James Brown & Dieter Bohlen: Kontrolle, Ego und Geld | Star-Allüren – FRAX Music 18
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Zusammenfassung
In der 18. Folge von FRAX Music tauchen Axel Breitung und Frank Engelmayer tief in die Welt der Star-Allüren und Kontrollfreaks des Musikbusiness ein. Im Mittelpunkt stehen zwei scheinbar gegensätzliche, aber in ihrem Perfektionismus vereinte Persönlichkeiten: James Brown, der Godfather of Soul, und Dieter Bohlen, das Mastermind hinter Modern Talking und DSDS. Die Moderatoren erzählen mitreißend von den exzentrischen Seiten dieser Musiklegenden und beleuchten, wie Kontrolle, Ego und Geld das Leben und Arbeiten im Showbusiness prägen.
Frank eröffnet die Folge mit einer Liebeserklärung an James Brown, dessen Einfluss auf die Musikgeschichte kaum zu überschätzen ist. Brown war nicht nur ein Ausnahmekünstler, sondern auch ein berüchtigter Kontrollfreak. Seine Shows waren legendär – nicht zuletzt, weil keine wie die andere war. Brown improvisierte ständig, gab mit Handzeichen und Zurufen die Richtung vor und verlangte von seinen Musikern absolute Aufmerksamkeit. Fehler wurden nicht nur mit scharfen Worten, sondern auch mit Geldstrafen geahndet. Dieses Klima der Angst sorgte dafür, dass selbst gestandene Musiker wie Bootsy Collins oder Clyde Stubblefield auf der Bühne wie Schüler auf ihren Meister blickten. Die Moderatoren diskutieren, warum Musiker sich auf solche Bedingungen einlassen: Zum einen wegen des guten Verdienstes, zum anderen wegen des Bewusstseins, Teil von Musikgeschichte zu sein.
Axel ergänzt die Erzählung mit eigenen Erfahrungen aus der Musikproduktion und zieht Parallelen zu Dieter Bohlen. Auch Bohlen ist für seine strenge Kontrolle im Studio bekannt. Axel berichtet, wie Bohlen bei Produktionen immer wieder dieselben Anweisungen gab – etwa die Bassdrum lauter zu machen oder mehr Hall zu verwenden. Trotz der manchmal monotonen Kritik war Bohlen stets zuverlässig und professionell, aber immer der Chef im Raum. Die Folge zeigt, dass Perfektionismus und Kontrollzwang im Musikbusiness keine Seltenheit sind und sowohl kreative Höchstleistungen als auch psychischen Druck erzeugen können.
Die beiden Hosts nehmen sich Zeit, die menschliche Seite hinter den Star-Allüren zu beleuchten. Sie machen deutlich, dass es nicht um moralische Verurteilung geht, sondern um das Verständnis für die Mechanismen, die hinter dem Erfolg großer Künstler stehen. Die Geschichten von James Brown und Dieter Bohlen sind dabei exemplarisch für viele Musiker, die zwischen künstlerischem Anspruch, Ego und wirtschaftlichem Druck balancieren.
Abschließend versprechen Axel und Frank weitere spannende Geschichten aus der Welt der Musikexzentriker und machen Lust auf mehr Einblicke in das oft verborgene Innenleben des Showbusiness.
Playlist zur Folge
Hintergrund & Kontext
James Brown gilt als einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Seine Karriere begann in den 1950er Jahren und erreichte ihren Höhepunkt in den 1960er und 70er Jahren. Brown prägte mit seinem einzigartigen Stil den Soul und Funk maßgeblich und wurde als 'The Hardest Working Man in Show Business' bekannt. Seine Arbeitsweise war geprägt von Disziplin, Kontrolle und einem unermüdlichen Perfektionismus, der nicht nur seine Musik, sondern auch das Verhalten seiner Band bestimmte. Diese Strenge war in der afroamerikanischen Musikszene jener Zeit nicht ungewöhnlich, spiegelte aber auch die gesellschaftlichen Herausforderungen wider, mit denen schwarze Künstler konfrontiert waren.
Dieter Bohlen ist eine der prägenden Figuren der deutschen Popmusik seit den 1980er Jahren. Als Teil von Modern Talking und später als Produzent und Juror bei Castingshows wie DSDS wurde er zum Synonym für kommerziellen Erfolg und kontroverse Führungsstile. Bohlens Arbeitsweise ist von klaren Vorstellungen und einer kompromisslosen Umsetzung geprägt, was ihm sowohl Bewunderung als auch Kritik einbrachte. Seine Rolle als Kontrollinstanz im Studio steht exemplarisch für viele Produzenten, die den kreativen Prozess dominieren und damit den Sound einer ganzen Ära prägen.
Beide Künstler stehen für eine Zeit, in der Musikproduktion und Bühnenpräsenz von starken Persönlichkeiten geprägt wurden. Ihr Einfluss reicht bis heute und prägt das Bild vom Musiker als charismatischem, aber oft auch schwierigen Anführer.
Häufige Fragen
Warum galt James Brown als Kontrollfreak im Musikbusiness?
James Brown war bekannt für seinen Perfektionismus und seine strenge Kontrolle über seine Band. Er führte regelmäßige Bandaufnahmen durch, hörte diese nach den Shows an und bestrafte selbst kleinste Fehler mit Geldstrafen und öffentlicher Kritik. Dieses Verhalten sorgte für ein Klima der Angst, aber auch für musikalische Höchstleistungen.
Wie war die Zusammenarbeit zwischen Dieter Bohlen und Musikern im Studio?
Dieter Bohlen war im Studio sehr bestimmend und gab klare Anweisungen, oft mit wiederkehrenden Forderungen wie 'Bassdrum lauter, mehr Hall'. Trotz seines dominanten Auftretens war die Zusammenarbeit professionell, wobei Bohlen stets das letzte Wort hatte und auf Perfektion bestand.
Welche Musiker spielten in der Band von James Brown?
Zu James Browns Band, den JB's, gehörten legendäre Musiker wie Bootsy Collins (Bass), Clyde Stubblefield (Schlagzeug) und Pee Wee Ellis (Saxophon). Viele dieser Musiker prägten den Funk und Soul maßgeblich und arbeiteten später mit anderen Größen der Musikgeschichte zusammen.
Wie beeinflusste Perfektionismus das Musikbusiness der 60er bis 80er Jahre?
Perfektionismus war im Musikbusiness dieser Zeit weit verbreitet, insbesondere bei erfolgreichen Künstlern wie James Brown oder Dieter Bohlen. Dieser Anspruch führte zu außergewöhnlichen musikalischen Ergebnissen, aber auch zu hohem Druck und manchmal schwierigen Arbeitsbedingungen für die beteiligten Musiker.
Was sind typische Star-Allüren im Musikgeschäft?
Star-Allüren äußern sich oft in exzentrischem Verhalten, besonderen Anforderungen an das Umfeld, Kontrollzwang oder ungewöhnlichen Ritualen. Viele berühmte Musiker, darunter James Brown und Dieter Bohlen, sind für solche Eigenheiten bekannt, die sowohl faszinieren als auch polarisieren.
Gesprächs-Transkript
Leute, hier ist FRAX Music und wir haben eine neue Rubrik für euch, neues Thema. Wir beschäftigen uns mit den verrücktesten Geschichten aus dem Rock'n'Roll-Business, aus dem Showbusiness, Extravaganzien, Allüren. Und heute geht es gleich los mit 2 großartigen Namen. Wir werden sprechen über den Soul Brother Number One, über James Brown und über Dieter Bohlen.
Was, beide in einer Sendung?
Beide in einer Sendung. Ihr glaubt es nicht?
Jetzt geht's los!
Hallo liebe Musikfreunde, willkommen bei FRAX Music. Schön, dass ihr wieder dabei seid, eurem Kanal, wo es um Musik und Popkultur geht. Heute haben wir ein total interessantes Thema für euch am Start, Axel und ich. Wir sprechen ja so oft über großartige Musikerinnen und Musiker, und viele von denen führen ein außergewöhnliches Leben, haben einen außergewöhnlichen Lifestyle. Viele von denen haben auch gewisse Neurosen entwickelt oder Extravaganzen oder Allüren oder Spleens. Es gibt Tausende von unterhaltsamen und verrückten Geschichten zu erzählen aus dieser verrückten Welt des Showbusiness. Und los geht's heute mit einem der allergrößten, nämlich James Brown! Yeah, Soul Brother Number One! Ja, Axel, wir sprechen hier heute ein bisschen über Allüren und Extravaganzen. Und das möchte ich einmal vorausschicken. Das klingt ja sowieso wie so ein Negativthema. Wollen sich die beiden jetzt da echauffieren über den Lifestyle von anderen? Nein, wir hauen ja niemanden in die Pfanne. Es geht uns auch gar nicht darum, irgendwie moralisch zu bewerten, was andere Leute machen. Wir sind nicht in deren Schuhen. Es sind halt einfach nur spannende Geschichten, die wir erzählen. Und heute will ich euch was erzählen über James Brown, der für mich einer der Allergrößten ist. Ich bin ein Riesen-James-Brown-Fan. Der ist für mich einer der größten Entertainer, von denen wir je wissen, die auf einer Bühne gestanden sind. So ein Typ, der mit einem einzigen Öh kann der eine ganze Riot irgendwie unter Kontrolle bringen. Also diese Kraft hat James Brown. Aber ich sage euch, James Brown, der war auch ein verrückter Typ. Der war auch so ein Perfektionist. Ein Controlfreak möchte man schon sagen. Und es gibt von James Brown diese Story. Als er in seiner Prime war, der hat ja eine ewig lange Karriere gehabt. Seine ersten Hits gehen zurück in die 50er. Aber in seiner größten Zeit, da würde ich mal sagen, das ist so von Mitte 60er bis Mitte 70er, in der Zeit war James Brown super erfolgreich und gleichzeitig auch extrem produktiv. Er wurde ja The Hardest Working Man in Show Business genannt. Und die haben in der Zeit zum Teil mehr Shows im Jahr gemacht, als das Jahr Tage hat. Die haben also an manchen Tagen dann 2 oder 3 Shows am Abend gespielt. Und James Brown, der hatte so diesen Anspruch: Keine Show darf wie die andere sein. Es muss immer wieder neu sein, immer wieder improvisiert, immer wieder ein Break eingelegt oder ein Solo an einer anderen Stelle oder so was. Das war ihm wichtig. Keine Show ist wie die andere. Alles läuft immer neu. Und er war der Boss auf der Bühne und er hatte dann mit Handgesten oder mit Callouts so diese Breaks eingeleitet. Da war eine gewisse Geste, die hat bedeutet: Hey, in 4 Takten machen wir einen Und das war halt immer anders und das war unberechenbar. Du wusstest als Musiker nicht, was kommt. Und du musstest aber aufpassen, denn James Brown war ein Kontrollfreak. Der hat jedes von diesen Konzerten damals auf Band aufgenommen, also so ein einfaches Tonbandgerät, und hat danach im Hotel noch sich das alles angehört. Und wenn ihm da auch nur der kleinste Fehler aufgefallen ist, wenn er den Fehler nicht schon vorher während der Show gehört hat, dann hat er da den den oder die Musikerin vor versammelter Mannschaft dermaßen zur Sau gemacht und niedergemacht und beschimpft und richtig hardcore-mäßig. Der war so ein Kontrollfreak. Da war fast so ein Klima der Angst bei den JB's. Und deswegen, wenn du so Live-Aufnahmen siehst aus der Zeit, so Footage, dann fällt einem auf, dass alle Musiker in der Band, die schauen die ganze Zeit auf James Brown, die sind wirklich fixiert auf den, weil jeder von denen hat eine verdammte Angst, wenn ich auch nur einen Moment irgendwie aufpasse und der ruft mich gerade an oder gibt mir Blickkontakt und möchte was von mir, Dann wäre ich wieder fertiggemacht. Und so sind da, wir reden hier von großen Musikern, die sind da alle wie die Kinder und gucken die ganze Zeit: Was macht der Meister? Und wenn er dann ruft: Hazrat! Da musst du sofort: Yes! Muss dann kommen. Es darf keinen Takt verzögert sein. Hazrat! Yes! Play the piano! Und dann muss zum richtigen Takt das Pianosolo anfangen. So war das bei ihm. Großartig. Und da fragt man sich: Warum lassen diese Musiker das mit sich machen? In einer Band, weißt du, da lässt du dich doch nicht von einem so niedermachen als erwachsener Mensch. Aber dazu muss man sagen, es gibt zwei Gründe, warum die das gemacht haben. Zum einen, das war ja nicht eine Band wie jetzt, weißt du, wir sind Kumpels, wir machen gemeinsam eine Band auf Augenhöhe, wir sind Lennon McCartney, sondern das waren die JB's, das war die James-Brown-Band. Der hat diese Musiker angeheuert, der hat die einfach bezahlt, die haben für ihn gearbeitet, er war der Boss. Und das heißt, zum einen haben die halt einen Haufen Kohle verdient, die kamen alle so vor aus dem Jazz, wo die viel Kunst gemacht haben, aber wenig Geld. Bei James Brown, du hast ordentlich verdient, aber er war der absolute Boss, uneingeschränkt. Und dazu kam natürlich, dass die damals schon mitbekommen haben und gemerkt haben: Hey, was wir hier machen, das ist eine unfassbar heiße Musik, die hat Bestand. Und wenn du da halt ein paar Jahre dann dabei warst bei den JBs, da war das für viele Musiker etwas, was sie dann ihre ganze Karriere begleitet hat. Und ich meine, da waren große Namen wie Bootsy Collins, der Bassist, der so das Bassriff für Sex Machine erfunden hat. Da waren Leute wie Clyde Stubblefield, der funky Drummer, oder Pee Wee Ellis so am Saxophon. Und ja, selbst die Größten haben dort mitgespielt, aber alle wie die kleinen Jungs. So, hey, wenn der Boss ausflippt, dann droht Gefahr. Da waren die alle wie die kleinen Kinder immer so.
Ja, also ich kann nur sagen, ich habe jetzt hier ja entsprechend mich für die Bilder entschieden. Man sieht, wie er abgeht, also live. Und das ist also nur eins von den Bildern. Da sind noch ganz andere Sachen zu sehen. Also ich muss sagen, also er hat da auch die entsprechende Show gemacht. Das muss man schon sagen. Aber Wie du schon richtig sagst, Kontrollfreak. Und da kommt noch was oben drauf. Die hatten so eine Art Kasse. Also wer einen Fehler gemacht hatte, wurde zur Kasse gebeten. Also mit anderen Worten, man wollte das nicht, natürlich möglichst auch finanziell nicht unbedingt eingehen, unabhängig davon, dass man da noch mal eine ordentliche Ansage gekriegt hat. Also von der Warte aus hat er doch einen obendrauf gesetzt, damit ja keiner einen Fehler macht.
Es sind ja wirklich auch Künstler anfällig für so was, weil viele Künstler sind Perfektionisten und möchten alles kontrollieren. Und ich glaube, gerade in deinem Job als Produzent, da ist man doch auch wahrscheinlich Perfektionist. Es muss perfekt sein, nicht einigermaßen taugen, sondern du hast eine klare Vorstellung, und wenn die nicht erreicht wird, bist du nicht zufrieden. Kennst du das selber auch so, so diese Control Freaks? Kennst du da vielleicht Kollegen, bei denen das war, so Leute, bei denen es so ähnlich war wie James Brown, die da wirklich fast schon nicht mehr nur Perfektionist waren, sondern eben noch einen Schritt weiter gingen hin zum Control Freak? Kennst du solche Leute?
Also ich selber habe zum Glück keine kennengelernt, also das war nicht der Fall. Um mich selber mal zu beurteilen, würde ich sagen, also nein, ich habe es nicht gemacht. Also Wo hätte man es merken können? Ich war ja weitestgehend dafür verantwortlich, nicht nur verantwortlich, sondern ich habe es ja selber umgesetzt. Also musste ich mit mir selber unzufrieden sein. War ich auch manchmal, das gibt's schon. Meistens dann, wenn die mir reingequatscht haben in meine Produktion, gesagt haben, pass mal auf, also das und das geht gar nicht, das musst du ändern. Und dann dachte ich mir, ja, ich habe mir was dabei gedacht. Und wenn du so alles durchdenkst, ja okay, aber das sind ja Auftragsgeber, da sagst du okay, dann musst du damit zufrieden sein. Also das von der Warte aus. Gegenüber den Interpreten wusste ich, dass ich das auf gar keinen Fall machen. Das war klar, weil die müssen sich frei fühlen, so wie es irgendwie geht. Der Druck, hatten wir ja letztes Mal schon in einer anderen Folge festgestellt, dass das ein enormer Druck war, dass die Leute massiv also auch bis zum Heulkrampf gekriegt haben. Also das ist schon nicht so ohne. Meistens Frauen, muss ich dazu sagen, aber ohne dass ich Druck gemacht habe. Also das ist halt einfach diese psychische Belastung, die da ist. Insofern konnte er sich wahrscheinlich als James Brown auch wirklich nur die Belastbaren leisten. Also weil die anderen sind die, die werden natürlich abgefahren. Also du musst schon einen Nervenkostüm haben, ja, weil so kontrollmäßig, wie das bei ihm gelaufen sein muss, würde ich sagen, ist es auch sehr unangenehm, weil du nimmst dir selber schon jeden Fehler übel. Ich meine, wenn du einigermaßen, sagen wir mal, gut drauf bist, da fühlst du dich auch schuldig, ja, da dann kannst du nicht zu ihm sagen, war gar kein Fehler, sondern du weißt ganz genau, ich habe hier leider gelost, irgendwie war ich unaufmerksam, habe das nicht mitgekriegt, scheiße, ja, na klar, dann wusste man schon, uh, jetzt geht's los, man muss sich schön ducken jetzt und du hast auch einen Fehler gemacht. Es ist nicht so, dass du dich dann gewehrt hast, zumindest zum größten Teil. Und deshalb, insofern ist es so, ja, es war von Dieter Bohlen, da kam eine sehr unangenehme Meldung. Also ich habe da auch mal gefragt, wie sieht denn die Arbeit mit Dieter Bohlen aus? Und da kam schon, also der hat nicht nur die Leute nachher bei DSDS bei dem Casting fertiggemacht, der war im Studio nicht anders. Also das ist natürlich Und wenn man dann gesagt hat, ja, was soll ich denn machen? Und dann kam von ihm, ja, sing mal mit mehr Gefühl. Ganz ehrlich, was willst du da machen? Dann denkst du, ich habe doch mit Gefühl gesungen. Oder wie mache ich das? Wo ist mein Knopf? Wo drücke ich drauf? Jetzt mit Gefühl. Ja, hast du ja nicht. Also es ist schon schwierig. Das war dann auch so eine Ansage, wo man dann auch merkte, auch er hat diese Kontrollfreak-Arie.
Ohne Witz, ich glaube, zu dem Thema Kontrollfreak, da würden mir noch Dutzende Geschichten einfallen. Und ich schätze mal, es war auch noch lange nicht alles. Oder andere werden euch aus dieser Art von Spleen-Extravaganz bestimmt noch servieren. Aber hey, was haben wir denn noch für Stories? Du hast schon Dieter Bohlen angesprochen.
Ja, ich habe Dieter Bohlen angesprochen.
Da gibt es bestimmt noch mehr, oder? Ja, da ist er doch.
Wir gucken mal ein bisschen genauer hin bei Dieter Bohlen. Zunächst einmal, das ist die Zeit noch Modern Talking. Man sieht es. Das ist was? Was denkst du? Von wann ist das Foto?
2000er, war das nicht schon in diesen Castingshows?
Selbstverständlich, ganz genau. Daher kommt das, also DSDS-Mann. Und ich denke mal sogar, es könnte jetzt sogar trotzdem aus einem anderen Zusammenhang gerissen sein. Und ich habe ja mit ihm zusammengearbeitet. Also ich kann nur sagen, wenn es anders wäre, würde ich es jetzt auch sofort sagen. Aber ich kann eigentlich nur sagen, wir waren Co-Produzenten. Wir waren eigentlich auf einer Stufe. Ja, es ist natürlich so eine Sache. Er hatte letztendlich diese Sache zu verantworten. Und deshalb habe ich auch verstanden, okay, wenn er irgendetwas sagt, dann muss ich das schon machen. Okay, wie lief es ab? Das war ganz interessant eigentlich, weil es ist so, ich habe gesagt, okay, das packe ich an und ich schätze mal so gegen Abend bin ich fertig. Dann habe ich ihn angerufen, hör mal zu, in einer Stunde bin ich durch hier. Wie sieht es aus? Kommst du vorbei? Und er kam wirklich jedes Mal sehr zuverlässig. Also das ist kein Freak, der mal kommt und mal nicht und sonst irgendwo mal keine Zeit hat. Nee, nee, wir wussten ja ungefähr, wann wir produzieren und er kam wirklich dann auch wie verabredet an. So, und was hat er dann zu gehört? Kurz rein und sagte, ja, okay. Und dann kam, ja, also die Bassdrum lauter und mehr Hall. Okay, denke ich, das kann man machen. Wenn er weiter nicht zu nölen, denke ich, da können wir noch sicher noch mehr sagen. Also ich war ganz überrascht, dass es eigentlich alles war, was er hatte. Okay, dann mache ich klar und so. Dann habe ich das dann hochgeschoben und dann hat er gesagt, okay, lass mal noch einen Tag liegen, ich komme noch mal vorbei. Kam er wieder rein. Ja, mehr Bassdrum lauter und mehr Hall. Ich denke, wie? Habe ich doch schon letztes Mal lauter gemacht. Was ist denn jetzt los? Ja, so, und dann stellte sich nach und nach, weil wir hatten ja nicht einen Titel, sondern das ging um die Produktion Win the Race und in diesem Zusammenhang gab es ein ganzes Album, das Amerika-Album, und dazu waren eben noch 3 weitere Titel. Also 4 Titel habe ich gemacht und dann merkte ich schon, da sagt er immer den gleichen Spruch. Und ich dachte dann so, hat er nicht mehr? Also verstehst du, immer das Gleiche: Bassdrum lauter, mehr Hall. Und ich denke, das ist jetzt schon tierisch laut, ja. Und dann dachte ich, okay, pass mal auf, dann ich bin jetzt mal ein bisschen— ihr ahnt schon, worauf es hinausläuft. Ich wusste schon, wenn der wieder kommt, sagt er, die Bassdrum lauter, mehr Hall. Also bisschen leiser gemacht, damit er den Spruch wieder loslassen. Ah, okay, du willst mehr Bassdrum, und das mache ich doch gerne. Zack, Stück höher. Ach ja, so ist schon besser. Okay, denke ich. Okay, also ihr ahnt schon, ich bin mal— also es ist so, fand ich ein bisschen einseitig. Ich hätte da gerne mehr inhaltliche Kritik gehabt oder so. Und aber es ließ sich noch toppen. Es ist— ich, ich, jetzt kommt eine Geschichte wirklich aus dem Nähkästchen. Und zwar war es eigentlich so, er hatte zu meiner Überraschung, sagte er dann, ich muss jetzt den Chef von der Hansa anrufen. Das haben wir so vereinbart, wenn ich das soweit habe, und spiel ihm das dann vor. Sag ich, ja, wie willst du es denn vorspielen? Ja, hast du mal einen Kopfhörer? Ja, wie, Kopfhörer? Der kann er sich ja nicht aufsetzen in Berlin. Das schafft man ja wohl nicht ganz von Hamburg nach Berlin. Sagt er, ja, ich mache das schon. Dann nahm er den Kopfhörer, drückte den, also nach dem Gespräch, im Gespräch drückte den auf die Muschel und spielte ihm das vor. Der hört sich das an und dann sagt er, und was sagst du? Die Bassdrum muss weg.
Bassdrum, mehr Bass.
Kein Witz, Leute, der Frequenzbereich über dieses Telefon, 300 bis 3000 Hertz.
Der hat das die ganze Zeit übers Telefon gehört.
Ja, das ist doch peinlich ohne Ende. Ich dachte so, ja, aber er sagte, er will es noch mal ganz in Ordnung hören. So, und dann, also er wollte das jetzt noch mal in Berlin hören. Und zwar, ja, sage ich, ja, aber es ist jetzt Vormittag gewesen, was machen wir denn jetzt? Ich könnte das ja hochladen. Wir haben extra ein Portal dafür gebucht, in dem wir das hochladen konnten. War damals noch so, ist ja Anfang, war 2001. Das können wir doch noch, können wir hochladen, ja, und an dieser Stelle kann man das downloaden und so könnte man sich das anhören. Ja, und was kam? Da sagt er, nee, nee, nee, das kommt gar nicht infrage, das geht nicht. Also er wüsste nicht, wie das geht und das können wir nicht machen. Ja, was machen wir denn dann? IC-Kurier. IC-Kurier? Kennt ihr das?
Intercity oder was? Jemand, der da mit der Bahn das dann hin und her fährt?
Genau richtig. Also mussten wir, haben wir eine Taxe beauftragt, ja, die das zum Bahnhof gebracht hat. Dann ist er rechtzeitig in den nächsten ICE nach Berlin, Berlin, Taxe und zu ihm. Und dann denke ich, ja, kann man machen, ne? Und denke, was soll das denn kosten, der Spaß, ne? Und dann kam ja so 200 € oder was kam das? Und dann dachte ich auch so, ist ja eine feine Nummer, so was, obwohl man sich das downloaden könnte. Und ich kämpfe hier um jeden Euro, den ich hier als Produzent verdiene. Und hier wird das Geld so mit beiden Händen rausgeschmissen. Also ich fand es gut plattet, muss ich zugeben. Also aber dafür kann Dieter jetzt in dem Augenblick mal nichts. Aber ich wollte das nur mal so sagen. Das ist so Plattenindustrie, ja. Also wenn es um deren Dinge geht, dann war es war das schon so.
Und was war dann sein Urteil, als er dann tatsächlich das richtige Band hörte? Hey, welcher Verrückte hat denn hier den Regler am Bass und am Hall gehabt? Hey, das ist doch viel zu viel, Mann.
Nein, hat er nicht gesagt, weil er wohl gewusst hatte, dass er, dass Dieter das schon dreimal eingefordert hat. Das wäre es gewesen, das stimmt schon. Interessant ist auch Folgendes: Also bei dem ersten Album, da habe ich so gesagt, wo wird der Gesang aufgenommen? Kommt Thomas auch? Nee, nee, nee, da haben wir ein anderes Studio. Dann denke ich auch so, okay, da denke ich mal, habe ich mir nichts bei gedacht und so, weil man ja irgendwie, denke ich mir so, aber da ich den ja kenne und man kennt sich unter Produzentenkollegen natürlich gut und dann habe ich gesagt, okay, wer ist denn, und dann habe ich den angerufen und sag mal, Wie kann das sein? Hat das einen bestimmten Grund? Ja, der Grund ist, das nehmen wir ja an einem Tag auf. Da sage ich: Was? Was nehmt ihr an einem Tag auf? Das ganze Album, sagt er zu mir. Normalerweise nimmst du einen Titel am Tag auf, vielleicht noch einen zweiten, wenn die gut in Form sind. Du kommst doch nicht drauf, das ganze Album. Da sage ich: Wie jetzt? Kann doch nicht sein. Doch, sagt er, der kommt so gut vorbereitet, der nimmt immer First Take, wie es so schön heißt. Also lassen einfach durchlaufen, das Band. Und nehmen das auf und da der an sich fehlerfrei singt, weil er sehr gut vorbereitet ist, ist es schnell durch. Dann wird mal eine geraucht oder was weiß ich, was die machen und dann kommt der nächste Titel dran und dann geht's weiter. Ich denke, das kann nicht wahr sein. Wir geben uns solche Mühe, das Wichtigste ist der Sänger und der wird zigmal aufgenommen und ich krieg einen Take. Kenne ich gar nicht, weil du hattest mal in einer anderen Folge gefragt, wie oft nehmt ihr das eigentlich auf? Ja, also unter 4-mal geht gar nichts. Ja, weil man will ja auch Auswahl haben, um zu gucken, da hat er mal nicht ganz so deutlich gesungen und wenn er was irgendwie dann doch noch einen Tacken besser gemacht hat. Aber die haben das einfach durchlaufen lassen, das Album. Und dann sage ich, hat das einen bestimmten Grund? Jetzt kommt er. Ja, es hat einen bestimmten Grund. Und zwar, der Thomas kann den Dieter so wenig leiden, dass er möglichst wenig Zeit mit ihm zusammen verbringen möchte. Man überlege sich das mal.
Echt, eigentlich so ein Album an einem Tag durchgepeitscht, weil mehr einfach nicht ging.
Wow. Ja, und er ist wirklich nachmittags gekommen und abends wieder nach Hause gefahren, damit er diese Zeit so kurz hält wie möglich. Also heute darf man es ja sagen, jetzt ist es ja dann doch mal kurz mehr als 20 Jahre vorbei, aber das war schon hart, muss ich sagen. Aber zeigt eigentlich auch, wie das Verhältnis zwischen den beiden war. Und das nur mal so als Anekdote direkt aus dem Studio. Ich denke mal, das Zeugnis durfte mal gesagt werden. Nichtsdestotrotz, also wenn es um die Beurteilung von Stimmen geht, da lasse ich nichts auf Dieter kommen. Das ist nicht nur bei DSDS so, sondern der Mann hat wirklich was auf dem Kasten. Das kann man mit der Beurteilung seiner eigenen Titel nicht unbedingt sagen. Also ich merke, er hat sich wirklich auf die Vorschläge von seiner Plattenfirma verlassen, dass er so lange abgewartet hat, bis er die Zusage oder sonst irgendwas hatte. Er hat denen die Entscheidung weitestgehend überlassen. Weil er selber eigentlich nicht so unbedingt wusste, wie er das am besten hätte.
Es ist schön, dass du das erzählst. Und was glaube ich auch klar wird, so ein Typ wie Dieter Bohlen, natürlich eine lustige Projektionsfläche ist, und wir machen natürlich gern Witze und bla, aber was wir nie vergessen sollten, die meisten von diesen Leuten, die dort im Showbusiness arbeiten, das sind auch harte Arbeiter. Das ist das Krasse. Wie du sagst, der Typ kommt halt voll vorbereitet. Das heißt, der hat da wirklich vorher auch schon lange gearbeitet. Davor haben wir über James Brown geredet. Weißt du, das ist auch so, viele Leute stellen sich das vor, na ja, Showbusiness, das ist wie in dem berühmten Dire Straits Song, das ist doch Money for Nothing. Mit einem kleinen Finger kriegst du mal ein paar Blasen, weil du so viel Gitarre spielst, aber ansonsten ist es doch keine Arbeit. Aber die Wahrheit ist, dass die Leute, die dort im Showbusiness sind, und das gilt auch vielleicht sogar noch mehr wirklich für diese Superstars, der Druck ist halt riesig. Das Arbeitspensum. Diese Leute sind ständig am Reisen, die haben ständig PR-Termine, Fototermine, immer wo du funktionieren und wirken musst, immer wo der Künstler im Mittelpunkt steht. Die sind ständig unterwegs, du musst ständig wieder neue Albums haben, du hast Druck von der Plattenfirma. Die meisten von denen arbeiten auch brutal hart und das muss man immer dazu sagen, wenn man sich denkt, naja, die führen da alle so einen extravaganten Lifestyle, so weißt du, sowieso neue Reiche. Die meisten von denen kompensieren dadurch auch vielleicht ein Stück weit von von dieser Verantwortung, die sie auch haben. Und so oder so, das ist bestimmt eine ganz besondere Rolle, wenn du so ein Rockstar bist, diese Energien auf der Bühne aufsaugst, diese Energien der Öffentlichkeit aufsaugst. Ja klar macht es was mit dir. Und da muss man sich nicht wundern, dass dann viele von diesen Leuten dann auch eben gewisse Neurosen oder Auffälligkeiten entwickeln, einfach um damit irgendwie zurechtzukommen. Und deswegen sagen wir das auch. Wir sagen das keinesfalls irgendwie wertend, wenn wir über solche Künstler sprechen, sondern uns ist es bewusst, was für einen außergewöhnlichen Lifestyle die haben. Und ja, noch mal, die meisten von denen sind hardworking people.
Also ich kann nur eine andere Geschichte von ihm erzählen, weil wenn man im Studio ist, dann kriegst du unheimlich viel mit, auch was draußen bedeutet. Du hast auch vollkommen recht. Und so kam es mal vor, dass Dieter irgendwann reinkam ins Studio, voll aufgebracht und so weiter. Ich habe gerade mit der Bild-Zeitung gesprochen, die spinnen wohl, das und das. Ich wusste gar nicht, was es war. Auf jeden Fall kam dann so ein Riesen-Effekt von ihm und der war richtig stinkig. Und sagt er dann aus dieser Wut heraus, das ist eine Frechheit von denen, ich mache die Bild-Zeitung groß und dann das. Dann denke ich auch so, er macht die Bild-Zeitung groß?
Making Bild great again?
Schöner Satz. Ja, aber wie gesagt, das poltert dann aus den Leuten raus. Ja, also ja, kann ich verstehen irgendwo, aber es hat er ja so im Affekt gesagt. Also wie gesagt, ich kann nur sagen, das muss ich jetzt doch mal zu seiner Ehrenrettung sagen, so strange wie er ist, ja, also er ist auch bekannt für einen übermäßigen Geiz. Das kann man nicht anders sagen. Man erzählt sich, wenigstens noch diese kleine Anekdote muss ich noch loswerden, man erzählt sich, als er den ersten Erfolg hatte mit Modern Talking, ja, dann ist er also rein ins Musikgeschäft seines Vertrauens und ließ sich beraten, was er jetzt für eine Mehrspuranlage bekommt. Und darauf hat man ihn beraten. Und als sie dann fertig waren mit der Beratung, alles sozusagen am Start war, das Equipment zusammengestellt war, dann ist man davon ausgegangen, dass er jetzt direkt bezahlt und mit irgendwas. Da sagt er, wie sieht's denn jetzt mit dem Leasingangebot aus? Leute, der hat Millionen gescheffelt, der redet über ein Leasingangebot.
Und die wissen das alle.
Die wissen das natürlich alle, klar. Die wussten das natürlich alle, die kannten den ja schließlich seit, das ist ja das Geschäft seines Vertrauens. Und der fängt an, über Leasingangebote nachzurechnen. Für was war das denn? Aber da kannst du schon ein bisschen sehen, gibt auch andere Leute, Also auch von denen, die durchaus ihr Geld nicht bekommen haben. Das hätten also Handwerker und so, also ist auch passiert wohl offensichtlich, die ihn dafür auch verklagt haben. Also das geht schon sehr weit. Da muss man schon sagen, und das könnte man durchaus auch mit extravagant und sonst irgendwas bezeichnen, auch die Tatsache, dass er, sagen wir mal, die Fahrzeuge, die er gefahren hat, waren immer gesponsert, möchte ich mal sagen, von den entsprechenden Firmen. Und dann sage ich, ich spreche jetzt auch so, weil er sagt dann irgendwie, warum hast du eigentlich nicht das teuerste und beste Heilgerät hier, was wir jetzt eigentlich am Start haben? Weil ich wusste, ich brauche es ja gar nicht, weil ich hatte schon sehr Gutes und das Allerbeste brauchte ich nicht unbedingt. Also habe ich mir überlegt, dann sage ich: Ja, Moment mal, das sagst du. Du sitzt da ja in deinem Wagen, der gesponsert ist. Das habe ich natürlich nicht, sage ich so zu ihm. Wie wäre es denn jetzt, wenn die Firma Daihatsu auf dich zukommen würde und würde dir einen Wagen sponsern? Dann würde ich genauso fahren, sagte er mir. Und ich dachte mir: Niemals würdest du in so eine Gurke gehen. Sage ich, da übertreibe ich jetzt mal. Und da siehst du auch so ein bisschen das Verständnis. Wer sein Buch kennt, wird mir recht geben. Da ist nämlich reichlich davon auch zu lesen, dass der schon sehr knauserig ist. Und ich glaube, er weiß das auch, dass er da nicht so— wenn der beispielsweise mit dem Act essen gegangen ist und hat dann gesagt, hör auf, geh mal los, hol mal ein bisschen Essen, kam dann wieder, dann hat er das Wechselgeld gezählt, ob das auch wirklich alles wieder zurückgegeben worden ist. Bist du mal bereit? Sind mit einem Hunderter losgegangen, kam wieder und sagt, wo sind die 14 €? Also ist schon heftig. Ja, also er war da schon sehr genau. Also gut, er ist ja BWL-Student gewesen, das dürfen wir nicht ganz vergessen. Aber vielleicht ist das ein bisschen übertrieben.
Bei diesem Thema Extravaganzen, siehst du da einen Unterschied zwischen amerikanischen Künstlern und deutschen Künstlern? Weil gefühlt von außen betrachtet sind in Amerika die Geschichten viel, viel wilder noch, die wir alle zu hören bekommen. Und ich habe dich ja auch schon off the record gefragt, erzähl doch mal ein paar wilde Skandalgeschichten, Sex, Drugs, Rock'n'Roll aus dem Showbusiness. Aber alles, was du erzählst, ist eben ziemlich nüchtern. Professionell wird da gearbeitet und diese ganzen wirklich richtig wilden Geschichten hören wir fast nur aus dem Ausland. Siehst du es auch so?
Ja, ich meine, ich sehe es ein bisschen an meiner eigenen Person. Gut, als Musikproduzent bist du für sehr viel verantwortlich. Ich habe bequem auch gute 36, 38 Stunden durchgearbeitet. Das war keine Seltenheit, wenn du einen Abgabetermin hast. Das wird gebraucht. Gerade wenn du jetzt mit DSDS und so weiter so einen Künstler hast, das ist ja eine Art waren Termingeschäft, ja, muss man wirklich so sehen. Du weißt ganz genau, dann und dann ist die Endveranstaltung und da muss die Platte draußen sein, weil nächsten Freitag oder Montag damals noch sind sie in die Geschäfte gerannt und haben den Tonträger gekauft. Du hattest gar keine andere Wahl und dann musstest du innerhalb von 14 Tagen das ganze Album stehen haben, obwohl du die Titel ja vorher gar nicht kanntest. Meistens alles natürlich Dieter Bohlen Titel gewesen, verstehe ich auch gut, weil er war ja in der richtigen Position und er hat auch geliefert. Also das muss man ihm auch lassen, ja, also er hat geliefert und er ist auch jemand, der wirklich auch hart arbeiten kann, wie du schon sagst. Pressetermine, der hat auch noch im Studio gearbeitet, die Songs vorbereitet und so weiter und so weiter. Also in allen Ehren.
So ist es. Ich glaube, das gilt wahrscheinlich für die allermeisten von den Leuten, über die wir sprechen. Jeder hat natürlich seinen einzelnen Weg, hat seine eigene Story. Aber ich glaube, die meisten von denen, das können wir Außenstehende, wobei du bist kein Außenstehender, du bist eben Inside. Deswegen haben wir dich ja hier und hören von dir diese Geschichten, weil ich glaube, wir Außenstehende können uns das nicht vorstellen. Welche Belastung das auch bedeutet, wenn du so als Star, als Künstler ständig funktionieren musst und die ganze Zeit unterwegs bist. Auch so diese Rastlosigkeit, dieses Getriebene, getrieben von Zeitdruck und du musst die ganze Zeit liefern. Diese Erwartungshaltung, die auch an dich da ist. Wenn auch immer du einen Raum betrittst, boah, hier kommt Prince rein. Du musst immer dieser Prince sein. Du kannst dich ja auch mal hängen lassen. Das ist natürlich, glaube ich, eine enorme Belastung. Und ja, da kann man schon gut verstehen, dass solche Leute eben auch ansonsten einen anderen Lifestyle haben als wir Normalmenschen.
Und normalerweise geht das dann eben so: Entweder sind sie auf Tour, dann haben sie tagsüber Pressetermine und abends müssen sie auf die Bühne. DJ BoBo, immer wenn er kommt, ist es das Gleiche. Und ganz nebenbei, wir sehen uns ja die Show dieses Jahr mal an. Also auch das ist ein Thema für uns, das muss man einfach auch gesehen haben, muss ich ganz klar sagen. Super Show als Beispiel. Und davor, da kommen die Pressevertreter und sonst irgendwelche Schulterklopfer Schulterklopfer auch noch an, die natürlich auch ein Recht darauf haben, über ihn zu berichten. Und er ist keine Ausnahme, das gilt für die großen Stars auch, die suchen sich natürlich dann entsprechend starke Medien auch aus. Ja, also auch das führt dazu, dass die natürlich auch, sagen wir mal, durch diese Schulterklopfer— deshalb habe ich sie extra immer so genannt, das war kein Zufall, sondern bewusst gesagt— weil wenn du den ganzen Tag hörst, dass du großartig bist, ja, das kann schon zum Abheben führen. Dann ist der Erdboden nicht mehr so ganz deins.
Es gibt auch eine ganze Reihe von Songs, wo auch genau das beschrieben wird. Am besten vielleicht von Supertramp, Take the Long Way Home. Da singt er auch, Roger Hodgson singt dort so: When you're up on the stage, it's so unbelievable, incredible how they adore you. Also wenn du auf der Bühne stehst, ist es so ein unglaubliches Gefühl, was du da bekommst, wenn die Energie von diesen Tausenden von Menschen, die spürst du förmlich. Du spürst diese Kraft da. Und dann ist aber die Show vorbei und dann singt er weiter: Then back at home, your wife seems to think you're part of the furniture. Weißt du, dann kommst du wieder nach Hause und hast vielleicht gerade Trouble gehabt mit deiner Frau und die behandelt dich wie ein Stück Möbel. Und dieser Kontrast, weißt du, auf der Bühne huldigen dir die Menschen so sehr, aber dann hast du auch wieder ein Privatleben, bist einfach nur zu Hause Mensch und deine Frau ist gerade angepisst, weil du mal den Müll nicht runtergetragen hast. Damit umzugehen, das ist halt für viele auch brutal schwer. Diese enormen Höhen, die dir dieses Leben bringt als Rockstar, als Popstar, aber eben dann auch der Abstieg, der immer wieder folgen muss. Und viele von denen können es auch nur kompensieren mit Extravaganzen oder leider auch mit Drogen. Deswegen sind so viele auch da so anfällig, weil das können wir, glaube ich, uns gar nicht vorstellen. Diese emotionale Achterbahnfahrt, was so ein Lifestyle eigentlich mit einem macht.
Ja, und du hast schon recht, das beschäftigt dich auch weiter. Und ich glaube, deshalb macht auch schlaflose Nächte an vielen Stellen, weil du bist so unter Druck und so weiter. Du musst erst mal wieder runterkommen. Ist nicht so ohne. Wirklich. Definitiv. Auch gerade Shows, wie du schon sagst, diese Energie spürst du schon. Ich war lange genug auf der Bühne, um das eben auch nicht in der Größenordnung, aber trotzdem, du spürst das dann schon. Und deshalb ist es schon ein ganz klares Zeichen, dass du da dich irgendwie wieder lernst zu grounden, um dann wieder auf diesem Niveau mit deinen Mitmenschen zu agieren.
Das Schöne für uns ist, deswegen gibt es so unglaublich viele solche Stories und wir haben noch so viele auf Lager. Heute sind wir eigentlich schon wieder durch mit der Zeit. Aber hey, schreibt doch mal in den Kommentaren rein. Wollt ihr mehr solche Stories hören? Habt ihr vielleicht selber Ideen? Da gibt es ja wirklich, es gibt Musiker, deren ganzes Leben ist eine einzige Extravaganz. Und deswegen würden wir uns freuen auf ein bisschen Feedback von euch. Bleibt uns auch weiterhin gewogen, unterstützt unsere Arbeit, da freuen wir uns sehr darüber. Und in diesem Sinne, ja, bis zum nächsten Mal.
