Sommer-charts
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Zusammenfassung
In der 23. Folge von FRAX Music widmen sich Axel Breitung und Frank Engelmayer einem Phänomen, das viele Musikliebhaber jedes Jahr aufs Neue überrascht: den Sommer-Charts. Während draußen die Sonne scheint und die Menschen Festivals besuchen, dominiert in den deutschen Top 100 nicht etwa die neueste Musik, sondern auffällig viele alte Bekannte. Axel, selbst erfahrener Musikproduzent, hat die aktuellen Charts genau unter die Lupe genommen und stellt fest, dass sich das Repertoire im Sommer deutlich verändert. Neuveröffentlichungen sind rar, stattdessen tauchen viele Songs und Alben wieder auf, die schon seit Jahren – teils sogar Jahrzehnten – immer wieder in die Hitlisten zurückkehren. Klassiker wie Michael Jacksons „Thriller“ belegen plötzlich wieder vordere Plätze.
Frank und Axel erklären, wie die offiziellen deutschen Charts überhaupt entstehen. Die GfK, ein renommiertes Meinungsforschungsinstitut, sammelt Verkaufs- und Streamingdaten und erstellt daraus die wöchentlichen Ranglisten. Die Regeln dafür legt der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) fest, wobei sowohl große als auch kleine Labels mitbestimmen. Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten, als die Charts noch nach anderen Regeln berechnet wurden, ist heute vor allem das Streaming ein entscheidender Faktor. Streams werden in verkaufte Einheiten umgerechnet, was dazu führt, dass auch ältere Songs durch wiederholtes Hören immer wieder in die Charts zurückkehren können.
Ein weiteres Thema der Folge ist der internationale Vergleich: Während in Deutschland die GfK die Zahlen erhebt, setzen die USA auf die Billboard-Charts, die nach eigenen Kriterien funktionieren. Auch in Großbritannien gibt es eigene Regeln. Axel spricht offen über den Einfluss internationaler Plattenfirmen und den „Kulturimperialismus“ der US-Musikindustrie, die Trends und Hits weltweit steuert. Die beiden Hosts diskutieren, wie sich die Dominanz der amerikanischen Musik seit den 1980ern verstärkt hat und wie heute auch globale Phänomene wie K-Pop oder Latin Music in den Charts auftauchen.
Besonders spannend ist die Analyse, warum im Sommer so wenig neue Musik erscheint. Die Musikindustrie weiß, dass in dieser Zeit weniger gekauft wird – große Releases werden deshalb auf den Herbst verschoben, wenn das Weihnachtsgeschäft lockt. Das führt dazu, dass die Charts im Sommer von Dauerbrennern und Re-Entries geprägt sind. Axel und Frank geben Tipps, wie man diesen Effekt selbst beobachten kann, und werfen einen kritischen Blick auf die Mechanismen hinter den Kulissen. Die Folge bietet einen tiefen Einblick in die Funktionsweise der Charts, die Rolle von Streaming und die Strategien der Musikindustrie – ein Muss für alle, die Musik nicht nur hören, sondern auch verstehen wollen.
Hintergrund & Kontext
Die Geschichte der Musikcharts reicht bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Ursprünglich wurden Hitparaden anhand von Plattenverkäufen und Radioeinsätzen erstellt. In Deutschland prägten Formate wie die ZDF-Hitparade das Bild der populären Musik und waren ein wichtiger Gradmesser für den Erfolg von Künstlern. Mit der Digitalisierung und dem Aufkommen von Streaming-Diensten hat sich die Erhebung der Charts grundlegend verändert: Heute zählen nicht mehr nur physische Verkäufe, sondern auch digitale Downloads und vor allem Streams. Dadurch können Songs, die vor Jahren veröffentlicht wurden, durch virale Trends oder Nostalgie immer wieder in die Hitlisten zurückkehren.
International haben sich verschiedene Chartmodelle entwickelt. Die US-amerikanischen Billboard-Charts gelten als globaler Maßstab, während die britischen UK-Charts eigene Akzente setzen. In beiden Ländern spielen Airplay, Streaming und Verkäufe eine Rolle, jedoch mit unterschiedlichen Gewichtungen. Die zunehmende Globalisierung der Musikindustrie hat dazu geführt, dass internationale Hits oft zeitgleich in mehreren Ländern die Charts dominieren. Gleichzeitig ist der Einfluss großer Plattenfirmen auf die Auswahl und Promotion von Songs gewachsen. Die Verschiebung wichtiger Releases auf das umsatzstarke Herbst- und Weihnachtsgeschäft ist eine Strategie, die sich seit Jahrzehnten bewährt hat und heute durch die Möglichkeiten des digitalen Vertriebs noch gezielter eingesetzt wird.
Häufige Fragen
Warum sind im Sommer so viele alte Songs in den deutschen Charts?
Im Sommer erscheinen traditionell weniger neue Alben, da die Musikindustrie wichtige Veröffentlichungen auf den Herbst verschiebt. Dadurch dominieren ältere Hits und Dauerbrenner, die durch Streaming und wiederkehrende Beliebtheit immer wieder in die Charts zurückkehren.
Wie werden die deutschen Musikcharts berechnet?
Die offiziellen deutschen Charts werden von der GfK im Auftrag des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) anhand von Verkaufszahlen und Streaming-Daten ermittelt. Ein komplexes Regelwerk sorgt dafür, dass sowohl physische Verkäufe als auch digitale Streams fair berücksichtigt werden.
Was ist ein Re-Entry in den Charts?
Ein Re-Entry bezeichnet einen Song oder ein Album, das nach einer Pause erneut in die Charts einsteigt. Besonders im Sommer sind solche Wiedereinstiege häufig, da weniger neue Musik veröffentlicht wird und beliebte Klassiker wieder an Popularität gewinnen.
Unterscheiden sich die Chartregeln in Deutschland, USA und UK?
Ja, die Chartregeln unterscheiden sich. Während in Deutschland die GfK und der BVMI die Regeln festlegen, werden in den USA die Billboard-Charts nach eigenen Kriterien berechnet, oft mit stärkerem Fokus auf Streaming und Airplay. Auch in UK gibt es eigene Regularien, sodass internationale Vergleiche nicht immer einfach sind.
Warum veröffentlichen Labels große Alben selten im Sommer?
Labels vermeiden Sommer-Releases, weil in dieser Zeit weniger Musik gekauft wird. Das Herbstgeschäft, insbesondere vor Weihnachten, bringt traditionell höhere Verkaufszahlen, weshalb große Namen und wichtige Alben meist erst dann erscheinen.
Gesprächs-Transkript
Hallo liebe Musikfreunde, Sommerzeit ist Musikzeit, deswegen haben wir uns bei FRAX gedacht, wir servieren euch eine neue Ausgabe. Und da Axel ist ja als Musikproduzent jemand, der auch immer einen Blick hat auf die aktuelle Musikszene, und auf das Geschehen. Und da ist ihm beim Blick auf die Charts, die Top 100 in Deutschland, ist ihm einiges aufgefallen. Axel, was ist los mit den Charts?
Ja, tatsächlich ist mir da was aufgefallen. Sie sind anders, als sie noch vor 2, 3 Monaten waren, und das hat auch einen guten Grund. Es ist Sommerzeit, wie du schon vollkommen richtig gesagt hast, und das heißt auch, das wirkt sich massiv auf die Charts aus. Schwerpunkt dabei ist in erster Linie, dass das Repertoire nicht mehr das Gleiche ist. Also man kann erkennen, dass man deutlich weniger Neuveröffentlichungen hat, die jetzt in den Charts reinballern, so nach oben. Das ist ja immer so ein bisschen das, worauf die Musikindustrie setzt letztendlich, das, oder wir alle letztendlich, was ist angesagt sozusagen. Und natürlich, dass wir die alten Sachen, die von früher teilweise bis zu 40, 50 Jahre alt sind sogar, also wenn ich an Thriller denke von Michael Jackson, der jetzt wieder ganz in den Charts wieder obere Plätze belegt, zeigt eigentlich ganz eindeutig, dass wir da eine Änderung haben gemessen an den vorherigen Monaten. Und diese Änderung, ja, die gucken wir uns jetzt etwas genauer an.
Ja, es ist wirklich tatsächlich so, wie du sagst. Auf den ersten Blick stechen einem da ein paar Alben ins Auge, wo du denkst, hä, das sind die Charts von Juli, August 2026, jetzt in unserem Sommer. Das ist ja seltsam. Aber hey, bevor wir die genau analysieren, so, und da können wir dann auch ein bisschen genauer reinzoomen, weil so ist es ja schon ganz schön kleinteilig. Aber erst mal so der Überblick, dass was Charts heißt, ein Chart, eine Tafel, so. Aber bevor wir da jetzt ins Detail gehen, Axel, keiner könnte das besser erklären als du als Musikproduzent. Was sind denn eigentlich die Charts? Wer berechnet die? Nach welchen Mustern? Wie kommt es überhaupt zu dieser Liste? Wer macht das?
Also generell diese Musik zu ranken, das heißt in anderen Worten, dass eine bestimmte Reihenfolge ist sozusagen, das macht die Hitparade aus. Egal ob wir damals die ZDF-Hitparade haben oder was auch immer, das hat ja so eine Reihenfolge und da weiß man dann eben auch, was ist angesagt und das ist auch eben relativ wichtig für andere, dass die wissen, also jetzt zum Beispiel Radiostationen oder alles, was auch Berichte darüber macht, auch die schreibende Presse, die ist halt eben auch mit dabei, die Medien, soziale Medien und so weiter, die spielen alle eine Rolle, die wollen wissen, was ist angesagt und deshalb braucht man das letztendlich auch sozusagen ein bisschen einen Guide, wer ist jetzt eben on top wichtig und wer wird halt eben dementsprechend gekauft. Das heißt, für was geben die Leute ihr Geld auch aus? Das ist ein ganz deutliches Zeichen dafür, was angesagt ist. Und deshalb ist auch wichtig zu wissen, wie wird das überhaupt erhoben. Man versucht das natürlich möglichst objektiv zu machen, weil es nicht ganz einfach. Also die GfK ist da das Entscheidende. Also deshalb hat man sicherlich auch sich für die GfK entschieden, die diese Erhebung letztendlich macht. Die GfK ist ein Meinungsforschungsinstitut. Man kennt sie sicherlich auch aus den, bei den Wahlen werden die auch immer wieder nach vorne geholt. Das heißt, die sorgen dafür, dass man dann sozusagen die ersten Hochrechnungen bekommt. Hier ist es ja auch eine Art Hochrechnung, Hochrechnung natürlich. Sie haben ja nicht alle Verkäufe gecheckt, sondern die wissen halt eben, was an den Kassen gelaufen ist. Das läuft bei denen rein und sie wissen auch, was im Streaming passiert. Also sprich, andere Musiknutzungen sind denen auch bekannt. Und aus diesen ganzen Daten, will ich mal sagen, diesen Datenwulst, das sind ja extrem viele Sachen, da ziehen die dann nach bestimmten Verfahren letztendlich die Top 100 raus. Das ist so mal grundsätzlich das. Die machen aber keine Regeln, das muss man dazu sagen, sondern dafür ist der BVMI zuständig, der Bundesverband der Musikindustrie. Dessen Aufgabe, oder der hat sich zur Aufgabe gemacht, da Regeln zu erfinden oder das Ganze zu regulieren, wenn man so will, damit es auch wirklich ein Abbild ist. Also das geht dann wirklich darum, natürlich, wer sitzt da drin in diesem Ausschuss? Die großen Plattenfirmen, auch klar. Also, aber dennoch, man versucht das objektiv zu machen und auch kleinere Plattenfirmen, die hier und da durchaus auch mal Hits haben, werden genauso so berücksichtigt wie die Großen. Also da hat man sich schon auf ein sehr gutes Regelwerk eingestellt. Das war nicht immer so, sondern wir haben noch in der Vergangenheit, waren die Charts auch unter anderen Regeln gemacht. Das weißt du sicherlich auch noch, als du noch mehrfach drauf geguckt hast.
Ja, das mit den Regeln ist total interessant, weil tatsächlich, ich komme aus einer Musikgeneration, wo das schon eine Rolle gespielt hat, sagen wir mal in den 80ern oder auch rückblickend. Ich mache ja auch viel Radiosachen, weißt du, dann wenn du die Relevanz von Musik einordnen willst, dann ist es auf jeden Fall ein Faktor natürlich, wie erfolgreich war die Musik. Und da sind ja dann, wenn ich so auf Charts schaue, dann schaue ich ja vor allem auf die internationalen. Ich schaue auf die Billboard-Charts, so nennt man das in den US, die ist auch aufgeteilt in unterschiedliche Genres. Also die überhaupt, die US-Billboard-Charts sind tatsächlich die bestverkauften, aber dann gibt's noch Rhythm and Blues oder die Country und so weiter, ja. Und dann natürlich die UK-Charts. Und wo du so über diese Regeln gesprochen hast, das klang ja so, wie als ob das jetzt gar nicht so international immer das Gleiche ist. Du sagst, in Deutschland macht es ein Meinungsforschungsinstitut, die haben da ihre mathematischen Modelle und die werden bestimmt gut sein. Aber ist es denn in USA und in UK, gibt's da andere Regeln? Ist es ein bisschen fluide? Kann man da möglicherweise sogar Einfluss nehmen?
Ja, das finde ich ganz unrichtig. Das ist natürlich generell ein Problem, gerade Billboard-Charts, die sind natürlich gut, das sind die Weltmarktscharts, wenn du so willst. Da wie immer, ja, USA liegt da immer ganz vorne vor, egal worum es geht, da haben die immer so Monopol. Und das hat auch ganz massiv auch Einfluss auf uns hier. Das darf man gar nicht mal so unterschätzen, denn die internationalen Plattenfirmen so wie Warner und Universal, die haben ganz klar Direktiven von außen, was sie hier in Deutschland zu promoten haben. Ja, also das ist, ich will es mal als Kulturimperialismus bezeichnen, ja, weil wir kriegen nicht irgendwelche Musik geboten, sondern die in anderen Ländern, also vorrangig im US-Raum, halt eben schon erfolgreich sind. Und dann bekommen die hier, die Deutschen, die vor Ort die Musik Industrie bekommt dann schon gesagt, hört mal zu, pusht mal da, pusht mal da. Insofern ist das, und das ist ihnen gelungen, über die ganze Welt so zu verteilen. Das muss man wirklich dazu sagen. Man kann es erkennen, wenn du die 80er Jahre noch siehst, wo, wo, wo die Engländer massiv in, in den Charts ja weltweit waren, hat man sich das jetzt nach Amerika rübergeholt. Und alles, was von dort aus kommt, so, also ist natürlich jetzt auch mal 30, 40 Jahre her, die anderen Charts, das bestimmt eigentlich im Grunde genommen Amerika. Und die sehen natürlich zu, dass sie ihr nationales Produkt schön ins Ausland kriegen, haben sie schön die Finger drauf und können das alles ganz gut steuern, würde ich mal sagen.
Da sprichst du jeden super spannenden Punkt an, der wäre vielleicht mal eine eigene Sendung wert. Der ein bisschen verloren gegangene Einfluss der UK-Musikszene auf die Musik weltweit. Gerade wir Oldschooler denken so 60er, 70er, 80er, ich meine auch 90er noch, ja, UK war so dominant in der Popkultur und heute ist echt ganz, ganz viel so nach Amerika geswitcht oder sogar auch globalisiert worden. Wir finden in den Charts auch K-Pop und Latino-Musik. Da gibt es auch einige Weltstars, die auch in den Charts sind. Also ist eigentlich ein super spannendes Thema. Das müssen wir an anderer Stelle mal behandeln. Aber lass uns mal eben auf diese Liste schauen. Du hast hier ganz, das hast du gemacht, da ganz viele hast du umrandet. Was willst du uns damit zeigen? Du hast auch verschiedene Farben genommen, Lila und Grün. Gehen wir doch mal auf das ein, was wir hier sehen an dem Chart.
Also das Ganze kann man sich auch online ganz gut angucken. Das gibt nämlich die offiziellen deutschen Charts. Unter diesem Begriff wird das aufgelistet und es ist für jeden einsehbar. Man kann das, ist super gemacht, auch auf der Website. Du kannst also da deinen Zeitraum eingeben, wenn du was Zurückliegendes auch angucken willst, weil du zum Beispiel sagst, was sie mir da erzählt haben von FRAX, ist das überhaupt so? Dann, wir haben nämlich nicht nur einmal so, sondern hier sind die Charts. Wir gucken jetzt gerade hier auf die Charts vom 26. 26.06. und es gibt noch einen zweiten Chart vom 24.07. war das. Das sind die, die wir jetzt sehen. Also deshalb die Charts mal zum Vergleich. Da sieht man auch so ein bisschen, dass sich da doch leichte Unterschiede einspielen. Genau. Und deshalb haben wir hier diese Charts, habe ich dann daraufhin untersucht, was denn von denen halt eben einen Unterschied macht. Also zum Beispiel die grün Eingerahmten, das sind die, die also zwischen 1 und 2 Jahre bereits in den Charts aufgetaucht sind. Dazu muss man eigentlich Kleinigkeiten noch wissen. Es gibt viele Sachen, die sind sogenannte Re-Entries, also Wiedereinstiege. Das sind die, die auf den hinteren Plätzen immer wieder sind, die halt eben so als Dauerbrenner gelten. Ja, das zeigen diese Charts eben auch. Die lila Eingerahmten, das sind die, die man halt, die haben 2 Jahre und mehr, also ab der 104. Chartswoche, ja, sind sie dann also in Lila eingerahmt. Und daran sehen wir auch schon, wie viele das sind, ja, und was vor allen Dingen auch mit dabei ist. Da ist einiges Auffälliges dazwischen, würde ich mal sagen, womit man nicht rechnen konnte.
Also das ist wirklich krass. So genau habe ich mir die Charts echt schon lange nicht mehr angeschaut. Aber meine erste Reaktion darauf wäre doch: Wie kann das denn sein? Gibt es in der aktuellen Musik so wenig Neues, was sich dann noch erfolgreich irgendwie anhört? Ich selber habe ja 2 junge Leute als Kinder. Meine Tochter ist noch Teenager und ich höre schon immer ein bisschen mit, was sie hört. Und da sind Festivals und so und da gehen Leute hin. Das sehe ich jetzt hier gar nicht so sehr präsentiert. Naja, Ikki Mel war in den letzten Tagen oft im Gespräch, aber es sind doch auffällig wenig neue aktuelle Acts. Und da frage ich mich, ist das, gibt es da zu wenig? Gibt es zu wenig Alben, die erscheinen, weil die vielleicht mehr nur einzelne Songs veröffentlichen? Weil auf den ersten Blick würde ich mir dann doch denken, so, Das ist kein gutes Zeichen für die aktuelle Musikszene, wenn so viele Alben so Oldplayer sind, die zum Teil aus einer völlig anderen Ära kommen. Das wäre meine erste Analyse, aber ist das so korrekt?
Genau, hast vollkommen richtig analysiert. Das spielt auch die entscheidende Rolle. Man hat also natürlich auf Stelty und die Musikindustrie zeigt eindeutig auch, was jetzt sozusagen für die auch wichtig ist. Also die haben einfach festgestellt, im Sommer wird wenig gekauft. Gehört, weiß man jetzt nicht unbedingt, aber zumindest weniger gekauft. Und das natürlich, die Musikindustrie, die lebt dann doch bis zu einem gewissen Grad auch heute noch von Tonträgern, die verkauft werden. Die sind ein bisschen anders geordnet, da kommen wir noch mal zu. Aber es ist so, da jetzt wichtige Neuveröffentlichungen reinzumachen, wäre total blöd. Das heißt, wenn sie die jetzt ein paar Monate später machen, und da siehst du auch den Schwerpunkt. Also wer das gerne mal beobachten will, kann ich sehr empfehlen, mal im Oktober und November mal reinzugucken. Nämlich da sind die besonders starken, das sind die stärksten Monate. Ja, in den Monaten, wo Herbst ist und, und dann auf Weihnachten zu, wo es dann noch einem, wo dann sozusagen auch Geschenk und als Untergeschenk immer noch unterm Weihnachtsbaum liegen kann. Das sind so die Momente, an denen sie da doch ganz anderen Impact kriegen draußen. Das heißt mit anderen Worten, sie versuchen die großen Namen, könnt ihr auch überall sehen, kommen dann eigentlich erst im Herbstgeschäft. Und weil man weiß, okay, großer Name, wenn man den jetzt was weiß ich in der Sommerzeit bringen würde, dann bringt er einfach nicht den Umsatz, den er hätte bringen können, während Herbst ist. Und das organisiert sozusagen über das ganze Jahr rüber das Verkaufsgeschäft. Ja, da geht's aber wirklich nur um den Verkauf, weil letztendlich das, was man hört, ist auch sicherlich nur— man hört dann schon mal lieber die sommerliche Musik als andere, aber das ist natürlich eigentlich nicht der Grund, warum diese Charts so aussehen würden. Sondern da geht es dann darum, dass jetzt zum Beispiel die Dauerbrenner, weil das Streaming ist ganz wichtig geworden, mittlerweile hat den größten Anteil in den Charts. Das heißt, da gibt es auch ganz interessante Story. Gestern war ich bei meinem Verleger, mit dem ich weitestgehend zusammenarbeite, ein großer Laden. Dann sah ich, dass an der Wand eine neue goldene Schallplatte hing. Und dann stand da plötzlich von 300.000 verkauften Einheiten. Und ich denke, Moment mal, das kann nicht sein. Eine Single, die so viel Single-CDs verkauft? Die Erklärung war dann auch überraschenderweise ja, dass die Streams werden umgerechnet in verkaufte Einheiten. Also was weiß ich, 50 Streams ist eine verkaufte Einheit oder so in etwa muss man sich das vorstellen. Deshalb gibt es tatsächlich auch noch Gold und Platin für verkaufte, möchte ich sagen, verkaufte Einheiten. Wobei sie werden gar nicht verkauft, sie werden genutzt, sie werden gehört. Das ist ja auch das Wichtigste eigentlich letzten Endes. Das ist ja das, was uns eigentlich auch weitestgehend interessiert. Zeigt also auch, die letzten Jahre haben eine entsprechende Umwandlung. Und das ist das, was diese BIVM macht. Das heißt, der Bundesverband, der sitzt da und ich möchte fast, ich bin mir nicht sicher, ob es noch wöchentlich ist, die entscheiden tatsächlich im Wochenabstand, ob sich an dem Reglement, an dem Regelwerk etwas ändern sollte. Damit das nicht so sprunghaft passiert, wird immer wieder so drüber nachgedacht, aha, was ist denn jetzt wichtig? Und jetzt kommen wir auch dazu, dass die jetzigen Einheiten, die wir da sehen, die jetzt also hoch platziert sind, dass die auch ganz bestimmten Regeln folgen müssen. Dabei geht es jetzt nur noch um Werte. Das heißt, wie viel das, wie soll ich es, also die CD, die normale CD mit, sagen wir mal, 10 von 10 Euro unterscheidet sich massiv eben auch von Fan-Editionen. Und genau darauf läuft mittlerweile die ChartStar hinaus. Das heißt also, Sonderversionen, die Jubiläumsausgaben und halt mit schön mit Karton und mehrere und was haben wir da nicht alles zwischendrin. Das sind so die Sachen, die heute wirklich gut laufen, wofür die Menschen auch noch Geld ausgeben. Der Hörer will also da die meistens Informationen haben, aber auch hat auch offensichtlich so Sammlerwert. Auch wenn man sich ja zu meinem Hintergrund mal anguckt, was da teilweise bezahlt wird für alte CDs auf dem Gebrauchtmarkt. Man staunt nicht schlecht. Also so die ganz alten Sachen, die dann wieder aufgetaucht getaucht sind bei aus irgendwelchen Sammlungen, was die dann noch, was mehrere 100 Euro, beziehungsweise also Sonderversionen wie, weiß ich, Stones Sticky Fingers mit dem Reißverschluss oder was weiß ich, solche, die sind dann mehrere 1000 Euro wert. Ja, also auch vielleicht hofft man auch darauf mit diesen Sonderversionen, dann sind den Kauf, den man heute macht, der sich in etlichen Jahren dann doch noch mal als wertvoll erweist und dann noch mal zum Verkauf dient. Das spielt sicherlich auch eine Rolle, aber Die Basis ist offensichtlich Streaming und daher sind auch so viele Lieder eingerahmte dabei, weil sie halt eben im Streaming dauerhaft immer wieder noch gehört werden. Die werden normalerweise so in Playlisten eingeordnet. Das hat man heute so, denn dann so seine Lieblingsplaylist und dann kommen ganz bestimmte Titel, was weiß ich, von Michael Jackson und was weiß ich, Billie Eilish und die Sachen, die halt eben jetzt schon ewig und 3 Tage in den Charts sind.
Und das, das hatte man ja früher nicht, weil tatsächlich in den 80er Jahren, da waren die Charts schon ziemlich relevant und würde ich schon sagen, so ein wirklich ein ganz aktueller Spiegel von den aktuellen, was aktuell gerade hip ist, was gespielt wird im Radio und so weiter. Aber was da nicht eingeflossen ist, wie oft du dir die Platten, die du dir im Laufe deines Lebens angesammelt hast, wie oft du die zu Hause abspielst. Du hast vielleicht immer noch deine ABBA-Platte aus den 70ern gerne mal gehört oder Pink Floyd Oder die Beatles oder die Stones. Das ist also heute durch das Streaming anders. Das ist natürlich schon ein Riesenfaktor, weil klar hören die Leute heute immer noch so Klassiker wie Michael Jackson. Warum auch nicht? Und interessant fand ich auch, wie du also erklärt hast, dass das im Sommer so sehr anders ist als im Winter aufgrund von der Vermarktungsstrategie zu Weihnachten. Das heißt, diese vielen Anomalien, diese ganz vielen gerahmten Sachen, die finden sich jetzt im Sommer. Würden wir diese Sendung, und vielleicht machen wir es auch, im November, Dezember noch mal machen, dann würde sich da ein ganz anderes Bild ergeben, weil dann eben die ganzen Neuerscheinungen kommen. Und das war vielleicht früher auch schon von Bedeutung in den 80ern und 70ern, wann erscheint ein Album, aber vielleicht nicht ganz so strategisch wie heutzutage. Damals hat man halt veröffentlicht, wenn man fertig war. Also ich kenne viele Alben, die sind auch im Sommer veröffentlicht worden. Wenn sie fertig waren, dann mussten sie raus, weil damals hat sich auch Musik so dynamisch, so schnell verändert. Da willst du nicht warten ein halbes Jahr, weil dann kann schon dein Sound schon wieder outdated sein.
Überraschend ist auch, war früher ein Riesenproblem gewesen, ja, wenn die Sonne rauskam. Man kann schon fast sagen unerklärlich, ja. In den Plattengeschäften, sobald die Sonne raus war, aus welchen Gründen auch immer, kann auch im Frühjahr gewesen sein oder im Herbst, dann waren die Plattengeschäfte leer. Das ist was, das war so, das hat der Nachteil früher gewesen. Deshalb wird ja nicht weniger Musik gehört. Und wie du schon völlig richtig sagst, das ist ja für heute viel mehr Abbild von dem, was wirklich gehört wird. Und da sieht man ja auch eine weitere Bestätigung dafür, finde ich im Radio auch. Also aktuelles Radio zum Beispiel gehört nicht so wahnsinnig häufig dazu. Also wir haben dann doch im Radio die alten Sachen durchaus halt eben durch die 80s und 90s und was, mit was die Sender werben. Die wissen genau, das wird heute immer noch gehört. Das heißt daher auch so Sachen wie Fleetwood Mac, die mit dabei sind, oder Nelly Furtado. Das sind ja alles teilweise, die sind ja 40 Jahre alt, die Sachen. Deshalb sind die mit dabei. Das hören die Leute heute noch. Und überraschenderweise muss man davon auch ausgehen, dass das nicht nur die Älteren sein können. Und immer wieder, weiß nicht, wie es in deinem Umfeld ist, also ich höre dann doch schon mal, dass jemand, der, was ich, 20, 25 ist, Sachen sich anhört, die 40 Jahre alt sind.
Ja, ich meine, da rennst du bei mir natürlich offene Türen ein als Vintage- Musikfreund. Ich glaube auch, dass früher tatsächlich auch objektiv gesehen einfach das Music Business ein bisschen goldenere Zeiten hatte. Es gab mehr Umsätze, es gab mehr Studios, es gab mehr Musiker. Und die Musiker hatten in den wirklich goldenen Zeiten mehr Einfluss auf, was am Ende rauskommt. Denen hat man dann manchmal Studiozeit zur Verfügung gestellt, wo die ein Studio auch als ein Laboratorium genutzt haben, um sich einfach zu entfalten. Also da kam halt schon sehr, sehr viel gute Musik. Und was halt schon krass ist, dass halt manche Alben so wirklich so lange schon am Start sind. Und das kann ja auch jetzt nicht nur Sommer/Winter so eine Anomalie sein. Peter Fox zum Beispiel, großartiges Album, Stadtaffe. Aber ich meine, was, wie viele Wochen ist es da schon? Das gibt's doch gar nicht. Also ist es nicht ein bisschen unkreativ? Es gibt doch bestimmt noch mehr deutsche Hip-Hopper, die jetzt in den seit Peter Fox Stadtaffe relevante Alben gemacht haben, oder nicht? Wo sind die? Also ich finde das schon sehr verblüffend. Oder auch Sachen wie die Red Hot Chili Peppers, großartig, aber es ist eine völlig andere Ära. Klar hören das Leute heute immer noch, aber ja, es spricht halt schon dafür, dass die heutige Musikszene auch ein bisschen kreativ Probleme hat. Also würde ich das deuten, oder?
Naja, es ist natürlich immer eine Grundproblematik, ist immer da, dass die, sagen wir mal, dass die Leute, die so ein bisschen in sein wollen, auch ihre Musik haben. Aber das ist halt nicht mehr die Masse. Deshalb kommen diese Leute nicht ganz so weit nach vorne, wie sie eigentlich müssten. Und dann hatten wir zum Beispiel auch mit dem Streaming, das gab ja richtig große Probleme, weil die Hip-Hopper haben dann ihre Fanschar, oder machen sie auch, glaube ich, heute noch, die werden aufgefordert, Bitte packt das in eine Playlist, schmeißt die einfach zu Hause an und lasst sie durchgehend laufen, ja, diese Playlist, damit wir hier genug Streams bekommen und damit halt in den Charts hoch sind. Je mehr hoch in den Charts sind, fällt das eben mehr auf. Wir werden auch mehr gehört und ihr hört dann viel mehr Musik von uns und was auch immer für Argumente sie hatten. Das heißt, da musste man erstmal seitens der Streaming-Anbieter überhaupt erstmal umstellen, dass die erstmal gesagt haben, pass mal auf, diese Dauerwiederholer, die werden ja gar nicht gehört. Das läuft im Hintergrund ein Rechner oder mehrere Rechner möglichst noch, ja, die das dann permanent abspielen, obwohl gar keiner davor sitzt. Das hat natürlich die Charts massiv reformiert auch, ja. Das heißt, man muss mal wieder, da müssen wieder die Streaming-Anbieter darauf achten, wann wiederholt sich dann was. Da gibt's jetzt wieder neue Regeln für die, damit deren eigenen Charts auch repräsentativ sind und nicht irgendwie jetzt wieder manipuliert sind. Und das ist ja eine Art von Manipulation. Und da versucht natürlich jeder, da eine Manipulation an den Start zu kriegen. Und das führt dazu, dass die andere Seite sich sagt, okay, wir erkennen hier Unregelmäßigkeiten, die halt eben aufgedeckt werden müssen und halt eben unterbunden werden. Es gibt da noch Geschichten von früher, kenne ich noch von Leuten, mit denen ich zu tun habe, die dann ihre eigenen Scheiben gekauft haben. Ja, die haben gesagt, pass mal auf, ist egal, wir wollen in den Charts auftauchen, auch wenn es die hinteren Plätze sind. Ja, wir gehen jetzt los und kaufen in verschiedenen Städten die Sachen selber auf. Und das wurde halt eben, und das kann man dann aufgrund der eingehenden Daten tatsächlich, kann man das zurückführen und die haben dann eine Sperre gekriegt bzw. sind aufgefordert worden, das zu unterlassen. Nee, aber das haben sie meistens nicht gemacht, sondern sie haben die einfach rausgeschmissen, haben gesagt, pass mal auf, unter solchen Bedingungen hier Manipulation, das können wir nicht gebrauchen. Ja, die Musikindustrie weiß das, hat das schon relativ gute Messwerte, sodass sie das auch beeinflussen können. Aber wie gesagt, da haben die Rapper sich eben nichts draus gemacht. Die haben dann ihre Wege gefunden, um sich zu überproportional promoten, obwohl sie eigentlich gemessen an dem, wie sie eigentlich hätten stehen müssen, gar nicht so viel gehört worden sind.
Ja, wo du diese Rapper auch ansprichst, das frage ich mich halt auch. Das scheint mir fast ein bisschen unterrepräsentiert. Ich meine, mein Sohn, der steht voll auf zeitgenössischen amerikanischen Hip-Hop. Und da gibt es absolute Superstars: Travis Scott, Drake, Kendrick Lamar, die extrem hohe Spielzeiten so auf Spotify haben. Aber diese Kids, die kaufen keine CD mehr. Und ich meine, die sind ja aus meiner Sicht eigentlich komplett unterrepräsentiert. Wenn du auch schaust, wie viele Arenen die füllen, also auch wenn die live auf Tour sind, wie groß diese Konzerte sind, wie viel Geld da umgesetzt wird. Das scheint mir ja auch völlig unterrepräsentiert, aus welchen rechnerischen Gründen auch immer. Weil vielleicht auch die deutsche Musikindustrie, die es letztens macht vielleicht da auch gar nicht so Interesse, dass eben diese großen US-Stars da zu dominant sind. Aber ein anderes Ding wollte ich auch noch ansprechen, Axel. Es gab ja jetzt ganz vor kurzem erst einen deutschen Song, der weltweit Erfolg hatte, nämlich von Shirin David und KitschKrieg, die Nummer Du bist gut genug. Und das hat sogar mich erreicht, aber in der Zeitung wurde so drüber geschrieben, weil das Ding auf einmal so viral gegangen ist. Eine Nummer, ganz einfach produziert, produziert. Aber ey, diese Internet-Magie, auf einmal steigt was viral und ist dann weltweit am Start. Und was dann faszinierend ist, wie wenig lange das dann hier drin ist, weil wir finden den Song nicht in den Top 100 vergebens. Und ich habe mal nachrecherchiert, warum das da nicht auftaucht. Das war schon Nummer 1 in Deutschland noch im Juni, aber es war auch nur 2 Wochen auf der Spitzenposition und ist dann mittlerweile schon hier schon gar nicht mehr zu finden. Also das ist halt auch so ein Phänomen, oder diese Schnelllebigkeit. Da steigt ein Ding von 0 auf 100 innerhalb von Tagen vielleicht, ja, und da wird dann weltweit gehört, aber es ist genauso schnell auch wieder unten. So, während halt hier der Stadtaffe von Peter Fox, der hält da mal seit Jahrzehnten so die Stellung, ja.
Ja, wir müssen Folgendes sehen, auch da muss man mal ganz klar sagen, der Unterschied zwischen den Albumcharts und den Singlecharts taucht dann natürlich auch wieder auf. Hier gibt es zum Beispiel, nur dass man sich mal vorstellt, welche Regularien dahinter stecken. Also erstens, das Album muss wenigstens 6 von den Titeln, die drauf sind, müssen gespielt worden sein. Das ist das erste Kriterium. Es werden nur berücksichtigt bis zu 12 Titeln, damit nicht einer da 30 Titel reinhaut und sonst und damit überproportional ist. Auch an diesen Kleinigkeiten kann man erkennen, dass die schon genau hinterher sind. Sie wollen schon, dass das, was wirklich genutzt wird und gehört wird, auch wirklich in diesen Charts auftaucht. Weil es ist eigentlich eine gute Tendenz, will ich mal sagen. Und deshalb haben wir natürlich bestimmte Dinge, die dann auch, sagen wir mal, als Single funktionieren, die gehen dann wirklich hoch, wie du schon sagst. Aber dann kommen schon wieder die nächsten. Und dann, aber du, sagen wir mal so, die Innenleute, die immer ganz weit vorne sein wollen von den Kids und die dir dann sagen, das ist doch alter Kram, ich habe hier wieder das ganz Neue so und so. Die kommen dann schon noch und machen sich bemerkbar in den Single-Charts und wahrscheinlich nicht ganz zu Unrecht, dass das schon springt, wenn die allgemeine Masse dann, wie gesagt, den Shirin Davis hast du ja eben genannt, wenn die mit so einem Ding kommt, wenn wir also sozusagen das merken, dann ist es bei den Kids doch schon längst durch. Ja, also so würde ich das mal einschätzen. Ja, die haben dann schon wieder den nächsten heißen Scheiß wieder rausgefunden.
Das bringt mich zu der letzten Frage, Axel. So, welche Relevanz haben eigentlich noch diese Charts? Also gerade auch sowas wie die Top 100 in Deutschland. Ich kann mich erinnern, als Kind der 80er, ich bin auch so oft in Plattenläden gewesen, schon als wirkliches Kid. Und da ist man immer erstmal reingekommen, hat einen Blick auf die Charts geworfen, so Albumcharts. Was ist einfach schon allein, was ist da so an neuem Kram dabei? Und dann hat man erstmal so reingehört, und da hat es eine Bedeutung gehabt. Welche heute im Internetzeitalter, wo wir Spotify haben und wirklich eine ganze Generation auch Musik ganz anders konsumiert als wir, gerade was Alben angeht, für die junge Generation ist das Konzeptalbum schon, spielt schon gar keine Rolle mehr. Welche Relevanz haben eigentlich die Charts, die Top 100 in Deutschland, aus deiner Einschätzung als Musikproduzent?
Ja doch, sie haben nach wie vor noch ihre Auswirkung, natürlich. Man darf nicht ganz vergessen, dass alle, die Presse, also Social Media, Presse und so weiter, die gucken sich das natürlich an und sagen sich natürlich, aha, dann ist das wichtig, darüber müssen wir was bringen. Ja, insofern taucht das viel häufiger auf. Der Algorithmus von Google reagiert ja auch auf so was dann letztendlich, weil das ja auch mehr Nachfrage hat. Also beim Suchen wird dann auch eher dies und jenes angezeigt. Denn viele Leute, die haben auch nur so alle Nasen lang, sagen auch, ich muss mal gucken, was ist denn jetzt eigentlich angesagt? Dann sind die natürlich mit den Top 100 und alles, was das als Multiplikatoren hat, natürlich gut bedient. Ja, das heißt also, die haben den Vorteil, dass sie dann auch sehen können, aha, oh, guck mal an, das und das und das ist also offensichtlich angesagt, da höre ich mal rein. Ja, meistens so. Und wir müssen ja davon ausgehen, dass also auch Spotify und die anderen Streamingdienste ja dann auch ihren Anteil haben. Und dann geht man da mal drauf und hört mal rein. Und deshalb haben sie schon eine Signalwirkung. Es ist also schon, man bemüht sich nach wie vor noch, das ist für die ganz wichtig, dass sie immer wieder hoch in den Charts einsteigen, damit auch sozusagen die Aufmerksamkeit dahingezogen wird. Und natürlich, und das haben wir, die Billboard-Charts noch mal, um vielleicht noch mal darauf zurückzukommen, das sind Radiocharts. Das haben wir so in Deutschland auch. Wir haben auch dort eine Erhebung. GfK macht auch das. Die haben auch eine gewisse Auswirkung auf die Charts, soweit ich weiß. Da geht es aber dann um die Single-Charts, nicht um die Album-Charts. Die Album-Charts haben dann beim Funk auch keine Relevanz eigentlich letztendlich, weil es da nur um Einzeltitel geht und nicht um ganze Alben. Alben sind aber nach wie vor noch, und das hat mich übrigens gewundert, es ist überraschenderweise ein Verkaufsanstieg dieses Jahr zu bemerken gewesen von CDs. Die haben einige Prozent, also merkliche Prozent mehr verkauft in der ersten Jahreshälfte als noch in anderen Jahren. Das hat mich etwas gewundert. Gut, man bemüht sich also nach wie vor, auch die Industrie will immer noch, auch die ganzen alten Alben versucht sie immer wieder zu pushen. Jubiläumsalbum, ich hatte das kurz genannt, halt eben, oder Sondereditionen gemacht, die dann irgendwas Spezielles haben oder werden halt eben mit anderen zusammen so als Gesamtwerk so mit verschiedenen CDs in so einer Schachtel. Die werden auch immer schöner und man gibt sich auch wirklich Mühe, weil auch das sehr werthaltig ist. Ja, weil es auch zeigt, denn das können die Albumcharts natürlich eben auch noch mal zeigen, dass das sozusagen diese, das sind auch Hommagen an die Künstler. Ja, meistens an ihre Lebenswerke. Auch das finde ich eigentlich schon ganz gut. Deshalb haben sie vielleicht nicht mehr so ganz die Relevanz, die Albumcharts. Singlecharts müssen wir da auch wieder getrennt von sehen. Aber das wäre ja einer der Gründe, warum die Albumcharts eben auch heute noch ihre Bedeutung haben.
Ja, wirklich faszinierender Blick. So intensiv habe ich mir die Charts schon seit Jahrzehnten nicht mehr angeschaut. Das hat mir total Spaß gemacht. Und ich hoffe, für euch war es genauso. Uns würden natürlich wirklich eure Meinungen interessieren zu all den Fragen, die wir diskutiert haben. Und ja, möglich, dass wir das Thema noch mal in einem halben Jahr noch mal angucken, einfach so als Kontrast, um zu gucken, was sich da entwickelt. In jedem Fall wirst du, Axel, das bestimmt im Blick haben, die weitere Entwicklung. Und für heute würde ich sagen, schmeißen wir uns raus. Und ich höre jetzt dann gleich Fleetwood Mac an. Tolles Album, Rumours.
