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FRAX MUSICSpezial20. August 2026

Ralf Hütter ist 80: Wie Kraftwerk Hip-Hop, Techno & Synthpop prägte | Teil 2

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Zusammenfassung

In der 24. Folge von FRAX Music widmen sich Axel Breitung und Frank Engelmayer erneut dem Lebenswerk von Ralf Hütter, dem Kopf hinter Kraftwerk, und nehmen dabei das legendäre Album "Trans Europa Express" von 1977 in den Fokus. Die Episode beginnt mit einer persönlichen Note: Frank erinnert sich an die Faszination, die der Trans-Europa-Express als Kind auf ihn ausübte, und beschreibt, wie Kraftwerk es schafften, die Geräuschkulisse der Eisenbahn in elektronische Musik zu übersetzen. Das Album steht exemplarisch für den Wandel in Kraftwerks Ästhetik – weg von den wilden 70ern hin zu einem klaren, technisch geprägten Design, das die Band bis heute auszeichnet.

Axel berichtet, wie Kraftwerk ihn als jungen Musiker inspirierte, eigene elektronische Sounds zu bauen – sogar mit selbstgebauten Geräten, die er mit seiner Band auf die Bühne brachte. Diese DIY-Mentalität und der Pioniergeist von Kraftwerk motivierten eine ganze Generation von Musikern, neue Wege zu gehen. Doch die Umsetzung elektronischer Musik live war in den 70ern eine enorme technische Herausforderung, wie Axel und Frank anschaulich schildern. Erst mit der Welttournee 1981 gelang es Kraftwerk, ihre komplexen Klangwelten auf die Bühne zu bringen – dank eigens entwickelter Bühnenkonstruktionen und fortschrittlicher Technik.

Ein zentrales Thema der Folge ist die Ästhetik von Kraftwerk: Die Band spielte bewusst mit Elementen aus den 20er und 30er Jahren, was nicht nur in Deutschland, sondern auch international für Diskussionen sorgte. Frank und Axel beleuchten, wie Kraftwerk mit deutschen Klischees, Technikbegeisterung und totalitären Anspielungen provozierten – ein Spiel mit Identität und Kunst, das besonders in den USA für Irritationen und Faszination sorgte. Die Hosts ziehen Parallelen zu David Bowie, der als Bewunderer der deutschen Szene ähnliche Grenzgänge wagte.

Auch der Einfluss von Kraftwerk auf andere Kunstformen wird thematisiert: So taucht die Band – oder zumindest ihr Image – sogar in Filmen wie "The Big Lebowski" auf. Die Folge endet mit einem Ausblick auf das nächste große Kraftwerk-Album "Die Mensch-Maschine" und die bis heute aktuelle Frage, wie Mensch und Maschine, Kunst und Technik miteinander verschmelzen.

FRAX Music #24 bietet damit nicht nur spannende Anekdoten und Insiderwissen, sondern auch eine tiefgehende Analyse der kulturellen und musikalischen Bedeutung von Ralf Hütter und Kraftwerk.

Hintergrund & Kontext

Kraftwerk entstand Anfang der 1970er Jahre in Düsseldorf und gilt als eine der einflussreichsten Bands der Musikgeschichte. Während viele Zeitgenossen noch auf Rock und analoge Instrumente setzten, experimentierten Ralf Hütter und Florian Schneider früh mit Synthesizern, Drumcomputern und Sequenzern. Ihr Klingklang-Studio wurde zum Labor für neue Klänge und Produktionsmethoden, die später die gesamte Pop- und Clubmusik prägen sollten.

"Trans Europa Express" markiert nicht nur musikalisch, sondern auch kulturell einen Wendepunkt: Die Band griff das Motiv der Eisenbahn als Symbol für Fortschritt, Vernetzung und europäische Identität auf. Gleichzeitig reflektiert das Album die Ambivalenz technischer Entwicklung – zwischen Faszination und Entfremdung. Die Ästhetik von Kraftwerk, mit Anleihen an Bauhaus, russische Avantgarde und deutsche Moderne, wurde zum Vorbild für Generationen von Künstlern, Designern und Musikern.

Kraftwerks Einfluss reicht weit über die elektronische Musik hinaus: Hip-Hop-Pioniere wie Afrika Bambaataa sampelten ihre Beats, Techno- und House-Produzenten aus Detroit und Chicago sahen sie als Wegbereiter. Auch in der bildenden Kunst, Mode und im Film ist Kraftwerks Stil bis heute präsent. Ihre kühle, maschinenhafte Inszenierung und der bewusste Umgang mit deutscher Identität machten sie zu einem Gesamtkunstwerk, das weltweit Anerkennung und kontroverse Diskussionen auslöste.

Häufige Fragen

Was ist das Besondere am Album Trans Europa Express von Kraftwerk?

Trans Europa Express gilt als Meilenstein der elektronischen Musik. Kraftwerk schufen 1977 mit diesem Album einen einzigartigen Sound, der Eisenbahn-Ästhetik, futuristische Klanglandschaften und innovative Studiotechnik miteinander verband. Das Album beeinflusste zahlreiche Genres von Hip-Hop bis Techno.

Warum sind die frühen Kraftwerk-Alben nicht auf Spotify verfügbar?

Die ersten Kraftwerk-Alben fehlen auf Spotify, weil die Rechte an Ralf Hütter liegen und er offenbar entschieden hat, diese frühen Werke nicht digital zu veröffentlichen. Das betrifft vor allem die experimentellen Alben vor Autobahn.

Wie beeinflusste Kraftwerk andere Musiker und Genres?

Kraftwerk inspirierten weltweit Musiker, insbesondere im Bereich der elektronischen Musik, Hip-Hop und Pop. Ihr minimalistischer, maschinenhafter Sound und ihre Ästhetik wurden von Künstlern wie David Bowie, Afrika Bambaataa und Daft Punk aufgegriffen und weiterentwickelt.

Welche Bedeutung hat die Ästhetik von Kraftwerk in der Popkultur?

Kraftwerks Ästhetik, geprägt von Futurismus, Technikbegeisterung und Anspielungen auf die 20er/30er Jahre, wurde zum Markenzeichen. Sie provozierten Diskussionen über deutsche Identität, Technik und Kunst und beeinflussten Mode, Design und Film – etwa in The Big Lebowski.

Warum war es für Kraftwerk so schwierig, ihre Musik live zu spielen?

In den 1970ern war die Technik noch nicht ausgereift, um die komplexen elektronischen Sounds von Kraftwerk live umzusetzen. Erst ab den 1980ern, mit speziell gebauten Bühnenrahmen und weiterentwickelter Technik, konnten sie ihren Klang authentisch auf die Bühne bringen.

Gesprächs-Transkript

Frank0:11

Hallo liebe Musikfreunde, FRAX ist wieder da für euch, hier mit dem zweiten Teil unserer Hommage an Ralf Hütter, der am 20. August seinen 80. Geburtstag hat. Und den ersten Teil, falls ihr den verpasst habt, findet ihr in der Videobeschreibung. Aber ihr könnt auf jeden Fall auch gleich hier an Bord bleiben. Wir sprechen über Ralf Hütter, über sein Lebenswerk, über sprechen über Kraftwerk, über die Musik, über die Ästhetik, über die Bedeutung dieses Pioniers der elektronischen Musik. Und ja, Axel, lass uns gleich direkt reinsteigen. Wir haben ja so ein bisschen so uns an den Alben abgearbeitet und kommen jetzt zu einem Album von 1977, Trans Europa Express. Und wir sehen schon hier an dem Bild, Ralf Hütter hat die wilden langen Haare Jahre hinter sich. Jetzt ist man wirklich so in dem angekommen, definitiv, was Kraftwerk ausmacht im Design, diese technische Bezug. Und wie wir im ersten Teil schon erklärt haben, wo wir viel über Klingklang-Studio auch gesprochen haben, der Anspruch war, alles was klingt, machen wir zu elektronischem Ton. Und zuerst haben sie über die Autobahn gesprochen, dann über Auto, Radio, Satelliten, Weltraumtechnik, und jetzt ist es halt die Eisenbahn. Eigentlich ja so eine Oldschool-Technologie, aber der Transeuropa-Express, da kann ich mich als Kind noch erinnern, wenn der in München im Hauptbahnhof mal war, der TEE, das war der neueste heiße Scheiß, so als es noch keinen ICE und sowas gab. Super interessantes Design und so weiter. Und das ist, was sozusagen das Thema war von dieser Platte, die Eisenbahn und auch die Eisenbahn Transeuropa Express, die eben Europa miteinander verbindet. Und der erste Track, glaube ich, ist es schon auf dem Album, Alles, was klingt, das ist, was für ein Sound macht es, wenn du mit der Eisenbahn fährst? Das wollten die umsetzen, haben aber dann eben auch sich die künstlerische Freiheit genommen und gesagt, okay, aus dem Rhythmus kriegen wir keinen, das passt nicht in unsere Popmusik, wir modifizieren den Rhythmus ein bisschen und haben dann draus gemacht. Und das ist, was so wie die, wie das Album losgeht, das so als reinen Elektrosound kreiert, sozusagen der Sound von der Electric Eisenbahn. Großartig. Und ja, das ist, was Kraftwerk einfach so als Pioniere der Welt gezeigt haben. Hey, wir kreieren neue Sounds. Und Axel, das muss doch so, du warst ja damals auch schon ein junger Erwachsener. Das muss doch Leute wie dich, so ein Soundmenschen, einen später Produzent werdenden, hat dich das damals auch schon getriggert? Also vielleicht auch selber irgendwie Sounds herstellen? Gab es denn einen Krautrock-Axel?

Axel2:52

Ja, den gab es durchaus. Das Ganze ging bei mir ja schon live los, etwa 1974. Und da hatte ich dann auch, ich hatte das immer mehr, Kraftwerk kam für mich ja eigentlich erst mit der Autobahngeschichte so richtig in Wallung. Ich hatte die vorherigen Alben damals so nicht wahrgenommen. Übrigens, wird euch generell schwerfallen. Ich weiß nicht warum, aber die Streamingplattform Spotify hat die ersten Alben übrigens nicht. Ich gehe davon aus, da das ganze Lebenswerk sozusagen von Kraftwerk heute in den Händen von Ralf Hütter liegt, ich gehe dann deshalb davon aus, dass er das wohl nicht wollte, dass das noch rauskommt. Also da haben wir den großen Nachteil, dass wir die alten Sachen nicht hören können. Aber ich habe zumindest dann auch natürlich rückwirkend solche Sachen auch mal mir angehört und habe gedacht, Menschenskind, sowas müsste man doch auch mit auf die Bühne bringen, sozusagen, indem man halt eben mit einem entsprechenden Gerät das macht. Und daraufhin habe ich gedacht, okay, so was habe ich nicht. Und ich wüsste auch, die anderen Sachen waren damals also finanziell nicht zu erschwingen. Aber es gab Baupläne, es gab also alles Mögliche, elektronische Anleitungen. Und da habe ich halt gedacht, okay, vielleicht ist es eine Idee, selber so einen Kasten zu bauen. Und deshalb, ja, kann man, hier sieht man also auf dem Foto die damalige Band, meine Kings Bishop. Das war mit meinen beiden Brüdern, hatte ich die zusammen. Und man erkennt rot eingerahmt den Kasten, den ich selber gebaut habe, mit vielen Reglern dran, mit dem man dann also tatsächlich solche Welten aufbauen konnte. Und das hatte ich dann in so einem einzelnen Titel, der damit dabei war, auch auf der Bühne gemacht. Also ich saß dann da auch und habe dann so richtig live diese ganzen Sounds zusammengeschraubt. Und man sieht ja, siehst du auch, ist eine Tastatur, die auch schon mit dabei war. Also elektronisch war das schon was Spezielles, wo ich habe wirklich lange dran gearbeitet, um so ein Gerät hinzukriegen. Und dann habe ich jedenfalls, gab es dann so ein Solo im Prinzip mal innerhalb eines Titels, auch mal um andere Klangwelten zu zeigen, obwohl wir natürlich Rockmusik gemacht haben damals. Aber es war schon so ein Ausflug. Der Nachteil ist dann, dass wir mir erklären wollen, also für die Bühne eignet sich das nicht so gut, weil das Ding stand natürlich nicht vorne auf der Bühne, sondern weiter hinten, weil es nur einmal gebraucht worden ist. Also musste ich mich umdrehen und mit dem Rücken zum Publikum ist schon mal immer Nachteil. Ja, da konnten die zwar sehen, dass ich auch Tasten runterdrücke und so was mache, aber Dann kam noch hinzu, kleiner Fun Fact am Rande, ich hatte damals einen VW-Bus, da passten bestimmte Mengen auch rein. Und unsere Anlage wurde immer größer und immer weniger Platz. Und dann hieß es, Axel, ich glaube, du müsstest auf deinen Synthesizer verzichten. Kommt gar nicht infrage, war natürlich meine Reaktion. Aber ich habe mich natürlich gebeugt, weil man konnte das nicht, war da nicht mehr aufrechtzuerhalten und wir mussten uns von dem Gerät trennen. Ja, aber zumindest hat es mir, und diese Inspiration, und das ist das Entscheidende, was ich damit sagen wollte, kam auch wieder von Kraftwerk. Das ist ein entscheidende Punkt, dass ich mich natürlich auch immer wieder an irgendetwas Besonderem mal so festgehalten habe und habe gedacht, okay, wie kann man so was mit einbringen? Und ja, so hat sich dann dieses Gerät dann da auch eingefunden. Wie gesagt, das war aber auch schon '75, dass ich das gebaut habe. Also mit anderen Worten '75, dann '76 auf Bühne gewesen mit dem, mit den Sachen. Also nur mal, um jetzt eine direkte Auswirkung auf andere Kreative hier mal aufzuzeigen.

Frank6:11

Das sind ja großartige Bilder, Axel. Das war ja noch unveröffentlicht, absolut exklusiv hier auf FRAX. Und ja, aber das ist doch genau die Idee damals eben, die Sounds selber machen und so. Und finde ich interessant, weil du es angesprochen hast, wie schwierig oder wenig bewährt sich das dann als Musiker, wenn du auf Tournee gehst, wenn du auf Bühnen bist, wenn du es live machst. Das war ja für Kraftwerk tatsächlich auch lange Zeit in ihrer Karriere eine Challenge, die manchmal sogar unmöglich war. Deswegen gibt es von Kraftwerk jetzt aus dieser klassischen Zeit in den 70ern noch keine Live-Aufnahmen oder so was, weil das war total schwer, diesen Sound live wirklich zu reproduzieren. Und tatsächlich so richtig gelungen ist es ja dann erst für die Welttournee 1981. Da haben sie dann, da war dann die Technik weit genug, so einigermaßen. Da gab es auch immer noch Probleme. Manchmal gab es Probleme, du hast im Ausland gespielt, da läuft dann das Stromnetz auf anderen Frequenzen und dann kann zum Das hat dann Einfluss auf das Tempo von deinem Equipment, sage ich jetzt mal als Laie. Also das war schwierig. Aber dann für diese Welttournee 1981, da haben sie es ja dann, haben sie dann ihre eigenen Bühnenrahmen gebaut. Das ist, wo dann jeder von den 4 Musikern so einen gleichwertigen Alukasten hat. Und dort haben sie alle wichtigen Elemente, die derjenige bedienen soll, so reingepackt, alle mit standardisierten Kabeln verbunden, sodass sie dann sozusagen eine Live- Entwicklung hatten von ihrem Sound. Aber das ging dann erst in den 80ern. In den 70ern war das fast unmöglich, den Klink-Klang-Sound irgendwie einfach mal auf eine Bühne zu transportieren.

Axel7:41

Ja, das ging nicht nur denen so, das war natürlich generell schwierig. Du hast schon eben erwähnt gehabt, es gab so legendär auch so eine Geschichte, die tatsächlich dazu geführt hat, dass Stromschwankungen dazu geführt haben, dass die Sequenzer nicht mehr geradeaus gelaufen sind. Ja, dann in späterer Zeit. Was du damit meintest, ist auch diese Art von, man nennt das ja Sequenzer, die halt eben dort sozusagen die Noten ausgeben. Das gab es Anfang der 70er alles ja gar nicht. Also das heißt mit anderen Worten, das wurde dann doch mit so einer Art Sequenzer erst im Laufe der Zeit war das möglich. Also die haben auch viel, mussten deshalb entsprechend viel nachprogrammieren noch mal von dem Grundsound, den sie sich sicherlich aufgehoben haben. Aber letztendlich musste man dann noch mal ran und musste dann, weil die Technik weitergegangen ist, musste man das noch mal nachträglich programmieren, um dann diese Sounds abrufen zu können. Das haben die auch gemacht.

Frank8:33

Noch mal zurück zu Trans-Europa-Express, denn ab da hat so dieser Wechsel in der Ästhetik auch der Band so stattgefunden. Und das sind sehr interessante Bilder da drin. Zum einen eben dieser Futurismus, da ist auch im Inlay ist daneben auch so ein ganz futuristisches, was ist das, so ein Raketenzug zu sehen oder so was. Das könnte auch so aus den 30ern stammen, wo man mit so Kram rumgemacht hat. Und tatsächlich hat das hier dann so richtig angefangen auf dem Album. Mit den Bildern auch, und wir können auch noch mehr angucken, dass sie so, so gespielt haben mit der Ästhetik der 20er und 30er Jahre. Und das ist natürlich hochkonfrontativ, weil 30er Jahre ist ja dann Nazi-Deutschland. Und ich meine, guck dir allein mal dieses Bild hier an, die Klamotten, die die anhaben, das ist die Frisuren, die die haben, die könnten, das könnte genauso in den 30ern aufgenommen worden sein. Dahinter fast schon so dieses Heimatliebe, gerade das nicht irgendwie die Bergwelt vom vom Obersalzberg zu sehen ist. Und das ist interessant, weil Kraftwerk haben das diesen Weg dann auch, den sind die noch weitergegangen, ein bisschen auch mit so Zeitgeist-Klischees von Deutschland zu arbeiten. Und das hat wirklich auch Leute getriggert. Das ist total interessant. In USA, da haben das glaube ich schon viele so wahrgenommen, so dieses Gesamtkunstwerk, wie sich Kraftwerk entwickelt, diese kalte Musik. Die Cold Wave. Und ich glaube, wir haben da auch irgendwo noch ein Bild aus dem Sounds Magazine, amerikanisches Musikmagazin, wo Kraftwerk auf dem Titelbild drauf sind. Und da steht Cold Wave, die kalte Welle, diese Kälte von der Musik, diese reine Mechanik, die so läuft wie so ein Mercedes-Benz Motor oder so was. Und dann diese Typen dazu, die dann auch noch mit diesem deutschen Akzent singen und so weiter. Das hat manche dann schon ganz schön getriggert. Ja, hier sehen wir sie genau vor der Golden Gate Bridge. Oder ist es überhaupt Golden Gate Bridge? Ich schätze schon San Francisco. Das hat die halt, das hat in Amerika aber viele Leute auch getriggert.

Axel10:35

Richtig. Und zwar, das ging sogar so weit, muss ich mal sagen. The Big Lebowski. Ich weiß nicht, ob der, der in dem Film, das glaubt kaum zu glauben, da gibt es dann 3 Leute und die haben sich dann Autobahn genannt.

Axel10:47

Das ist der Hammer, wer den Film gesehen hat. Und die haben auch noch so Deutsch-Englisch gesprochen. Im Original muss man das ja so sehen. Also war hervorragend.

Frank10:54

Also diese Inspiration.

Axel10:56

Hat sogar die Filmwelt erwischt.

Frank10:58

So ist es genau. Und Big Lebowski, das ist ja von den Coen-Brüdern und das ist das jüdische Amerika. Und das hat die besonders getriggert. Ich schätze schon, die haben das ein bisschen misstrauisch auch beobachtet und möglicherweise zu Recht, weil das ist etwas, das würde ich den Hütter ja so gern fragen. Mal ist das, ist ihm das damals bewusst gewesen? Es ist so ein bewusstes Provozieren des Künstlers, was auch fair ist. Und gerade weil du vorhin auch schon erzählt hattest, mit der, mit ihrem, mit ihrer positiven Einstellung zu Technik und Atomkraft. Haben sie sich ja später auch ein bisschen verändert. Wie ist es mit diesem Flirten mit dem Totalitarismus? Was in den 70ern auch nicht nur Kraftwerk gemacht haben, sondern auch ein großer Bewunderer von Kraftwerk und überhaupt der deutschen Musikszene, David Bowie. Der hat in den 70ern auch manchmal so genau an diesen Grenzen versucht, die auszuloten. Und da war man sich auch nicht immer sicher, ist das jetzt wirklich nur so eine künstlerische Faszination mit der Ästhetik der 30er, vielleicht sogar mit der Ästhetik des Faschismus, weißt du, diese großen Aufmärsche und Lightshows und so. Das ist alles schon Proto-Rock'n'Roll irgendwo als Bühnenshow. Ist das jetzt für die nur eine Faszination gewesen oder war es vielleicht sogar eine echte Sympathie? Das weiß man bis heute nicht. Aber tatsächlich interessant, wie das eben in Amerika getriggert hat. Und das ging ja dann mit dem nächsten Album ja dann noch deutlich weiter. Das ist dann die Menschmaschine. Und das ist ja wahrscheinlich das, würde ich mal sagen, das größte Kraftwerk-Album überhaupt. Und da siehst du schon so diese Signalfarben Rot, Schwarz, Weiß. Das sind Signalfarben Totalitarismus. Hier auch eben dieses, dieses Sowjet-Ding drin. Das ist ja alles so nach dem russischen Künstler, steht auch drin in den Linernotes, steht drin, das ist nach El Lissitzky gemacht. Das war so in den 30er Jahren, 20er, 30er in der Sowjetunion, dieser frühen Bürgerkriegs-Sowjetunion-Zeit, Arbeiterideal und so. Das ist die Kunst, die er gemacht hat. Und so sieht das alles aus. Auch schon hier mit der russischen, hier in Kyrillisch auch die, die Schrift und so weiter. Jetzt wird wirklich die Mensch-Maschine, Mensch und Maschine, Technik, die vereinen sich irgendwo. Und das ist ein Thema, was brandaktuell ist, was heute viele diskutieren, Transhumanismus und so. Das haben die da auch schon gemacht, aber eben mit Anspielungen schon auf die 20er und 30er. Eben auch die deutsche Filmindustrie der 20er Jahre, Stummfilmzeit, UFA in Berlin-Potsdam, da gab es diesen großen Film von Fritz Lang, Metropolis. Und einer der Tracks auf dem Album heißt Metropolis. Das ist direkt eine Hommage an Fritz Lang, wo diese frühe Science-Fiction, frühe Transhumanismus-Ästhetik so aufgebracht wurde und diese Fragen auch so diskutiert wurden. Und ich meine, all das haben Kraftwerk halt komplett aufgenommen in ihr Kunstwerk. Und auch so die Rückseite von der Platte, es ist so sowjetischer Konstruktivismus. Und legendär auch so dieses Russische, was da gesungen wird bei Roboter. Da kommt er dann, Jadvojs, Luga, Jadvoj, Robotnik. Das heißt so viel wie, ich bin dein Diener, ich bin dein Arbeiter. Ey, das ist einfach krass, wie weit die denen da wirklich die Kunst auch, die Musik verkunstet haben. Ab da, spätestens ab da, sind die eigentlich einfach nur Musiker. Jetzt ist das Gesamtkunstwerk auf einmal bedeutender.

Axel14:20

Genau, und das hat auch ihr Erscheinungsbild und die Wahrnehmung natürlich einen entsprechenden Einfluss gehabt. Und deshalb sieht man sie halt eben auf dem Cover auch als Vierer, sozusagen alle gleich. Und ab dem Zeitpunkt haben sie das aber auch angenommen. Auch das war dann auch ihr Bühnenbild halt eben auch so, dass sie dann halt eben 4 Säulen sozusagen sind, von denen die Musik ausgeht. Sie haben identische Kleidung, sie haben reduzierte Bewegungen auch. Da hat dann keiner mehr sonst so, das ist dann ganz bewusst so ein bisschen auf Robotnik gemacht, ja, halt eben auch diese strenge Geometrie. Ich glaube auch, dass sie da natürlich auch grundsätzlich mal diese Tendenz haben, als Mensch sozusagen auch halt eben sehr straight und halt verstandesgemäß zu machen. Und das Gefühl eigentlich, das Interessante ist ja dabei, und das zeigt auch so ein bisschen was für mich, was eigentlich so fast leicht spirituell ist, ist, dass sie, obwohl sie ja eigentlich so eine ganz Straighten sind, sie trotzdem das Gefühl ansprechen mit ihrer Musik. Man kann ihnen nicht vorwerfen, hört mal zu, das klingt alles ganz kalt. Nein, nein, das erwischt einen schon. Du siehst auch an dem Enthusiasmus von anderen Menschen, die diese Musik auch erleben, dass das schon was auslöst. Und das finde ich ganz interessant, dass sie damit diesen Widerspruch im Grunde genommen auflösen.

Frank15:32

Absolut, das ist völlig richtig, weil es wird oft eben gerade so aus amerikanischer Perspektive oder international, okay, Kraftwerk, überhaupt Krautrock, Cold, Coldwave, Mechanik, wie die deutschen Ingenieure ticken. So, und das stimmt ja auch, es ist ja der Beitrag. Aber ja, wie du sagst, es ist auch immer dieses Kindliche drin, die, die Gesänge, manchmal ist es so einfach, dass so viel Gefühl auch drin. Die haben schon beides gehabt. Da muss man schon drauf bestehen auch. Ja, und spannend halt. Vielleicht können wir damit auch so, oder lassen Sie uns noch über die Musik von Mensch-Maschine sprechen. Das sind so krasse Songs auch drauf und wahrscheinlich auch vielleicht Ihr größter Hit und Ihr bekanntester, Das Model. Überhaupt auch da Model, Schaufensterpuppen, die dann lebendig werden. Auch hier wieder so dieses ganze Mensch-Maschine, so dieses Thema. Das Model übrigens auch, auch alles was klingt, das ist etwas, was die Band nie groß rausgelassen hat. Die haben auch eben keine Interviews gegeben, die haben eben diesen Mythos gehabt, nach außen die Robots geschickt, die Masken, und was die selber so in ihrer Freizeit gemacht haben, hat niemand erfahren. Aber später hat dann Wolfgang Flür, einer von den Vieren hier, hat er dann ein Buch geschrieben, Als ich ein Roboter war, oder When I Was a Robot, und da hat er schon ein bisschen geschrieben. Ich meine, es waren auch Menschen, Ja, und die sind auch oft dann nach einem langen Arbeitstag in Klinklang Studios, haben sich in die Nacht gestürzt, sind auch mal Partying gegangen in Clubs und haben natürlich dort auch mal Connections gehabt zu anderen Promis, eben zu Models, zu wunderschönen Frauen. Ja, weißt du, sitzt ein bisschen in der VIP-Lounge, sitzt du da, und ja, dass das auch eine Inspiration ist. Aber ich wollte auf diesen Hit eingehen, Das Model. Auch super interessant, das Album ist noch in den 70ern und es ist dann Jahre später, 3, 4 Jahre später, Anfang der 80er in England dann erst so richtig in die Charts gekommen, als dann eben diese von Kraftwerk und anderen Elektronikpionieren, Elektropionieren aus Deutschland ausgelösten und von Bowie transportierten, als diese Elektrorevolution in UK schon angekommen ist, da war auf einmal das Model noch mal ein Riesenhit. Und das ist doch auch ein seltenes Phänomen, oder? Dass ein Hit ein paar Jahre, ein Song paar Jahre nach seiner Veröffentlichung dann auf einmal erst die Relevanz erfährt.

Axel17:44

Hat doch was, war immer was mit Zeitgeist zu tun. Das dürfen wir nicht ganz vergessen. Auch da macht es sich vielleicht auch, sagen wir mal, fast ein bisschen retrospektiv bemerkbar, das dann doch mit TEE und dem, und sagen wir mal, diesen Transeuropa-Gedanken, ja, der europäische Gedanke wurde dann ja auch, der kam ja erst da auf als Wirtschaftsunion und so weiter. Ich glaube, das hängt auch damit zusammen. Und wenn das mehr in den Medien ist, dann kriegt das auch noch mal einen Fokus. Aber wenn du das Model noch mal direkt meinst, weil das auch dieses einfach vom Text her auch sehr immer wieder sehr Einfache hat, ich glaube schon, dass das auch als Sound, also das Soundgefüge, was sich ja dann über die Jahre rüber wirklich auch gut weiterentwickelt hat und halt eben immer mehr Popcharakter gekriegt hat. Und das ist auch eigentlich, sagen wir mal, der Track, den sie ja gemacht haben, der auch halt eben auch dann einen größeren Kreis von Menschen erreicht hat. Und klar, dann war das Model vielleicht auch dadurch erst dann bereit, sozusagen im Sturm auf die Welt, möchte ich fast sagen.

Frank18:44

Sturm auf die Welt. Sprech mal drüber, über die Einflüsse, die Kraftwerk hatten, mal auf die Musikszene von UK, auf das, was man New Wave nennt, Synthie-Pop und so weiter. David Bowie und Brian Eno, das waren so die Links, die diese deutsche Musik, diese Avantgarde, diese Elektrosounds aus den 70ern dann übertragen haben nach England. David Bowie übrigens hat auch einen Song gemacht in seiner Berlin-Phase, ist glaube ich auf dem Heroes-Album drauf. V-2 Schneider, V2 Schneider, V2, das war diese Waffe, diese Rakete im Zweiten Weltkrieg. Und es hat auch diesen Raketensound und auch mit Vocoder, das sind direkt eine Hommage an Kraftwerk. Und die Idee war da auch schon so von Bowie, hey, eine Generation nach dem Zweiten Weltkrieg oder 2 Generationen, also jetzt schießen die Deutschen nicht mehr mit Waffen, jetzt schießen sie diesen, jetzt kommt dieser Kultur-Impact, jetzt kommt die, der Elektrosound, Kraftwerk, Das ist jetzt, was die Deutschen jetzt bringen. Und der Einfluss war dann riesig. Bands wie Orchestral Manoeuvres in the Dark, Orchestral Maneuvers in the Dark, haben sich stark auf Kraftwerk bezogen. Ich glaube, im letzten Teil habe ich schon erzählt, New Order, Blue Monday haben direkt so diese Kraftwerk-Chöre aus Uran reingesampelt. Das geht dann bis hin zu Bands wie Daft Punk, um noch mal eine andere Generation reinzuschmeißen. Diese Idee, Technik, Maske, auch den Mythos zu gründen, hat vielleicht auch seine Vorteile, wenn man eigentlich super erfolgreicher Musiker ist, aber nicht— du kannst auf der Straße frei rumlaufen und bist nicht ständig irgendwie in diesem VIP-Lifestyle. Und selbst für Rockbands, aktuelle Rockbands, Coldplay, die haben einen Song gemacht 2005, Talk heißt der. Das ist, da singt der Chris Martin, singt direkt die Melodie von Computerliebe aus dem 81er Album. Also der Einfluss ist dort gigantisch auf die Musikszene in UK.

Axel20:39

Ja, bei der Gelegenheit vielleicht auch noch mal gesagt zu sagen, das Gesamtkunstwerk wurde dann natürlich auch immer größer und damit auch das Lebenswerk. Und wir sind jetzt ja beim 80. Geburtstag, dann sollte man schon mal vielleicht noch mal gucken, was wurde denn so erreicht, was war denn außergewöhnlich. Ja, der Grammy Lifetime Award, das ist dann schon echt Hammerding, das ist 2014 verliehen worden. Auch das ist durchaus für mich ein ganz klarer Hinweis darauf, dass man Also ein Grammy ist nun mal halt der größte Preis, den du da abräumen kannst auf der Musikszene. Und da hat er halt, wie gesagt, dann den Lifetime auch noch zu bekommen fürs Lebenswerk, war natürlich was ganz Besonderes. 2018 kam der Grammy noch für ein 3D, The Catalog hieß das wohl, als beste Dance-Elektronik-Album, was dann noch mal auch noch mal geehrt worden ist. Überraschenderweise kann man schon fast sagen, mit Distanz zu dem normalen. Aber 2021 kam dann noch die Aufnahme in Rock and Roll Hall of Fame. Das finde ich ganz beachtlich, dass das möglich war für eine Computer-Elektronikband.

Frank21:45

Ehrlich, fast erwartet, dass er das ablehnt und sagt, weißt du, Rock and Roll Hall of Fame, hey, wir sind größer, wir sind Kraftwerk, was kümmert mich euer Ding hier? Hey, das ist wirklich so. Diese ganzen Preise, die kamen ja dann noch relativ spät in ihrer Karriere, weil du wirklich dann retrospektiv erst erkennst, welche Bedeutung die hatten. Es war schon 1982, als der Hip-Hop entstanden ist. Das ist auch so interessant. Ich meine, wir haben jetzt vorhin gemeint, wie kam die Musik in England an, diese Bowie-Connection und so. Aber was auch so interessant ist, ist, wie die Musik in Amerika in der Black Community angekommen ist, in den Schwarzen, die so in den Großstadt-Ghettos halt gelebt haben und wo ja auch so eine Kulturrevolution stattgefunden hat, wenn du willst, mit dem Aufkommen von Hip-Hop, eine völlig neue Herangehensweise. DJing und so weiter, Samplen, Scratchen. Auf einmal bedeuten auch die Platten, die sind wichtig. Die Platten wären ein Tool für den DJ, um seine neue Kunstform, nämlich den Hip-Hop, der gerade entsteht, um den auszudrücken. Und das ist auch was so Faszinierendes. Wir waren vorher schon bei dieser typisch deutschen Ästhetik, die die auch so gespielt haben. Aber der Impact bei den Schwarzen, in der schwarzen Musik, der war gigantisch. Und 1982 war Afrika Bambaataa Der hat doch da Planet Rock, genau, Planet Rock heißt die Nummer. Der hat zusammen mit seinem Produzenten, den man auch unbedingt nennen muss, Arthur Baker, das war so ein Produzent aus, auch aus der Ostküste, der hat auch viel diesen Sound dann mitentwickelt. Aber die haben halt, die haben sich inspirieren lassen von Trans-Europa-Express, von genau von dem Sound, wo wir vorhin waren. Und das finde ich auch so interessant, weißt du, diese neue Generation schwarzer Musiker, Die wollten eben auch wie die Krautrocker irgendwie was Neues kreieren. Die wollten nicht mehr eine Funkgitarre von Nile Rodgers haben. Und dann haben die diesen Elektrosound gehört, haben gesagt, das ist das Ding. Und das ist so faszinierend, den Sound, den nehmen wir, und den nehmen wir als unsere Mojo, um die neue Musik draufzulegen. Und von da war dann der Einfluss, den Elektrosounds eben für DJs hatten. Kraftwerk-Alben waren super gefragt. Mit denen konntest du arbeiten, mit denen konntest du samplen. Und das hat eine Revolution ausgelöst in Amerika, also diese ganze Elektrofunk. Natürlich haben die dem, die Amerikaner dem noch was dazugegeben, eben viel mehr Funk, viel mehr Tanzbar. Aber der Impact, der war gewaltig, den die gerade auf die schwarze amerikanische Musikszene in den 80ern hatten. Riesig.

Axel24:20

Ja, wie gesagt, deshalb glaube ich, hat das auch hier seine Berechtigung, dass wir uns als FRAX das hier noch mal vorgenommen haben, um das noch mal zu beleuchten. Weil das doch ein wirklich herausragender, halt mit sehr viel Individualität und zeigt auch so ein bisschen, so abwegig es musikalisch manchmal auch so klingt am Anfang, dass sich dann so etwas mit ein bisschen Gefühl für den Populargeschmack in so eine Richtung reinbewegen kann. Also wenn man die allerersten Sachen hört und was nachher dann sozusagen bei denen populär wurde, das ist schon eine ganz schöne Strecke. Auch die haben sich intern über die Jahre immer wieder weiterentwickelt.

Frank24:58

Voll krass ist auch der Einfluss. Jetzt haben wir über Hip-Hop gesprochen. Vielleicht noch bedeutender ist der Einfluss, den Kraftwerk hatten auf das ganze Elektro-Genre Techno. Und Techno ist entstanden in Detroit eigentlich. Und das ist auch so faszinierend. Kraftwerk, die am Anfang der 90er Konzerte in Detroit gegeben, und da sehen wir so ein Bild davon, haben sie gleich die Robots aufgestellt, und die waren da am waren die so fasziniert davon, wie die in Detroit angekommen sind, dass die wurden gefeiert. Und da sind Kraftwerk erst die Augen aufgegangen, welche Bedeutung die eigentlich dort hatten in dieser Subkultur. Weißt du, Detroit ist auch so alte Industriestadt, das im Grunde genommen auch schon so wie, wie Deutschland auch Industrie, Mechanik. Hey, diese Sounds, das haben die, die Menschen in Detroit wiedererkannt. Maschine, Arbeiter, da wussten die Bescheid. Aber im Vergleich zu diesem Optimismus Deutschland 70er Jahre, Wirtschaftswunder, alles alles neu, war der, der Vibe von Detroit halt, boah, alles ist schon runtergekommen, Automobilindustrie ist weg und so weiter. Und so haben die dann diesen, diesen Kraftwerk-Sound in den 80ern, haben die aufgenommen und haben den aber ein bisschen mehr dirty gemacht. Und da gab es tatsächlich Radiojockeys, damals waren Radiojockeys noch so einflussreich, da gab es einen in Detroit, der halt ständig Kraftwerk gespielt hat, zum Teil komplette Alben. Und die Kids in den 80ern haben das gehört. Und diese Kids, das sind die, die dann Techno erfunden haben. Juan Atkins beispielsweise ist der bekannteste Name. Und der hat gesagt, er hat ständig am Radio diese Kraftwerk-Sachen gehört, hat das dann kombiniert mit seinem amerikanischen schwarzen Blick auf diese verkommene Stadt Detroit, so ein bisschen After the Gold Rush. Und rausgekommen ist der Techno. Und das Ding, der Techno wiederum aus Detroit, der ist dann Und im Grunde genommen ist es dann echt wie so ein elektrokultureller Bumerang, den Kraftwerk geworfen haben nach Detroit, wurde dort wieder ein bisschen verändert und kommt dann wieder zurück nach Europa und hat dann ab Ende 80er Jahre dann ja maßgeblich die europäische Musikszene dominiert. In UK, wo dann so Sachen kamen wie S-Express, was ab jetzt ist Elektro, aber eben auf diesem Beat, wie ihn die Amerikaner setzen. Bis hin zu dem, was dann diese ganze Eurodance-Welle wurde. Und ich meine, da bist du ja zentral mit gewesen. War dir das damals überhaupt bewusst, dass es echt wie so ein Bumerang ist? Also der kommt aus den 70ern, geht nach Amerika, verändert sich in den 80ern und kommt dann wieder zurück und bang, hier sind wir auf einmal in den 90ern.

Axel27:32

Ja gut, da waren die Überschriften vielleicht ein bisschen zu anders beim, gerade beim Eurodance, als dass man das jetzt unbedingt so hätte erkennen können, will ich mal sagen. Aber du hast natürlich recht, Das ist schon eine Art kultureller Austausch, hat auch immer wieder stattgefunden, insofern auch unter den Musikern. Wir dürfen nicht ganz vergessen, auch wir haben ja auch einige Produzenten schon in den 70ern dabei gehabt. Wenn wir an Boney M denken, ja, das war auch in Amerika halt eben ganz weit vorne, ne. Und dass man da auch Produktionen hat, spielte auch dabei eine Rolle. Also ich sag nur so, ein Wechsel zwischen diesen vielleicht auch räumlich zwar großartig getrennten, aber eben sagen wir mal, inhaltlich doch noch eben in die gleiche Richtung denkend. Finde ich gut, dass dieser Austausch auch stattgefunden hat und dass das nicht nur, dass es nicht nur in eine Richtung geht, sondern eben auch als Wechselwirkung. Das würde ich so sehen an der Stelle.

Frank28:20

Soundmäßig ist natürlich Computer World, da gibt es 2 Tracks auf dem Album Computerwelt 1 und 2, das sind die beiden, die natürlich echt so die Vorlage sind für den Techno-Beat. Auf diesem Album hier zu machen. Das ist aus meiner Sicht auch ja 1981 vielleicht sogar das letzte wirklich relevante Album von Kraftwerk. Ich schätze, hier würde mir Hütter widersprechen, aber jetzt zum Beispiel, wenn ich so anschaue, 1981 Computerwelt auch noch mal bang, wirklich was Neues, ja. Aber dann hat es ja auch jahrelang gedauert, bis 1986 dann Electric Café rauskam und dann Anfang der, der 90er war das dann schon, 2000er erst dann, Tour de France. Aber das war das letzte maßgebliche Album. Danach hat sich irgendwie, wurden sie halt links und rechts auch überholt. Sie waren nicht mehr die Avantgarde, sie waren nicht mehr die Speerspitze von elektronischer Musik, weil dann eben im Laufe der 80er man auch immer mehr elektronische Musik auch einfach usen konnte. Es wurde immer einfacher, wurde immer billiger, die Sachen. Plug and Play hat funktioniert, den Lötkolben brauchst du nicht mehr. Während gleichzeitig hört man auch so Ralf und Florian, die waren wie besessen eben von Technologie, weißt du. Die haben da viel gearbeitet, waren jeden Tag in diesen Klinklang Studios, ohne jahrelang irgendeinen Track zu produzieren, weil die haben halt nur sich immer wieder mit neuer Technik beschäftigt. Und dann kam eben diese ganze Digitaltechnik rein. Was ist das? Und die waren dann irgendwann, waren die mehr Technikfreaks als Musikschaffende. Und als es dann endlich soweit war, als dann, wann war es, '86, '87, Electric Café gab. Ich glaube, da waren sie nicht mehr relevant. Die große Zeit war vorbei. Aber das Krasse ist, dass sie dann eben diesen Schritt geschafft haben zu dem Gesamtkunstwerk und 2012 dann im Museum of Modern Art geadelt werden. Welche Band kann jemals in so einem, in einem der weltbesten Kunstmuseen, moderne Kunst, auftreten? Und dort hatten sie ja 8 Konzerte hintereinander, jeden Abend. Jeden Abend ein Album komplett aufgeführt mit den Visuals. Hier eben auch ein Bild aus, von Computerwelt Zahlen, ist ja hier dieser Track. Und ich meine, spätestens da sind sie dann angekommen in diesem Olymp. Welche Band kann das von sich haben? Und das muss auch recht cool gewesen sein, 2012 dort in New York. Nur ganz wenig Leute konnten dort rein. Das ist keine Konzerthalle, da waren vielleicht nur für ein paar hundert Leute Platz, keine tausend. Die Karten extrem teuer. Und da sind Kraftwerk-Fans aus aller Welt, sind dort nach New York gereist. Wirklich, ich kriege Gänsehaut, wenn ich drüber spreche. Aus aller Welt Leute, die dann echt so im Design rumrennen, Kraftwerk. Und nur ganz wenige konnten dort rein. Aber da gab es dann in mehreren legendären New Yorker Clubs Kraftwerk-Partys, Kraftwerk eine ganze Woche lang. So, das muss einfach so unglaublich cool gewesen sein. Und ja, das zeigt, welche Bedeutung diese Band weltweit hat. Und so greife ich noch mal den Take auf, den ich so im ersten Teil gesetzt habe. Ist Ralf Wütter der bedeutendste deutsche Musiker der Nachkriegszeit? Ich würde sagen, ja, kann man Case für machen. Sind sie einflussreicher als die Beatles? Schwierig. Beatles natürlich als solche genialen Musiker, Songwriter, Virtuosen, aber der Einfluss von Kraftwerk auf die Musikgeschichte, jetzt wenn wir so retrospektiv sehen, der schon gewaltig. Und haben die Beatles jemals im Museum eingeladen zu spielen?

Axel31:43

Ja, also jetzt werden wir vielleicht noch mal über Ralf Hütter selber. Er ist ja das einzige Gründungsmitglied, weil der noch lebt oder noch mit dabei ist. Und der hat sich zur Aufgabe gemacht, dieses Lebenswerk auch entsprechend zu händeln, möchte ich sagen. Weil das, er hat da vielen Dingen, hat er glaube ich auch nicht zugestimmt. Ich wundere mich auch, wir kennen das ja auch im Hintergrund, dass Coverversionen entstehen oder beziehungsweise man muss sagen Bearbeitung, nennen wir das ja, Bearbeitungen entstehen, wo dann Teile genommen werden aus diesem Gesamtkonzept. Und in neue Zusammenhänge zu bringen. Und das hat sich eigentlich angeboten bei Kraftwerk, hat aber nie stattgefunden. Und ich gehe ganz stark davon aus, dass ihm das nicht recht war. Also der muss aus finanziellen Gründen, musste, hat er sich wahrscheinlich das nicht nötig gehabt, dass er jetzt da ja sagen muss. Und deshalb hat er sich überlegt, okay, passt das zu Kraftwerk, wenn das dann von einem Hip-Hopper aufgenommen wird im Original, ja, so wie es mal gedacht war, adaptiert wird und dann ein neues Gesamtkunstwerk zu kreieren, so wie man das von David Guetta ja kennt. Der hat das ja in vielerlei Hinsicht, macht er das ja eigentlich immer wieder, dass er solche bekannten Themen aufgreift, aber sie halt eben in einem neuen Gewand zeigt, in einem zeitgemäßen. Das scheint also für Ralph Hütter keine Frage zu sein. Also auch, und das zu kontrollieren, dieses Ganze, das hat er sich schon zur Aufgabe gemacht. Das glaube ich, kann man durchaus sagen, was ja eher ungewöhnlich ist. Normalerweise sagt er, pass mal auf, wir haben genug Musikverwerter, Und die, die machen das schon, dass die Musik also immer weiterlebt. Aber ihm scheint nicht nur zu wichtig zu sein, dass sie weiterlebt, sondern unter welcher Überschrift. Also auch da kommt der Typus Ralf Hütter noch mal gut zur Geltung, dass das auch in seiner Macht liegt, in seiner Hand. Ich glaube, das muss man doch mal noch mal deutlich machen.

Frank33:27

Ja, volle Zustimmung. Wir sind zwar eigentlich schon über unserem bewährten Zeitformat, aber hey, in dieser Hommage an Ralf Hütter ist noch nicht alles gesagt und es Ich möchte dir da zustimmen. Mein Eindruck ist auch, Ralf Hütter ist schon auch ein Controller. Ich meine, das war schon in den 70ern so. Kraftwerk waren immer Ralf und Florian. Das waren die beiden, die auch wirklich über Jahrzehnte hinweg manchmal echt telepathisch verbunden waren. Da hat nichts dazwischen gepasst. Aber alles andere, das waren nur Satelliten, das waren Zuträge. Die anderen in der Band, die hat man als Angestellte betrachtet. Denen hat man nicht irgendwie den Stellenwert eingeräumt. Und da gab es ja auch dann tatsächlich Rechtsstreitigkeiten im Nachhinein. Wolfgang Flüe, der auf allen von den Alben, über die wir hier gesprochen haben, auf den klassischen halt am Start war, der hat dann in den 90ern eine Biografie geschrieben. Der war When I Was a Robot, als ich ein Roboter war, meine Zeit bei Kraftwerk. Da hat noch bevor das Buch rausgekommen ist, hat Hütter den schon verklagt gehabt, weil der Hütter Sorge hatte, dass eben dort jetzt Interna rauskommen. Kraftwerk sollte auch immer der Mythos bleiben. Keine Interne aus Klinklang Studios, weißt du, das Studio, wo nicht mal ein Telefon erlaubt war und keine Fotos und so. Und jetzt kommt auf einmal dieser Wolfgang Flü und packt aus, erzählt halt so, was er legitim kann, weil er war in der Band. Und das gab dann Rechtsstreit und da hat man manche Passagen rausgestrichen. Ähnlich, weil du es auch angesprochen hast, hier, hier, was ist, wenn Leute Kraftwerk-Sachen mal raussampeln? Ja, es gab damals eben Afrika Bambaataa, ich weiß gar nicht, da hat man sich dann irgendwie geeinigt, Aber es haben die vielleicht damals gar nicht direkt mitbekommen zuerst. Aber es gab ja dann jahrelang, jetzt auch in neuerer Zeit, einen Rechtsstreit zwischen Ralf Hütter und Moses Pelham und Sabrina Setlur für einen Song aus dem, vom Transeuropa Express. Metall auf Metall heißt der Track. Das ist so eine typische Grafik oder irgend so was, weißt du, so ein metallischer Sound. Den hat der Moses Pelham halt in so einen Track reingesampelt. Ey, wenn ich es nicht wüsste, würde es mir gar nicht auffallen. Das ist in dem Track jetzt nichts, was den Track definiert oder so was. Der Hütter hat diesen Prozess jahrelang durch alle Instanzen gepeitscht. Das ist dann irgendwie, glaube ich, sogar vorm Europäischen Gerichtshof geendet, weil es halt auch so eine Grundsatzfrage ist, Urheberrecht und aber das Recht von, von Hip-Hopern als, als Künstlern, Sachen zu samplen. Riesenthema. Also das sieht dann schon so aus, so die Geschichten, wenn man die so als ob Ralf Hütter dann schon auch ein bisschen so ein Kontrollfreak ist. Was jetzt auch nicht so weiter schlimm ist, weil wir haben ja so viel Hommage und so viel Bewunderung für den Künstler Ralf Hütter. Aber am Ende ist es auch nur ein Mensch und er ist keine Menschmaschine. Er ist keiner, der drübersteht, und der hat bestimmt auch seine Stärken und eben auch seine Schwächen. Nur weiß man halt da so wenig drüber. Genauso auch Drogen. Kraftwerk war nie eine Drogenband. Andererseits ihr ursprünglicher Schlagzeuger, der Klaus Dinge, der galt als einer der, der, der Deutschen, die am meisten LSD-Konsum überhaupt gehabt haben. Also zumindest in diesen wilden Anfangszeiten haben Drogen ganz sicher eine Rolle gespielt. Später wissen wir nicht. Würde auch passen, dieses technische Narrativ, weißt du, die Pille und so weiter. Hätten sie ganzes Album draus machen können, weißt du, auch Bayer und deutsche Pharmaindustrie, wäre eigentlich ein Thema gewesen. Aber das haben sie auch nie angesprochen. Und ich will auch gar nichts unterstellen. Ich glaube, das ist keine Drogenband. Im Gegenteil, die waren dann so Sportler. Wobei, die waren besessene Fahrradfahrer, deswegen dann auch später Tour de France. Und die sind wirklich richtig viel gefahren, so auf Leistung. Ralf und Florian, also Hunderte von Kilometern. Auch da mit einer super Hightech-Maschine. Und naja, Fahrradfahren, Doping ist auch so ein Thema.

Axel37:16

Aber es ist sogar so weit gegangen, dass Ralf Hütter dann tatsächlich auf dem Fahrrad zu den einzelnen Gigs gefahren ist. Also der hat sich das nicht nehmen lassen. Er war wirklich dann offensichtlich ein Extremsportler an der Ecke. Da ist auch natürlich ein relativ gutes Verhältnis, so Work-Life-Balance, zu sagen, okay, ich bin im Studio und dann kannst du jetzt nicht rausgehen und sagen, sondern du bist dann dabei und sagst und du gibst dann halt Gas und siehst zu, dass du dich dann körperlich fit hältst. Das spricht schon für ihn.

Frank37:44

Für die war nicht dieses typische Sex, Drugs, Rock'n'Roll. Das haben die überhaupt nicht gelebt auch. Oder dass es da Skandale gab, dass Hotelzimmer verwüstet werden. Das war einfach nicht deren Lifestyle. Die waren Musikerarbeiter, die haben gearbeitet. Ja, ja, jetzt haben wir wirklich noch ein bisschen überzogen, aber es war ja auch so eine, ist ja sowas Besonderes. Und ich darf dir wirklich sagen, Axel, ich genieße es so sehr. Mir hat das so viel Freude gemacht. Das ist mir eine, auch eine Ehre, dass wir eine solche Hommage an Ralf Hütter machen können, der ja einer der ganz Großen ist in der Ich weiß gar nicht, ob ich sagen würde Musikbusiness, in der Kulturgeschichte, in der Entwicklung von Musik. Das ist ein Stellenwert, weißt du, da kann man auch in 100 Jahren noch dran erinnern. Wow, wie sich das entwickelt hat. Und dass wir hier, die uns die Zeit genommen haben und da so eine große Hommage zu machen, macht mich glücklich. Und vielleicht kommt ja das auch an bei Ralf Hütter oder in seinem Umfeld. Grüße von uns. Vielleicht, wenn er jetzt mit 80 ja doch sagt, okay, also jetzt muss ich noch mal was richtigstellen, weil hier die Jungs von FRAX, da haben wir bald Dinge falsch verstanden. Gerne wären wir natürlich auch bereit für ein längeres Interview mit Ralf Hütter, wenn er Lust hat, da ein bisschen zu erzählen. Und ja, es war mir echt eine Ehre und Freude.

Axel39:03

Ja, mir auch. Ich schließe mich da an.

Frank39:06

In diesem Sinne, wenn es euch auch gefallen hat, dann abonnieren und verteilt das Ding. Schickt es an die Klingklang Studios. Aktuelle Adresse unbekannt. Also mal geheimnisvoll. Ja, nee, in diesem Sinne hat uns gefreut, dass ihr auch weiterhin am Start geblieben seid. Abonniert unseren Kanal, unterstützt diesen Kanal, gebt uns Daumen hoch, hypet uns, liked uns. Und denn das war noch lange nicht alles, was ihr von uns hört. Bis nächstes Mal, ciao!