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FRAX MUSICSpezial2. August 2026

Klaus Nomi: Alien der Popmusik – Oper, David Bowie & AIDS | CSD Berlin Hommage

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Zusammenfassung

In dieser besonderen Solo-Folge von FRAX Music widmet sich Frank Engelmayer dem Ausnahmekünstler Klaus Nomi – als Hommage und Zeichen der Solidarität nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin. Frank reflektiert über die gesellschaftliche Spaltung und die Bedeutung von Popkultur als verbindendes Element, bevor er tief in die faszinierende Lebensgeschichte von Klaus Nomi eintaucht.

Klaus Nomi, geboren als Klaus Sperber 1944 in Bayern, wächst in der Nachkriegszeit auf und entdeckt schon früh seine Liebe zum Gesang. Inspiriert von Operndiven wie Maria Callas und Popstars wie Elvis Presley, entwickelt er eine außergewöhnliche Stimme – als Countertenor, eine in der Oper seltene, fast überirdische Stimmlage. Nach ersten Versuchen in der Berliner Opernszene zieht es ihn Anfang der 1970er nach New York, wo er sich zunächst als Konditor über Wasser hält.

Doch es ist die brodelnde Underground-Szene New Yorks, in der Nomi seine wahre Bestimmung findet. Mit selbst entworfenen, futuristischen Kostümen und einer Bühnenpersona, die zwischen Science-Fiction und Barock schwankt, wird er schnell zur Kultfigur der Avantgarde. Sein Durchbruch gelingt 1978 beim legendären New Wave Vaudeville, wo er mit einer Arie das Publikum schockiert und begeistert. Es folgen Auftritte in Szeneclubs wie dem Mudd Club und Max's Kansas City, wo er Größen wie Andy Warhol und David Bowie begegnet.

Bowie erkennt Nomis Talent und lädt ihn 1979 als Co-Sänger zu einem Auftritt bei Saturday Night Live ein – ein Meilenstein, der Nomi internationale Aufmerksamkeit und einen Plattenvertrag verschafft. Seine beiden Alben, „Klaus Nomi“ und „Simple Man“, vereinen Oper, Pop und elektronische Klänge zu einem einzigartigen Sound. Trotz seines Erfolgs bleibt Nomi ein Außenseiter, ein musikalischer Harlekin, der nie ganz in eine Schublade passt.

Tragisch endet seine Karriere, als er 1983 an den Folgen von AIDS stirbt – als einer der ersten prominenten Künstler, die der Krankheit zum Opfer fallen. Seine Geschichte ist nicht nur ein Stück Musikgeschichte, sondern auch ein Symbol für die Verletzlichkeit und Stärke queerer Künstler. Frank zieht Parallelen zwischen Nomis Lebensweg und der heutigen gesellschaftlichen Debatte um Vielfalt und Akzeptanz und ruft dazu auf, Popkultur als verbindende Kraft zu sehen.

Diese Folge ist mehr als eine Biografie: Sie ist ein Plädoyer für Toleranz, Individualität und die Kraft der Musik, Grenzen zu überwinden.

Playlist zur Folge

Hintergrund & Kontext

Klaus Nomi steht exemplarisch für die kreative Explosion der New Yorker Musik- und Kunstszene Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre. In dieser Zeit verschmolzen Punk, New Wave, Performancekunst und queere Subkultur zu einer einzigartigen Melange, die weltweit ausstrahlte. Clubs wie der Mudd Club, Max's Kansas City und CBGB waren Brutstätten für Experimente und neue Ausdrucksformen – hier trafen Musiker, Künstler, Drag-Performer und Außenseiter aufeinander und schufen eine neue, offene Popkultur.

Die Ästhetik von Klaus Nomi – seine Mischung aus Oper, Pop, Science-Fiction und barocker Extravaganz – spiegelte den Zeitgeist einer Generation wider, die sich von traditionellen Rollenbildern und musikalischen Grenzen lösen wollte. Seine Zusammenarbeit mit David Bowie steht sinnbildlich für die gegenseitige Befruchtung von Mainstream und Underground. Gleichzeitig markiert Nomis früher AIDS-Tod einen Wendepunkt: Die Krankheit traf die queere Szene besonders hart und führte zu einem gesellschaftlichen Umdenken, das bis heute nachwirkt.

Klaus Nomi bleibt ein Symbol für künstlerische Freiheit, queere Sichtbarkeit und die Kraft, durch Musik gesellschaftliche Schranken zu überwinden.

Häufige Fragen

Wer war Klaus Nomi und warum ist er berühmt?

Klaus Nomi war ein deutscher Sänger, der in den späten 1970ern und frühen 1980ern durch seine einzigartige Mischung aus Operngesang, Pop und extravaganten Bühnenkostümen in der New Yorker Avantgarde-Szene berühmt wurde. Seine androgyn-alienhafte Persona und seine Zusammenarbeit mit David Bowie machten ihn zu einer Ikone der Popkultur.

Welche Verbindung hatte Klaus Nomi zur LGBTQ-Community und dem CSD?

Klaus Nomi war offen schwul und prägte mit seiner Kunst und seinem Auftreten die queere Szene New Yorks. Seine Karriere und sein Lebensstil sind eng mit der LGBTQ-Community verbunden, weshalb er bis heute als Symbol für Vielfalt und Selbstverwirklichung gilt – passend zur Botschaft des Christopher Street Day.

Wie beeinflusste Klaus Nomi die Pop- und Musikgeschichte?

Klaus Nomi verband Operngesang mit Pop und Science-Fiction-Ästhetik, was ihn zu einem Vorreiter der Performancekunst im Musikbereich machte. Er inspirierte Künstler wie David Bowie und beeinflusste die Entwicklung der New Wave- und Avantgarde-Musik nachhaltig.

Welche Alben veröffentlichte Klaus Nomi?

Klaus Nomi veröffentlichte zwei Studioalben: 'Klaus Nomi' (1981) und 'Simple Man' (1982). Beide Alben sind heute Kult und zeigen seine außergewöhnliche Stimme und seinen einzigartigen Stil.

Wie starb Klaus Nomi und warum ist das historisch bedeutsam?

Klaus Nomi starb 1983 als einer der ersten prominenten Künstler an den Folgen von AIDS. Er gilt als der erste Deutsche, der öffentlich an AIDS verstarb, was ihn zu einer tragischen Figur der Musik- und LGBTQ-Geschichte macht.

Gesprächs-Transkript

Frank0:15

Hallo liebe Musikfreunde, willkommen bei FRAX Music. Frank hier am Start mit einem Solo und aus erstem Anlass. Es gab ja vor ein paar Tagen den Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin und da habe ich, möchte ein paar Gedanken dazu teilen, ja, weil mich das echt auch beschäftigt, diese, diese Gewalt, dieser ganze Hate. Und ich gehöre zwar zu keiner von diesen Szenen dazu, und ich finde überhaupt diesen ganzen Kulturkampf sehr nervig, diese Politisierung von beiden Seiten, wie sich da alles aufspaltet, diese Spaltung, die im Land ist, dieses Lagerdenken. Und ich gehöre zu keinem Lager, sondern ich möchte eigentlich schon immer noch das große Ganze sehen. Und da sehe ich halt einfach auch die, die Christopher-Street-Day-Szene hat natürlich einen großen, eine große Verbindung zu dem, was wir auf FRAX Music machen, zur Popkultur. Und ich möchte aber da jetzt gar nicht so sehr auf den ganzen Hate eingehen und so weiter, sondern habe euch tatsächlich eine Story mitgebracht. Ich habe ein bisschen Content für euch, und um euch auch was zu geben und nicht einfach nur eine Ansprache zu halten. Und so ist mir die Idee gekommen, heute mit einer Hommage an Klaus Nomi mein Mitgefühl für die für die Leute vom Christopher Street Day auszudrücken. Und deswegen gibt es jetzt die Klaus Nomi Story. Ja, Klaus Nomi, was für ein Name. So hat man vielleicht schon mal gehört. Ist ja auch schon ein Stage-Name. Der klingt einfach schon so verheißungsvoll. Und Leute, wenn ihr von dem, wenn ihr den seht, wenn man den einmal gesehen hat, vergisst man den auch nicht. Klaus Nomi, der hatte so eine relativ kurze Karriere in der Popkultur in New York Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre und dort aber 2 Alben gemacht, aber ein Album, das ist wirklich so maßgeblich. Und Klaus Nomi ist einfach eine wichtige Kulturfigur aus jener Zeit. Der ist aufgefallen, nicht nur durch seine Musik, vor allem war es seine Stimme. Er war Sänger und er hatte so einen Style, er konnte Operngesang machen, aber nicht nur irgendwie Operngesang, sondern Countertenor. Das ist sozusagen die höchste Stimme, die man sich überhaupt denken kann. Die ist heute in der Oper gar nicht so gefragt, aber er konnte das und er hat das von klein auf, von Kind auf irgendwie geübt und gemacht. Und das hat ihn ausgezeichnet. Und gleichzeitig hat er so krasse Kostüme gehabt, so eine Persona kreiert, die so ja nicht von dieser Welt war. Hat damit auch ein bisschen gespielt mit diesen Science-Fiction-Themen. Und all das zusammen gibt so ein Gesamtkunstwerk Klaus Nomi. Es ist auch eine tragische Geschichte, denn er ist nicht alt geworden, sondern er hat auch einen sehr wilden, ausschweifenden Lebensstil gehabt in den 70er Jahren und Anfang 80er in New York City. Und war dann schon in der ersten Welle von den HIV-Aids-Infizierten am Start. Und er ist tatsächlich auch der erste Tote, der erste deutsche Tote, der an Aids gestorben ist. Auch so ein trauriger Rekord für die Ewigkeit. Aber hey, ich erzähle euch diese auch großartige Geschichte von dem Menschen Klaus Nomi, von diesem Künstler. Ich erzähle sie euch mal von Anfang an. Der ist in Deutschland geboren. Klaus Sperber hieß er, geboren in Bayern 1944 in Kriegszeit. Der Vater ist im Krieg als Soldat gestorben und er ist da in Bayern geboren. Ey, da wurden Menschen in den Kriegszeiten hin und her geschoben. Aber ich glaube, so richtig aufgewachsen ist er dann in Essen. Und so die Erzählungen gehen, dass der schon als Kind halt so diese Liebe zum Singen hatte. Und er selber erzählt es dann später auch. Es gab zwei große Einflüsse für den jungen Klaus Sperber. Und das war zum einen, wenn er im Radio Opern gehört hat, ausgerechnet Maria Callas, also die große Opernsängerin. Sängerin. Das hat ihm so gefallen, dass er als Kind schon immer versucht hat, das einfach so nachzusingen. Erinnert mich ein bisschen an meine Kinder, wo ich so die Beatles gehört habe, auch so noch kein Wort Englisch gekonnt, aber eigentlich Phonetik irgendwie. Und so hat er da als Kind schon diese Arien gehört. Und der zweite Einfluss, den er gehabt hat, und das macht ihn so interessant und ist schon so ein Vorgeschmack auf seine Vita, er hat sich mit Geld, was er von seiner Mutter geklaut hat, hat er selber erzählt, hat er sich Platten gekauft von Elvis Presley. Und da hast du schon die beiden Sachen, hey, Rock'n'Roll und, und die, diese neue Popkultur, aber diese Faszination Oper. Und er ist dann in jungen Jahren aus Essen nach Berlin gezogen, um, um dort eben seinen Operngesang auszubilden. Und der hat tatsächlich dann auch an der Hochschule Gesang studiert. Allerdings, das, was der machen wollte, das konnte der da gar nicht studieren. Countertenor, da gibt's in der heutigen Oper kaum noch Verwendung. Leute, diese, wenn du die Stimmlage brauchst, singt eine Frau. Und Er hat aber dann ein paar Jahre dort, war er in Berlin, zum Teil da noch so gearbeitet in der Oper, so als Sitzzuweise und so weiter. So hat er immer noch diesen Operntraum gehabt, hat aber wahrscheinlich mehr und mehr gesehen, auch vielleicht gefühlt, dass sein Weg nicht in die Opernwelt hier führt, dass er da irgendwie doch anders ist und dass er auch eigentlich was anderes will. Der hat nämlich auch schon in seinen Berliner Zeiten angefangen, eben so im Underground aufzutreten. Unter anderem hat er damals noch so ein Stage-Namen sich verpasst, in Berliner Zeiten noch Renata Castrata, weil er eben diesen rohen Gesang hat, obwohl er nie Kastrat war. Aber er hat mit diesen Dingen halt auch gespielt, ja. Und es ist dann damals in Berlin im Kleist Casino aufgetreten, legendäre Gaybar. Und aber insgesamt hat er schon in diesen Berlin-Zeiten gemerkt, es wird wahrscheinlich schwierig werden, so in diesem Opern- in diesem Business anzukommen. Und was auch faszinierend ist bei Klaus Nomi, der hat immer für seine Karriere gekämpft. Und der hat da schon in Berlin, als er war, hat er gedacht, okay, ich brauche noch, bau mir noch ein zweites Standbein auf, und hat dann eine Konditorlehre gemacht und auch zum Abschluss gebracht. Und dann ist er Anfang der 70er, 1972, ist er dann nach New York und hat dann sein eigenes Business aufgemacht als Konditor und hat den, hat Kuchen verkauft, hat sich so über Wasser gehalten und hat dann bis zum Wochenende dann eher so seine künstlerischen Ambitionen dann so, so langsam entwickelt. Und der, der war halt dann, ist da tief eingetaucht in diese New Yorker Szene in den 70er Jahren. Da könnte man so viel erzählen, weil da so viel gleichzeitig passiert ist. Aber das war so eine Szene, da waren so viel Avantgarde-Leute, schrille Leute, verrückte Leute. Und in dieses Milieu ist er halt eingetaucht und hat dann dort erkannt, das ist was er machen will. Und er hat dann so, so Schritt für Schritt halt immer mehr so, so Kostüme auch, die hat er selber designt und entwickelt. Seine legendäre Frisur, die hat es über Jahre lang, hat die sich entwickelt. Und dann, dann hatte, hat er Auftritte halt gesucht, so in kleinen New Yorker Szenebars. Und da, der so ein Durchbruch kam beim New Wave Vaudeville, das war 1978. So ein Meerabend, so eine freakige Revue innerhalb von dieser Avantgarde-Szene. Alles nur so verrückte Leute so. Und die meisten von denen haben aber musikalisch 1978 halt so, so ein Krawall-mäßig irgendwie Punkrock gemacht und halt lauter crazy Shows. Und in dieser Show kam dann irgendwann Klaus Nomi, und diese ganzen Rockers und so, die kriegen auf einmal diese Figur vorgesetzt, die da so wirklich wie von Out of Space kam und dann so eine italienische Arie gesungen hat, oder eine französische Arie war es, egal. Und die Leute, die da dabei waren, die haben gemeint, das war so unfassbar. Also das hat, das hat, der Typ hatte so eine Ausstrahlung in dieser überweltlichen androgynen Figur, die er da schon ganz am Anfang entwickelt hat, sodass danach dann ganz viele New Yorker Clubs, so Szeneclubs, dann Angebote ihm gemacht haben. Und ja, so kam es dann. Der hat auch bei derselben Show dort, hat er dann auch Kristian Hoffman kennengelernt. Das war so ein, der war Musiker und auch in dieser New Wave, New Yorker New Wave Szene Anfang der 80er unterwegs. Ende 70er sind wir noch. Und der hat dann so ein bisschen die, die musikalischen Input gegeben für Klaus Nomi. Nomi war ein Sänger, war ein Bühnenkünstler und der Hoffman hat dann die Musik gemacht, hat eine Band zusammengestellt und dann haben die echt so eine Phase gehabt von 2 Jahren, wo die die New Yorker Underground-Szene gerockt haben, wo die gefeierte Stars waren. Also so in dieser kleinen Bubble, die es am Ende dann doch erstmal war. Und der ist dann aufgetreten in so legendären Clubs in New York wie der Mudd Club. Ich glaube, ein Bild haben wir dabei, wo er im Mudd Club ist, legendäres Teil. Dance Theory gibt's da noch. Und ich glaube, das ist ein Bild aus dem Mudd Club. Es ist wo wir auch sehen, so wie, wie der Typ privat auch war. Der war auch privat halt extrem exaltiert, würde Falco sagen. Und in einem von diesen Clubs, auch das Max Kansas City möchte ich hier erwähnen, dort hat er dann Andy Warhol kennengelernt. Das Max Kansas City, das war in den 60ern schon so der Club, wo Andy Warhol und seine Entourage aus Künstlern, Models, Musikern der The Velvet Underground, Schauspielern, Theaterfreaks, wo diese ganze Entourage immer am liebsten eingekehrt ist. Das war das Max Kansas City. Und tatsächlich hat er dort halt auch performt und dort Leute wie Andy Warhol kennengelernt. Und die wichtigste Begegnung, die war dann in jenem Mud Club. Dort hat er David Bowie kennengelernt, der auch genau zu der Zeit seine Berlin-Phase so hinter sich gelassen hat und nach New York gewechselt ist. Aber der eben auch noch aus Berlin kommend so voll inspiriert war, David Bowie jetzt, von dieser ganzen Avantgarde, die Berlin ausmachte. Die Avantgarde der 20er Jahre, Brücke Museum, die expressionistischen Maler und diese ganzen Gedanken, die Bowie mitgebracht, diese Ästhetik. Und es ist dann in New York, hat er dann Klaus Nomi gesehen, so einen kleinen Club. Und Bowie hat in seiner Karriere öfter so den weißen Ritter gegeben und so auch hier. Der hat halt den erkannt. Der hat in dem Klaus Nomi wirklich so einen Seelenverwandten erkannt. Jemand, der vielleicht das, was Bowie in seiner Karriere gemacht hat, noch weiterbringt. Also dieses Entwickeln von einer Stage-Persona, diese Alien-Geschichte. Hier kommt der, der Savior. Life is saved by Rock and Roll. Jetzt kommt der— also diese, diese ganzen Kostüme, Theater und Popmusik verbinden. Das hat Bowie auch gemacht, aber Klaus Nomi hat das halt noch einen Schritt weitergetrieben, ne. Und so hat ihn dann David Bowie, ihn und den, den engsten Partner von Klaus Nomi, hat er eingeladen, dann in der großen amerikanischen Samstagsabendsendung Saturday Night Live im TV aufzutreten als Co-Sänger neben Bowie. Und das war natürlich ein Wahnsinnsangebot für die Typen, die da aus dem Underground kamen. Und ja, so, so sind sie da aufgetreten, und das war halt der totale Durchbruch dann für ihn. Und danach hat dann, hat er dann auch Plattenverträge bekommen, und durch diesen Auftritt mit Bowie, und konnte dann tatsächlich seine seine erste Platte aufnehmen. Und der hat überhaupt, wenn man schon von Platten sprechen, nicht viel gemacht. Sind 2 Alben aufgenommen. Das erste heißt einfach nur sein Name, Klaus Nomi. Und da, wir haben ja mal ein Bild davon, das habt ihr bestimmt schon mal gesehen, wenn ihr Musikfreunde seid. Das ist jetzt auch kein— das hat sich auch gut verkauft. Ich kannte das damals in den 80ern schon. Der ist dann auch aufgetreten später dann im deutschen TV bei Thomas Gottschalk. Na sowas! Liked, wenn ihr euch da noch erinnert, wenn ihr das gesehen habt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das gesehen habe oder nicht. Sehr gut möglich, aber ich weiß es auch nicht mehr genau. Ich es mir selber einbilde. Aber der war schon auch dann, wurde dann auch mit diesem Album in, in Deutschland, Europa bekannt. Und ja, es war sozusagen David Bowie, der ihn da auf, auf Kurs gebracht hat, ja. Aber viele sagen sogar, dass so in den, er da in den 70ern in diese Underground-Szene, dass er da vielleicht auch musikalisch noch spannender war. Die Band, die er da hatte, hier sehen wir z.B. ein Bild, das finde ich auch so großartig, aufgenommen in, in New York. Da siehst du unten den Straßenmusiker, und dann siehst du halt Diesen Klaus Nomi, der hat das auch genossen. Der ist auch so auf der Straße rumgelaufen, der hat da Aufruhr kreiert in diesem Hype, wo der so für 1, 2 Jahre eine der angesagtesten Figuren war in diesem Avantgarde-Underground-Zirkus. Ey, da sind die Leute an den Clubs Schlange gestanden und er ist dann vorgefahren mit der Limo und diese Kunstfigur steigt da aus. Manche wussten gar nicht, gibt es den wirklich? Und manche haben gezweifelt, ob er überhaupt echt ist. Und hier auf dem Bild, das finde ich so großartig, so in New York aufgenommen. Er ist halt auch echt der Prototyp so dieses Harlekins, des, des, des Musikers. Das ist am besten solche Typen, das ist, was ich sagen will, solche Typen, die gab es schon immer. Vor 1000 Jahren gab es auch schon solche Leute, die so außergewöhnlich sind, die auch nicht in irgendeine Schublade passen, in irgendein gesellschaftliches Raster, die in keine Kaste gehören. Die sind dann Outcasts, Outlaws, und gleichzeitig sind die aber ganz oft dann ja, finden die dann doch irgendwo einen Platz in, in der Musik, in der Kunst. Und da vor 1000 Jahren gab es solche Leute auch schon, und die Talentiertesten von denen waren dann, die hat man vielleicht in Narrengewand gesteckt, aber die waren dann zu Hofe. Und die haben das, sind im Grunde genommen die gleichen Typen. Und er selber, glaube ich, hat es auch so wahrgenommen. Das ist, glaube ich, jetzt mal, weil er auch schon, schon mit seinem Kostüm dann oft diesen Bezug genommen hat, eben auf die Opernzeit und auf die Barockzeit und so weiter. So auch dieses, er war auch nur wie so ein Stranger, der in unsere Zeit gefallen ist. Das ist halt so ein Typ, der ist immer anders. Und das ist auch ein bisschen vielleicht die traurige Seite von Klaus Nomi, dass er halt so außergewöhnlich war, dass die Leute ihn gefeiert haben, aber gleichzeitig er auch immer so eine— also so, jetzt versuche jetzt nicht zu viel reinzuinterpretieren, das sind schon, ist schon so die Story halt von ihm. Dass er dann aus dieser Einsamkeit heraus dann auch eben so einen sehr krassen Lifestyle geführt hat, der eben seiner Gesundheit nicht förderlich war. Ausschweifendes Sexualleben, hat nie auf sich achtgegeben, krasses Tourleben und sich halt auch keine Pausen gegönnt. So ein Getriebener auch von der eigenen Kreativität. Weil diese ganzen Kostüme so, der hat es selber entwickelt und der hat es ständig weiterentwickelt. Das war nicht so, dass er dann einmal sein Ding hatte und er hat das halt durchgezogen. Sondern das ging die ganze Zeit. Und das hat dann letzten Endes eben auch seine Gesundheit so arg angegriffen. Und dieser Lifestyle New York, das auch ein spannendes Thema, ob wie AIDS so in die Welt gekommen ist dort in New York. Und ja, ist dann eben relativ früh auch gestorben. Aber lass uns noch mal zurückgehen zu diesem Album von Klaus Nomi, zu dem ersten, was einfach nur nach ihm selbst benannt ist. Was wir da auch sehen, ist so diese typische, dieses Kostüm, was er da hat. Tatsächlich ist es direkt inspiriert von David Bowie, der bei diesem Auftritt mit Nomi zusammen in der Saturday Night Live Show hatte. David Bowie hatte auch so ein aus Kunststoff gefertigtes Gewand, ein bisschen anderer Style, aber dieselbe Idee. Und der Nomi war da so fasziniert davon. Und dann sind sie zu dem New Yorker Theaterkostümmacher gegangen, haben gesagt, hey, der das für Bowie gemacht hat, Ey, wir wollen auch so ein Ding für Nomi. Und das hat die Max da angefertigt, da ist nur ihm auf den Leib geschnitten. Und wenn du das anschaust, dann siehst du so diesen Bezug auch, den er schon nimmt auf dieses Berlin der 20er Jahre, so wie die Fliege ist. Ich meine, in den 70ern hat keiner mehr eine Fliege getragen, aber es ist so dieser 20er-Jahre-Style, dieses Schwarz-Weiß auch. Und das ist, was halt sowohl Bowie als auch Nomi so künstlerisch auch so ästhetisch auch so einen Konnex dort gemacht haben. Zu diese 20er Jahre, zum Design, zu der Art von Kunst, aber vor allem auch zu diesem Filmischen. Fritz Lang, Metropolis, 20er Jahre, so ein, so ein Stummfilm aus der Stummfilmzeit noch, maßgebliches Werk, was auch so ganz viele futuristische Elemente hat. Das ist Science-Fiction, wenn du willst. Und auch dort bei Metropolis gibt's schon diese Figur des Androgynen und diese Fusion von, von Mensch und Maschine und so weiter. Alles so Themen, die eben auch einen Nomi inspiriert haben. Und so ist er auf die Bühne gekommen wie Out of Space. Und auf dieser Platte, der Opener auch, da singt er das auch genauso. We came from outer space to save the human race. Also dieser Savior. Das ist einfach so ein kreatives Narrativ. Der hat sich aus sich selbst sozusagen das Kunstobjekt auch gemacht und hat es so geformt. Also es ist wirklich absolut faszinierende Geschichte. Er hat dann, wie gesagt, eine relativ kurze Karriere gehabt. Als das Album gemacht wurde, da hat er, da war er auch nie so richtig gut beraten. Der Typ ist kein Vollblutmusiker, der Typ ist auch sozial wahrscheinlich nicht einfach gewesen. Total lieber Mensch, aber halt einfach wow, anders als alle anderen. Da gab es immer wieder auch kommunikativ wahrscheinlich Probleme, Missverständnisse, und der wollte halt einfach nur singen und so seine Vision ausleben. Aber rund um sein Management hat man da so die alte Band, also auch den, den Christian Hoffmann, so ein bisschen ausgebootet, neue Musiker dazu. Und die haben dann auch durchaus so einen rockigen Sound reingebracht. Wenn man sich Total Eclipse beispielsweise anhört, schöne E-Gitarre drin. Und gleichzeitig aber auch hat er diese Arien gesungen und das, das alles irgendwo so verbunden, ne. Und hat aber auch dafür gesorgt, dass es ihn dass manche, die, die diese 70er Jahre von ihm noch in New York, diese Live-Shows, die das erlebt haben, die sagen, das damals war musikalisch auch noch viel, viel stärker, als was dann auf der Platte zu hören ist. Während wir natürlich die Platte abfeiern, ist eine großartige Platte, weil alles, was dieser Typ gemacht hat, irgendwo großartig war. Hier ein interessantes Bild, was wir noch haben, das zeigt Nomi eben als Konditor. Und selbst als er dann nicht mehr hauptsächlich seinen Konditorladen betrieben hatte, sondern voll in die, in die Musik eingestiegen ist, hat er das zur Angewohnheit gehabt, dass er immer wieder so Sachen gemacht hat, so Törtchen gebaut hat, Pastry, Linzertorte, und legendär, das hat er hier in der Hand, sein Lemon Cake. Und der hat diese extrem leckeren Sweets auch verteilt. Das ist auch da wieder so, das ist wie so eine Alienfigur. Und das hat er ständig gemacht, wenn die zusammengearbeitet haben. Er kam halt immer mit diesen Kuchen an. Dieses berühmte Bild, was wir gerade gesehen haben von dem Plattencover, der Fotograf, der das gemacht hat, der hat gemeint, die haben sich zum Teil so so Bilder gegen Kuchen getauscht, bis beide irgendwann genug hatten. Nomi hatte genug Abzüge von seinen Bildern und der Fotograf hat irgendwann genug Kuchen gehabt. Das war auch Nomi, dieser, dieser Mensch, der auch die Sweets verteilt, der die Süßigkeiten auf dieser Welt bringt, ja. Und seine Musik war halt bittersüß, ja. Und ich habe, wenn ich, weißt du, wenn ich so zurückdenke, ich habe die meiste Zeit meines Lebens, fand ich die Klaus-Nomi-Geschichte auch immer eher eine traurige Geschichte, aber irgendwie, wenn ich jetzt das Thema wieder recherchiere, finde ich es eigentlich gar nicht so traurig. Ja, er ist krank geworden, ist früh gestorben, so, aber das sind im Music Business eigentlich ziemlich viele Leute. Aber die Legacy, die Kunst, die er hinterlassen hat, und einfach dieser Mensch, der seinen Traum gelebt hat, ja. Am besten wird das vielleicht noch deutlich 1982, und, schreibt es in die Kommentare, wenn ihr das damals noch irgendwie erlebt habt. 1982 ist er nach München gekommen und hat dort ein Konzert gegeben Und da war er schon richtig krank. Ein halbes Jahr später ist er dann gestorben. Aber in diesem Konzert in München, das war ausverkauft, und da hat er zusammen mit einem klassischen Orchester gesungen. Und das Orchester hat ihn unterstützt, und er hat so eine Arie, das geht eigentlich auf Henry Purcell zurück, ein englischer Barockkomponist, oder Zeit weiß ich eigentlich gar nicht genau, aber er hat da so eine Arie vorgetragen, und die hat er auch so ein bisschen modifiziert. Das ist auch sein Themesong fast geworden, ist auch auf der Platte drauf, und das Ding heißt Cold Song. Und das ist schon fast im Nachhinein, weißt du, ist es fast schon so, sehr ähnlich wie Freddie Mercury. Der wusste, der hat nicht mehr lang zu leben, aber er legt noch alle Energie halt in diese Bühne rein, ne. Und die letzten Worte in dem Cold Song sind: Let me freeze to death again. Und wow. Und das Ding da, dieses Konzert in München, Ein halbes Jahr später war er tot. Aber im Grunde war das das, was er schon als Kind geträumt hat. Er möchte singen. Aber diese klassische Oper, das war ihm zu unkreativ. Der war auch einfach so ein Künstler, der braucht diesen Freiraum. Und genau das hat er dann doch geschafft in seinem Leben. Dann letztens in seinem Heimatland, in Deutschland, auch die Anerkennung bekommen und hat dort gesungen und hat sozusagen seinen Traum verwirklicht. Und das ist, finde ich, eine großartige Geschichte, eine großartige Vita, wie weit dem sein Weg auch gegangen ist. Und der immer für seine Karriere gekämpft hat, der auch die harten Zeiten durchgezogen hat, wo mit irgendwelchen Brotjobs und so weiter. Aber das hat er einfach gemacht. Und hat sich dann diese Legacy aufgebaut, die er in wenigen Jahren echt hatte. Das ist natürlich auch dann schade. Klar, im Nachhinein denkt man sich, was hätte aus Klaus Nomi noch alles werden können? Sein künstlerischer Weg wäre vielleicht noch viel weiter gegangen, weil er auch so was Bildhaftes hat. Möglicherweise hätte er auch in Hollywood ein Star werden können oder auf irgendwelchen Theaterbühnen oder so was. Aber so traurig dann die Story ist, in sich ist es auch ganz schlüssig. Es ist so ein außergewöhnlicher Mensch, der kam auf die Welt, hat der Welt was gezeigt, hat die Menschen fasziniert und ist dann auch einfach wieder wie auf seinem ersten, auf diesem Auftritt in diesem New Vaudeville, der ist so aus dem Rauch von der Bühne so auf die Bühne gekommen und dann auch einfach wieder fade away. In sich ist es gar nicht so eine traurige Geschichte, obwohl die letzten Monate dann, das muss man sagen, dann schon hart waren. Als er daneben AIDS hatte, auch da, ey, der ist 1983 dann gestorben. Damals wusste man noch gar nicht Bescheid über AIDS. In New York, da haben sie das Gay Cancer genannt, Schwulenkrebs. Was für ein fieses Wort schon. Und die Leute, also auch in seinem Umfeld, alle Leute, die er halt kannte, auch über die Jahre, die dann in den 70ern diese Underground-Tours gemacht haben und so, keiner von denen hat ihn da besucht, ist ihn da besuchen gekommen, sondern die haben haben alle Angst gehabt. Das war damals, wusste man nicht, was das ist, ist das ansteckend und so. Und so ist tatsächlich dazu gekommen, dass er dann komplett alleine irgendwie war die, die letzten Wochen und dann einsam dann auch gestorben ist. Ja, so ein schönes Bild haben wir ja noch mit der Jägermeister-Werbung. Das finde ich auch so faszinierend. Das ist tatsächlich keine KI, wie man sich denken könnte, sondern es ist ein Originalposter, was es 1980 in New York gab, wo in den New Yorker Underground-Clubs denen ich jetzt ja auch erzählt habe, wo diese Leute unterwegs waren, diese ganzen Avantgardisten, da hat Jägermeister schon eine Marketingkampagne gefahren. Die waren ihrer Zeit wahrscheinlich auch wirklich weit voraus. Die haben es damals schon gecheckt, hey, um unser doch so provinziell German wirkendes Getränk und in die amerikanische Clubszene zu integrieren, als, ey, das ist einfach ein total cooles Ding zum Drinks mischen, haben die halt so eine Werbekampagne gefahren, haben daneben mehrere so Figuren aus dieser Counterculture genommen. Und Klaus Nomi hat sich da natürlich besonders angeboten, weil er auch deutsch war. Der hat auch, wenn er gesungen hat, der auch nicht nur in diesem Opernstyle gesungen, sondern auch seine normale Stimme eingesetzt. Und da hat er auch dann immer so einen extrem deutschen Akzent gehabt. Das war auch so sein Tool, mit dem er dann in Amerika auch die Leute gut abgeholt hat. Das war dann für die eben noch exotischer, fremder, weißt du, dieser Alien, diese androgyne Figur, die da noch noch mit so einem komischen deutschen Akzent dann so singend, und dann hebt das auf einmal irgendwann in diese Arien ab. Ja, das war Klaus Nomi. Und ja, weil es eben die Legacy von ihm so groß ist, finde ich mittlerweile diese Story von ihm gar nicht mehr so traurig, wie ich es jahrelang eigentlich gefühlt habe. Weil ganz ehrlich, im Music Business gibt viele Leute, die jung gestorben sind, viele auch noch jünger. Er ist 39 geworden. Da gibt's den legendären 27, Dwayne Arnold ist nur 24, glaube ich, geworden, oder 23. Und trotzdem würde ich all diese Leute nicht als eine traurige Geschichte sehen, sondern, ey, das waren Leute, die in ein paar Jahren halt der Welt auch so viel gegeben haben, der Musik so viel gegeben haben, der Popkultur so viel gegeben haben, die so viele andere Leute inspiriert haben. Das ist einfach so eine faszinierende Geschichte. Das ist eigentlich für mich mittlerweile eher so eine positive Geschichte. Ey, der große Klaus Nomi, so. Ausgezogen aus dem Nachkriegsdeutschland, aus diesen schwierigen Zeiten ausgezogen nach New York und dann echt so seinen eigenen Traum irgendwie gelebt hat. Jo, liebe Leute, ich danke euch für eure Aufmerksamkeit. Würde mich sehr freuen, ein bisschen Feedback von euch zu bekommen. Und manche werden sich vielleicht an Klaus Nomi erinnern. Vielleicht haben ihn manche sogar live gesehen. Ich nicht. Und wenn dem so ist, schreibt es rein in diese Kommentare. Und ja, das war meine Hommage und mein Beitrag sozusagen, um zu zeigen, hey, wir gehören alle zusammen in dieser Welt. Mein Beitrag jetzt hier im Gedenken an den Anschlag vom Christopher Street Day. Danke, dass ihr dabei wart. FRAX Music, das war noch lange nicht alles. Wir kommen wieder. Liken, hypen, wir hören uns. Ciao!