MUSIK PODCAST · DE
FRAX MUSICSpezial10. September 2026

Wolfsheim-teil-2

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wolfsheim-teil2

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Zusammenfassung

In der 22. Folge von FRAX Music tauchen Axel Breitung und Frank Engelmayer gemeinsam mit Markus Reinhardt tief in die Geschichte und das Innenleben von Wolfsheim ein. Im Mittelpunkt steht die schmerzhafte, aber letztlich wegweisende Trennung des Synthie-Pop-Duos, die Reinhardt offen und reflektiert schildert. Er spricht über das fragile Gleichgewicht in kreativen Partnerschaften und zieht Parallelen zu anderen legendären Duos wie Vince Clarke und David Ball. Die Diskussion dreht sich um die Frage, wie sehr individuelle Erfolge das Kollektiv beeinflussen können – ein Thema, das nicht nur Wolfsheim, sondern viele Bands der Popgeschichte betrifft.

Ein zentrales Thema ist das Sampling und die rechtlichen Herausforderungen, die damit einhergehen. Anhand des Hits „Kein Zurück“ erklärt Reinhardt, wie ein Hörbuch-Sample zur Inspiration wurde und welche Schritte notwendig waren, um die Rechte korrekt zu klären. Die Hosts erläutern anschaulich, dass es keine festen Sekundenregeln gibt und dass jede Nutzung fremden Materials eine Genehmigung erfordert. Reinhardt betont, dass die meisten Musiker offen für kreative Weiterverwendung sind, solange sie respektvoll und transparent erfolgt.

Ein weiteres Highlight ist die Entstehungsgeschichte des Musikvideos zu „Kein Zurück“. Die Zusammenarbeit mit Regisseur Detlev Buck, der bereits zuvor mit Wolfsheim gearbeitet hatte, wird als Glücksfall beschrieben. Buck brachte nicht nur filmisches Know-how, sondern auch eine besondere Dynamik in die visuelle Umsetzung des Songs. Reinhardt schildert, wie das Video durch Bucks Schnittkunst und Ideen zu einem zeitlosen Dokument wurde, das bis heute auf YouTube hohe Klickzahlen erzielt.

Auch die Frage nach Urheberrechten und der Entscheidungsgewalt über die eigene Musik wird thematisiert. Reinhardt erklärt, dass die Rechte oft zwischen Künstlern und Labels aufgeteilt sind und dass die finale Entscheidung über die Nutzung von Songs nicht immer allein bei den Musikern liegt. Die Folge liefert so nicht nur spannende Einblicke in die Bandgeschichte, sondern auch wertvolles Wissen für Musikschaffende und Fans über das Musikbusiness, Sampling und Rechtefragen.

Abgerundet wird die Episode durch persönliche Anekdoten, Reflexionen über den eigenen Werdegang und einen Blick auf die Bedeutung von Inspiration und gegenseitigem Respekt in der Musikszene. Für Fans von Wolfsheim, Synthie-Pop und Musikgeschichte ist diese Folge ein Muss.

Hintergrund & Kontext

Wolfsheim prägte seit den frühen 1990er Jahren die deutsche Synthie-Pop-Landschaft. Gegründet von Markus Reinhardt und Peter Heppner, verband das Duo melancholische Melodien mit elektronischen Klanglandschaften und tiefgründigen Texten. Ihr Sound orientierte sich an Vorbildern wie Depeche Mode und Soft Cell, entwickelte aber schnell eine eigene Handschrift, die sie zu einer der wichtigsten deutschen Bands des Genres machte.

Die 80er und 90er Jahre waren eine Zeit, in der elektronische Musik und Sampling neue kreative Möglichkeiten eröffneten. Sampling wurde zu einem zentralen Element der Pop- und Clubkultur, brachte aber auch komplexe rechtliche Fragen mit sich. Gerade in Deutschland, wo das Urheberrecht besonders streng ist, mussten Künstler wie Wolfsheim innovative Wege finden, um Inspiration und rechtliche Sicherheit zu vereinen.

Die Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Detlev Buck zeigt, wie eng Musik und Film in dieser Ära verbunden waren. Musikvideos wurden zu eigenständigen Kunstwerken und halfen Bands, ihre visuelle Identität zu schärfen. Wolfsheim gelang es, mit Songs wie „Kein Zurück“ und den dazugehörigen Videos Generationen von Musikliebhabern zu erreichen und bis heute relevant zu bleiben.

Häufige Fragen

Warum haben sich Wolfsheim getrennt?

Die Trennung von Wolfsheim entstand durch unterschiedliche Entwicklungen der Bandmitglieder, insbesondere durch den externen Erfolg von Peter Heppner. Markus Reinhardt beschreibt, dass das Gleichgewicht im Duo verloren ging und persönliche wie künstlerische Wege auseinanderliefen.

Wie funktioniert Sampling und was muss man rechtlich beachten?

Beim Sampling muss immer die Erlaubnis der Rechteinhaber eingeholt werden, egal wie kurz das Sample ist. Neben den Musikrechten sind oft auch Autorenrechte betroffen, und ein Teil der Einnahmen muss an die Urheber abgeführt werden.

Wie entstand der Song 'Kein Zurück' von Wolfsheim?

‚Kein Zurück‘ entstand aus einem Hörbuch-Sample, das Markus Reinhardt inspirierte. Nach rechtlicher Klärung wurde daraus ein eigenständiger Song, an dem auch Peter Heppner maßgeblich beteiligt war.

Wer hat die Rechte an Wolfsheim-Songs?

Die Rechte an Wolfsheim-Songs liegen sowohl bei den Urhebern als auch bei den jeweiligen Labels. Entscheidungen über die Nutzung, etwa für Samples, werden oft gemeinsam oder durch das Label getroffen.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Detlev Buck für das Wolfsheim-Video zustande?

Die Zusammenarbeit mit Detlev Buck entstand durch frühere Projekte und gegenseitige Wertschätzung. Buck inszenierte das Video zu ‚Kein Zurück‘ und prägte damit die visuelle Identität des Songs nachhaltig.

Gesprächs-Transkript

Frank0:14

Hallo Musikfreunde, willkommen bei einer weiteren Ausgabe von FRAX Music. Hier der zweite Teil von dem Gespräch, was wir haben mit Markus Reinhardt, Elektromusiker, vor allem bekannt geworden mit Wolfsheim. Und im ersten Teil haben wir zuletzt auch darüber gesprochen, über die ein bisschen schmerzhafte Trennung von dem erfolgreichen Duo. Und es ging dann auch darum, um die Frage: Wer bei einem Duo hat eigentlich mehr Anteil an dem Gesamtprodukt? Und für mich hat es schon so geklungen, als ob bei euch, Markus, so dieses Yin- und Yang-Gleichgewicht ein bisschen durcheinandergeraten ist. Und ganz ehrlich, so aus meiner Sicht, es gibt eine ganze Reihe Synthie-Pop-Duos, auch aus den 80ern. Und ich meine, da waren mehrere so wirklich musikalisch. Also wenn ich so an Vince Clarke denke, der dann von Depeche Mode gegangen ist und Erasure gegründet hat, oder auch David Ball. Maxi, du erinnerst dich, den haben wir letztes Jahr, ist der verstorben. David Ball von Soft Cell. Das waren ja wirklich Typen, die diese Musik liefern und das dann kombiniert mit einer charismatischen Stimme, einem guten Vokalisten und wer dann die Lyrics schreibt, das ist ja dann noch mal bei jedem überlassen, ist eigentlich so ein super Erfolgsrezept. Oder so ein Team, was gut funktionieren kann. Und es ist doch eigentlich 50:50 seit Lennon/McCartney, oder? Dass es da solche Unterschiede gibt.

Markus1:35

Ja, also noch mal irgendwie hier zum Zweiten. Ja klar, das ist eigentlich das Einfachste der Welt, 50:50 bleiben. Aber bei Peter war ich mal, der hat ja dann außerhalb von Wolfsheim noch irgendwie den mit der Flut. Da fing das dann an, dass er einen externen Erfolg hatte, der auch viel größer war als Wolfsheim damals, der Erfolg. Und ich hatte damals auch schon gedacht, oh Gott, hoffentlich nimmt er sich das nicht zu sehr zu Herzen, dass er da jetzt erfolgreich ist. Und also ich wusste ja, mit wem ich es da zu tun habe. Und es ist leider dann auch so gekommen. Also es ist ein bisschen, es ist schade, aber es ist halt so gekommen, wie es gekommen ist. Für mich hat sich, also ist eine Welt zusammengebrochen. Aber letztendlich, man weiß ja oftmals im Leben dann 10 Jahre später, jetzt, wo du es auch so sagst, so schön mit Yin und Yang. Es hat ja alles irgendwie immer eine Funktion. Wer weiß? Ich habe keine Ahnung, wie es weitergelaufen wäre. Vielleicht war das Kapitel dann auch geschlossen. Wolfsheim steht jetzt für sich da. Ich hatte auch in den frühen 90ern mal gedacht, ach, wäre schon klasse, wenn Wolfsheim 5 Alben hätte und die nach vielen, vielen Jahren dann noch einen Bestand hätten oder einen gewissen Wert hätten sozusagen. Und jetzt nicht nur einen selbst. Und genauso ist es gekommen. Und für mich hat es dann einfach noch mal Wege geöffnet. Ich habe da mal versucht, wieder zu studieren, ein Psychologiestudium angefangen. Ich hatte ja damals in den 90ern aufgehört zu studieren wegen Wolfsheim. Ich habe damals Politik und Soziologie studiert, hat es dann für Wolfsheim sein lassen und bin dann jetzt irgendwie neben der Musik auch beim Schreiben gelandet und musste dem halt sagen, da wäre ich ja wahrscheinlich nicht gelandet, wenn es mit Wolfsheim weitergegangen wäre. Mein Problem oder meine größte Angst wäre immer gewesen, alte Hits immer wieder spielen zu müssen. Also dass es sie noch gibt, wunderbar, aber eventuell bei einer Baumarkteröffnung irgendwie zu stehen und irgendwie den Song wieder zu spielen, weil man sich irgendwie einen höheren Lebensstandard angeschafft hat und dann unbedingt immer arbeiten und weiter, weitermachen müsste, in diesem Getriebe sein müsste, in diesem, also so à la Charlie Chaplin oder so was da, da irgendwie immer weiterarbeiten zu müssen. Da hatte ich dann, das ist mir erspart geblieben.

Axel3:42

Also vielleicht noch mal darauf zurückzukommen, weil du von den größten Erfolgen sprichst, von denen du lieber nicht dein Leben lang gespielt hättest bis zum Ende. Ja, gehört natürlich Kein Zurück. Und ich glaube, das ist deshalb besonders erwähnenswert, weil es halt etwas ganz Besonderes, nämlich ihr habt das Intro, das war, ich muss vielleicht noch kurz erklären, ich habe den Titel nicht produziert, bis zu Ende produziert, sondern ich habe damit den halbfertig gehabt und dann kam es zu einem Wechsel. Wobei ich diese Frage noch mal stellen muss, weil mir das gar nicht mehr so klar war. Wie kam es eigentlich dazu, dass ich als Produzent dann ausgewechselt worden bin?

Markus4:24

Oh Gott, so genau wie das. Also es waren ja eben halt mehrere Produzenten dann im Gespräch. Man hat ja irgendwie hier gefragt, angefragt. Also das war damals eben halt, dass man da noch die Plattenfirma gefragt hatte, sagt mal, wen kennt man hier in Hamburg und so was? Und so kam eins zum anderen irgendwie. Also ich habe keine Ahnung, irgendwie Approaching Lightspeed ist ja immer noch fantastisch irgendwie, also auch von der Produktion her. Und stimmt, also rein theoretisch hättest du ja noch sogar Material, Originalaufnahmen mit Original-Warschau-Sounds in deinem Archiv, die nie veröffentlicht wurden. Also von Kein Zurück. Ja, wir haben da tatsächlich den Hörbuch-Sample genommen. Ich habe damals natürlich auch wie viele andere Hörbücher gehört und ich dachte irgendwie, cooler Loop, irgendwie könnte man ja mal was draus machen. Da ist eben ein schönes Instrumental entstanden und man konnte sich da dann noch gar nicht vorstellen, wie der Weg dann weitergehen würde. Und in der Zwischenzeit hatte ich eigentlich geglaubt, dass die Plattenfirma sich darum gekümmert hätte irgendwie. Es wurde immer von vornherein offen kommuniziert, nicht irgendwie Diebstahl und gesagt hat, nee, das ist unsere Schöpfung oder sowas. Das war von vornherein jedem klar, das ist ein Sample vom Hörbuchverlag und man sollte sich drum kümmern, bevor man sowas veröffentlicht. Das ist dann aber irgendwie alles auf die lange Bank geschoben worden und es kam dann noch mal zu merkwürdigen Situationen, sage ich mal so. Es wurde noch mal spannend, aber es ist dann alles geregelt worden. Also das ist alles sehr koscher, wie man vielleicht sagen kann.

Axel5:48

Vielleicht mal ein bisschen, weil es nicht jeder weiß, wie sowas funktioniert. Also Es war letztendlich so, das war von einem Hörbuch, wie ich das richtig verstanden habe, ein Sample. Das heißt, das war so die Intro-Musik, die dann immer wieder kam. Und dich hat das inspiriert. Darum geht es ja, um Inspiration.

Markus6:06

Genau.

Axel6:06

Und daraus jetzt ein eigenes Werk zu machen. Und das kann man nicht so ohne Weiteres. Das muss man jetzt mal vielleicht mal ganz allgemein sagen, weil immer noch gibt es so Sachen, die Leute denken, ja, bis zu 7 Sekunden oder was da nicht alles so existiert an sehr merkwürdigen rechtlichen Überlegungen. Ja, nein, es ist nicht so. Sobald man das nutzt, muss man anfragen. Das heißt mit anderen Worten, das, was du eben schon mit dem Prozess, den du eben schon genannt hast, dann muss das demjenigen, dem das Original gehört, der muss gefragt werden, bist du mit einverstanden? Das gilt nicht nur für die Rechte an der Musik selber, sondern eben auch Autorenrechte, dass ja auch ein Urheber mit dabei war. Das heißt auch, ihr habt natürlich dann von euren Einnahmen als GEMA-Mitglieder, also als Urheber, als Autoren auch einen Teil abgeben müssen. Ja, das muss man dazu vielleicht noch kurz erwähnen. Das war 25%, wenn ich mich recht erinnere. Ja, die dann also sozusagen, damit auch diese, sagen wir mal, diese Inspiration und natürlich auch das, was ihr genutzt habt, halt dementsprechend auch vergütet worden ist. Also habe ich das richtig erklärt?

Markus7:18

Ja, ja klar, das hast du absolut korrekt erklärt. Ich weiß aber nicht mehr, wie viel jetzt der Komponist dieser Noten da mitbekommen hat. Aber für mich eine absolute Selbstverständlichkeit, dann anzufragen. Und irgendwas halt nicht stehlen zu wollen. Immer, da können wir ja wahrscheinlich, ist jetzt nicht gerade die Geschichte mit Kraftwerk da beendet worden mit dem Trans-Europe Express oder Trans Europa Express Sample irgendwie. Also zumal, wenn man wirklich die Audiospuren nimmt, die ja wirklich jemand Arbeit investiert hat irgendwie, und dann sagt, ach, das nehme ich mir jetzt einfach mal, schöpfe da was Neues raus irgendwie. Ja, aber es wird, könnte ein bisschen zu kompliziert werden, wenn man dann sagt, ja gut, KI macht ja auch nichts anderes und sowas, aber das Original aus dem Studio genommene Material, in die, was jemand investiert hat, und wann dann was zu machen und dann noch nicht mal anzufragen, das finde ich eigentlich gelinde gesagt ziemlich frech. Weil die meisten Musiker sind ja gar nicht dagegen, dass es weiterverwendet wird. Das ist ja jedes Mal, wenn du zitiert wirst, ist das ja auch jedes Mal wieder eine kleine Ehrung deines Schaffens.

Axel8:15

Ganz genau. Ja, also vielleicht noch einen Satz dazu. Letztendlich kam es ja dann bei Kein Zurück. Aus dem Sample wurde dann ja sozusagen, hattest du das ja zu einem ganz neuen Titel gemacht, der dann halt eben auch von Peter, das muss man ihm jetzt auch mal doch sicherlich lassen, dass er da seinen Teil auch dazu beigetragen hat, sowohl so melodiell als halt eben auch textlich. Aber da war ja noch was ganz Besonderes, das muss man ja auch mal noch mal sagen, weil das betrifft aber jetzt das Video, was ja eigentlich auch nach wie vor auf YouTube sehr häufig angeklickt wird. Letztendlich kam es da ja zu einer besonderen Zusammenarbeit, nämlich die mit Detlef Buck. Kannst du dazu noch mal vielleicht was sagen?

Markus9:02

Ja, mit Detlev Buck, den habe ich witzigerweise gerade vor 3 Wochen wieder getroffen, auf dem Filmfest der Morion Filmförderung. Also wir kennen uns noch, hat auch festgestellt, dass die Telefonnummern noch dieselben sind von damals. Ja, gute Frage, wie ist es damals? Ich glaube, es war einfach eine Idee, weil er hat irgendwie coole Filme gemacht und man hier mal anfragen könnte. Ach nee, Quatsch, Entschuldigung. Entschuldigung, die Zusammenarbeit ist ja vorher schon entstanden gewesen. Wie sein Film Liebe Deine Nächsten. Da hatte er einen Titeltrack gesucht oder seine Produktionsfirma und es kam nicht. Ich weiß gar nicht, ob er Wolf, ob er jetzt das gesagt hat oder die Produktionsfirma. Auf jeden Fall war dann auch Wolfsheim so im Gespräch, weil wir damals dann so ein bisschen auch diesen Dünkel hatten, so aus dem Independent-Bereich. Weißt du, das ist künstlerischer, ein bisschen interessanter und so was und trotzdem kommerziell. Und da hatten wir den Titelsong It's hurting for the first time und da ist dann ja auch ein schönes Video entstanden. Ich fand, er hat das auch wunderbar geschnitten gehabt mit Originalfilmszenen aus dem Liebe deinen Nächsten irgendwie, wo dann Peter und ich quasi im Hintergrund stattfinden. Und er hat uns glaube ich auch so ein bisschen, im Film geht es irgendwie Yin- und Yang-mäßig um Gut und Böse, er hat uns da auch gewissen Rollen schnitttechnisch dann zugeordnet gehabt. Also wenn man den Film mal so betrachtet, ist das ganz interessant, weil da immer so ein Spiel stattfindet. Die Schauspieler gucken quasi ins Spiel und sehen uns dann an. Und er hat uns das damals gar nicht verraten gehabt beim Dreh, was er jetzt so schnitttechnisch vorhat. Und das ist eben mal so Zumindest meine Interpretation, wenn ich es heute noch angucke. Und dann war die Sache klar mit ihm. Super Kerl, toller Typ irgendwie. Mit dem wollen wir wieder was machen. Und dann ist eben halt Kein Zurück entstanden. Er hatte die Idee, das so aufzunehmen. Und ich denke schon, diese Dynamik, wie das geschnitten wurde, er hat sich natürlich auch woanders inspirieren lassen, soweit ich mich erinnern kann. Aber die Dynamik mit diesem Song, seiner Arbeit, ist das glaube ich auch ein zeitloses Dokument geworden, quasi könnte man sagen.

Frank10:57

Du hattest ja vorhin hier Trans Europa Express erwähnt von Kraftwerk. Und da gab es ja, da waren wir gerade bei diesen Rechtsstreitigkeiten, da ging es ja dann um Afrika Bambaataa, der das doch auch Anfang der 80er gesampelt hatte bei Planet Rock gemeinsam mit dem, wie hieß der noch mal, Arthur Baker, der Produzent. Da hatten wir doch auch schon drüber gesprochen, Axel. Ich glaube, Afrika Bambaataa ist auch letztes Jahr verstorben. Und bei diesem Rechtsstreit, Afrika Bambaataa hat halt da was von Kraftwerk gesampelt und am Ende haben dann Gerichte entschieden und Kraftwerk haben tatsächlich dann Tantiemen von diesem Song dann bekommen. Wie würdest denn du das umgekehrt sehen, wenn jetzt Leute deine Musik sowohl von Wolfsheim als auch von den zahlreichen Soloprojekten, die du dann noch später gemacht hast— du hast vorhin ja selber gesagt, es edelt dich ja auch irgendwie, wenn Menschen, also wenn neue Musiker, neue Generationen dich vielleicht zitieren Weißt du, da was reinsampelt. Wie stehst du dazu, wenn andere Leute dein Werk auch verwenden jetzt für ihre Musik? Und daran anschließend auch die Frage: Hast du überhaupt da die Freiheit, das zu entscheiden? Oder wer hat so Rechte an Wolfsheim? Entscheidet das dann irgendein Label? Und kannst du das gar nicht entscheiden, wenn das Label sagt: Hey, wir starten jetzt hier einen Copyright-Prozess? Wie stehst du dazu?

Markus12:21

Also die geistige Schöpfungshöhe, die kann einem ja keiner wegnehmen. Ist ja ein bisschen kompliziert irgendwie. Also wenn du dir das erdacht hast, ist es ja deins. Ist natürlich immer so eine Frage, das zu beweisen, wer nun welche Idee vorher hatte. Und bei einer Welt mit 8 Milliarden Menschen haben wir glaube ich mittlerweile, ist es glaube ich auch nicht mehr so außergewöhnlich, dass zur gleichen Zeit oder zur selben Zeit 2 Leute, 3 Leute irgendwie die gleiche Idee haben oder dieselbe. Und insofern ist das ein bisschen schwer zu beweisen. Ich finde schon, wenn man es macht, gut, ich sag mal so, wenn man jetzt irgendwo im Kellerchen sitzt oder zu Hause, dann irgendwie halt sich was zusammenwürfelt, irgendwie aus verschiedenen Tracks. Man muss jetzt ja nicht jedes Mal anrufen oder so was, weißt du, irgendwie und irgendwie Labels fragen. Bei uns wäre das so, dass die Rechte der Aufnahmen, also von Spectators, das liegt alles bei Strange Ways Records, Indigo. Die haben das auch weil wir damals einen Künstlervertrag hatten, die hatten auch die Produktion übernommen. Also die Audioaufnahmen als solches gehören denen. Wir haben aber den Vertrag jetzt so abgesichert, dass wir trotzdem in Absprache sagen können, nee, das würden wir dann nicht wollen, da bitte gibt es nicht frei, ne. Wenn jetzt irgendwie eine Anfrage wäre, ob es als Filmmusik verwendet werden könnte oder sowas. Ansonsten darf man, also es ist glaube ich ein sehr komplexes Thema, man dürfte ja in Wirklichkeit zurückcovern sowieso, solange man den Text nicht großartig verändert. So, und wenn das dann offiziell angemeldet wird, habe ich in den wenigsten Fällen was dagegen. Bei den meisten denke ich mir dann selbst, wenn es mir nicht gefällt, mein Gott, das ist eben halt eine, du hast es so an die Welt rausgegeben. Irgendwann bin ich sowieso nicht mehr da, dann werde ich es auch nicht mehr kontrollieren können. Unter Umständen wird es eine Abendgemeinschaft geben, die dann aufpassen könnten, aber irgendwie ist das dann immer noch im eigenen Interesse. Aber wie gesagt, die Geschichte, also wirklich ein Audiosample zu nehmen und wenn der dann so tragend wird und dann irgendwie auf irgendeiner der, der das gestohlen hat, sag ich mal, unter Umständen dann mehr verdient als derjenige, der es erschaffen hat. Da finde ich, ist es dann ja eigentlich auch eine Frage der Moral, oder? Also das finde ich dann, also auch der Anerkennung. Also wenn man selbst sagt, gut, ich fühle mich irgendwie an, als wenn es ein Lob quasi zitiert zu werden, aber dann wäre es ja noch ein größeres Lob, wenn der andere das auch anerkennen würde und sagen würde, hier, ich habe das nur geschaffen, weil ihr, du irgendwie eine Vorarbeit geleistet habt.

Axel14:45

Ja, also vielleicht muss ich mal, wir können ja mal gucken, wie sieht es mit der gängigen Praxis aus? Also ganz im Allgemeinen gibt es diese Sache mit den Anfragen übrigens inzwischen kaum noch. Also es wird nicht angefragt, es wird einfach gemacht, es kommt raus und dann muss man seine Ansprüche einfach an diese Leute richten, die dann irgendeinen Hit haben. Und dann darauf setzen, dass das anerkannt wird und dementsprechend auch, sagen wir mal, dann zu einer nachträglichen Vergütung kommen. Also so stellt sich das heute dar. Niemand macht sich mehr die Mühe, will ich mal sagen. Auf der einen Seite, weil du auch nie weißt, wird es ein Hit? Wenn es keiner wird, interessiert es auch wieder gar keinen. Ist immer ganz schwer zu sagen. Interessant ist aber, dass diese, nennen wir es mal moralische Seite, gegenüber den Werken, die andere erfinden. Ich finde, das hat schon massiv nachgelassen. Da wird nicht mehr groß drüber nachgedacht, ob das jetzt berechtigt ist oder nicht. Wenn es soweit ist, dann kommt garantiert der Rechtsanwalt, dann wird es auch teuer im Allgemeinen, weil der wird natürlich auch noch mal bezahlt. Also ich kann nur sagen, also da hat sich viel getan die letzten Jahre über, weil aber auch die, sagen wir mal, die Hitgröße und das, was heute noch verdient werden kann, über die Musik halt eben massiv verloren hat. Also um es mal in Zahlen zu nennen, es ist wirklich, das glaubt mir immer keiner, aber es ist definitiv so, man hat heute noch 5 bis maximal 10% der Einnahmen verglichen zu den Zeiten, wo ihr halt eben auch schon erfolgreich wart, etwa um 1999, 2000 rum. Da verglichen mit der Zeit verdient man heute maximal 10%. Und das ist natürlich ein enormer Einschnitt. Und wenn 90% weg sind, dann sagt man sich natürlich auch, komm, was willst du jetzt klagen? Da kriegt ja der Rechtsanwalt mehr, als die ganze Sache bringt. Das nur mal so als kleine Randnotiz.

Frank16:45

Ja, das ist heftig, wenn ich das richtig verstanden habe, jetzt als Laie, weil aktuell bekommt der Künstler nur noch 10% von den Verkaufszahlen und das, obwohl doch eigentlich gewisse Produktionskosten ja niedriger sind, sprich man muss keine CDs mehr drucken, weil das läuft ja vor allem jetzt heute über Streaming und so weiter, müsste man sich eigentlich denken, da das vereinfacht wird, müsste doch der Künstler eigentlich noch mehr bekommen.

Axel17:09

Nein, pass auf, das hast du nicht richtig verstanden. Aufgrund der, sagen wir mal, der Auswertung der Einnahmen durch die Musik, das gilt jetzt nicht nur für uns als Künstler, das gilt auch für die gesamte restliche Szene. Das heißt also sowohl die Plattenfirmen, die verdienen heute auch lange, lange nicht mehr das, was sie damals verdient haben. Ja, das muss man dazu sagen. Also der Markt ist im Grunde genommen massiv kleiner geworden, weil die Leute offensichtlich, ich würde es mal so bewerten, man will nicht mehr so viel Geld für Musik ausgeben und deshalb werden also CD-Käufer, sind auch nicht mehr beliebt. Die Leute wollen es dann doch irgendwie direkt über Handy hören oder wie auch immer. Es gibt noch so eine so eine relativ kleine Gruppe, die noch CDs kauft, halt eben im deutschen Bereich. Also sowohl der Indie-Bereich ist gar nicht mal so uninteressant und natürlich, wer noch dazugehört, ist der deutsche Schlager. Aber internationale Popmusik, das hat massiv nachgelassen jetzt, also von den Verkäufen. Das heißt also, die Einnahmeseite ist schon nicht mehr da. Das macht die große Reduktion. Es ist nicht so, dass man uns jetzt im Verhältnis zur Einnahme mehr beschnitten hätte. Das wäre die falsche Auslegung, sondern es geht darum, dass die halt eben die Einnahmen nicht mehr da sind, weil die Leute halt keine CDs mehr und keine physischen Tonträger, will ich mal generell sagen, kaufen. Das ist der eigentliche Grund.

Markus18:32

Es ist so eine Art Shrinkflation. Der Kuchen ist kleiner geworden, sagen wir es mal so. Hat noch genauso viele Stücke, aber das Füllgewicht ist vielleicht nur die Hälfte oder 10%, wie du sagst.

Frank18:44

Aber hey, lass mal das Music Business mal wieder hinter uns und komm mal wieder zurück zur Kunst. Du hast ja uns erzählt, wie es mit Wolfsheim auseinandergegangen ist, aber du hast ja dann noch eine lange Musikerkarriere gemacht. Erzähl mal ein bisschen über die Zeit oder vielleicht auch, wenn du willst, über die zeitgenössische, also über die Jetztzeit. Wo siehst du jetzt die elektronische Musik? Siehst du Wolfsheim erben? Siehst du noch Territorium, was man noch, wenn man jetzt junger Musiker ist, was du noch exploren kannst? Was hörst du für Platten? Wie sieht es aus mit so Weltmusik, so Crossovers und so weiter? Das war jetzt wieder mal typisch mein Stil. Ganz viele Fragen auf einmal, aber ich schicke dir auch nur so ein paar Themen und ich versuche mal einige, einige der Fragen zu beantworten irgendwie.

Markus19:34

Ich selbst, ich bin, muss ich leider gestehen, ich bin fast kein Musikkonsument mehr. Also es mag sein, irgendwie dieser, dass das, man wird ja heute überall mit Musik zugeschüttet und Medien und, und, und irgendwie von Reels bis sonst was und ich einfach manchmal mich glücklich fühle, einfach Ruhe zu haben. So, und das mit den Einflüssen von Wolfsheim, wo ich da die, die, die, also hatte ich ja vorhin schon gesagt, dass ich froh bin, also stolz wäre, wenn du da irgendwann so eine Linie ziehst von Johann Sebastian Bach über Kraftwerk und Wolfsheim da auch irgendwo stattfindet. Irgendwie das stimmt wohl, aber ich kann jetzt keine, keine Band irgendwie zitieren, die vielleicht auch bewusst sagt, wir berufen uns auch auf Wolfsheim. Kann ich, kenne ich niemanden so, aber bin ich neugierig zu erfahren und dann kann ich mir selbst eine Meinung bilden. Und jetzt habe ich glaube ich schon— ach so, Weltmusik, nee, kann ich glaube ich auch nichts drüber sagen, weil ich bin also der Kunst selbst bin ich natürlich treu geblieben. Das war erstmal so ein herber Schlag mit dem Ende von Wolfsheim, hat dann auch ein bisschen gedauert, bis ich halt angefangen habe, dann irgendwie halt über das Konzept— das war jetzt ja auch nichts Weltbewegendes— aber zu denken, irgendwie gut, dann arbeite ich halt mit verschiedenen Sängern, Sängerinnen zusammen. Und das hat dann schon eine Weile gedauert, sie auch zusammenzutragen. Wobei ich davon ausgehe, dann— ich habe das so für mich entwickelt, dass jedes Stück, das ich habe, irgendwo auf dieser Welt eine Sängerin oder einen Sänger hat, der genau die Geschichte bringen kann, die ich suche. Und das finde ich ja eben halt auch interessant eigentlich, wenn dann so was Kongeniales entsteht, dass dann eine Zutat noch dazu kommt, von der ich noch gar nicht gar nichts wusste. So ist ja ein bisschen vielleicht auch wie beim Kochen oder so was, dass man sagt, ah, irgendwie dann streue ich da noch ein bisschen Zimt rein irgendwie und dann hast du auf einmal ein völlig neues Gericht. So hatte ich mir das dann irgendwie gedacht. Und das ist mir, glaube ich, bei meinem Album Waking Up In A Different World hoffentlich ganz gut geglückt. Aber es war trotzdem wahnsinnig schwer, da trotz der Geschichte, meiner Geschichte irgendwie ein Label zu finden. Letztendlich ist es beim US-amerikanischen Label Metropolis Records gelandet. Die hatten aber völlig den Sitz, ja, es irgendwie verpennt, überhaupt mit Streamern zusammenzuarbeiten wie Spotify oder so was. Also es ist katastrophal vom Marketing irgendwie an die Wand geklatscht worden. Mir hat es aber jetzt im Nachhinein trotzdem wirklich was ausgemacht, weil für mich ist es irgendwie ein Statement, so das Album. Ich höre das wahnsinnig gerne. Es ist, glaube ich, so generell auch gut angenommen worden von der Presse, auch von denen, die es dann irgendwie für sich entdecken. Und da denke ich mir auch, gut, 2020 ist es rausgekommen, hat dann auch wirklich 10 Jahre gedauert, also bis ich eine Plattenfirma hatte, dann wieder irgendwie auch neues Produktionsteam und dies und das. Aber es ist hoffentlich, glaube ich, auch relativ zeitlos, dass es egal ist, wenn es jemand 2030 für sich entdecken wird. Sehr gerne.

Frank22:26

Wo du, wo du gerade so gemeint hast, du hast ja dann auch immer mit verschiedenen Sängern und Sängerinnen experimentiert. Das bietet sich ja an, so der Elektronik-Master und der eine Vokalistin. Das erinnert mich an so eine Sache. So ein befreundeter Musiker von mir, Ralph Valentiano, der ist halt auch so Multiinstrumentalist und der braucht halt manchmal dann eben eine Stimme. Und das ist dann gar nicht so einfach gewesen. Aber heutzutage mit KI kannst du dir wirklich hochklassige Stimmen sozusagen erstellen. Also du hast eine gewisse Vorstellung, was möchte ich haben? Eine soulige Stimme, die rauchig klingt oder so was Engelhaftes, was auch immer. Und das nutzt er auf jeden Fall mit Freude und es bringt ihn kreativ weiter. Hier mal die Frage, wie stehst du zu dem Thema KI und Musik? Siehst du da eine Konkurrenz, gerade eben wenn es um instrumentelle Musik geht? So, kann die KI auch Wolfsheim-Beats machen oder siehst du das eher gelassen und siehst da die weiteren Möglichkeiten als ein Tool für Jetzt junge Musiker, die halt genauso mit dem neuen Shit spielen wie wir damals auch.

Markus23:38

Also das ist, also ich finde es ein hochgradig spannendes Thema. Ich bin auch froh, da irgendwie nicht, also das noch erleben zu können. Also ich bin auch noch gespannt, was das, was das auch, wie das unsere Gesellschaft ändern wird, sobald das auch noch verkörperlicht, also einen Körper bekommt, die KI, also sprich Robotik. Das wird schon die Welt massiv verändern. Der Geist ist aus der Flasche. Da jetzt irgendwie den Kopf in den Sand zu stecken, das ist, glaube ich, das Falscheste, was man machen kann. Ich sehe das. Was mir aber Mut macht, ist zum Beispiel die Idee, als früher die Fotografie erfunden wurde, hatten die, vorher war es eben halt, waren Maler begehrt, die eben halt fotorealistisch malen konnten. Die waren dann einfach nicht mehr gefragt und auch nicht mehr nötig, sobald die Fotografie da war. Was hat es geschaffen? Es hat eben mal Platz für Expressionismus, Impressionismus und dergleichen gemacht. Später Surrealismus, Dadaismus und die ganzen Geschichten. Es hat Platz geschaffen. Was da in Sachen Musik passieren wird, das kann ich so noch nicht sagen, wie es sich weiterentwickeln wird. Also weil Gehirngewohnheiten, das Gehirn macht ja auch, ich weiß gar nicht, was man da noch erfinden kann, aber mal sehen. So, und insofern würde ich da schon experimentieren wollen. Ich muss auch offen gestehen, bei einigen Tracks denke ich irgendwie, ja gut, das kann die KI besser. So, da braucht man dann sich auch nicht mehr einbilden, dass man vielleicht Musiker ist. Es basiert ja aber auch auf dem Machine Learning und Large Language Models irgendwie auch bei der Musik. Kreativität können sie noch nicht, das ist sicher. Und ich glaube, das ist in denen auch nicht angelegt, das könnten sie nicht. Also man wird immer noch jemanden brauchen, der letztendlich entscheidet, ob das gut ist. Und keine Ahnung, so nicht bekannt genug, dass man da jetzt irgendwie so eine Art Voice- Composer dann schaffen könnte. Und ich glaube, man wird es immer merken, weil es halt nicht im normalen Rahmen stattfindet, die Komposition. Ich habe um 2000 rum noch mal gedacht: Ach Gott, jetzt nimmst du noch mal Harmonielehre, Klavierunterricht, um zu gucken, was du da machst. Und dann habe ich irgendwann festgestellt, wenn ich mich selbst dabei beobachte, Musik zu machen, und das in irgendeine Norm packen möchte, dann funktioniert das gar nicht mehr. Also ich arbeite mit Stimmung, mit Gefühlen und da ist mir das dann egal, ob ich da von C auf D tue oder sonst was irgendwie, weißt du, G. Und das ist ein schönes Beispiel dafür, ist da mal gewesen, ein Klassikmusiker, mit dem wir mal aufgetreten waren, Violonist, da sind wir die Noten durchgegangen. Der meinte, ich glaube, bei This Time war das, da meinte er aber, nee, an der Stelle, das geht nicht. So meinte ich, hey, was geht nicht? Ja, dieser Harmoniewechsel, den gibt es nicht. Da meinte ich, es gibt den doch, wir haben ihn doch hier, wir haben ihn doch im Track. Und der hatte wirklich eine innere Hemmschwelle, das zu spielen. Das konnte er nicht mehr, weil er eben halt trainiert Und solche Geschichten kannst du natürlich dann leichter nachmachen. Das stimmt schon. Aber kann immer Platz für Neues schaffen. Und ja, also ich habe das für mich dann eben halt festgestellt. Also das ist so, man sollte das, wenn man irgendwie auch Sachen gelernt hat, also eben halt so Stilmittel oder so was, am besten im Prozess so was wieder vergessen zu können. Das ist so ein bisschen zenmäßig, weißt du, um eben halt einfach bei dem Gefühl oder bei der inneren Message zu bleiben.

Frank26:46

Klingt fast so, als ob es dich ein bisschen in den Fingern jucken würde, so ein bisschen prompten, weißt du, mal ein paar Tracks erstellen, so völlig ohne irgendwie zu ambitioniert zu sein, einfach nur so mit dem Spielzeug umgehen.

Markus26:57

Ja klar, logisch, das geht ja nie weg. Das ist, ich habe auch, also es ist, Renat ist ja auch wieder unter Vertrag sozusagen, aber es gibt jetzt keine Eile. Es gibt eben halt die ersten Schritte dann wieder zur Produktion eines weiteren Albums, aber ich habe das schon letztes Jahr versprochen gehabt, 2025 ist es soweit. Aber na ja, wie es so ist, es ist eben halt noch nicht so weit und kann noch ein bisschen dauern.

Axel27:23

Gut, vielleicht noch mal, ja, abschließend denke ich mal, noch mal ein Rückblick, trotzdem noch mal ein kleiner Rückblick auf Wolfsheim, denn das ist so ein bisschen, soll ja so ein bisschen die Überschrift schon sein von diesem Beitrag hier, dass wir dann doch noch mal den auf Wolfsheim gucken, weil ich gehe davon aus, dass das noch nach wie vor gehört wird. Das belegen ja auch die Streamingzahlen. Sonst würdest du nicht irgendwie bei, was weiß ich, wenn man insgesamt sich anguckt, glaube ich, sind es über 50 Millionen, die da zusammenkommen. Also das sind schon, das zeigt schon, dass also Wolfsheim nach wie vor noch vom Soundgebilde her durchaus ein ja noch sein Bestehen hat heute. Ja, und das zeigt ja auch, dass du zumindest damals auch auf dem richtigen Weg warst und eigentlich vielleicht sogar den Hinweis, dass man da ruhig auch weiterhin dranbleiben kann. Wie siehst du das denn, wenn jetzt ein neues Album käme? Kommt ja nicht, ich weiß. Aber angenommen, es käme doch eins, ja, wie würdest du das denn jetzt anpacken eigentlich?

Markus28:35

Ich würde da jetzt ansetzen, wo ich 2005 gedanklich, nee, 2006 gedanklich war, eben halt das sehr reduziert zu machen. Und also ich weiß ja sehr ehrlich, ich würde vielleicht nicht so aus melancholischen Gründen heraus eventuell mir noch mal diese ganzen Analoggeschichten nehmen, obwohl wer weiß, was dann passieren würde. Ich habe das ja alles irgendwie verkauft und sowas, aber einfach noch mal wieder so rumexperimentieren mit ein paar Kabeln und irgendwie hier, da und da was triggern, so, das könnte noch mal interessant sein. Ich hatte auch bei meinem letzten Renard-Album einen Song geschrieben. Ach nee, Quatsch, das wird auf dem nächsten sein, bei dem ich noch mal gesagt hatte, ich komponiere nur mit Shareware. Es waren nur Synthesizer oder ein Kompositionsprogramm, das man kostenlos bekommt. Das ist ja auch schon verrückt, dass man dann gar nicht mehr so viel braucht, was es da alles so gibt, ohne jetzt irgendwas zu stehlen oder so was. Einfach immer das nimmt, was so da ist. Was weiß ich, kann man auch mit GarageBand machen von Apple zum Beispiel, wenn man einen Laserrechner hat. Ist ja schon verrückt. Also was reduziert ist, um ja, weil da die Vorteile nutzt, wie du es ja auch vorhin gesagt hattest, Frank, irgendwie Produktionskosten sind runter. Also heute kannst du halt im Laptop was machen, was dich vor 30 Jahren irgendwie 100.000 Mark gekostet hätte. Also einfach um diesen Klang, gar nicht mal die Qualität, also klangliche Qualität hinzubekommen. Die hast du ja heute im iPhone, das ist oder in jedem Handy. Also man muss ja noch nicht mal 1.000 € für ein iPhone ausgeben, kannst du ja auch dann irgendwie Ciao nehmen oder so für 300.

Frank30:01

Ja, faszinierend. Und vielleicht als Ausblick auch noch, weil darüber haben wir noch gar nicht gesprochen: Jetzt schreibst du auch Drehbücher. Das heißt, du bist ein kreativer Mensch und hast das mit der Musik ausgelebt. Jetzt machst du Drehbücher. Was für Drehbücher machst du? Für Filme? Es ist ein sehr— für Spielfilme oder Dokus oder was? Was ist da deine Arbeit?

Markus30:27

Das ist ein langwieriger Weg, ist ein noch komplexeres Metier als die Musik, weil da noch mehr Geld involviert ist in den meisten Fällen. Das hatte ich mir noch ein bisschen leichter vorgestellt. Ich bin jetzt seit 7 Jahren dabei. Jetzt habe ich gerade vor ein paar Wochen die erste Förderung bekommen von der Filmförderung Hamburg, eine umfangreiche für ein Filmprojekt, mit dem ich dann eben halt mit einer Co-Autorin, mit einer Jüngeren, einen Stoff entwickelt habe, der zum Teil, vielleicht zu viel zu verraten, aber eben halt zum Teil dann auf der Insel Wilhelmsburg spielt, wo auch Wolfsheim entstanden ist, wo ich aufgewachsen bin. Und das ist ein super spannendes Thema, weil es sehr komplex ist. Ich damals, als ich dann zum Schreiben gekommen bin, wie die Jungfrau zum Kind eigentlich, weil ich einen anderen Musiker wieder getroffen hatte, den ich zuvor mal produziert hatte. Dann hatten wir uns aus den Augen verloren und dann habe ich zufällig ein Projekt von ihm im Internet gehört, was eine Geschichte, die 30, 40 Aufrufe hatte. Und dann dachte ich, der Sänger ist ja ganz gut, kontaktiere ich ihn mal. Ein paar Wochen später meldet er sich dann wieder. Das bist du, ist ja verrückt. Er war dann irgendwie zum, zum, hatte dann Roman schon veröffentlicht gehabt und dann dachte ich, er meinte, das können wir ja auch mal zusammen was entwickeln, weil ich eine Romanidee für ihn hatte. Und daraus haben wir dann eine Fernsehserie entwickelt. Und im Nachhinein muss ich mal sagen, ich hatte mich als Wolfsheim erfolgreich, sehr erfolgreich war ja im Verhältnis, oftmals ein bisschen leer gefühlt und dachte irgendwie, hä, bist jetzt eben undankbar? Du lebst hier den Traum, den viele nicht leben können, weil sie es einfach nicht geschafft haben. Du fühlst irgendwie immer noch so ein bisschen leer oder so was. Fand ich irgendwie ganz komische, ganz komische interne Message sozusagen. Und beim Schreiben wurde es mir dann auf einmal klar, ah, das hat gefehlt. Und dann ist für mich eben halt alles so zusammengekommen, dass ich das heute einfach auch mache, weil es mir einfach wahnsinnigen Spaß bereitet. Das ist von Thriller über Comedy. Ja, ich habe jetzt auch gerade irgendwie in München so eine Drehbuchwerkstatt abgeschlossen. War erst mal brotlose Kunst, aber man lernt erst mal das Handwerk, um das dann wieder vergessen zu können. Und irgendwann, wenn es sein soll, wird das Ganze auch aufgehen. Und ich hoffe eben mit dieser Förderung jetzt, dass man dann in ein paar Jahren vielleicht meinen ersten Film sehen kann. Und das ist witzig, weil da hat sich wieder was geschlossen. Das hatte ich am Anfang erwähnt, dass ich am Anfang dachte, ich mache was mit Film, hatte dann halt auch so ein Praktikum gemacht im Studio Hamburg, hat mir alles nicht gefallen, weil ich es mir anders vorgestellt hatte. Und jetzt komme ich dahin zurück.

Frank32:54

Faszinierend. Giorgio Moroder ist aber Ende der 70er mit dem ganzen Elektrokram nach Hollywood gegangen und hat Millionen gemacht. Markus Reinhardt schreibt Drehbücher und wer weiß, vielleicht wartet da noch so ein ganz großes Skript für irgend so einen Hollywood-Buster oder eine schöne Serie. Aber ich schätze, das ist dann eine Geschichte, die müssen wir ein andermal erzählen. Axel, hast du noch eine Frage, die wir Markus noch stellen können?

Axel33:17

Eigentlich nicht unbedingt, nein.

Markus33:20

Ich kann auch gerne wiederkommen, wenn euch nachträglich was einfällt, irgendwie, wenn ich euch nicht genervt habe, wenn alles okay ist, dann—

Frank33:27

Das nehmen wir doch gerne an, dieses Versprechen, weil, also ganz im Gegenteil, ich fand es waren hochinteressante 2 Gespräche über Musik, richtig Gänsehaut, weil es ist mir natürlich eine Freude und eine Ehre, dass du bei FRAX in unseren Virtual Studios hier am Start warst und halt einfach auch ein Vergnügen, mit euch beiden so über Musik zu sprechen, über, über wie Musikszene in den 80ern, 90ern war. Ich meine, wir hatten echt einen sehr interessanten Austausch hier und möchte wirklich danken, dass du gekommen bist.

Markus33:56

Vielen Dank, hat mir sehr viel Spaß gemacht und wie gesagt, hoffentlich bis bald.