MUSIK PODCAST · DE
FRAX MUSIC#1710. Juli 2026

Die wilde Zeit der NDW – Es geht voran! - Grauzone, Hubert Kah, Geier Sturzflug | FRAX Music 17

neue deutsche wellefehlfarben es geht vorangrauzone eisbärrheingold dreiklangsdimensionenina deter bandeinstürzende neubautenndw avantgardemusikgeschichte deutschland

Verfügbar auf

Zusammenfassung

In dieser Folge von FRAX Music tauchen Axel Breitung und Frank Engelmayer tief in die weniger bekannten, aber umso spannenderen Facetten der Neuen Deutschen Welle (NDW) ein. Nachdem in der letzten Episode die Vorreiter der NDW beleuchtet wurden, stehen nun die Bands im Fokus, die mit ihrer Musik zwischen den Genres wandelten und den Sound der frühen 80er entscheidend prägten.

Im Zentrum steht der Song „Es geht voran“ von Fehlfarben – ein Paradebeispiel für die Dynamik und die Konflikte innerhalb der NDW. Die Band, ursprünglich aus der Punk-Szene, schaffte mit diesem Song den Sprung in die Charts. Doch der Erfolg hatte seinen Preis: Während viele neue Fans gewonnen wurden, warfen alte Weggefährten der Band einen Ausverkauf vor. Der Song selbst ist musikalisch eher funkig als punkig und zeigt, wie sehr sich die NDW von ihren Ursprüngen entfernte und neue Wege beschritt. Die Diskussion um künstlerische Integrität versus kommerziellen Erfolg zieht sich wie ein roter Faden durch die Folge.

Ein weiteres Highlight ist Grauzone mit „Eisbär“. Axel und Frank sind sich einig: Der Song ist ein echter Klassiker, der auf keiner 80er-Party fehlen darf. Besonders spannend ist der dadaistische, scheinbar sinnfreie Text, der dennoch künstlerisch überzeugt. Dass Grauzone aus der Schweiz stammt, überrascht viele – ein Beweis für die internationale Strahlkraft der NDW.

Auch Rheingold mit „Dreiklangsdimensionen“ wird ausführlich besprochen. Der Song steht mit einem Bein noch im Krautrock und zeigt die elektronische, minimalistische Seite der NDW. Die Hosts diskutieren, wie die Musikindustrie damals auf Hits reagierte und warum viele NDW-Alben nicht an den Erfolg der Singles anknüpfen konnten.

Mit der Ina Deter Band („Neue Männer braucht das Land“) und Einstürzende Neubauten werden weitere Acts vorgestellt, die musikalisch an den Genregrenzen operierten. Während Ina Deter eher in der Tradition der Liedermacher und Protestsongs steht, überschreiten Einstürzende Neubauten mit ihrem Industrial-Sound endgültig die Grenzen der NDW.

Die Folge macht deutlich: NDW war nie ein klar umrissenes Genre, sondern ein Schmelztiegel unterschiedlichster Einflüsse. Die Grenzen zu Punk, Elektronik, Folk und Industrial sind fließend. Gerade das macht die Zeit so spannend – und sorgt bis heute für Gesprächsstoff unter Musikliebhabern.

Hintergrund & Kontext

Die Neue Deutsche Welle entstand Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre in Westdeutschland als Reaktion auf die internationale Punk- und New-Wave-Bewegung. Während Bands wie Kraftwerk und Can bereits in den 70ern mit elektronischen Klängen experimentierten, brachte die NDW eine neue Generation von Musikern hervor, die sich bewusst von angloamerikanischen Vorbildern abgrenzten und erstmals selbstbewusst auf Deutsch sangen.

Die NDW war nicht nur ein musikalisches, sondern auch ein gesellschaftliches Phänomen. In einer Zeit politischer Umbrüche – geprägt von Friedensbewegung, Umweltprotesten und einer neuen Jugendkultur – bot die NDW eine Plattform für ironische, kritische und oft provokante Texte. Die Bewegung war extrem vielfältig: Neben eingängigen Pop-Hits gab es experimentelle, avantgardistische und politisch motivierte Acts, die sich mit Themen wie Identität, Konsum und gesellschaftlichen Zwängen auseinandersetzten.

Viele NDW-Bands verschwanden nach kurzer Zeit wieder von der Bildfläche, doch einige Songs und Künstler sind bis heute prägend für die deutsche Popkultur. Die NDW beeinflusste spätere Generationen von Musikern und trug dazu bei, die deutsche Sprache in der Popmusik zu etablieren.

Häufige Fragen

Was macht den Song 'Es geht voran' von Fehlfarben so besonders?

Der Song 'Es geht voran' von Fehlfarben gilt als einer der wichtigsten NDW-Hits, weil er Punk-Elemente mit funkigen Rhythmen verbindet und damit sowohl musikalisch als auch textlich neue Wege ging. Er markierte den Durchbruch der Band in die Charts, sorgte aber auch für Kontroversen unter alten Fans.

Welche Rolle spielte Grauzone mit 'Eisbär' in der NDW?

'Eisbär' von Grauzone aus der Schweiz wurde zu einem der bekanntesten NDW-Songs. Der minimalistische Sound und der dadaistische Text machten den Song zu einem Partyklassiker der 80er und zeigen, wie international die NDW war.

Warum werden Bands wie Rheingold oder Einstürzende Neubauten der NDW zugeordnet?

Bands wie Rheingold oder Einstürzende Neubauten werden oft der NDW zugerechnet, weil sie in der Zeit der Bewegung aktiv waren und deutschsprachige Musik machten. Musikalisch stehen sie aber häufig an den Genre-Grenzen, etwa zu Krautrock, Industrial oder Liedermachern.

Was unterscheidet NDW von Punk oder Liedermacher-Musik?

NDW ist eine eigenständige Bewegung, die sich zwar Einflüsse aus Punk, Elektronik und Liedermacher-Musik holte, aber durch ihren Zeitgeist, die deutsche Sprache und eine oft ironische, experimentelle Haltung geprägt war. Die Grenzen zu anderen Genres sind jedoch fließend.

Welche NDW-Songs gelten heute als Klassiker abseits von Nena?

Neben Nena zählen Songs wie 'Es geht voran' (Fehlfarben), 'Eisbär' (Grauzone), 'Dreiklangsdimensionen' (Rheingold) und 'Neue Männer braucht das Land' (Ina Deter Band) zu den Klassikern der NDW, die bis heute auf 80er-Partys laufen.

Gesprächs-Transkript

Frank0:00

Hey, liebe Musikfreunde, schön, dass ihr dabei seid. Hier ist wieder FRAX Music mit einer weiteren Ausgabe zu der Geschichte von NDW, der Neuen Deutschen Welle, unter anderem mit Fehlfarben, Grauzone und ihrem Eisbär und Rheingold, die Dreiklangsdimensionen und das Bruttosozialprodukt mit Geier Sturzflug. Und auch über Hubert Kah werden wir hier ein bisschen klönen. Hier jetzt dranbleiben auf FRAX Music.

Axel0:42

Ihr seid wieder bei FRAX Music gelandet und wir sind letztes Mal bis zu den Vorreitern der Neuen Deutschen Welle gekommen. Wie gesagt, das ist unser Thema, hier eine weitere Folge dazu. NDW ist ein großes Thema und hat die Musikbranche massiv bewegt. Und vor allen Dingen natürlich die Zuschauer. Und wo hat das Ganze angefangen? Ja, dazu haben wir hier einige Beispiele gehabt. Das war der Stand vom letzten Video. Die Vorreiter haben wir besprochen und jetzt wollen wir hier den Letzten nehmen, in der Reihe natürlich nur den Letzten, der nämlich dann überraschenderweise trotz einer, sagen wir mal, sehr punkigen Geschichte dann den Sprung in die Charts geschafft hat und in die Top 10. Nämlich Fehlfarben. Der Titel hieß Es geht voran. Geschichte wird gemacht, es geht voran. So der Slogan des Titels und die haben dann damit ganz schön gut abgeräumt. Das war für so eine Punkband echt was Besonderes und man hört es auch am Sound. Der ist noch sehr erdig, muss ich sagen.

Frank1:41

Ja, das war ein Song, der der Band gut getan hat und die auch künstlerisch, sehe ich auch so, echt auf ein neues Niveau gebracht hat. Aber es hat ihnen auch gewisse Probleme bereitet, weil viele von ihren früheren Fans, die auch eng verwoben waren mit der Punkszene damals, die haben das als eine Art künstlerischen und kommerziellen Verrat gesehen. Hey, ihr verkauft euch. Und auch musikalisch, das ist natürlich ein großartiger Song, Es geht voran, aber es ist ja eigentlich vom Sound her eigentlich kein Punk. Im Grunde, wenn du es genau anhörst, dann hat es eher so was Funkiges. Das ist wie so ein Nile Rodgers Riff oder so was. Es geht in diese Richtung und das ist natürlich nicht Punk. Und damals war Punk noch frisch und jung. Es war echt eine Glaubensfrage. Und so gesehen, manche von ihren alten Fans haben sie verloren, aber sie haben natürlich viel, viel neue gewonnen.

Axel2:24

Also das ist schon richtig und das passiert sehr häufig. Das muss man immer wieder sagen in der Musikbranche. Eine Band macht eigentlich eine bestimmte Musik, die einfach kommerziell nicht die große Masse erreicht. Und plötzlich haben die irgendwie eine Idee, die sie gut finden. Und dann ist das was ganz anderes als der Rest. Und denen ist es ja genauso gegangen. Also das ist so weit weg von dem, dass sich halt ihre Fans drüber aufgeregt haben und gesagt haben, sie haben uns verraten. Aber ich meine, sie wären dann wieder zurück zu ihrem Sound gegangen, den sie sonst vorher hatten, und hätten sie einen nachgelegt und gesagt, wir brauchen noch sowas wie Es geht voran. Und ihnen war das wichtiger, Akzeptanz bei ihrer Gruppe zu behalten. Das muss jeder selber entscheiden. Jetzt kommen wir zur Musikindustrie. Die sieht eigentlich im Grunde genommen zu, dass da für die ein Hit bei rauskommt. Und wenn die sowas sehen, dass da was sich entwickelt, dann werden die sofort nach einem Album schreien. Weil zumindest war es früher so, dass zur Zeit der Schallplatte, da wir reden ja noch von Schallplatten, denn die CD war noch nicht am Start zu dem Zeitpunkt. Also die Schallplatten damals, die waren darauf ausgelegt, dass sie halt eben mit dem Album davon machten. Und dann wird es immer schwierig. Die Leute, die jetzt natürlich gesagt haben, die kommerzielle Seite gesehen haben von Fehlfarben, Es geht voran, die kaufen das Album, sagen, ist ja gar nichts drauf, was ich gut finde. Waren enttäuscht. Immer ganz schwierig. Die Plattenindustrie, die sagt, na ja gut, verkauft ist verkauft. Wir können auch nichts dafür. Ist ja nicht unser Ding. Wir haben den Leuten ihre künstlerische Freiheit ja nicht genommen. Muss man denen zugestehen. Und da muss das ja jetzt jede Band vor allen Dingen selber entscheiden. Und ich bin mir sicher, die haben lange gruppendynamische Gespräche gehabt. Das muss man immer sehen. Die sitzen dann da und diskutieren das aus. Bringt auch manchmal keine gute Stimmung in so eine Gruppe.

Frank4:07

Ja, es ist auch eine schwierige Entscheidung, weil die einen wollen vorankommen, die wollen was anders machen, andere wollen bleiben. Wir sind halt alle Menschen so. Und die Erwartungshaltung von den Fans, das ist überhaupt ein großes Thema, nicht nur bei NDW, offensichtlich bei allen möglichen Künstlern. Das kann schon manchmal ganz schön Druck ausüben. Du musst halt liefern und jetzt lieferst du nicht. Und dann weißt du ja nie, ob du dann das neue Publikum auch gewinnst. Und es gab tatsächlich Bands, wo mir mehrere Beispiele einfallen, die dann irgendwann am Ende komplett zwischen den Stühlen gestanden sind und dann kannst du dich nur auflösen und unter neuem Namen irgendwas ganz Neues machen.

Axel4:40

Ja, ist richtig. Also ich habe hier mal so ein bisschen geguckt, was machen die heute? Und da sieht man, also sie sind am Start. Ich vermute, dass sie wieder am Start sind. Die haben dann irgendwann, die müssen ja nicht unbedingt sich gestritten haben und alle auseinandergegangen sein. Kann aber auch so sein. Manchmal ist es auch so, dass sie sich sagen, Mensch, komm, lass uns doch noch mal zusammen Musik machen, hat doch Spaß gemacht. Komm, wir hauen jetzt einfach noch mal rein. Haben ganz anderen Status. Alle sind dann in Familien untergekommen und haben Nachwuchs und was weiß ich nicht alles. Haben diese ganze Phase überlebt. Und sind dann sozusagen in ein neues Zeitalter getreten. Und dann kann sowas dann so sein, dass man sich dann sagt, okay, wir gehen einfach mal auf die Bühne. Und so ähnlich, nein, so ähnlich war es nicht, aber wir gucken jetzt mal danach, was hat sich auch von den Alternativen, also die Alternative oder Avantgarde, wie man sie auch immer nennt, wer hat denn von denen den Sprung in die Neue Deutsche Welle eigentlich geschafft? Und da habe ich einige Beispiele hier zusammengetragen, die halt eben nicht diesen Standard, also nicht wie Markus mit seinem, ich will Spaß, oder mit dem, was sonst so halt eben die Spider Murphy Gang und so weiter ist. Und die kommen aus einer ganz anderen Richtung, aber werden dem, und meiner Meinung nach auch zu Recht, ja, dieser, sagen wir mal, Avantgarde-Seite der NDW zugeordnet. Und das kommt, vorne haben wir nämlich auch wieder jemanden, der nicht aus Deutschland ist. Grauzone mit Eisbär ist aus der Schweiz.

Frank6:07

Tatsächlich? Das wusste ich gar nicht.

Axel6:08

Ja, die sind aus der Schweiz und haben dann eben auch ihren Beitrag geleistet. Man hört es nicht, ne? Also das kann sein, dass die vielleicht auch irgendwo noch einen Zweig hatten, den sie nach vorne geholt haben, der dieses Ich möchte ein Eisbär sein—

Frank6:23

Das klingt überhaupt nicht nach Schweiz. Ich bin wirklich verblüfft. Das höre ich zum ersten Mal, dass das aus der Schweiz ist. Interessant.

Axel6:28

Ja. Gut, deshalb habe ich es auch relativ kurz gemacht, dass wir die alle jetzt hier mal kurz erwähnen, weil sie sind teilweise, also gerade der Eisbär ging wirklich gut damals. Ich weiß nicht, ob du auch das Gefühl hattest.

Frank6:39

Ja, das ist einer von den großen Klassikern. Schon damals, ich mich erinnere, das lief auf jeder Party, haben wir das Zeug aufgelegt. Und auch heute, wenn du so eine 80er-Party schmeißt, das ist ein Klassiker, jeder kennt das. So eingängig irgendwie. Und das ist auch da so ein bisschen so Dadaismus, auch so ein Nonsens-Text, der aber nicht einfach nur töricht oder albern ist, sondern irgendwie halt so künstlerisch Nonsens. Dadaismus irgendwo. Eisbären müssen nie weinen, kalter Polarfrost. Was singt der da? Oh Mann, und das nächste Ding, was du hier hast: Dreiklangsdimensionen von Rheingold. Das ist tatsächlich einer meiner Favoriten aus dem ganzen Genre NDW. Einer meiner Lieblingstracks und nicht zuletzt auch deswegen, weil du hörst es einfach. Das ist einer von den NDW-Nummern, wir haben ja darüber auch gesprochen in den ersten Teilen, der steht wirklich mit einem Bein noch im Krautrock. Das ist so ähnlich wie Kraftwerk, das ist so Elektronika, das ist noch Pionierarbeit. Das hat auch so die ganze Ästhetik, selbst auf dem Plattencover, ja, ich meine so mit Ausschlägen und Technik und so und Elektronik. Das ist so, da kraut jetzt noch, wie ich so sage, das wabert so, das hat so was Minimalistisches. Liebe ich diese Platte ganz großartig. Also der Song auf jeden Fall. Wie du gesagt hast, du hast einen guten Song rausgehauen, dann will die Industrie gleich ein Album haben. Und ich weiß es jetzt nicht bei Rheingold, um denen nicht Unrecht zu tun, aber oft war es dann so, dass dann die Alben auch nicht das liefern konnten, was der eine Hit bringt, sondern dann manchmal auch ein bisschen gehetzt erscheinen. Schnell, wir müssen noch was zusammenstellen. Okay, mit dem einen Ding spielen wir noch ein bisschen. Nicht immer, aber oft genug waren dann die Alben noch mehr Filler als Killer.

Axel8:19

Genau, das Problem bleibt dann auch für die Kreativen. Sie sind etwas überrascht über den Erfolg, aber selbst wenn sie sagen, okay gut, dann richten wir uns so drauf ein, machen das, was dieses Publikum erwartet, und das machen sie halt eben nicht, das war einfach One-Off, wie man ja auch gerne mal sagt, dann passt da nicht, geht's da nicht weiter für die. Ich würde es auch so sagen, also da hatten wir schon mal übrigens Empfehlung, weil das ist jetzt ja der 4. Teil, den wir ja insgesamt aufgenommen haben, und Teil 3 gibt's durchaus Informationen hier über DAF zum Beispiel, also können wir nur wärmstens empfehlen. Ina Deter Band, Neue Männer braucht das Land. Also ich will mal so sagen, das gilt auch heute noch.

Frank8:59

Ja, natürlich, großartiger Song. Der, ich finde, der passt am allerwenigsten eigentlich in das, was wir NDW nennen. Rein von der Musik her ist halt auch so, okay, es ist deutschsprachig und es ist Anfang der 80er gekommen, dann bist du aber dort in diesem Genre mit drin. Aber rein musikalisch steht es viel mehr in der Tradition so aus den 70ern noch. Liedermacher, Protestsong, einen politischen Song machen. Das ist mehr so Folkmusik, weißt du, so von der ganzen Art her. Das ist eigentlich nicht NDW. Aber ja, wie wir es auch schon bei Spliff hatten, wie wir es auch schon bei Klaus Lage hatten und so weiter. Wenn du in der Zeit gerade Deutsch gesungen hast, warst du NDW und du hast auch ganz ehrlich den Erfolg auch ganz gerne mitgenommen. Aber das ist für mich eher so ein ja, Songwriter-Album, Protestsong, in der Richtung willst du es einordnen, ne?

Axel9:48

Aber ich würde es eher ein bisschen anders sehen als du, und zwar wenn man vom Text ausgeht. Es passt in diese freche Schnauze durchaus mit rein und deshalb, ich glaube schon, dass das da auch hingehört, aber nur aus textlichen Gründen, da hast du vollkommen recht. Also wenn man jetzt aber, soweit ich mich erinnere, war das auch am Ende. Also es war schon wieder sozusagen aus der NDW-Zeit im Ausklingen, ja. Deshalb kann man jetzt auch mit anderen übrigens auch kommen, ja. Wir hatten es ja schon mal im Vorfeld, als wir es vorbereitet haben, haben wir dann auch schon gesagt, wollen wir es denn noch mit reinnehmen oder nicht? Ja, und das gehört ja auch mit dazu. Du hast vollkommen recht, weil musikalisch gesehen eigentlich nicht, aber halt eben inhaltlich schon. Also dieses Freche ist ja auch mit drin. Und wie gesagt, und das galt ja auch für ein bisschen schon für DAF auch schon.

Frank10:34

Ja, genau. Hier sind wir wirklich an dem Punkt, wo wir halt über diese Genregrenzen definieren. Und das ist ja nicht wie in der Mathematik irgendwie klar definiert, das ist richtig oder falsch. Die Genres, wir gründen, wir machen diese Genres. Letztens, jetzt nicht wir, aber Leute wie wir, also wir alle gründen diese Genres. Du hast selber auch in einem von den vorherigen Teilen gesagt, es ist ein Musikjournalist, der überhaupt den Begriff NDW geprägt hat. Das ist ganz oft so in der Musik. Es gibt da kein, hier hört's auf und da fängt's an. Natürlich gibt's einen gewissen Zeitrahmen und dort fallen die auf jeden Fall rein, aber ich meine, nicht alles, was in der Zeit noch auf Deutsch produziert war, ist dann NDW. Gleichzeitig gab es immer noch Schlager, Das gab es auch und ein Schlagersong ist kein NDW. Gleichzeitig gab es auch damals Liedermacher wie, zwar auch in den 80ern oder 1980 rum, gab es auch eine riesengroße politische Bewegung in Deutschland. Umweltschutz oder Aktion gegen Startbahn West, die Ostermärsche, Friedensbewegung, NATO-Doppelbeschluss, Börschenswahl, das war alles auch damals der Zeitgeist. Da gab es so Leute wie Hannes Wader, der erfolgreich war, aber den würdest du nie in NDW packen, weil der hat auch 1981 halt Lieder gesungen. Aber es ist nicht NDW, das ist aber auch nicht Schlager, das ist dann Lieder Chansonier. Und das ist das Spannende und macht so Spaß, darüber auch so zu sprechen, weil du kannst immer in beide Richtungen gehen und diese Grenzen, die sind total fließend. Und bei der Sache, bei Ina Deter, da würde ich eben sagen, hier bewegen wir uns im Grenzbereich Solidermachern. Bei DAF und auch bei was wir vorhin hatten mit Fehlfarben, da bewegen wir uns im Grenzbereich zu dem, was wir wirklich Punk nennen. Und hey, ein Punk, der würde sich nie einen NDW nennen. Das ist wirklich eine unterschiedliche Subkultur, aber es gibt halt diese Grenzbereiche. Und so kicke ich gleich den Ball dann zu dem Album noch. Einstürzende Neubauten aus Berlin, auch richtig Hammerband halt. Das ist Blixa Bargeld, dort der Frontmann. Das ist auch sehr weit im Grenzbereich schon außerhalb von NDW. Das ist im Grenzbereich von NDW hin zu ja auch wieder Prog. Das ist noch nicht mal Punk, das ist so protoindustriell. Der steht auch wieder in so einer Krautrock-Tradition. Da gab es nämlich auch schon in den 70ern Bands, die so ein Industrial Sound schon angefangen haben. Da würde ich mal Faust reinschmeißen. Aber hey, das ist wirklich in einer anderen Sendung. Werden wir mal so diese 70er deutsche Szene mal beleuchten. Aber das ist so dermaßen progressiv, seiner Zeit voraus. Auch das ist eben nur so ein bisschen NDW. Aber es ist eine, also die Fans auch von denen, die würden sie nicht als NDW bezeichnen. Nein, genau. Und echte NDW-Fans, die Leute, die gerne Markus hören, Die werden hier dieses Album nach wenigen Takten schockiert wieder einpacken und skip, nächste.

Axel13:11

Ja, aber ich glaube schon, dass vielleicht auch, man müsste so sehen, wenn ich mich recht erinnere, waren die aber auch schon vorher da, also bevor es die Neue Deutsche Welle gab. Und das natürlich vielleicht sogar als diese provokanten Vorreiter zu benennen, die halt eben auch die Tür schon einen kleinen Spalt aufgemacht haben.

Frank13:28

Mit Sicherheit. Sie sind nicht willkürlich einfach auf der Liste gelandet, sondern wenn wir über NDW sprechen, wir sprechen über die Vorläufer und wie sich das entwickelt hat, dann werden wir diese Bands zu erwähnen. Und ich schätze, da bricht Ihnen auch kein Zacken aus der Krone, sondern Shoutout nach Berlin zu den Neubauten, die es heute immer noch gibt, so glaube ich jedenfalls. Respekt. Wir wissen, ihr seid keine NDWler, aber ihr habt NDW beeinflusst und deswegen kommt ihr hier vor.

Axel13:54

Genau. Ja, jetzt gucken wir aber mal echte NDW-Hits an. Also hier zum Beispiel.

Frank13:59

Da gibt es keine Diskussion.

Axel14:00

Das ist NDW. Genau. Bruttosozialprodukt hieß das Ding von der Geier Sturzflug. Band, also insofern, die waren ja da definitiv auch als Band angetreten. Hier, ich habe vom Bildmaterial, war nicht mal allzu viel zu finden, insofern habe ich mich auf den Hauptsänger dort beschränkt. Und eigentlich, was, ist ein One-Off gewesen, kann man durchaus sagen, ja, also One-Hit-Wonder. Aber es war definitiv eine Nummer 1 in den Charts. Also klar, du kannst es mitsingen und ich denke auch, das gehört in jede NDW-Party immer mit rein, der Song gehört einfach fett dazu.

Frank14:35

Ja, und er ist auch so lustig und spaßig. Ich habe ja letztes Mal auch davon berichtet, von diesem Kulturkampf, der in den deutschen Wohnzimmern stattgefunden hat um 1980, '81, '82 rum, als diese NDW aufkam. Aber weißt du, bei Geier Sturzflug, da haben alle Generationen, fanden es cool, weil wir verstehen es, es ist lustig. Und auch so die Älteren damals, weißt du, Deutschland müssen arbeiten und so, die fanden es auch gut. Ja, hey, los, hängst du faul rum? Eine Frage: Sind die eigentlich, ich weiß es gar nicht, sind die eigentlich aus NRW? Weil das ist ja eigentlich NRW, weißt du, Arbeiterindustriebundesland, Kohle und Stahl und so weiter. Das ist irgendwie so diese Ethik, die von dort kommt. Ich selber komme aus München, Bayern. Da bin ich mir ganz sicher, dass es nicht herkommt, weil das klingt schon so nach NRW, Ruhrpott. Aber ich bin mir nicht ganz sicher. Bochum vielleicht.

Axel15:22

Aber auch dort, du siehst selber, früher oder später heißt das Album. Natürlich sind sie da sozusagen, da Bruttosozialprodukt dabei. Sie sind gesigned in Ariola, das könnte ein Hinweis auf München sein. Ariola war als Münchner Label zu betrachten.

Frank15:38

Ja, aber die sind ganz sicher nicht aus München. Das ist das Einzige, was ich ausschließen konnte.

Axel15:42

Ja klar, ich weiß nicht, du, wir wissen ja nicht, wie auch die Frage, wie kommt ihr denn jetzt zur Plattenfirma? Ganz interessante Frage. Ja, ich meine, die müssen eine gefunden haben, sonst wären sie niemals dann da oben gelandet. Also deshalb muss man davon ausgehen, dass das auch ein ganz wichtiger Punkt ist, um den Sprung zu schaffen. Wir hatten so was ja durchaus auch noch mal in späterer Zeit. Ich möchte mal so ein ganz, ganz abstruses Beispiel nennen: Schnappi. Schnappi war ja eigentlich ein Kindersong von irgendeiner Webseite und einer von der Musikindustrie hat den gehört. Das hat den nicht überzeugt, so gesehen. Dann hat er gesehen, wie viele Leute den angeklickt haben und toll finden. Darauf hat die Industrie das eingekauft in dem guten Wissen, okay, ja, wir wissen, dass das laufen wird, wenn man sie auf die große Ebene hebt. Und das haben die einfach gemacht. Und siehe da, das ging auf. Also ich kenne denjenigen persönlich gut, der das halt eben auch gefunden hat. Oder ich glaube eher, dass so Leute dahingeführt werden, dadurch dass irgendwer sagt, pass mal auf, ist dir schon mal aufgefallen, die haben da eine Million Klicks drauf, ja, ist das nicht was für euch? Und dann sagt, oh, ich kann mich hier profilieren innerhalb der Firma. Muss man ja auch mal verstehen, ja, ist ja wieder Firma und deren Position und so weiter. Das ist schon, das spielt alles eine Rolle plötzlich, ne.

Frank16:54

Und dann kommt der Typ vom Music-Business auf die Idee, okay, ein guter Song, lass uns ein Album produzieren. Komm, wir schicken die zu Breitung, mach mal ein Album mit denen, bitteschön. Und das soll irgendwie in dem Style sein und sich gut verkaufen. Do it. Hier, bitteschön.

Axel17:06

Danke. So kommen auch solche Sachen zustande, die das dann irgendwo vielleicht auch eingeschickt haben. Aber du brauchst immer jemanden, das ist ganz wichtig. Man braucht immer jemanden, der dir diese Tür aufmacht zur Industrie. Also irgendjemand muss es ja dahin bringen. Und zwar weil deren Problem ist, gerade wenn so eine Welle läuft, dann fühlt sich auch noch jeder noch da aufgefordert, für auch noch seinen Kram dazu zu zahlen. Was sie für Schrott gekriegt haben. Ja, und du hast dann etliche Angebote und die diskutieren in ihren Runden. Dann kommt der sogenannte A&R, Artist and Repertoire heißt das, der die Aufgabe hat, für die Acts, die sie bereits haben, Titel zu suchen auf der einen Seite, oder Titel, die zu ihnen kommen, oder Bands, die zu ihnen kommen, dass man die dann entsprechend ankauft, wenn man so will. Also denen einen Plattenvertrag anbietet. So war das mit Sicherheit bei denen auch. Dann guckt man nach, wie langfristig er ist, weil das hat auch meistens was mit Vorauszahlungen zu tun und Ähnlichem. Also da ergibt sich dann das vertragliche Feld. Aber dazu musst du ja da erstmal hin und die haben dann gerne 200 Songs in der Woche. Wer soll die alle hören? Ja, das muss man auch sehen. Also brauchst du eigentlich jemanden, der sich dafür einsetzt, vielleicht einen Termin macht oder Ähnliches und dann damit dann aufschlägt und sagt, hier habe ich eine gute Band so und so. Ja, und das wird meistens Verleger sein oder Manager oder so was, die sich dann dafür einsetzen. So kommen auch manchmal sehr ungesunde Deals zustande, weil viele sagen, ich komme jetzt ganz groß raus und holen sich irgend so einen Vorstadtmanager, der einfach nur seine eigenen Sachen platzieren will und hast dann einfach kein Glück.

Frank18:37

Warte mal, mal ganz allgemein, wo wir gerade bei dem Thema sind, weil ich weiß, uns schauen auch viele junge Leute zu, die auch selber Musiker sind und vielleicht nach vorne gucken. Wie ist es denn, du als Produzent, als Insider, hilft es eigentlich einer Band, wenn du dann so ein paar Meriten hast? Keine Ahnung, dass du irgendeinen Talentwettbewerb gewonnen hast. Hilft dir das? Wird das wirklich gesehen? Wenn eben bei einer Plattenfirma soundso viele Songs oder Demos in einer Woche immer ankommen und du musst dich ja irgendwie hervorheben, hilft dir das schon, wenn du sagen kannst, guck mal, hier habe ich Meriten, wir haben soundso oft schon live gespielt, hier waren wir beim Stadtfest soundso mal am Start, oder ist es im Grunde genommen denen völlig egal, den Leuten im Business? Was würdest du so jetzt jungen Bands raten, wie kannst du dich hervorheben und zeigen, dass du was Besonderes bist?

Axel19:23

Aktuell ist es natürlich besonders schwierig, wir haben jetzt die Übergangszeit, Zeit mit KI. Ja, das ist jetzt, wird's eng, weil die werden natürlich massiv, weil jetzt viel, viel mehr Leute heutzutage sich relativ schnell in die Lage versetzt werden, überhaupt was anbieten zu können. Ja, das lassen sie die KI machen oder machen es in Zusammenarbeit mit der KI. Da gibt's zig Sachen. Der Industrie fällt jetzt erstmal schwer, die Sachen mit der KI von den anderen Sachen überhaupt zu unterscheiden. Oder im Allgemeinen sind diese Leute, die darüber entscheiden, keine Musiker. Denen fehlt natürlich das Wissen. Ja, die Problematik ist, sie brauchen eigentlich irgendjemanden, der vorher die Selektion macht. Das hilft. Ja, also Beispiel: Wir haben einen Verleger, da geht es ja meist um die Musikstücke selber, und der selektiert natürlich auch schon mal vor. Und wenn das ein Vertrauter ist zu der Industrie, dann hat er den Draht und weiß auch erstmal, wen er ansprechen muss. Das ist ja sehr unterschiedlich. Du hast ja mehr so, im Rock ist dann die und die Firma besser, und wenn du das, weißt was ich, Dance machst, ist die besser. Und der kann das selektieren und sagt, oh, der Ansprechpartner da und da, den kann ich einschätzen, der wird sich dafür interessieren. Dann nützen dir die Meriten was. Darauf will ich hinaus. Dann nützen sie dir was, weil du sagst, pass mal auf, hier das und das war der Umfang. Du hast dann meistens so ein Gespräch, Stunde, das ist dann limitiert. Du weißt, in dieser halben Stunde, Stunde, ich weiß nicht, wie es heute ist, hast du diesen Zeitraum und dann muss der sozusagen vortragen. Und wenn der gut ist, dann sucht er sich alles das raus, was die Plattenfirma überzeugt, weil deren Aufgabe wäre ja, das, was sie da hören, auf ein hohes Niveau zu ziehen, wo sie sagen, okay, hier, das heißt musikalisch gesehen, aber auch den Interpreten. Es lohnt nicht für eine Plattenfirma heute, jemand mit einem Titel einzukaufen. Deshalb sagt, wenn der mit einem Titel ankommt, sagt er, pass mal auf, brauchst nicht kommen, brauch keinen Termin machen. Unter 4 Titeln hören wir uns das gar nicht an. Ja, damit grenzen sie schon mal aus, dass irgendwelche Leute, die irgendwie mal auf die Idee gekommen sind, irgendwas zu machen, damit mit dabei sind. Das funktioniert nicht. Das ist schon mal gut, erstes Selektionskriterium. Dann werden die sich natürlich auch dafür interessieren, was ist das für eine Person, die da auf Einzeltournee ist, oder was ist das für eine Band? Und da siehst du auch schon, nicht derjenige, der jetzt Einzelpersonen einkauft, weiß mit einer Band umzugehen. Dazu musst du die Banddynamik kennenlernen. Das ist ein ganz eigenes Thema, weil da sind viele, wenn das Rammstein ist, für mich ein sehr gutes Beispiel. Guck mal, das sind 6 Leute, alle kennen nur den einen. Ja, alle denken, es ist der Lindemann, der alles macht. Nein, das ist eine wirklich gewachsene Band.

Frank21:51

Oder bei Nena, die wir vorhin mal hatten.

Axel21:53

Genau, auf jeden Fall. Da sind unterschiedliche Strömungen in dieser Band. Du hast immer diese gruppendynamischen Gespräche. Also wenn du die miterlebt hast, manchmal, weil es auch jeder will ja was unterschiedlich. Die sagen ja nicht alle, ich will unbedingt den dicken Erfolg haben. Andere sagen, pass mal auf, ich habe jetzt Familie. Also für mich kann das so schnell, wie du das willst, hier mit 30 Wochenstunden hier arbeiten dafür, das schaffe ich gar nicht. Wo soll ich das denn machen? Und schon geht's schon los. Dann fragen sich die anderen: Ist das der richtige Mann für uns? Und schon siehst du Abspaltungsproblematik. Ist alles wirklich schwierig, also gerade wenn es um eine Band geht. Deshalb sind viele auch damit mit einer anderen Geschichte einverstanden.

Frank22:32

Vielleicht ist es auch heute ja gar nicht mehr so bedeutsam, Plattenvertrag zu haben wie damals, weil damals war natürlich durch die Technologie, nicht jeder hatte eine Pressmaschine zu Hause, hast du das gebraucht, um irgendwie gehört zu werden, vervielfältigt zu werden. Heute in Internetzeiten mit Streamern und so, es gibt auch so eine große Indie-Szene, die sich schon völlig losgelöst hat von irgendwelchen Plattenfirmen. Heute ist es vielleicht gar nicht mehr so von Bedeutung. Natürlich cool, wenn du einen Plattenvertrag hast, weil es gibt dir eine gewisse Sicherheit. Aber jetzt, wenn du heute ein junger Musiker bist, gibt es glaube ich viele Wege, wie du auch auf Aufmerksamkeit und Erfolg kommst.

Axel23:06

Du hast vollkommen recht. Dieser Trend hat sich schon vor 20 Jahren angedeutet und wird eigentlich immer weiterkommen. Aber die Neue Deutsche Welle hat ja auch andere Leute möglich gemacht, nämlich hier Hubert Kah. Über den gibt's einiges zu sagen, nämlich dass wir hier mit Hubert Kah jemanden haben, der jetzt nicht nur in der Neuen Deutschen Welle mit dabei war, das war sein Start. So sah er damals aus, als er noch den Sternenhimmel gesungen hat. Guck mal, man ahnt das schon, hier ist eine Performance. Dieser Bassist war eigentlich auch immer mit dabei, ne, das ist er hier, der hat dann den Bass gespielt. Hubert K.

Frank23:39

selber, auch eine wilde Art, wie der den Bass spielt, einfach guck, wo der die Hand hat.

Axel23:43

Ja, ja, na ja gut, also du erkennst schon, hier ist eine Performance drin und deshalb kommt die ZDF-Hitparade beispielsweise, ist ein ganz wesentlicher Punkt dabei, ne, denn auch da waren die schon mit dabei, die hatten das kommerzielle Potenzial.

Frank23:56

Könnte sogar ein Ausschnitt aus der Hitparade sein, so wie das Publikum arrangiert ist, und ich habe so erzählt, damals Hitparade war ein Must-See. Damals hattest du da kaum was anderes. Und wenn das kam, wow, da kommen unsere Leute. Ich erinnere mich daran, wie Hubert Kah das erste Mal aufgetaucht ist in so einem. Wir haben das so gefeiert. Heute schaue ich zurück und denke mir, na ja, das ist vielleicht dann doch eher die etwas nicht ganz so anspruchsvolle Variante von NDW. Und das sage ich auch mit höchstem Respekt. Damals als Kid, das hat mich geprägt als Teenager. Ich habe das Zeug oft gehört. Wir haben die Platten gekauft. Wir haben die Platten auf unseren Schülerpatschen aufgelegt oder so. Damals habe ich das so abgefeiert.

Frank24:35

Rosemarie, das ist einfach großartiger Typ.

Axel24:37

Die beiden sind die größten und bekanntesten.

Frank24:38

Da steht sogar auf der Platte drauf, hier klein gedruckt: Natürlich mit Sternenhimmel. Jeder, der was gekauft hat von Hubert K., wenn da nicht Sternenhimmel drauf ist, dann geht die Mutti nämlich dann am nächsten Morgen wieder zurück ins Plattengeschäft und beschwert sich. Das ist halt drauf. Hubert K. gekauft, da ist das Lied nicht drauf. Natürlich ist es da drauf.

Axel24:55

Engel 07. Ach ja, das kennt man ja auch. Der hat schon, da war schon mehr. Und jetzt kommt das Besondere bei ihm, das war für ihn nur der Startschuss. Denn der Maria Magdalena, das war '84.

Axel25:10

Sandra, diese ganzen Backgroundchöre, die dazwischen kamen, ist alles er.

Axel25:16

Er hat das komponiert.

Frank25:17

Er hat das Chor komponiert?

Frank25:19

Wusste ich alles gar nicht.

Axel25:19

Ja, ja, das ist schon, der hat dann— Ich wusste, dass Sandra aus Deutschland kommt, also diese Produktion auch, aber Hubert Kah hatte massiv—

Frank25:26

Da steigt er gleich mal wieder ein Level in meinem Respekt, weil ich meine, das ist musste er auch erstmal können, so einen guten Popsong zu produzieren. Das ist eine Fähigkeit.

Axel25:32

Produziert hat er ihn definitiv nicht, das war nämlich der Michael Cretu.

Frank25:36

Aber Komponierer, okay.

Axel25:36

Aber komponiert. Aber auch der, er ist kein großer Komponist, der gute Michael Cretu, kann man durchaus so sagen, sondern seine Stärken sind wirklich die Produktion. Und die hat er ja wirklich fantastisch gemacht. Also der Mann ist wirklich bewundernswert. Er ist auch so einer von den ganz Pedantischen, der meint ganz genau, das muss so und so sein. Aber er ist super gut und deshalb sind die Sachen Sandra, das war ein Meilenstein für die deutsche Produktion, muss man immer wieder sagen. Also Hubert Kah, heute kennt man ihn ja immer noch, ne? Da sieht man ihn sitzen, ne? Der ein oder andere wird sich bestimmt— was ist denn das denn? Das ist Big Brother Promi. Ah, da heißt er noch mal richtig. Und der ist, also Leute, wer es gesehen hat, ich habe es persönlich nicht gesehen, sondern ich bin höchstens mal bei Kalkofe dabei, wenn er sich lustig macht über die dramatischsten Sachen, die im Fernsehen zu sehen sind. Und er hat sich natürlich das rausgepickt, weil der fährt total ab da. Also wer so eine lustige Unterhaltung sucht, er ist schon sehr, sagen wir mal, speziell.

Frank26:36

Ein wenig exaltiert, wie Falco sagen würde. Ganz ehrlich, ich weiß bis heute nicht, was exaltiert bedeutet, aber ich droppe es halt mal.

Axel26:43

Stimmt, ist auch so. Also wie gesagt, er hat eine große Karriere jedenfalls hinter sich gehabt. Also das muss ich sagen. Und damit hat er sich auch seinen weiteren Lebensweg gepflastert. Also der muss auch nicht mehr arbeiten, der musste schon mit 40 nicht mehr.

Frank26:55

Ich glaube, von den bekannten NDW-Leuten, also die wir hier besprechen, ich glaube, für jeden von denen hat das fast für ein ganzes Leben lang gereicht. Vielleicht nicht, um die superreich zu machen, aber wenn du willst, konntest du darauf immer wieder aufbauen. Hey, ich habe damals in den 80ern einen Hit. Gut, dann kannst du auch heute, wenn du willst und ernsthaft darum bestrebt bist, verschaffe ich dir wieder als Agent oder so was, verschaffe ich dir Gigs. Dann spielst du halt auf Stadtfesten und so weiter. Aber da kannst du als Musiker dann auch dein Leben bestreiten und musst jetzt nicht irgendwo einen anderen Brotjob annehmen. Das prägt dich ein Leben lang.

Axel27:28

Die NDW-Partys gibt es, es gibt die 90er-Partys, also alle, die ja in den 90er-Jahren dabei waren mit Eurodance, die konnten on Stage gehen. Also das war alles hervorragend für die Leute. Sie konnten also eben immer wieder auf die Bühne gehen, wurden vermittelt, das ist ja wichtig. Die Namen musst du kennen, Haddaway oder sonst irgendwen oder was weiß ich hier von denen. Wenn wir jetzt die nehmen, was weiß ich, Dieter Bohlen, man musste dabei sein.

Frank27:51

Wie wir es letztens hatten, ist halt ein Segen und Fluch. Du bist halt Hubert Kah und die Leute wollen nicht, dass du irgendwas anderes spielst, sondern die wollen natürlich Sternenhimmel.

Axel27:59

Genau, obwohl man sich weiterentwickelt hat und natürlich keine Lust hat mehr.

Frank28:02

Das muss kommen, nichts anderes.

Axel28:04

Genau, ja, und damit sind wir also auch mit dem 4. Teil mit dabei. Ich kann nur empfehlen, die anderen auch zu sehen, also es lohnt sich wirklich, denn wir bringen alle möglichen großen Stars, die damals die NDW gerockt haben, die haben wir da schon besprochen.

Frank28:21

Und wir haben die Geschichte noch nicht auserzählt von der NDW, da kommt noch mehr. Deswegen stay tuned with FRAX Music.