: Wow, was machen die für Texte? Das ist doch meine Welt. So kam ich dann dazu und habe dann so mal angefangen, so ein bisschen zu basteln und auch wie man so was, was ich, was machen kann. Dann standen dann auch verschiedene Titel bei mir, unter anderem Der Hammer. Aber eben worauf ich eigentlich eher mehr stolz bin, sind eigentlich andere Sachen. „Hör doch endlich auf zu quatschen" war ein Titel, den ich dann auch so gesagt habe. Zu dem Zeitpunkt war das so auch schnodderig, das war auch bisschen frech und so weiter. Das hat mir also ganz gut gefallen. Na ja, wie es dann so ist, derjenige, der der Verleger war, hörte dann den Song, den ich da gemacht hatte, den mit dem Hammer. Und sagte: Das ist es. Damit bringen wir dich groß raus. Hier endet jetzt erst mal die Story. Man muss ja einen Cliffhanger einbauen. Habe ich jetzt mal gemacht, weil da kommen wir noch mal in den nächsten Folgen zu. Da gehe ich dann mal näher drauf ein, was das mit dem Song auf sich hatte und wie es dazu jetzt doch im Genaueren kam. Weil wir haben ja viel mehr vor. Wir wollen dir die großen Acts der Zeit zeigen. Und damit geht es auch schon los. Nämlich der erste Act ist nämlich Nena und gleich einer der allergrößten überhaupt.

Frank4:57

NDW, Nena, 99 Luftballons.

Axel4:59

99 Luftballons, irgendwie, irgendwo.

Frank5:01

Ich habe sie geliebt als Teenager, wirklich so ein richtiger Schwarm.

Axel5:05

Das versteht man auch. Sie ist auch zuckersüß, fanden auch viele. Definitiv. Man muss dazu wissen, insgesamt mit weitem Abstand der größte NDW, aus der NDW-Zeit entstandene Act, weltweit über 25 Millionen Schallplatten verkauft. Das ist extrem viel, wirklich. Also sehr viel mehr hat Ace of Base auch nicht verkauft. Das muss man wissen. Also ist ein unfassbarer Erfolg aus Deutschland heraus. Gut, sie waren nicht alleine. Die Band hieß Nena, stammt ja im Grunde genommen aus Hagen, also Dortmunder Raum, und waren wirklich gut. Das merkte man auch. Also ich habe ja, ich baue das immer so ein bisschen zusammen, dass ich immer auch live zeige, ja, wie man das hier auch sieht. Ich habe das so gemacht, dass ich dann also weitestgehend Bilder rausgesucht habe. Da ist sie noch ganz jung. Jung und hier so, da so, so wirkt sie heute. Also so ein bisschen auch, denn die Frage taucht ja immer wieder auf, was ist aus den Leuten denn heute geworden? Ich meine, die haben damals Riesenerfolge gehabt. Und das ist eine Sache, die ich ganz gerne mit vermitteln würde. Du hilfst mir dabei, mit Sicherheit.

Frank6:11

Unbedingt. Finde ich auch schön, dass du auch die Band erwähnst, weil tatsächlich Nena heißt die Band. Das ist nicht nur sie, das ist ähnlich wie bei Blondie. Da ist es nicht nur die Sängerin, die Blondie, sondern die Band heißt so. So ist bei Nena auch und das sind gute Musiker. Deswegen hatten wir auch nicht nur einen Hit. Nena darfst du nicht reduzieren auf 99 Luftballons, was wir natürlich machen, sondern die hatten eine ganze Reihe gute Sachen. Das ist ja hier das Debütalbum von Nena und das Erste, was ich damals wahrgenommen habe, das ist glaube ich ihr erster Hit, das war da Nur geträumt. Ja. Und das ist wirklich ein großartiger Song und der zeigt auch schon ganz viel, was Neue Deutsche Welle eigentlich ist. Ich meine, da gibt's ja verschiedene Vorläufer, verschiedene Stile, die auch vorher waren, und ein ganz entscheidender Punkt ist, was ab 1976 international, vor allem in England, auch passiert ist, diese Punk-Revolution. Und Nur geträumt, das ist ja schon so ein bisschen punkig, also sehr flott gespielt, sehr einfach. Da sind keine, wie in den 70er Jahren, so diese langen Gitarrensoli oder Orgelsoli, das ist alles nicht so. Es ist sehr minimalistisch, tight gehalten, einfach gehalten. Und das ist ja schon das Rezept, was aus diesem Punk-New Wave kam. Wenn du dann Nur geträumt anhörst, dann ist es genauso. So ein Punk, so ähnlich wie dann auch Ideal, über die wir vielleicht auch noch sprechen werden und so weiter. Das ist Da kannst du bei der Platte ganz richtig mitbekommen, wie eben NDW entstanden ist und was dabei rausgekommen ist. Und das ist einfach eine richtig gute Band. Der Gitarrist vor allem ist da zu nennen, der war auch richtig gut.

Axel7:34

Ja, absolut. Die ganze Truppe war wirklich echt gut. Oder Schlagzeuger und so. Die ganze Truppe war wirklich gut und hatten auch sehr viel große Vielfalt. Aber du hast vollkommen recht, die kam schon aus dem Rockbereich. Also sie war schon im Rock tätig, mehr oder weniger. Also darüber kam diese ganze Welle eigentlich auch ins Laufen. Das muss man dazu sagen. Also es war nicht so, wenn wir heute an Markus denken, ich will Spaß, dann denken wir, das war es. Nein, das ist nicht der Ursprung. Es kam, wie so häufig, kam es aus einer ganz anderen Ecke. Und wir geben uns auch Mühe, das auch von beiden Seiten zu beleuchten. Das werdet ihr merken. Wir wollten auch zeigen, dass es diese eine Seite gibt, die Spaßabteilung, die auch Party macht, und die andere Abteilung, nicht dass sie keine Party machen, aber wenn ich an Extrabreit denke und Leute, die auch, das sind halt richtig Live-Musiker, die dann trotzdem auch wirklich Songs gemacht haben, die wir alle mitsingen können. Das ist schon eine gute Sache.

Frank8:26

Und eben auch viele Musiker damals, die jetzt eben nicht nur so wie Markus, sagen wir mal, reine Spaß-Songs gemacht haben, ohne dem irgendwas zu nehmen, weil das hat auch seine Berechtigung. Nee, es waren auch ein Haufen Musiker am Start, die schon einen relativ hohen künstlerischen Anspruch hatten, die so eine Avantgarde waren. Das ist halt eine von den Vorfahren zu dieser ganzen Musik, ist die deutsche progressive Szene aus den 70ern, die man meistens unter dem Begriff Krautrock zusammenfasst. Und das Das ist alles ein sehr künstlerisch hoher Anspruch. Nichts kopieren, sondern irgendwie was Neues machen, experimentell auch. Und als der Krautrock dann irgendwie gereift ist, da ist dann NDW draus geworden. Das ist eine von den Zutaten und offensichtlich sind da mehrere, die dazu geführt haben, das, was dieses Genre so spannend macht. Vielleicht mal an der Stelle gerne so eine Frage: Der Name NDW, Neue Deutsche Welle, wo kommt denn der her? Weil da sieht man auch schon den Bezug auf was vorher war.

Axel9:18

Ja, das hat er im '79, ein Hilsberg, der hatte das irgendwie als Journalist geprägt. Das sagt man heute ganz überraschend, aber '79 schon. Also man ahnt schon, weil die ersten wirklich großen Erfolge, die kommen eigentlich erst in '81. Das muss man dazu auch wissen. Also es hat eine längere Historie, gerade diese Musikrichtung. Und es ist ganz wichtig, was du schon sagst. Also man kann ruhig sagen, dass auch die punkig angehauchten Rockleute waren da ganz weit vorne. Ja, also die Die Neue Deutsche Welle transportiert ihre Musik eigentlich auch über die Texte. Das muss man ganz klar sagen. Es geht ja nicht nur um Musik, sondern es ist auch textlich teilweise auch, wie gesagt, Gut geträumt war ja eigentlich recht harmlos. Aber es sind ja auch ein paar Sachen dazwischen gewesen, die durchaus auch kritisch waren.

Frank10:10

Polizisten Extrabreit.

Axel10:12

Ja, richtig. Oder ganz was Stranges, was ich bei der Gelegenheit mal erwähnen möchte, ist Wissenswertes über Erlangen.

Axel10:20

Also, Erlangen gilt als eine der langweiligsten Städte Deutschlands. Ja, also muss man dazu wissen.

Frank10:26

Weil große Uni dort, da kamen die glaube ich auch raus.

Axel10:28

Genau, der Widerspruch war natürlich so gewollt, dass man plötzlich feiert, was eigentlich gar nicht zu feiern ist. Also auch das ist auch eine Seite von der Neuen Deutschen Welle.

Frank10:38

Unbedingt. Das ist auch dieses Erlangen-Ding. NDW ist auch aufgeteilt in verschiedene Regionen. Offensichtlich, es gab Österreich, es gab Spider Murphy Gang in München, es gab ganz viel im Rheinland oder hier NRW. Und er: Du hast es sehr lange gebracht. Da will ich gleich noch eins hinterherschmeißen. Erbarme, zu spät, die Hesse komme. Wer war das noch mal? Ich meine, das ist auch NDW. Also das ist dann dieses hessische Ding, wo du denkst, okay, das ist jetzt keine große Zielgruppe, hessischer Dialekt. Aber das ist dann auch in ganz Deutschland erfolgreich geworden.

Axel11:13

Keine Sau kennt Großenkneten. Großenkneten, oben irgendwo im Ostfriesland. Die Trios kommen doch daher. Also das ging wirklich durch die Presse auch, dass das also so aus einem völlig unbekannten Nest mit so einem lustigen Namen auch noch ausgerechnet. Und da kommt Trio her. Es passt schon natürlich auch zu dem, was sie gemacht haben mit Da Da Da und ähnlichen Sachen. Wir gehen darauf ja noch mal etwas näher ein.

Frank11:37

Eins wollte ich noch sagen bei NDW, offensichtlich ist Neue Deutsche Welle, das bezieht sich auf den englischen Begriff New Wave. Und also New Wave auf Deutsch, dann die neue Welle. Also es ist tatsächlich so, so ist 1976, das ist wie so ein, 1976, 1977, ja, das ist so ein Bruch in der Musikentwicklung. Alles, was vorher war, war so der, okay, da gab es auch vielleicht ein paar Vorläufer wie Roxy Music oder so, aber im Grunde genommen waren die Bands, das waren diese großen Guitar Heroes, Deep Purple, Led Zeppelin und auch die amerikanischen, Black Sabbath und so weiter, die haben so das definiert. Und dann so ab 76, da kam so ein Cut, so ein Bruch, es ist eine neue Generation an Musiker rangekommen und die haben bewusst mit dem gebrochen, rocken. Und das ist, was man so die Punk- und New Wave-Revolution nennt. Diese Begriffe heute sind ein bisschen klarer definiert, aber ich kann mich erinnern, auch damals waren die noch gar nicht so klar. Das war im Grunde genommen das Gleiche. Punk ist vielleicht dann so ein bisschen härter und in vielen Dingen vielleicht auch einfacher. Da ist das Ding Do-it-yourself, wie bei den Sex Pistols. Du musst noch nicht mal Musiker sein, spiele einfach, simpel so, und kein großes Studio, machst in der Garage, Do-it-yourself, das ist so eines von den Mottos. Und diejenigen so in dieser neuen Generation von Musikern, gerade in England, die aber vielleicht künstlerisch ein bisschen anspruchsvoller waren und nicht nur so punkig hart waren, die sind dann mehr in den New Wave gegangen, haben dann viel mit Elektronik auch gearbeitet. Und das ist natürlich offensichtlich auch eine Riesenzutat, diese technische Entwicklung, dass auf einmal diese Elektrosounds, die in den 70ern in Deutschland in diesen Krautrockstudios entstanden sind, mit Lötkolben zum Teil, das waren Pioniere, die diese Elektrosounds kreiert haben. Kraftwerk, hatten wir schon mal irgendwann mal drüber gesprochen. Das war dann so ab Ende 70er, Anfang 80er war das auch so ausgereift, dass diese elektronischen Sounds auch für Nicht-Pioniere, auch wenn du keinen Lötkolben in der Hand hattest, konntest du auf einmal spielen. Wie bei Nena auch so der typische Synthesizer, den du auch um den Hals hängen kannst wie eine Gitarre und so weiter. Plötzlich waren diese Instrumente da und ich glaube, das ist auch eine wichtige Zutat.

Axel13:43

New Wave, Elektro, Synthesizer-Sounds, auch das hat da voll reingehauen. Nochmal zu Nena ist durchaus noch zu sagen, dass sie natürlich auch das geprägt haben, aber da kommt das was zu, was klassisch ist und deshalb sind die Songs heute einfach auch noch erfolgreich. Ein gutes Songwriting. Also das heißt mit anderen Worten, für mich jetzt als Autor, der relativ viel geschrieben hat, bewundere ich die Sachen, die sie gemacht hat, weil sie sind jetzt melodisch auf einem sehr hohen Niveau und sonst hätten sie es auch nicht irgendwie weltweit geschafft, glaube ich nicht. Also wenn die Texte außergewöhnlich sind, Wollen wir den da mal nicht mit dazu rechnen.

Frank14:13

Außergewöhnlich ist der auch.

Axel14:14

Ja, aber nicht vom Text her. Vom Text her, ja gut. Ungewöhnlich. Ja, dass ihn aber draußen jemand versteht, ist eine andere Sache. Aber ihre Melodien sind schon sehr eingängig und das hilft ihnen, hat ihnen natürlich schon für international geholfen.

Frank14:27

Wer hat denn die Musik bei Nena eigentlich gemacht? Wir haben auch schon beim Thema Sänger und Sängerin darüber gesprochen. Oft gibt es auch welche, die einfach nur interpretieren. Nena, die haben ihre Musik selber geschrieben. Wer hat denn die komponiert und die Texte gemacht? Weißt du das?

Axel14:39

Ich glaube, soweit ich das abschätzen kann, ist der Trieber oder durchaus einer der vorderen Leute gewesen, zusammen mit dem Gitarristen, soweit ich das weiß. Die haben das gemacht und ich schätze mal, von ihr kamen weitestgehend auch die Texte, sonst hätte sie wahrscheinlich auch vielleicht nicht so viel Lust gehabt, so auf der textlichen Basis selber weiterzumachen, als sie jetzt ja nach der Pause sozusagen als Nena jetzt weitergemacht hätte. Das darf man ja auch nicht ganz vergessen. Ja, also wie gesagt, da können wir froh sein, dass die da waren und das Ganze, die Neue Deutsche Welle wirklich in die ganze Welt getragen hat. Das sind wichtige Punkte, die man sagen muss. Ja, aber es gab auch ganz— jetzt, wir hatten über verschiedene Strömungen gesprochen. Das heißt, wir sind hier ja in der ersten Linie sehr melodisch dran, aber wir haben natürlich ganz andere Leute, nämlich den, und der ist schon sehr anders.

Frank15:25

Ja, das ist auch einer meiner absoluten Favoriten beim NDW, Joachim Witt, und der, dem sein erstes Album, das Debütalbum Silberblick, das ist auch eins von denen, die ganz am Anfang waren, die auch dieses Genre mitgegründet haben. Das ist 1980/81 rausgekommen. Darauf befindet sich natürlich einer der bekanntesten NDW-Songs überhaupt aller Zeiten: Der Goldene Reiter. Immer noch frisch, immer noch cool, das zu hören. Und weil du vorhin gemeint hast, eben auch kritische Texte. Das ist nicht nur Spaß. Ey, das ist auch so kritisch, weißt du, über diese moderne Gesellschaft, die die Menschen krank macht, die die Menschen Psychosen verursacht und die dann wieder therapiert werden. Irgendwelche Riesen-Psychiatriekliniken und so. Dieses ganze Thema, das ist jetzt eigentlich nicht Spaß. Gleichzeitig ist aber der Song halt so cool, dass der auch auf jeder Party heute immer noch gespielt werden kann. Der deprimiert nicht, der ist einfach nur cool zum Mitsingen auch. Und Joachim Witt ist auch ein gutes Beispiel dafür, zu zeigen, dass die Neue Deutsche Welle mit einem Bein auch eben aus dieser deutschen progressiven Krautrock-Szene rausgewachsen ist. Denn was die wenigsten Leute wissen, viele denken auch, ja komm, Goldener Reiter, Joachim Witt, das ist doch billiger Pop. Aber wenn man mal schaut, wer an dieser Platte alles beteiligt war, dann sieht man sehr schnell, dass da durchaus ein hoher künstlerischer Anspruch war. Das Ganze wurde nämlich aufgenommen im Can-Studio von der Band Can.

Axel16:51

Ich glaube nicht, dass es alles war. Soweit ich informiert bin, ist ja maßgeblich für den Erfolg tatsächlich Conny Plank. Zuständig. Und Conny Plank.

Frank16:58

War Jochen mit?

Axel16:59

Ja, ja doch, also auch gerade das Album. Er hat sehr, sehr viel zu sagen gehabt, auch da mit bei. Wir haben schon drüber gesprochen, also dass er ja durchaus aus der Krautrockzeit kommt und das ist auch richtig. Also mit Eloy, Scorpions hat er natürlich Kran und Can. Du hast schon vollkommen recht, alles ist richtig. Die hat er ja produziert in seinem kleinen Studio übrigens auf dem ganz flachen Land in der Nähe von Köln. Da war er zu Hause und hat dort die ganzen Produktionen gemacht. Also wie gesagt, bei dem DAF gehört er jetzt auch noch dazu, also die auch jetzt sozusagen in diese erste Garde gehören. Die hat er alles produziert vorher, ja, das muss man halt dann so sehen. Und dann kam halt die Neue Deutsche Welle, die er auch im Grunde genommen mit Joachim Witt auch eingeleitet hat. Dann muss ich ganz kurz gucken. Kraftwerk war noch mit dabei, Ultravox und so weiter, sogar international Brian Eno und so. Das hat er alles produziert.

Frank17:58

Conny Plank ist ein Meister. Nur es ist wirklich witzig, Axel, weil wir sind ja jetzt ja fast in einer Live-Situation. Ich weiß nicht, ob Conny Plank was mit der Platte zu tun hat. Bist du dir sicher, dass der die produziert hat? Ich meine nicht. Okay, wir werden das noch mal recherchieren. Und hey, schaut uns auf die Finger. Das ist auch das Schöne. Wo wir uns einig sind, das ist so ein bisschen Krautrock next generation. Und es wurde auf jeden Fall aufgenommen im Can-Studio. Und die hatten ihr eigenes Studio ursprünglich in Schloss Nörvenich bei Köln, aber dann ab Anfang der 70er in Weilerswist, kleiner Ort bei Köln. Und dort war das Inner Space Studio. Dort sind diese ganzen großartigen Can-Alben in den 70ern entstanden. Und da gibt es eine ganze Reihe von interessanten Stories, was in diesem Studio alles passiert ist. Muss mal echt ein besonderer Ort gewesen sein, besonderes Ambiente. Jedenfalls in diesen Studios, die man danach dann einfach nur Can Studios genannt hat in Weilerswist. Dort ist dieses Album aufgenommen worden. Und noch eine Verbindung zu Can ist da, was auch zeigt, welcher Anspruch da ist. Der Drummer bei dieser Platte auf allen Songs und eben auch auf dem Goldenen Reiter ist der Schlagzeuger von Can. Das ist Jaki Liebezeit. Und das ist für mich einer der überhaupt bedeutendsten Schlagzeuger in Deutschland. Hey, der Typ ist, bevor er bei Can war, in den 50er, 60ern war der schon im Free Jazz unterwegs, ist dann in diese Krautrock-Geschichte gekommen, hat dort so hypnotische Beats auch entwickelt. Ich meine, der Typ ist echt on fire. Jaki Liebezeit, absolut großartiger Schlagzeuger, und der trommelt hier, und es ist aufgenommen in seinem Studio bei Köln. Und da hörst du schon, Jaki Liebezeit, der würde nie irgendwas machen, einfach von seiner Natur her, was jetzt einfach nur billiger Trash wäre. Der Typ ist Künstler durch und durch bis zum heutigen Tag. Und das ist da die Energie, die da drin ist.

Axel19:44

Wobei ich kritisch anmerken muss, dass man das ist, vom Beat her ganz schön gestolpert. Ob das am Bass liegt oder was, ich weiß es nicht, aber also es ist ein ungewöhnlicher Beat.

Frank19:53

Ich bin ja kein Musiktheoretiker, aber es ist ja nicht so das übliche Dreiviertel, das ist bei Goldener Reiter so, und dann kommt irgendwie ein Break und dann kommst du wieder von vorne. Das ist ungewöhnlich.

Axel20:03

Timing ist nicht, also das klingt amateurig, ganz ehrlich. Also aus meiner Sicht heraus ist zu vermuten, es war nicht so dramatisch wichtig.

Frank20:10

Jaki, hoffentlich hörst du nicht zu, Breitung hat dich ein Amateur genannt.

Axel20:14

Oh Mann, ich habe nicht gesagt, dass der Schlagzeuger war. Vielleicht hat er sich, was wissen wir jetzt, pass auf, das Es ist immer das Gleiche. Wir wissen ja gar nicht, was die einzelnen Leute sagen. Wenn ihr das vielleicht als Werk gehört habt, die sagen: Was habt ihr denn da drauf gemacht? Habt ihr das nicht gehört? Ja, so, das gibt es ja auch immer, haben wir häufiger dazwischen. Also das ist nicht gesagt, okay, also dass die alle damit so einverstanden waren, wie es rausgebracht worden ist. Das haben wir öfter, dass man mal irgendwo dann sagt: Manometer, was habt ihr denn mit dem guten Werk gemacht? Das war ja am Anfang doch, Alter, hat so gut angefangen, ihr habt das weiter produziert, stolpert ganz schön. Also der Beat ist nicht gut, Also das liegt nicht an ihm unbedingt, es sind ja deutlich mehr Instrumente drauf und mir erscheint es auch nicht, dass es der Schlagzeug ist. Also man muss dazu Folgendes sagen: Wir haben ja keine elektronischen Schlagzeuge gehabt, bzw. dieses Casio-Ding, klar, das meine ich aber nicht. Das mussten wir auch erst lernen als Rockband, die wir ins Studio gegangen sind. Wir haben dann einfach losgespielt. Moment mal, nee, nee, nee, nix hier, da läuft das nicht, weil so kannst du schwer synchronisieren nachher, irgendwas anderes drauf spielen. Das wird schön mit Klicktrack gemacht. Also mussten wir erstmal damit üben, ja, der Schlagzeuger kriegt dann also ins Ohr klick, klack, klick, klack und dann spielst du dazu. Also das heißt, wir haben alle nach Klick-Track gespielt, damit wir einigermaßen im Beat geradeaus alle spielen und alle dasselbe, ja, also sonst passiert nämlich Folgendes, das ist ja Billie Jean, beste Beispiel, das ist auch aus der Hand gespielt, deshalb kriegen die das mit den Platten immer nicht richtig synchronisiert mit anderen Tracks. Ist ja auch so ein typisches Thema jetzt also als DJ, ja, da merkst du, aha, das ist eines jetzt maschinengesteuert und das andere hat einer so an der Hand gespielt. Das ist schwer, über 3 Minuten wirklich den Beat genau zu halten.

Frank21:56

Dass du die gleiche, wie wir DJs sagen, BPM hast, also Beats per Minute, wie so eine Geschwindigkeit. Ja, aber das bricht ja vielleicht eher für die Platte, dass es eben so individuell ist. Und okay, es mag vielleicht, also wenn du das hörst, Axel, dass es ein bisschen holprig klingt, dann steht das dir zu. Du bist einer der erfolgreichsten Musikproduzenten in Deutschland, du kannst es sagen. Ich würde mich das nicht trauen, aber wenn du es so hörst, ist es ja fair. Aber ich glaube, am Ende waren die alle zufrieden, weil das Ding wurde natürlich ein Wahnsinns-Hit. Gestolpert oder nicht, aber das Ding ist nicht kleinzukriegen. Einer der größten Hits der NDW überhaupt. Wahrscheinlich für jemanden wie Joachim Witt lebensverändernd. Wenn du schreibst, hast einen so einen Hit, der trägt dich dein ganzes verdammtes Leben, weil das Ding wird immer wieder gespielt und du kriegst immer wieder ein bisschen was ab. Joachim Witt ist immer ein Name, der kann immer, wenn er will, kann er auch wieder irgendwo auftreten. Das Ding macht dich unsterblich. Ich glaube, am Ende waren alle zufrieden mit dem Beat.

Axel22:51

Es gilt ja nicht nur für die Produktion. Das war auch nicht so wichtig. Da stecken andere Dinge hinter und der allgemeine Verbraucher hört das doch auch nicht so. Das höre ich jetzt so durch und sage mir, da ich ja selber auch dann an den Keyboards zu dem Zeitpunkt dann auch selber gespielt habe, da weiß ich, dass ich da auch nicht im Beat war. Ich kenne das ja, wie das nicht so einfach ist. Aber das ist nicht so wichtig und schon gar nicht für das, was wir hier zeigen wollen. Das muss man dazu sagen, denn wir wollen uns ja hier mit den Leuten beschäftigen, die da viel mit zu tun hatten. Und das ist jetzt eigentlich im Prinzip fangen wir mal von vorn an, die ersten Erfolge. Und deshalb, da ist nämlich Joachim Witt, schöne Überleitung, und wir haben auch noch die beiden anderen: Ideal, die ja schon eben kurz genannt waren, auf die wir noch eingehen werden, und dann die Grauzone mit Eisbär. Damit ging das los. Und wir haben letztendlich auch Ideal zu verdanken, dass es so weit nach vorne gegangen ist. Also eigentlich ist Blaue Augen der Startpunkt gewesen?

Frank23:55

Ja, das ist eine gute Frage. Das ist ja so interessant, wenn wir darüber sprechen, wie genau ist das Genre definiert, was ist der erste NDW-Song, was ist der letzte NDW-Song? Da kann man natürlich wunderbar diskutieren. Das ist genau, was wir machen. Aber wo wir uns einig sind, das sind so die ersten Sachen gewesen. Und Ideal, wir hatten glaube ich irgendwann mal schon über das Cover gesprochen. Das ist, als die das aufgenommen haben 1980, da hatten sie erstmal keine Plattenfirma gefunden, die das vertreibt. Es gab eben noch nicht NDW, wo dann die Plattenfirma sagt, ah okay, das ist meine Zielgruppe, da schmeiß ich das rein. Sondern die Plattenfirma hat das gehört und sagt, was ist das? Das ist irgendwie verrückt, was wollen wir damit anfangen? Dann singt die auch noch auf Deutsch. Konnten die nichts mit anfangen. Und das wurde dann veröffentlicht auf dem Label von Klaus Schulze. Auch wieder Krautrockmusiker, der ursprünglich bei Tangerine Dream mal war und dann auch solo in den 70ern die verrücktesten Elektropionier-Dinger gemacht hat. Der hat eben ein Faible dafür. Und tatsächlich aber der erste große Hit darauf, Blaue Augen. Wenn du es anhörst, das hat so viel Speed, das ist so schnell, das ist auch Punk irgendwo.

Axel24:58

Ja, ja, stimmt doch. Das Tempo spielt ja gerade beim Punk eine ganz entscheidende Rolle. Das ist gut auch nach vorne so. Ja, ja. Du hast nämlich noch gesagt, das war 1980 gewesen. Ja, das ist auch richtig. Also eigentlich gilt, denn die großen Erfolge kamen eigentlich erst Ende '81, überraschenderweise. Also insofern dann kann man dadurch sagen, dass das zu den ersten Erfolgen gehört.

Frank25:19

Dem Plattenindustrie hat er nichts zugetraut, aber das Ding ist dann so steil gegangen, dass man sogar sagen kann, es ist eins von den Alben, die dieses NDW-Genre überhaupt definiert haben oder dann losgeschoben haben, weil das war so cool, es hat den Leuten so gefallen, es hat offensichtlich so sehr den Zeitgeist getroffen, dass danach dann die Plattenindustrie sagte: Oh, holy shit, wir sollten vielleicht dem mehr Gewicht geben. So diesen auf Deutsch mal vorgetragenen neuen Musik, so eine neue Generation.

Axel25:45

Wir dürfen nicht vergessen, auch da ist Sex in der Wüste ein ganz entscheidender Song drauf gewesen. Der Sex in der Wüste, der war vielleicht auch dem einen oder anderen schon ein bisschen zu weit gegangen. Naja, so weit war es dann auch nicht. Ich habe den ja noch mal neu aufgenommen.

Frank26:02

Ach, tatsächlich?

Axel26:03

Ja, aber für ein Album von Udo Lindenberg. Deshalb waren Annette Humpe und Udo Lindenberg auch im Studio bei mir und wir haben dann diesen Titel noch mal neu aufgenommen in der Fassung von Udo.

Frank26:15

Großartig! Annette Humpe, schön, dass der Name endlich mal gefallen ist. Ja, die Sängerin offensichtlich von Ideal. Annette Humpe, die müssten wir eigentlich auch oder könnten wir auch bringen, wenn wir über Sängerinnen und Sänger reden. Ich würde sagen, in deutscher Sprache eine der größten, weil die eben nicht nur bei Ideal war, sondern das war ja für die nur der Anfang von einer großartigen Karriere. Die hat alles gemacht, später mit Ich und Ich. Ich meine, die hat produziert, die hat auch andere Leute, das ist eine Grand Old Lady, so hat die auch immer wieder jüngere Leute mit angeschoben. Also hey, die ist ihr Leben lang eine dominante Figur im deutschen Musikgeschäft, oder?

Axel26:49

Genau, ja, absolut. Keine Frage. Auf jeden Fall. Aber eine Frage habe ich noch: Wer hat es wohl produziert? Was schätzt du?

Frank26:57

Also ich weiß, dass es nicht du warst. Das will ich schon mal raushauen. Weil da würde ich dich ja noch viel mehr feiern, als ich es eh schon tue. Da würde ich dir die Schuhe binden und Kram. Ich habe den Ideal produziert. Eine gute Frage. Ich meine, du hast vorher schon die ganze Zeit die Brücke zu Conny Plank gebaut.

Axel27:14

Richtig. Conny Plank hat tatsächlich dieses Album produziert.

Frank27:16

Tatsächlich? Das wusste ich noch gar nicht. Was aber passt, weil der eben wieder diese Krautrock-Connection hat. Wahrscheinlich der Klaus Schulze, dem hat er das Label gehört, hat überlegt, okay, ich brauche einen Produzenten. Wer ist der erste Produzent, den Klaus Schulze anruft? Conny Plank. Ja, der auch tatsächlich, kleiner Exkurs, Conny Plank hat tatsächlich auch in den 80ern, als diese Krautrock-Geschichte vorbei war, da hat der immer noch maßgebliche Alben produziert, auch international. Die Eurythmics haben bei dem aufgenommen, ihr erstes Album. Wie hießen die noch mal? Rita Mitsouko, französische New Wave Duo. Marzia Baier. Das ist auch alles Conny Plank Sound. Also der hatte auch in den 80ern noch einen gehörigen Einfluss auf NDW, aber eben auch international auf das, was man dann New Wave nennt und Synthie. Also diesen Schritt aus den 70ern, aus dieser ja oft auch mal komplexen Musik, also so mit ganz langen Tracks, der hat diesen Schritt auch mitgemacht in die 80er rein. Okay, die Tracks müssen kürzer werden, die müssen tighter werden, es muss radiotauglich werden, nicht mehr ganz so viel rumexperimentieren oder wenn experimentieren, aber so, dass es trotzdem gut klingt. Der hat einen Schritt mitgemacht. Dass er Ideal produziert hat, das hatte ich nicht so auf dem Schirm. Axel, ich freue mich einfach immer wieder, was Neues auch zu lernen. Das ist cool so, ey. Conny Plank hat das gemacht.

Axel28:29

Ja, ja, ja. Genau.

Axel28:32

Für uns ein Cut erst mal.

Frank28:33

Vielleicht noch ganz kurz hier noch auf Annette Humpe eingehen. Das ist das Ich + Ich, ja?

Axel28:37

Ja, das Ich + Ich, genau, ist richtig. Das ist sie vor ein paar Jahren gewesen, ja, also mittlerweile ist sie auch Mitte 70, also insofern, aber immer noch am Start. Also wir haben sie noch.

Frank28:48

Eine der Größten. Falls du siehst, Annette, we love you.

Axel28:52

Sehr schön. Gut, damit haben wir es erstmal. Wir werden natürlich selbstverständlich euch noch sehr viel mehr Sachen vorstellen. Vieles davon werdet ihr kennen und auch lieben und deshalb freuen wir uns sehr, euch dabei wieder dabei zu haben.

Frank29:04

Also stay tuned.