Ralf Hütter wird 80: Wie Kraftwerk die Musik für immer veränderte | Teil 1
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Zusammenfassung
In dieser besonderen Folge von FRAX Music widmen sich Axel Breitung und Frank Engelmayer dem 80. Geburtstag von Ralf Hütter, dem legendären Mitbegründer von Kraftwerk. Die Episode startet mit provokanten Fragen: Ist Ralf Hütter der bedeutendste Musiker Deutschlands in der Nachkriegszeit? Sind Kraftwerk sogar bedeutender als die Beatles? Diese steilen Thesen dienen als Ausgangspunkt für eine tiefgehende Hommage an Hütter und die Band, die die Welt der Musik für immer verändert hat.
Axel und Frank zeichnen den außergewöhnlichen Weg von Kraftwerk nach, die 1970 in Düsseldorf gegründet wurden. Sie erklären, wie die Band aus dem Umfeld der experimentellen Musikszene und der Gegenkultur entstand, inspiriert von Künstlern wie Stockhausen und geprägt von einer bewussten Abkehr von amerikanischen und britischen Vorbildern. Kraftwerk wollten keine Blues- oder Rockmusik kopieren, sondern einen eigenen, neuen Sound schaffen – und das gelang ihnen eindrucksvoll.
Die Hosts beleuchten die technischen Herausforderungen der frühen Jahre: Synthesizer wie der Moog waren damals noch Exoten, Sequenzer gab es praktisch nicht. Kraftwerk mussten nicht nur musikalisch, sondern auch technisch Pionierarbeit leisten. Besonders spannend ist der Blick auf die ersten Konzerte und Alben, in denen noch mit traditionellen Instrumenten experimentiert wurde, bevor der endgültige Schritt zur reinen Elektronik erfolgte.
Ein Highlight der Folge ist die Beschreibung des legendären Kling Klang Studios, das Kraftwerk als kreativen Rückzugsort diente. Die Band schuf dort nicht nur Musik, sondern auch einen Mythos um ihre Arbeitsweise und Identität. Die Hosts diskutieren, wie Kraftwerk mit dem Album 'Autobahn' 1974 den internationalen Durchbruch schafften und damit die elektronische Musik endgültig in den Mainstream führten.
Neben der Musik geht es auch um die Persönlichkeiten hinter Kraftwerk, insbesondere um die kreative Partnerschaft zwischen Ralf Hütter und Florian Schneider. Die beiden trafen sich in einem Improvisationskurs und entwickelten eine lebenslange Zusammenarbeit, die den unverwechselbaren Stil der Band prägte.
Die Folge bietet zahlreiche Einblicke in die Entwicklung von Kraftwerk, ihre Bedeutung für verschiedene Musikgenres und die kulturelle Relevanz ihrer Arbeit. Sie ist eine spannende Reise durch die Geschichte der elektronischen Musik und eine würdige Hommage an einen der größten Innovatoren der deutschen Musikgeschichte.
Hintergrund & Kontext
Kraftwerk entstand Anfang der 1970er Jahre in einer Zeit des gesellschaftlichen und musikalischen Umbruchs in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte eine junge Generation nach einer eigenen kulturellen Identität, die sich bewusst von den Einflüssen der angloamerikanischen Popkultur abgrenzte. In Städten wie Düsseldorf, Köln und Berlin entwickelte sich eine experimentelle Musikszene, die als Krautrock bekannt wurde. Künstler wie Can, Neu! und Tangerine Dream experimentierten mit neuen Klängen, Strukturen und Technologien.
Kraftwerk nahm in dieser Bewegung eine Sonderstellung ein, da sie als erste Band konsequent auf elektronische Instrumente setzten und damit einen völlig neuen Sound erschufen. Ihre Musik spiegelte den Zeitgeist von Fortschritt, Technik und Urbanität wider – Themen, die im Nachkriegsdeutschland besonders präsent waren. Das Kling Klang Studio wurde zum Symbol für Innovation und Geheimniskrämerei, während Kraftwerk mit minimalistischer Ästhetik und distanzierter Bühnenpräsenz einen eigenen Mythos schufen.
Die internationale Bedeutung von Kraftwerk zeigt sich daran, dass sie nicht nur die elektronische Musik maßgeblich beeinflussten, sondern auch Genres wie Hip-Hop, Techno und Synthpop inspirierten. Ihr Einfluss reicht bis in die heutige Popkultur und macht sie zu einer der wichtigsten Bands der Musikgeschichte.
Häufige Fragen
Wer ist Ralf Hütter und warum ist er so wichtig für die Musikgeschichte?
Ralf Hütter ist Gründungsmitglied und kreativer Kopf der Band Kraftwerk. Er gilt als einer der wichtigsten Pioniere der elektronischen Musik und prägte mit Kraftwerk den internationalen Sound von Pop, Techno und Elektro maßgeblich.
Wie hat Kraftwerk die elektronische Musik beeinflusst?
Kraftwerk revolutionierte ab den 1970er Jahren die Musikszene, indem sie konsequent auf elektronische Klangerzeugung setzten. Ihr Einfluss reicht von Techno über Hip-Hop bis hin zu moderner Popmusik und inspirierte unzählige Künstler weltweit.
Was ist das Besondere am Album 'Autobahn' von Kraftwerk?
Das 1974 erschienene Album 'Autobahn' gilt als erstes vollelektronisches Popalbum und war international erfolgreich. Es definierte den typischen Kraftwerk-Sound und öffnete der elektronischen Musik den Weg in die Mainstream-Charts.
Warum gilt Kraftwerk als Gesamtkunstwerk?
Kraftwerk verband Musik, visuelle Ästhetik, Bühnenbild und Mythos zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk. Ihre Auftritte, Plattencover und das geheime Kling Klang Studio trugen zur Legendenbildung bei und machten sie zu Ikonen der Popkultur.
Wie entstand die Zusammenarbeit zwischen Ralf Hütter und Florian Schneider?
Ralf Hütter und Florian Schneider lernten sich in einem Improvisationskurs an der Düsseldorfer Musikhochschule kennen. Ihre kreative Partnerschaft legte den Grundstein für Kraftwerks innovative Musik und deren unverwechselbaren Stil.
Gesprächs-Transkript
Hallo liebe Musikfreunde, willkommen zu einer neuen Ausgabe von FRAX. Eine ganz besondere Ausgabe, denn Ralf Hütter von Kraftwerk hat am 20. August seinen 80. Geburtstag und Ich starte mal mit 2 Takes, die ich als Frage formuliere, die vielleicht nicht unbedingt meine Meinung sind, aber an denen wir uns in dieser Hommage an Ralf Hütter abarbeiten können. Take 1: Ist Ralf Hütter der bedeutendste Musiker Deutschlands in der Nachkriegszeit? Und Take 2: Sind Kraftwerk bedeutender als die Beatles? Das und das Lebenswerk und die Musik von Ralf Hütter jetzt in diesem Special. Und ja, Axel, Ralf Hütter, Kraftwerk, ich habe jetzt hier mal ein paar große Takes rausgehauen. Hältst du das für übertrieben, oder was sind so deine Assoziationen, wenn du als Musikkenner an Ralf Hütter und dein Kraftwerk denkst?
Man muss erstmal natürlich sehen, dass das zu dem Zeitpunkt, das können wir uns halt nicht mehr so richtig mehr vorstellen, also man muss das schon gelebt haben, um das wirklich zu begreifen, wie außergewöhnlich das war. Also das war ja nicht, also am Anfang, also das, wir wurden ja schon 1970 gegründet, das heißt mit anderen Worten, da gab es sowas eigentlich gar nicht. Und ich glaube, die mussten auch schon relativ viel in die eingreifen, ja, um halt eben, also jetzt in die Technik eingreifen, um überhaupt sowas rauszukriegen aus den Geräten, ja. Also es war wirklich was Besonderes. Also im Grunde genommen ging diese, das für uns alle sozusagen, dass das für alle da war, würde ich sagen, 10 Jahre später los. Also deshalb ist es wirklich was Besonderes und es ist auch halt eben in der Sparte etwas Besonderes. Also jetzt, dass diese Sparte überhaupt so weit gekommen ist, das haben wir schon Kraftwerk zu verdanken.
Ja, Kraftwerk, die Pioniere der elektronischen Musik. Und das ist ja noch viel mehr, die dann wirklich in ihrer Karriere von einer Band zu einem Projekt, zu einem Gesamtkunstwerk wurden. Die ganze Ästhetik, die die bringen, nicht nur die Ästhetik in der Musik, die Plattencover, die Bühnenauftritte, diese ganze Mythos, den Kraftwerk ausmacht, der sie bis hier 2012 dann ins legendäre MoMA, Museum of Modern Art, gebracht hat. Ich meine, da treten normal keine Rockbands auf. Das ist einfach eine so unglaublich faszinierende Geschichte. Und Ralf Hütter, Ralf und Florian, Ralf Hütter und Florian Schneider, das waren so die beiden Hauptprotagonisten von Kraftwerk. Und Ralf Hütter ist halt da der letzte noch Verbliebene. Und bis heute ist er Kraftwerk. Und es ist eine absolut faszinierende Geschichte, in der wir über die Band sprechen werden, über die Entwicklung von dieser Musik, über diese unglaublichen kreativen Schritte, wie Musik entstanden Wir werden darüber sprechen, über den Einfluss, den Kraftwerk gehabt haben auf verschiedene Musikgenres in verschiedenen Zeiten, sogar selbst bis heute. Und wir werden auch ein bisschen sprechen über das Leben von Ralf Hütter, weil das ist genauso ein Mythos, sehr geheimnisvoll, ein Mann, der fast nie Interviews gibt und von dem wir auch relativ wenig wissen. Und Kraftwerk, wirklich extrem einflussreich, unglaublich anders als alle anderen Rockbands, die wir in dieser Zeit gehabt haben, ganz anderer Lifestyle, ganz andere Ästhetik. Dieses Thema ist so spannend und ich freue mich wirklich und fühle mich geehrt, dass wir diese Hommage machen dürfen an Ralf Hütter, der ja auf jeden Fall einer der ganz Großen ist. Ich weiß nicht, wo wollen wir denn reinstarten? Wir können mal so ein bisschen hier mal in die Chronologie gehen. Kraftwerk, deutsche Band, Krautrock, das ist ein Begriff, der aus England kam, gegründet in Düsseldorf. Das ist ganz wichtig, weil Krautrock hatte so unterschiedliche Standorte, die damals echt auch noch alle so ein bisschen ihren eigenen Weg gegangen sind. München hat einen anderen Sound gehabt als Berlin und Rheinland, vor allem Düsseldorf und auch Köln. Das waren halt so Zentren. Da war auch Musikhochschule, da war in den 60er Jahren Stockhausen und so weiter. Und letztens, glaube ich, bei Grafwerk ist es auch so, aus dem Umfeld von dieser, ja, zum einen Countergeneration, also Counterkultur, und auch aus diesem intellektuellen, experimentellen Musikumfeld so eine Generation von Musikern, die mit allem gebrochen haben, was so eigentlich die deutsche Linie war, weil halt die Generation ihrer Vorväter, Zweiter Weltkrieg und so weiter, das hat man alles abgelehnt. Das heißt, die sind wirklich gestartet bei null. Die hatten keine musikalische Basis, auf der sie aufbauen können. Und sie haben gleichzeitig auch, weil die alle so einen hohen künstlerischen Anspruch hatten, diese Krautrocker, abgelehnt, jetzt einfach nur amerikanische Musik nachzuspielen. Also auch, oder wie die Beatles irgendwie halt Rock'n'Roll zu spielen, Blues zu spielen. Sondern die haben gesagt, wir sind keine Blueser, wir sind auch nicht im Mississippi Delta. Wir müssen unsere eigene Musik machen. Und das ging dann sehr früh, als sie sich gefunden haben. Anfang der 70er waren die voll experimentell unterwegs und sehr schnell ging aber der Schritt dahin: Hey, wir wollen elektronische Musik machen. Weil das für die sozusagen ein Ausdrucksmedium war, was ihren Anspruch auf komplett Neues erfüllt. Wir kopieren hier gar nichts. Wir machen etwas und wir geben einen Sound in diese Welt. Und ich weiß nicht, ob die schon so ehrgeizig so jung gedacht haben. Im Nachhinein war es so, aber wir kreieren einen Sound, der was Neues ist für diese Welt und der ohne Vorbild ist. Und das ist so, ja, wie die da gestartet sind.
Ja, also wie gesagt, du hast vollkommen recht. Das unterstreicht auch noch mal diesen eigenen Weg zu finden und auch den zu propagieren und damit auch wirklich neues Terrain zu betreten. Denn zu dem Zeitpunkt, gerade so in den 70er Jahren, war das eigentlich so üblich, dass man sich nach den amerikanischen bzw. weitestgehend auch britischen Vorbildern gerichtet hat musikalisch. Also die Bands, die damals aus dem Boden gestampft wurden, waren einfach dahingehend orientiert. Und sich dann dahinzusetzen und zu sagen, pass mal auf, wir versuchen was ganz anderes. Was auch eigentlich, sagen wir mal, das brauchte auch eine enorme technische Entwicklung. Auch da musste man wissen, was man tut. Also ich erinnere mich noch ganz dunkel, da gab es eine Firma aus den Staaten, die hieß Moog, also M-O-O-G geschrieben. Die Moog-Synthesizer waren dann auch schon, die war auch so eine Modulargeschichte. Das heißt, die hatten so kleine Dinger, so kleine Module waren das, die man in so einen Schrank setzen konnte. Und dann konnte man da ein bisschen drehen und dann da. Ja, also das gab es tatsächlich schon, aber das waren sehr, sehr versprengte Sachen. Ich gehe auch davon aus, dass sie auch einige von diesen Modulen hatten, um diese Musik zu machen. Das war das Einzige, an was ich mich erinnern konnte, was überhaupt da war, jetzt auf technischer Ebene. Das heißt, auch das spielt nach wie vor für die auch eine ganz große Rolle.
Auf jeden Fall. Das gilt für diese ganzen Elektropioniere. Das sind ja nicht nur Kraftwerk, das sind auch Tangerine Dream, Froese, Klaus Schulze. Das sind dann auch neu, die aber so ein Kraftwerk-Spin-off sind. Aber in diesen wilden Anfangsjahren, da hatten die ja noch nicht nur elektronische Musik. Einen Anspieltipp gebe ich jetzt schon raus für Leute, die Kraftwerk ein bisschen intensiver verfolgen werden. Es gibt auf YouTube einen Konzertmitschnitt von einem Konzert 1970. Das ist auf dem Sösterkarussell der Jugend entstanden, 1970, eine Jugendveranstaltung, die das WDR begleitet hat. Und deswegen gibt es da richtig gute professionelle Footage davon. Und da spielen die schon einen so wilden Sound, noch mit dem legendären Schlagzeuger Klaus Dinger, der danach neu gründen sollte und auf seine ganz eigene Art die Popmusik revolutioniert hat. Der ist noch am Schlagzeug und du siehst den Hütter da mit so einer Art Orgel spielen, aber es ist alles so dermaßen verzerrt. Schneider mit einer Querflöte, alles so total verzerrt und sie spielen das mit dem Schlagzeugbeat von Dinger so unglaublich schnell. Manche sagen, das ist Proto-Techno, 1970. Und dann siehst du auch immer, manchmal schwenkt die Kamera ins Publikum, du siehst so die Leute so: Wow! Viele sind total verstört. So was hat man noch nie gehört. Die haben also wirklich das von Anfang an schon konsequent erfüllt. Und dann ihre ersten beiden Alben, die sind dann zum Teil, Klaus Dinger ist auf einem der Alben auch noch drauf, die sind spannend und es lohnt sich auch, da reinzuhören. Aber letzten Endes spielen die in dem Gesamtkanon von Kraftwerk gar keine so große Rolle, denn Danach, nach den ersten beiden Alben, haben sie dann den Schritt gemacht, rein elektronisch zu werden. Und Ralf Hütter selber hat ja dann auch, als er da dieses MoMA-Konzert gegeben hat in New York, da hat er jedes von den Kraftwerk-Alben an einem Abend aufgeführt, direkt hintereinander. Aber die ersten beiden Alben haben sie geskippt. Also er ist auch da schon wie so ein Kurator von seinem eigenen Werk. Und das ist halt Frühwerk. Das ist cool, das ist kreativ, witzig. Aber der reine Kraftwerk-Sound, der ist dann gekommen, Ja, mit dem Album Autobahn. Das ist, was dann den elektronischen Sound definiert hat. Und es gilt auch als absoluter Meilenstein, Autobahn, weil es auch international sehr erfolgreich war, auch in den USA. Es war in den Charts, ist glaube ich sogar in den Top 10 gewesen als Platte. Und das gilt so als das erste vollelektronische Musikalbum der Pop-Mück-Geschichte.
Vielleicht müssen wir noch ganz kurz erwähnen, wie kam es überhaupt zu dieser Gründung? Das waren ja zwei, also der Ralf Hütter und auch der Florian Schneider. Die beiden haben sich in einem Improvisationskurs der Hochschule in Düsseldorf getroffen. Und ich kenne so was, dass man sich bei solchen Gelegenheiten dann trifft. Es gibt ja so was in Hamburg als Popkurs, wo sich einem auch Leute getroffen haben. Wir sind Helden zum Beispiel kommen daher und eben andere auch. Das ist so ein, dann sitzt man so zusammen und man will dann auch das Gleiche erfahren erst mal. Und so ergeben sich auch gemeinschaftliche Möglichkeiten, sich damit auszutauschen. Und das haben die auch damals genutzt. Also in anderen Worten, für mich ein Prozess, der da schon Anfangszeit zeigt, da treffen sich zwei, die sowieso schon anders sind offensichtlich vielleicht, als die anderen da sind. Man lernt sich kennen und dann kommt dann eben vielleicht: Lass doch mal zusammen was probieren. Und dann merkte man, man kommt miteinander aus und so entsteht so was. Das ist ein ganz ursprünglicher Prozess.
Ja, und was für eine schicksalshafte Begegnung, oder? Weil die beiden haben ja dann wirklich eine lebenslange Partnerschaft gehabt kreativer Art. Die haben so intensiv zusammengearbeitet, gerade in den 70ern und 80ern. Die haben ja da wirklich so jeden Tag zusammen verbracht. Und das ist ja schon bedeutend, als die sich kennengelernt haben. Hier sehen wir übrigens auch noch genau das Album, wollten wir nicht unerwähnt lassen: Ralf und Florian. Das war 1973, das war das dritte Album. Und hier sind sie schon nur noch zu zweit. Sie haben gesagt: Okay, den Dinger, so genial der ist, den brauchen wir eigentlich gar nicht, weil wir brauchen kein Schlagzeug mehr, wir brauchen keine Gitarren mehr, wir brauchen keinen, der Bass spielt. Alles raus. Wir machen jetzt voll elektronisch und da reichen wir beide. Und damit ging es dann auch wirklich los mit der Gründung auch dieses legendären Studios, das Kling Klang Studios in Düsseldorf. Ey, über Jahrzehnte ein Mythos. Also die haben auch immer ein Geheimnis draus gemacht. Man wusste gar nicht genau, wo das überhaupt ist. Also nur ganz wenige Leute waren so ins Vertrauen gezogen, dass sie wussten, wo das ist. Wir haben hier ein Bild davon, legendär, so die Überschrift Elektro Müller. Es war wie so eine Tarnfirma. Da gab es keinen Klingelknopf. Kein Firmenlogo, nichts. Dort haben sich Kraftwerk über Jahrzehnte sozusagen zurückgezogen und wollten einfach ihre Ruhe haben. Und das ging dann los mit dem Album Autobahn. Das ist dann das erste richtige Kling Klang Album, aufgenommen in den Kling Klang Studios, produziert aber dann von dem legendären Krautrock-Produzenten, der Go-To-Guy schlechthin in Deutschland damals, von Conny Plank.
Der hat Autobahn noch produziert, Ja, und dazu sagen, das muss man noch mal ein bisschen wissen. Also warum haben die jetzt, oder wie kam es zu einem eigenen Studio? Das hat meistens, also normalerweise in der Zeit, von der wir reden, war das nicht finanzierbar. Das muss man sehen. Also damals waren Bandmaschinen unfassbar teuer. Ja, es wurde so alles auf Band aufgenommen. Und gerade Anfang der 70er, also das musste man schon in ein großes Studio gehen, die so eine Maschine hatten. Also ich vermute, daher auch haben die dann auch gesagt, wir haben zwar jetzt alles gut vorbereitet, denn das ging ja elektronisch. Aber auch da, es gab keine sogenannten Sequenzer. Das muss man sich mal überlegen. Mir ist das auch ein Rätsel, wie die das so Anfang der 70er schon schaffen konnten. Weil ein Sequenzer, das heißt also, dass die Noten zu einem bestimmten Zeitpunkt, einer bestimmten Tonhöhe, mit einer bestimmten Länge der Noten überhaupt abgespielt werden konnten. Dazu muss man Computerkenntnisse einfach auch haben oder jemanden kennen, der die hatte. Weil so diese üblichen Programme, die wir dann ja alle später hatten, Cubase, Logic und wie sie nicht alle heißen, Ableton, die kamen ja alle erst viel, viel später. Damit ging das schon. Oder mit MIDI-Ansteuerung. Die MIDI-Ansteuerung kam '83, '84, kam die eigentlich erst. Also auch das, es ging nicht. Also es war rein technisch gesehen. Und da macht das Studio wiederum Sinn. Und zu sagen, also zum einen, was, wie du schon sagtest, ist abgekapselt, deshalb stand es auch nirgends dran. Übrigens bei den meisten Studios stand das eh nicht dran, weil da sonst überall alle möglichen Leute aufgetaucht sind. Aber das deshalb auch gemacht, um diese Eigenständigkeit überhaupt erst mal an den Start zu kriegen, dass sie in ihrem eigenen Studio zu dem Zeitpunkt, wie sie es für richtig gehalten haben, dann da Musik zu machen. Also ich gehe davon aus, Ralf Hütter hat dann schon gesagt, pass mal auf, das geht hier ganz morgens los. Nicht so wie in anderen Studios ab 11 Uhr. Vorher haben wir lange Nacht vorher gemacht, sondern ich glaube schon, dass der so, der ist ein extrem disziplinierter Mensch, der auch seinen Tagesablauf, bin ich mir ganz sicher, sehr genau strukturiert hat.
Ja, ja, die haben sich ja Musikarbeiter genannt und die haben wirklich einfach gearbeitet. Die haben Töne, also wirklich um Töne zu kreieren, haben die physisch gearbeitet. Damals der Lötkolben, das war dein Daily Tool. Schraubenzieher. Die haben natürlich die Geräte, die halt der Markt hergab, du hast Moog genannt und Farfisa oder so ähnlich heißt diese italienische Marke, alle möglichen Kram haben die natürlich gesammelt. Die waren dann auch irgendwann Das ging ja über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, wo die dann in den Klinklang Studios waren. Die waren dann irgendwann geradezu besessen auch von Technologie, von allem, was elektronisch ist. Und die haben alles aufgeschraubt und dann die bestehende Technik dann halt modifiziert, mit der rumprobiert. Was ist, wenn ich bei dem das verändere und mit dem kombiniere? Und so haben die einen tatsächlich einzigartigen Sound geschaffen, der wirklich dann unverkennbar Klinklang Studios ist. Und diese Klinklang Studios, der Name ist dann schon Programm. Was die machen wollten, ist alles, was klingt, elektronisch ausdrücken. Alles, was klingt. Und damit wirklich so die Inspiration eben aus der Realität ziehen, aus der Wirklichkeit, in der sie halt gelebt haben. Nicht eben aus irgendwelchen Bluesvorbildern oder Rock'n'Roll oder von deutscher Klassik oder Volksmusik oder sonstwie. Nee, alles, was klingt. Und das ist das erste Mal dann so wirklich großartig und genial umgesetzt auf diesem Album Autobahnleben von 1974. Denn die Wirklichkeit, in der die gelebt haben, das ist halt diese moderne urbane Kultur. Düsseldorf, Rheinland, nicht weit weg NRW, wo die ganzen damals die Fabriken waren. Und gleichzeitig 1974, weißt du, Deutschland, Wirtschaftswunder, überall sind diese Autobahnen neu entstanden, Infrastruktur ist neu entstanden. Dann später dann Transeuropa-Express, Eisenbahnen. Also all das, das ist die Welt, in der der moderne urbane Mensch lebt. Und das ist, wo sie die Inspiration rausgezogen haben. Bei Autobahnen haben sie halt das geschafft, diese ganzen Sounds, die du auf einer Fahrt durch die Autobahn erlebst, wie kannst du das elektronisch ausdrücken? Weil es fängt schon an, ein Auto startet, dann fährst du los und der ganze Rhythmus ist so, wie wenn du fährst. Das ist auch wirklich so. Und damals halt, das klingt auch alles so optimistisch, so leicht, so positiv, weil weißt du, damals war der Da gab es keine störende Baustelle. Es gab noch nicht so viel über Überlastung, Verkehr und so. Du bist da, die waren jung, die hatten auch immer schon ein bisschen Geld. Das sind jetzt nicht so mit so einem armen Hintergrund. Die haben halt schöne Autos gehabt, einen BMW oder Mercedes, der auch neu ist, ein Wunderwerk von Mechanik und von Technik. Und bäng, dann fährst du da mit 180 und dann entsteht fast so ein Tunnelblick. Die Fahrbahn ist ein graues Band, weiße Streifen, grüner Rand. Wow. Das ist so dieses Erlebnis, was die hatten. Und jetzt versuchen die, dieses Erlebnis umzusetzen und alles entspricht dem. Der Rhythmus, es werden Töne nachgemacht, wie Autos überholen, wie das klingt. So, ja, und so. An einer Stelle hältst du mal, weil du halt frei bist und auch eben immer so kindlich, hältst du mal so den Kopf aus dem Fenster raus. Das ist, was du hörst, dieses Geräusch von der Luft. Das, was die dann elektronisch umsetzen. Es gibt zig Beispiele davon. Und das Ganze hat heitere Phasen, wird auch mal wieder ein bisschen düster. Es ist wie das Wetter so sich verändert. Auch das, du fährst da durch diese verändernde Landschaft, Deutschland, kleinräumig, Autobahn, überhaupt so ein Mythos, weißt du, kein Speedlimit wie in Amerika. Und das haben die halt so perfekt rübergebracht. Und ja, das war der erste große Blow, den Kraftwerk in diese Welt rausgehauen haben. Und in Amerika ist das unfassbar eingeschlagen.
Und wenn es aus Amerika einschlägt, dann hat es natürlich weltweiten Impact. Und das hat man ja auch dann entsprechend gemerkt. Ja, was noch? Vielleicht noch mal ein paar andere Sachen zu den Geräuschen. Ich erinnere mich noch dran, dass ich selber auch von denen angeregt— also es gab immer wieder so Sachen, die mir dann sozusagen einen Push gegeben haben. Und dann habe ich gedacht, okay, ich möchte auch gerne andere Geräusche mit integrieren in meine Musik. Ja, und das also nicht nur experimentell, sondern das kann man auch durchaus dann später mal in Pop-Tracks auch mit reinbringen. Aber ich wollte auf jeden Fall mal so ganz ursprüngliche Sachen haben. Und da habe ich mir gedacht, okay, ich schnapp mir so einen riesenschönen großen Hammer, der richtig, richtig Sound machen kann, und halt eben auch so einen kleinen Gummihammer und damals noch ein spezielles tragbares Tonbandgerät. Und ich bin rein in eine Fabrik, eine Zuckerfabrik genau genommen, und habe dann da, an einem Sonntag natürlich, wo keiner da war, und habe dann alle möglichen Röhren und Trommeln, also jetzt so große Metalltrommeln, und ich dann überall draufgehauen, also um halt eine bestimmte Auswahl von Klängen zu haben, die eben so ein bisschen industriell auch klingen. Und das tun die nämlich dann auch. Und so kann man seine Musik mit so was gut anreichern. Das war auch der Grundgedanke. Und auch das ist eine Inspiration, die mir aufgrund von den Kraftwerk-Tracks kam.
Auf jeden Fall. Genauso ist es. Das ist ja dann ein Tool, was dann in der Popmusik bis heute immer wieder gemacht wird, dass du etwas reinsamplest, etwas. Wobei die haben ja nicht gesampelt, die es kreiert. Das ist noch mal das Krasse. Die haben diese Sounds kreiert. Die haben jetzt nicht einfach mit Mikrofon aufgenommen, wobei vielleicht haben sie auch mal ein Sample benutzt, aber sie haben ja Sounds kreiert. Okay, manchmal haben sie auch einfach so am Radio rumgefummelt und dann irgendwelche komischen Radiofrequenzüberlagerungen, so Sounds, typische. Wir kennen das als Kinder der 70er, Axel. Das haben wir auch gemacht an alten Radiogeräten, wenn immer langweilig war als Kind, einfach mal rumgefummelt. Plötzlich spricht jemand in einer anderen Sprache und hey, das ist diese ganze Radiogeschichte, da kommen wir ja noch dazu beim Album Radioaktivität. Eins wollte ich noch zur Autobahn erwähnen, weil hier jetzt auch das erste Mal noch ein Mann reinkommt, der wichtig war für das Gesamtkunstwerk Kraftwerk, und das ist Emil Schult. Emil Schult, der hat nämlich hier das Cover gemalt, und der hat dann auch bei den ganzen folgenden Kraftwerk-Alben diese besondere Kraftwerk-Ästhetik mitentwickelt. Also der, der war halt Der war nicht nur Maler, der war auch der, der kam halt aus diesen Universitäts-Hochschulen, 60er und so weiter. Also die waren eher auf derselben Schwingung jetzt, so künstlerischer Art. Und der war wirklich bedeutend auch für Kraftwerk, weil die über Jahre hinweg, der hat glaube ich alle diese bedeutenden Kraftwerk-Alben mitgestaltet, mitgeholfen, auch was die anziehen, Kostüme, dann diese Kunstfiguren, die dann später gemacht wurden. Emil Schult. Und ich meine, dieses Cover ist halt auch einfach einfach eine Legende, ja. Und auch die, die dann folgenden, ja.
Für uns sieht das heute eher so ein bisschen so aus, was ist das, ein bisschen so pseudo-elektronisch da drin ist. Aber ich glaube, genau das wollten die auch. Das ist so das Spezielle, das zeigt so das, was Kraftwerk so ausmacht. Und das ist halt, ich glaube, das haben sie erst auch im Laufe ihrer Zeit auch gemerkt und daraus auch ihr CI entwickelt, wenn man so will, ja. Dass sie dann halt also dieses sagen wir mal, dieses Kontrollierte, das ist ja stark kontrolliert und auch eine gewisse Einfachheit. Denn das war auch meines Erachtens der Haupteinfluss von Ralf Hütter, dass er so draufgesetzt hat auf diese einfache Melodie, diese einfachen Tonfolgen, will man sie mal erst mal grob nennen, die er immer wieder eingebracht hat und halt eben dann sicherlich auch mit dem Sound, den man dann kennt, aber halt eben diese Einfachheit, die fast so ein bisschen was Kindliches hatte. Das fiel ja auf.
Ja, dieses Kindliche, genauso ist es ja bei dem Album voll. Wir fahren, fahren, fahren auf der Autobahn. Auch das natürlich so witzig, diese Beach-Boys-Referenz, was in Amerika gehört wird. Und tatsächlich ist es ja dann wie ein Wortspiel. Wir fahren nicht nur, sondern fun, fun, fun auf der Autobahn. Es macht Spaß. Und hier dieses legendäre Autobahnschild aus Deutschland, das war also im Innersleeve, wenn du die Platte gekauft hast, da war einfach ein Blatt, das war nur dieses große Blau und die weiße Autobahn. Dieses ganze Design schon von diesem Autobahnschild. Hey, Kraftwerk haben dieses Logo, was für uns einfach als Straßenschild ist, haben die zur Kunst erhoben. Und das Ding ist Kult. Das wird heute noch, wenn die Kraftwerk spielen, dann so riesengroß eingeblendet. Das ist halt dieses technische Design. Und diese Entwicklung, die hat eben mit Autobahn so angefangen, aber dann bei dem nächsten Album Dann ein Jahr später Radio-Activity 1975. Das ist wirklich noch mal so ein brutal krasser Schritt nach vorne, so in allem. Das ist so wunderbar zu beobachten. Übrigens, die alle Kraftwerk-Alben, die haben mittlerweile, wenn du die kaufst, auch auf CDs, da gibt es so viele Editionen, gibt es oft Alternative-Cover. Beispielsweise das hier. Das ist, wenn du heute im Plattenladen an die Platte gehst, kriegst du wahrscheinlich das Cover oder oft auch für verschiedene Märkte international. Ist aber alles Kraftwerk-autorisierter Design. Aber im Original war tatsächlich die Platte, hat sie so ausgesehen. Aber das ist halt auch so cool, weil jetzt geht es so in diese Interaktion Mensch. Es ist noch nicht Mensch-Maschine, aber es ist Mensch und Elektro, Mensch und Radiowellen. Und es ist auch so ein Wortspiel, Radioaktivität. Das ist natürlich, und so kommt es auch in dem gleichnamigen Titeltrack rüber, das ist natürlich die Radioaktivität, also Strahlung, Uran und weiter. Das ist ja ständig Thema. Aber es ist eben auch, das Radio ist auch das Medium der Popmusik, von Rock'n'Roll und irgendwie ja doch immer noch ein Wunder. Weißt du, ich bin immer noch so, ich als technisch unverständlicher Mensch, ich wundere mich immer noch, dass es echt so geht. Ich setze Kopfhörer auf, wow, krass, und höre ich Musik und so. Also diese Faszination von Technik, auch dieser kindliche Umgang, auch das ist Radio und das ist Wirklich echt ein absolutes Meisterwerk, auch diese Platte.
Ja, noch mal auf die Inhalte zurückzukommen. Also auch da ist diese melodische Einfachheit natürlich noch mal ganz klar immer schön zu hören auf den einzelnen Tracks. Und das haben sie dann eben auch mit dem Album Menschmaschine, was also dann deutlich noch mal zeigt, wo der Weg also auch weitergegangen ist für die, mit dieser Art, dieses Cover halt eben auch mit diesem Rot, mit dem Schlips, Übrigens auch ein Grund, warum ich heute hier so sitze. Ich habe mich anstecken lassen davon. Das ist so typisch für die. Aber das entwickelte sich auch immer erst im Laufe der Zeit. Das darf man nicht vergessen. Also auch daher diese Einfachheit, das eben durchgehend zu machen und nicht nur auf bestimmte Bereiche festzuhalten, sondern halt eben das auch nachher auf die Bühne zu bringen. Als Bühne, da war es ja ganz extrem, wie sie dann auch alle gleich auch noch aussehen und dann so 4 Posten auf so einer Bühne hatten.
Genial.
Auch das bleibt einfach hängen, ja, als Typografie will ich schon fast sagen, ja, die Kraftwerk ausgemacht hat.
Ja, das ist also unfassbar. Also noch mal zurück zu diesem Radioaktivität-Album. Ich meine, das war wirklich so das erste absolute Meisterwerk. Also Autobahn wahrscheinlich auch schon, aber Radioaktivität mehrsprachig aufgenommen. Es gibt deutsche Strophen, es gibt englische Strophen, die haben überhaupt manche Tracks dann auch mal auf Französisch gemacht und so weiter. Aber das ist dann so ein Konzeptalbum. Diese positive Sicht auch auf Technologie, auch das ging so langsam los bei Kraftwerk, dass sie so diesen Zeitgeist, der damals geherrscht hat in den 70ern, halt brutal challengen. Radioaktivität, das war damals eher verpönt, weißt du? Atomkraft? Nein danke! Auf der Rückseite von der Platte ist die Rückseite von diesem alten Radiogerät. Da steht dann Deutscher Kleinempfänger. Auch das haben Kraftwerk jetzt langsam so herausgearbeitet, diese deutsche Identität auch als Abgrenzung zu eben Amerika oder UK. Und das wurde alles auch noch weiterentwickelt. Und das ist was, was an dieser Platte so krass ist. Und dann auch musikalisch. Also Radioaktivität ist wahrscheinlich mein Nummer-1-Track von Kraftwerk. Also als Anspieltipp: Ich glaube, das ist mein absoluter Lieblingssong. Und ich meine, es fängt schon an mit dem Geigerzähler. Zuerst kommt so ein Geigerzähler, es geht dann direkt rüber in die Mucke und dort sind dann das erste Mal auch diese krassen elektronischen Chöre zu hören. Ganz ehrlich, Axel, ich weiß noch nicht mal, ist das aufgenommen, sind das echte Stimmen, also dass mehrere Leute mal so eine Chorstimme machen und das dann wurde irgendwie verarbeitet, das haben sie ganz oft gemacht, oder ist der Sound rein elektronisch ohne menschliches Stimmband entstanden? Ich weiß es nicht, aber da sind diese Chorsounds drin, am besten zu hören auf dem Track Uran. Auch dieser fassbare Stimme da redet vom Zerfall und so weiter. Das ist so mega. Und der Chor, der dort bei Uran zu hören ist, den haben wir dann Anfang der 80er New Order— nee, Quatsch, ja doch, New Order mit Blue Monday gesampelt. Das Ding kennst du doch auch, oder? Ja, kennen wir alle. Und da ist so ein direktes Kraftwerk-Sample drin, wenn du es erkennst. Dieser Chor, der dort kommt, das ist eins zu eins hier von Radioaktivität runtergesampelt. Sample. Der Sound, es ist noch mal so ein Meilenstein gegenüber Autobahn, ist einfach der Hammer.
Wo du gerade bei Stimme bist, das ist natürlich auch noch mal ein ganz wesentlicher Punkt. Ralf Hütter, was wir auf den Tracks hören, ist seine Stimme. Hätte ja auch vom Florian sein können, aber ich glaube, die haben sich auf ihn geeinigt. Und auch diese Abgrenzung gegenüber Rocksängern, ja, die ja dann zu dem Zeitpunkt, müssen wir immer dran denken, in den 70er Jahren halt allen verführend waren, ja. Und die haben das so richtig rausgedrückt und er da so genau das krasse Gegenteil, fand ich Hammer, ja, sodass er dann so mit so einer Einfachheit auch das ganz, ganz gerade ausgesungen, ja, also solche Sachen, die haben es dann überlagert mit technischen Effekten manchmal, weil sie halt eben dadurch das auch, glaube ich, meiner Meinung nach auch besser integriert haben mit dem Rest, ja. Deshalb hat man da durchaus auch die Stimme sozusagen als Musikinstrument, als elektronisches Musikinstrument so übertrieben. Ich glaube schon, dass man das sagen kann. Da ging es gar nicht darum, hier irgendeine Gesangsperformance an den Tag zu legen, sondern halt eben auch in kann man schon fast sagen. Auch Radioaktivität, sie haben am Anfang das noch nicht so, war das noch nicht ganz so dramatisch, aber im Laufe der Zeit haben sie das dann nach vorne geholt, ja, um halt zu zeigen, hört mal zu, das ist auch ein Gefährdungspotenzial für uns alle, ja. Also auch da kam Kritik auf. Es war nicht nur alles dann sozusagen positiv gestaltet, sondern da war klar, okay, Moment mal, der, der, da ging das ja gern mit dem radioaktiven Abfall los. Das war ja dann das Problem, wo lassen wir den denn? Und dann haben die, sind die auch in die Richtung umgeschwenkt, um, haben das doch dann auch dementsprechend interpretiert und eingesetzt. Das fand ich schon beachtlich, dass sie also auch diesen Umschwung dann auch so gemacht haben. Und natürlich eben immer wieder seine Stimme. Und das war eben halt auch, wie gesagt, auch diese Kinderliedmelodien zu unterstreichen, war das halt eben keine großartigen Sprünge und halt eben unter, sagen wir mal, das, was wir hier als großen Performantengesang sehen, sondern er hat das bewusst eingesetzt, halt um diesen Zusammenhang mit der Elektronik zu Ja, interessant, was du da angesprochen hast.
Eben in dem Originaltrack ist Radioaktivität was eher total Positives. Radioaktivität für dich und mich im All entsteht und so. Das hat fast schon so was wie, hey, das ist wirklich eine komplett andere Position. Also dieses Vertrauen in Technologie und so weiter, das ist widersprüchlich zu dem Zeitgeist, wo eben Radioaktivität oder überhaupt Technik, das war alles eher etwas Bedrohliches. Und die haben den Zeitgeist umgedreht und dann ja auch Du hast es schon gesagt, die langen Haare weg, die Lederjacke weg, jetzt Anzug, Krawatte. Und tatsächlich, mit Radioaktivität hat es angefangen und dieser Weg auch, sich mit dem Zeitgeist fast ein bisschen anzulegen, fast sogar tatsächlich auszutesten, wie weit können wir gehen, auch zu provozieren, zu triggern, indem wir noch mehr diese deutsche Identität auch entwickeln. Deutsch im Sinne von Technologie und auch vom Design her eben. Und diesen Weg, den sind sie dann mit dem kommenden Album Transeuropa Express, wo auch schon der Titel Europa, also Abgrenzung, es ist nicht Amerika, und dann auch in Menschmaschine haben sie das noch mehr entfaltet. Und das ist eigentlich eine total spannende Story, wie das dann auch tatsächlich international, gerade in Amerika, auch Leute getriggert hat. Boah, hier kommt wieder Deutschland, hier kommt auf so eine unheimliche Art irgendwie. Und super spannendes Thema, weil Was auch David Bowie ja auch so in den 70ern gemacht hat. Auch der hat mal so ein bisschen immer gespielt, so mit dem, ja, mit dem Faschismus, möchte man schon sagen. Und das ist ein hochspannendes Thema. Und das werden wir euch aber dann im zweiten Teil erzählen und werden vielleicht dann auch darauf noch eingehen, eben welchen Impact dann Kraftwerk auf die internationale Musikszene bis heute hat. Und ich würde sagen, Axel, wenn du nicht noch was hast, dann schmeißen wir uns mal aus dem ersten Teil hier raus in diese Hommage an Vielleicht noch mit dem Hinweis, dass wir natürlich auch andere Themen noch auf unserem Kanal haben.
Bitte guckt euch da mal drauf um, es lohnt sich wirklich. Wir haben alle möglichen Künstler und halt eben auch deren Geschichten kommentiert und darüber reichlich Videos gebracht. Also auch bei der Gelegenheit auch immer wieder ein Bitte ein Abo da nachlassen und halt dementsprechend Daumen hoch für unsere Sache.
