Diese Stimmen sind einzigartig – warum Prince & Udo Lindenberg anders klingen | FRAX Music Podcast#1
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Zusammenfassung
In der ersten Folge des FRAX Music Podcasts nehmen Axel Breitung und Frank Engelmayer ihre Hörer mit auf eine spannende Reise durch die Welt der außergewöhnlichen Stimmen in der Pop- und Rockmusik. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Ikonen: Prince und Udo Lindenberg. Die Hosts diskutieren, was eine Stimme einzigartig macht und warum gerade Künstler wie Prince mit ihrer enormen stimmlichen Bandbreite und ihrem unverwechselbaren Falsett die Musikwelt geprägt haben. Prince wird nicht nur als Sänger, sondern auch als Multiinstrumentalist und Songwriter gewürdigt, der seine Songs auf seine Stimme zuschneidet und so eine ganz eigene musikalische Handschrift entwickelt hat. Die persönliche Verbindung der Hosts zu Prince – von Postern im Jugendzimmer bis hin zu musikalischen Inspirationen – macht die Folge besonders nahbar.
Auch Udo Lindenberg steht im Fokus: Seine Karriere als Schlagzeuger, der zum charismatischen Frontmann wurde, ist ein Paradebeispiel für die Kraft der Authentizität. Axel berichtet aus erster Hand von Studioerfahrungen mit Lindenberg und hebt hervor, wie wichtig es ist, als Produzent den individuellen Stil eines Künstlers zu erkennen und zu respektieren. Lindenbergs Stimme, so unkonventionell sie auch sein mag, überzeugt durch Glaubwürdigkeit und Persönlichkeit – Eigenschaften, die im Musikbusiness oft wichtiger sind als technische Perfektion.
Die Folge beleuchtet zudem, wie schwer es ist, komplexe Songs wie die von Prince bei Karaoke zu singen, und wie viel Training und körperliche Fitness hinter einer scheinbar mühelosen Bühnenperformance stecken. Die Diskussion dreht sich auch um den Unterschied zwischen Interpreten und Songwritern, den Einfluss von Casting-Shows und die Frage, ob es überhaupt objektive Maßstäbe für „gute“ Stimmen gibt. Namen wie Neil Young, Bob Dylan und Björk werden genannt, um zu zeigen, wie vielfältig und individuell Stimmen in der Popkultur sein können.
Ein weiteres Highlight ist der Blick hinter die Kulissen der Backstreet Boys, die Axel als Produzent im Studio erlebt hat. Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, dass Künstler nicht nur technisch singen, sondern auch Emotionen transportieren. Die Hosts sind sich einig: In der Musik zählt vor allem die Einzigartigkeit und das Gefühl, das eine Stimme vermitteln kann – und genau das macht Künstler wie Prince und Udo Lindenberg zu Legenden.
Wer sich für Musikgeschichte, Popkultur und das Musikbusiness interessiert, bekommt in dieser Folge spannende Einblicke, persönliche Anekdoten und fundiertes Hintergrundwissen rund um das Thema „einzigartige Stimmen“.
Playlist zur Folge
Hintergrund & Kontext
Die menschliche Stimme ist seit jeher eines der wichtigsten Ausdrucksmittel in der Musik. Schon in der Antike wurden Sängerinnen und Sänger für ihre besonderen stimmlichen Fähigkeiten verehrt, doch erst mit der Entwicklung der Pop- und Rockmusik im 20. Jahrhundert rückte die individuelle Stimme als Markenzeichen eines Künstlers in den Vordergrund. Während im klassischen Gesang jahrhundertelang technische Perfektion und einheitliche Klangideale galten, setzte die Popkultur auf Authentizität, Persönlichkeit und Wiedererkennung.
Prince steht exemplarisch für diese Entwicklung: In den 1980er Jahren revolutionierte er mit seiner Mischung aus Funk, Rock und Pop nicht nur musikalische Genres, sondern auch die Art, wie Stimmen eingesetzt werden. Seine Fähigkeit, Songs zu schreiben, zu produzieren und mit seiner eigenen Stimme zu interpretieren, machte ihn zu einem der einflussreichsten Künstler seiner Zeit. Udo Lindenberg wiederum prägte die deutsche Musiklandschaft, indem er als einer der ersten Rockmusiker konsequent auf Deutsch sang und damit eine neue Generation von Künstlern inspirierte.
Auch die Rolle von Produzenten wandelte sich: Statt nur auf technische Perfektion zu achten, wurde es immer wichtiger, den individuellen Stil eines Künstlers zu fördern. In den 1990er Jahren kamen durch Casting-Shows und Boybands wie die Backstreet Boys neue Stimmen ins Rampenlicht, die gezielt auf den Massengeschmack zugeschnitten wurden. Dennoch bleibt die Einzigartigkeit einer Stimme – sei sie technisch perfekt oder nicht – das zentrale Kriterium für nachhaltigen Erfolg in der Popmusik. Die Folge von FRAX Music greift diese Entwicklungen auf und zeigt, wie sich das Verständnis von Gesang und Authentizität im Laufe der Musikgeschichte verändert hat.
Häufige Fragen
Was macht die Stimme von Prince so besonders?
Prince zeichnet sich durch eine außergewöhnlich große stimmliche Bandbreite aus. Er beherrscht sowohl tiefe als auch hohe Töne und nutzt seine Falsettstimme meisterhaft, was ihm einen einzigartigen Wiedererkennungswert in der Popmusik verschafft.
Warum klingt Udo Lindenberg so unverwechselbar?
Udo Lindenberg hat eine markante, rauchige Stimme, die sich deutlich von klassischen Sängern abhebt. Sein Stil ist geprägt von Authentizität und einer eigenen Interpretation, die ihn zu einer Ikone der deutschen Musikszene macht.
Wie wichtig ist die stimmliche Einzigartigkeit im Musikbusiness?
Eine unverwechselbare Stimme kann entscheidend für den Erfolg im Musikbusiness sein. Sie sorgt für Wiedererkennung und emotionale Bindung beim Publikum, auch wenn sie technisch nicht perfekt ist.
Welche Rolle spielt Gesangstechnik bei Live-Auftritten?
Gesangstechnik und körperliche Fitness sind bei Live-Auftritten essenziell, um trotz Bewegung und Showeinlagen konstant singen zu können. Profis wie Prince oder Mick Jagger trainieren gezielt, um ihre Performance auf höchstem Niveau zu halten.
Sind perfekte Stimmen wichtiger als Ausdruck und Authentizität?
In der Pop- und Rockmusik zählt oft mehr der Ausdruck und die Glaubwürdigkeit einer Stimme als technische Perfektion. Viele erfolgreiche Künstler überzeugen durch ihre Persönlichkeit und Emotionen, nicht durch makellosen Gesang.
Gesprächs-Transkript
Ja, Leute, hier ist FRAX Music und heute ist unser Thema Stimmen, Sängerinnen und Sänger, unter anderem mit Prince, Backstreet Boys, Ronnie James Dio und aus Deutschland Udo Lindenberg. Und jetzt geht's los! Hallo Leute, schön, dass ihr wieder am Start seid bei FRAX Music, eurem Kanal über Musik und Popkultur. Und heute sprechen wir über Stimmen, denn die menschliche Stimme ist möglicherweise mit das Schönste, was unsere Ohren überhaupt hören können. Und Axel, lass uns heute mal über Sängerinnen und Sänger sprechen. Es gibt so unglaublich viele, mit welchen fangen wir denn überhaupt an?
Ja, ich denke, wir fangen mal ganz oben gleich an und ich denke an Prince. Prince wäre doch ein guter Einstieg dafür, weil er ist ja durch sein— eigentlich denkt man sofort bei Prince an seine Performance. Und letztendlich ist es natürlich schon so, dass man darauf achten müsste, was er auch sonst musikalisch und von der Stimme her leisten kann.
Ja, Prince natürlich ein gigantischer Name und wir werden immer wieder mal über Prince sprechen. Ich meine, der ist auch ein super Multi-Instrumentalist, einer der größten, die wir in der Musikbranche haben. Aber heute geht es um Stimmen und er hat natürlich eine absolut außergewöhnliche Stimme. Was als Erstes auffällt, er hat diese riesengroße Range. Das heißt, er kann ganz tief singen. Aber er hat dann auch so eine hohe Falsettstimme, oder so nennt man das?
Genau, Kopfstimme, Falsettstimme, jetzt noch richtig.
Ja, und das ist, was Prince so außergewöhnlich macht. Der kann halt mit seiner Stimme unglaublich viel abdecken. Das ist auch immer der Killer, wenn ihr mal Karaoke macht. Prince nachsingen ist so schwer, weil der eben eine Range hat, die die allerwenigsten Leute haben. Und das ist glaube ich einfach nur Biologie oder wie dein einfaches Talent. Wie groß ist die Reichweite, also die Range eben deiner Stimme? Wie hoch kannst du und wie niedrig kannst du? Das ist einfach vorgegebenes Talent, oder?
Ja, auf jeden Fall, das hat unbedingt was mit Talent zu tun, hast du vollkommen recht. Letztendlich ist es natürlich so, er ist jetzt als Interpret, wir müssen ein bisschen unterscheiden, ein Interpret, der hat ja die Aufgabe, dann im Prinzip einen bekannten Song oder einen Song, den vielleicht auch ein Freund geschrieben hat, oder er selber vielleicht auch, einfach zu singen. Das ist das eine, du hast da die Seite. Hier haben wir einen Sonderfall, er schreibt seine Songs alle selber. Ich weiß gar nicht, ob er überhaupt Leute dabei hat, das ist, nehmen wir mal an, dass er hier und da durchaus Inspiration kriegt, aber letztendlich geht es darum, dass er die Sachen selber interpretiert. Also das heißt, er hat den Vorteil, er kennt seine Stimme und er kann dementsprechend auch in die hohen gehen und in die Falsettstimme. Weil wenn er das jetzt für wen anders schreibt, dann wird das schwierig, weil die das nicht so machen können, wie er das macht. Also bei ihm ist es ein Sonderfall und deshalb hat er natürlich den Vorteil, dass er sich selber dann Songs schreibt.
Ja, das ist völlig richtig, in der Tat. Ich meine, es gibt viele großartige Sängerinnen und Sänger, die aber überhaupt keine Komponisten waren oder Music Writer. Aretha Franklin zum Beispiel, der hat man dann Songs eben auf den Leib geschneidert, die dann perfekt zu ihrer Stimme passen und in die Mood, die sie halt rüberbringen möchte. Aber Prince, das ist eben Vollblutmusiker, der ist Komponist, der ist Multi-Instrumentalist, der hat Sachen selber produziert. Ja, das ist wirklich außergewöhnlich. Für mich einer der allergrößten überhaupt da und auch so ein, ja, natürlich ein ganz besonderer Charakter. Und ich schätze, wir werden öfter noch über Prince sprechen, weil er ist absoluter Gigant. Übrigens mein Riesenidol, als ich Teenie war. Ich hatte ohne Witz in meinem Kinderzimmer Prince-Poster und so weiter. Und ich kann echt sagen, der Typ hat mir echt auch durch dunkle oder schwere Zeiten meiner pubertierenden Jugend geholfen. Prince mit dem Sony Walkman rumgelaufen, da war ich wieder happy.
Ich gebe zu, dass es bei mir eher das Gegenteil ist. Also erst vom Typus her, also seine Stimme und seine Musik auch, also was weiß ich, Purple Rain und was er nicht alles gemacht hat und 1999, also sehr geiler Song, keine Frage. Also als Autor ist der natürlich toll. Vom Typ her ist es nicht so meins, also den Film Purple Rain habe ich blöderweise in Dänemark gesehen, weil ich da eine Session hatte. Naja, hat mich jetzt nicht so überzeugt. Aber das ist eine gute Sache, wenn Leute— er hat seine Fanschar voll im Griff, und das zu Recht, muss man wirklich sagen, weil er performt auch wirklich gut. Was mir ein bisschen auffällt, ist ja, die Schwierigkeit ist ja, wenn du auf der Bühne stehst und der bewegt sich ja, und nicht nur ein bisschen, ja. Das heißt mit anderen Worten, da noch die Sachen so rüberzukriegen, das ist schon eine besondere Leistung. Gibt noch außer ihm noch reichlich andere, aber man muss wirklich sagen, er macht auch relativ viel mit seinem Körper. Also er ist ja nicht nur so statisch irgendwie da, sondern man sieht ja seine Bewegungen und dann merkst du einfach, und er tanzt ja auch regelrecht auf der Bühne. Das muss ich sagen, ist eine Herausforderung, weil du das mit der Atemtechnik natürlich total entgegenarbeitest. Also insofern Hut ab.
Sehr guter Punkt, der Axel. Das ist wirklich was, was ich auch bewundere. Es gibt manche Sänger, die machen eine so intensive Show, 2 Stunden auf der Bühne. Wie schaffen die das dann, dass sie nicht außer Atem geraten? Ich habe selber auch viel gesungen, und wenn ich da zu viel mache, ich komme da schnell außer Atem, habe ich gar nicht mehr die Kraft, so lang zu singen. Wie machen das Leute wie Prince oder auch Mick Jagger? Wäre dann ein gutes Beispiel, der selbst im hohen Alter die ganze Zeit wie ein Wizard auf der Bühne unterwegs ist. Aber du hörst es nie in dem Gesang, dass der irgendwelche Atemprobleme hatte.
Ja, das hat wirklich viel mit Training zu tun. Also wer das macht, der muss wirklich trainieren und auch wirklich körperlich fit sein. Das ist ganz klar. Also so ein Couch Potato hat da keine Chance, ne. Also du musst das wirklich üben, dass du das also in deiner ganzen, also auch tagsüber im Alltag auch, ja. Das ist ja für Sprecher auch so, wenn du dann versuchst, so völlig außer Atem zu sein, und fürs Sprechen ist auch schon schwierig. Und noch schwerer ist Singen, weil du musst ja zu ganz bestimmten Zeiten musst du ja auch atmen. Das hast ja vom Songwriting her, beachtest du das ja auch, dass der Interpret überhaupt noch Luft holen kann, ja, und so weiter. Das ist ja ein ganz wichtiger Punkt. Und das ist natürlich alles, muss, das kann er natürlich auch selber steuern. Das ist natürlich sein Vorteil.
Jetzt ist es natürlich so, wenn wir hier über Sänger und Sängerinnen reden in der Pop- und auch in der Rockmusik, was ist da eigentlich, gibt es überhaupt so einen objektiven Maßstab, an dem man die messen kann? Wer ist denn der oder die Beste? Das kann man so gar nicht sagen, ja, denn manchmal ist es auch einfach die Einzigartigkeit von der Stimme, die einen Wiederholungseffekt braucht. Um mal ein paar Namen zu droppen, Leute wie Neil Young oder Bob Dylan, die wären wahrscheinlich im klassischen Sinne keine guten Sänger, und ich schätze mal, wenn die so als junge Kerle an so einer Talentshow teilnehmen, wie wir sie zurzeit haben, da würden die rausfliegen, gleich in der ersten Runde. Ey Junge, du kannst gar nicht singen. Aber im Nachhinein, hey, ich bin halt Neil Young und das ist doch auch so ein Thema, dass wir in der Popmusik so unglaublich verschiedene Stimmen haben.
Wir werden uns auch viele von denen angucken. In dem Falle könnte ich mal noch nennen Udo Lindenberg, wobei ich dazu sagen muss, da kommt man jetzt nicht unbedingt drauf, aber Udo Lindenberg beispielsweise ist auch jemand, der am Anfang, wo du dachtest, oh Gott, er ist Schlagzeuger, ja, ist ja gar nicht zu erwarten gewesen, dass der jetzt irgendwie als Frontmann da eingesetzt werden würde, oder beziehungsweise sich selbst eingesetzt hat, möchte ich mal sagen. Aber es ist schon so, der hat das kultiviert. Und bei mir hat er vorm Mikrofon gestanden und ich kann sagen, er hat sehr, sehr sauber und überzeugend gesungen, also wirklich in seiner typischen Art, ja. Und ich muss wirklich sagen, also ich musste da nichts korrigieren. Das ist einer der wenigen da, wo ich auch nichts gesagt habe, weil er ist es, sein Stil. Und als Produzent hast du ja nicht die Aufgabe, da jetzt sozusagen, dass das doch mal zu— du musst entscheiden in solchen Minuten, musst du entscheiden, dass er so wie er ist rüberkommt und das so, so, und das auch, dass du seine Stimme kennst und das auch abschätzen kannst, liegt da noch mehr drin oder nicht? Und das ist manchmal ganz schön schwierig. Ich habe nur 2 Songs mit ihm gemacht, also ich war mir da nicht so sicher und deshalb habe ich gesagt, okay, für alle Fälle, er weiß, was er da tut, das merkt man schon. Das war das, weiß ich wie vielte Album, 15. Album oder irgend sowas, der weiß wirklich, was er tut.
Du hast also ein komplettes Album von Udo Lindenberg produziert?
Nicht komplett, ich hatte zwei Titel auf dem Album mit drauf. Das eine war Der König von Scheißegalien, was eigentlich auch wirklich, wirklich sehr, sehr gut gelaufen ist. Gerade die neue Version, die dann für dieses MTV Unplugged gemacht worden ist, das war wirklich echt sehr ein Highlight. Also insofern, der Titel ist immer präsent, aber bei ihm, das fand ich schon mal gut. Und zweiter Titel war Sex in der Wüste. Coverversion von Ideal damals. Die Annette Humpe war auch mit im Studio. War ich gut. Also insofern, ja, da war einiges mit dabei.
Ja, sehr cool. Deswegen, wir stellen euch also ein paar Musiker vor, ein paar Sängerinnen und Sänger. Und es geht hier nicht um irgendein Ranking, wer ist der Beste oder die Beste. Das kann man auch machen, da kann man natürlich endlos debattieren. Aber ich finde das interessant, dass es auch ganz ungewöhnliche Stimmen gibt, die eben, keine Ahnung, bei solchen Talent Shows würden die voll durchfallen. Da brauchst du dann auch als Produzent dem nicht sagen: Hey, sing mal besser, sondern der singt halt so, wie die Leute es erwarten. Und das muss in der Pop- und in der Rockmusik nicht immer Schönheit sein. So wie früher in der Schule. Heute gibt es das wahrscheinlich gar nicht mehr, oder? Aber als wir noch in die Schule gegangen sind, Axel, oder? Da musste man noch vorsingen manchmal vor dem Lehrer und wurde dann benotet.
Oh crazy. Ja klar, da war man völlig aufgeregt, da hast du völlig recht. Weil unter diesen besonderen Stimmen fällt mir jetzt eine ein, über die wir im Vorfeld gar nicht gesprochen haben. Björk.
Björk, oh ja.
Weil es ist extrem, also sowas und solche. Du hast immer wieder so Sachen dazwischen, die brillieren einfach, weil sie völlig anders drangehen. Und normalerweise sagt man ja, der muss Gesangsunterricht nehmen. Das ist ja, verbinden die die Leute nicht manchmal sogar?
Das ist eben diese große Frage. Deswegen kam ich auf diese Talentshows zu sprechen. Ich habe die überhaupt nur gesehen, weil ich halt da Teenie-Kinder hatte und schauen wir uns das an. Und ich sage dann immer den Kindern, hey, was ist eigentlich komisch? Du musst nicht die perfekte Stimme haben und dann so ein Coach, der dann noch sagt, ja, das musst du noch verändern und da. Es geht darum, die Glaubwürdigkeit. Was trägt deine Stimme? Das ist eigentlich, was in der Popmusik und in der Rockmusik aus meiner Sicht den Erfolg ausmacht. Und es muss nicht unbedingt perfekt sein. Eine perfekte Stimme ist auch nicht verkehrt, aber ganz oft sind es eben Leute, die ihre eigene Musik komponieren. Da geht es darum, welche Gefühle trägst du in deiner Stimme? Genau. Und wenn es darum geht, auch mal um Schmerz oder irgendwie mal Wut oder so, da brauchst du nicht eine perfekte gesangsgecoachte Stimme, sondern du brauchst diese Credibility. Das, was die Großen auch haben.
Und da sind wir eigentlich schon beim Thema Casting zum Beispiel. Das können ja auch mit dran teilnehmen. Und genau um das Casting geht es jetzt. Denn damals in den 90er Jahren gab es nämlich ein großes Casting in Amerika und da hat sich etwas ganz, ganz Besonderes herausgestellt, nämlich diese hier, die Backstreet Boys. Und das war wirklich, das ist ein Volltreffer meiner Meinung nach, den man sich überhaupt nur denken kann, denn die hatte ich vorm Mikrofon und ich kann nur sagen, es war ein echtes Erlebnis, wirklich. Es hat mich ganz tief berührt, dass der Unterschied zu dem, was vorher war, eigentlich für mich jetzt speziell war, ich hatte zig Leute, meistens Amateure, und ich musste immer, dachte, oh Mann, ich hatte häufig das Gefühl, jetzt singt der meinen Song, ich habe den so schön im Kopf und dann denke ich, jetzt hat er den völlig in Grund und Boden gesungen, den schönen Song, den ich gemacht habe, und jetzt hat er draußen auf dem Markt keine Chance. Ich war immer ziemlich, wirklich richtig down deshalb, ja. Und dann hieß es ja hier, wir haben jetzt eine, das war ein Charity-Thema, ja, also Hand in Hand for Children hieß das damals. Und die waren angesagt und ich habe gedacht, na guck ich mal, weil begreifen die das überhaupt? Hier ist ja Deutschland und Ami. Und die haben sich das dann auch angehört, die haben wir ganz vorbereitet, kurz angehört. Dann stellten die, wie jetzt fängt der Erste schon an zu singen? Wie jetzt? Habe ich gar nicht mit gerechnet, dass der das überhaupt sofort drauf hat. Stellt sich vors Mikrofon, singt, und ich denke, wow. Also ich habe wirklich, ich habe endlich gedacht, jetzt weiß ich, was da drin steckt. Das hat mir auch als Autoren wirklich extrem geholfen, dass ich endlich mal das Gefühl hatte, ja, jetzt interpretiert jemand meinen Song. Also ich war wirklich geplättet. Insbesondere möchte ich da ganz gerne den Brian hier erwähnen, der als Erstes dann da vorgestanden hat und mir wirklich wirklich gezeigt hat, was da drin steckt. Die zweite super gute Stimme, die ist eher so ein bisschen knatschiger, ist hier AJ, der dann auch am Mikrofon stand. Ich war wirklich weggepustet, wirklich. Ja, das hat mich so tief berührt, dass ich das auch wahrscheinlich auch in noch 20, 30 Jahren noch weiß. Und man muss sagen, alle haben ja auf ihn hier gesendet, das ist Nick, der halt eben der Liebling bei den ganzen Kiddies war. Der war aber auch gut, muss ich wirklich sagen. Howie hat man völlig unterschätzt. Jetzt zum Beispiel auch ziemlich gut. Und dann wäre jetzt noch Kevin zu sehen, der konnte nicht so hoch singen, das war, der war mehr im Baritonbereich. Das heißt mit anderen Worten, er hatte so die Höhen, hat er nicht so richtig gut hingekriegt. Also wie gesagt, aber ansonsten, die waren einfach perfekt. Also es hat mich wirklich, wie gesagt, tief berührt. Die sind dann auch in Deutschland noch häufiger gewesen, immer wieder. Zu dem Zeitpunkt waren sie noch nicht so bekannt, das war 97. Kleine Randnotiz: Ich hatte mein Studio noch nicht ganz so weit und ich hatte, ich war, also wir sind Ende 96 eingezogen und ich hatte noch so eine, einfach nur so ein Dings dahingestellt und so ein Eck, wo sie sich draufstellen konnten so und dann halt mit Mikrofon gesungen hat. Aber die haben das ganz easy genommen und fanden die prima. Den nächsten Tag kam NSYNC, ja, die fand ich nicht mehr so gut. Also da war schon der Justin Timberlake hatte dann irgendwie, sorry, aber so ist ja, muss ich da ja halt auch auf Englisch denen klar machen. Hör mal zu, ja, das ist jetzt, ich bin noch nicht lang hier halt, ne. Also sind so Randnotizen, hat die aber nicht beeinflusst. Das interessiert die Leute nicht. Die sind so professionell, die stellen sich da hin, die könnten auch jetzt im Heizungskeller singen. Es ist völlig wurscht wo, die haben es einfach drauf.
Das ist ja auch so ein Ding. Viele Musikfans belächeln ja so eine Band wie die Backstreet Boys, sagen: Hey, das ist ja nur eine Boygroup. Wahrscheinlich können die gar nicht richtig singen. Das hat doch alles nur im Studio, wird das irgendwie gezaubert und so. Aber jetzt so von dem, was du erzählst, sind es auch einfach gute Musiker, Sänger, Künstler. Also, und mal so als Frage: Ist es überhaupt möglich, jetzt du als Produzent, kannst du jemanden, der überhaupt nicht singen kann, aber der irgendwie hübsch ist und schön tanzen kann, kannst du so jemanden zu einem Star machen? Kannst du jemanden, der nicht singen kann, gut aufnehmen?
Eben nicht.
Das geht gar nicht?
Nein, es ist so, man meint, dass alles im Studio gemacht wird, ja, also du kannst dann mit der Nachbearbeitung das alles hinkriegen. Dem ist überhaupt nicht so. Ganz im Gegenteil, du hast dann bestimmtes Tempo und eine bestimmte Bandbreite, was du singen kannst, und wenn du das nicht bringst, dann ist da nicht viel zu machen, ja. Was geht, das geht heute wirklich, den Ton gerade zu ziehen, da gibt's Technik für, das ist kein Problem, aber sehr viel mehr geht nicht, wirklich nicht. Also das ist halt, das muss ich jetzt ganz klar noch mal sagen, meine Kollegen werden das bestimmt noch mal bestätigen, das ist halt eben genau nicht, was geht. Wir können denen jetzt nicht das Singen vorm Mikrofon beibringen, das ist auch so ein Thema, was immer gern gesagt wird, ja gut, dann musst du ihn besser anleiten, die haben auch Grenzen, diese ganzen Leute, gerade wenn sie noch nicht so erfahren sind. Aber es gibt natürlich auch, und das ist dann meistens auch der Fall, die, dass die in Heki Naturtalent, ja, was dann von dem Nichts aus mit einmal hervorragend singen kann, die sind rar gesät. Also das muss man dazu sagen. Viele haben dann aber halt eben auch viel Erfahrung dadurch, dass sie halt irgendwelchen Bands gespielt haben und on stage waren. Also auch das hilft denen. Aber im Grunde genommen, ja, das, was die Leute draußen bewerten und hören, das muss da sein.
Also du kannst als Produzent Stimmen veredeln, aber du kannst nicht jemanden zum Star machen, der nicht singen kann. That's genau. Sonst hätte man ja wahrscheinlich die Jungs von Milli Vanilli auch gleich singen lassen können.
Genau.
Hätte dann ja auch sagen können, jemand anders da singen lassen müssen.
So, ja, ganz, ganz sicher. Ja, ja, also deshalb Backstreet Boys, muss ich deshalb, kann ich auch nur sagen, die sind auch wirklich hervorragend. Also das ist natürlich auch ein Top-Casting gewesen, offensichtlich. Also, und es wurde mir eins schlagartig klar: Der Unterschied zwischen dem, was die Amerikaner können im Gesang, und was du hier in Deutschland findest, ist wirklich eine ganz andere Ebene. Muss man fairerweise sagen, wirklich. Also wir haben dieses, dieses, die binden die Noten ganz anders. Also da muss ich sagen, wir haben hier in Deutschland, es gibt ein paar Talente, die aufgefallen sind. Ich muss Xavier Naidoo nennen, der durchaus international das kann vielleicht noch die Stefanie, wie heißt die nochmal? Herbst? Ne, die meine ich jetzt nicht. Ne, die meine ich nicht. Gutes Beispiel. Nein, nein, Heinzmann heißt sie. Jetzt habe ich auch mit H, siehste, Heinzmann war es. Genau, die gehört auch zu denen, denen ich das zutraue, auch international aufzufallen. Da fehlt es dann vielleicht an anderen Sachen, dass sie es noch nicht geschafft haben. Aber im Allgemeinen ist es selten, dass da jemand so was so in diese Ami-Richtung geht. Die haben eine bestimmte Art zu singen. Kommen auch jetzt die Neueren, die frischen Talente aus Deutschland haben das schon mehr. Man merkt vielleicht auch daran, dass wir hier dann durchaus auch mehr kulturelle Einflüsse haben.
Und du meinst die Art zu singen, also meinst du auch, wie man gecoacht wird, wie man als Sänger erzogen wird, wie man es gelernt hat? Weil im Grunde genommen, warum sollten jetzt die Deutschen anders singen als die Amerikaner? Sind doch dieselben Kehlköpfe.
Ja, stimmt schon, aber die Stimmführung ist anders, das spürt man ja auch. Also die binden das ganz anders, die Noten, also ich will mal so sagen, und halt eben auch die Artikulation ist auch anders, natürlich auch dadurch geformt, dass die Sprache ja auch R hat und sowas. Ja, die haben auch da sprachliche Unterschiede. Ich vermute auch, dass das damit ein bisschen zusammenhängen könnte.
Ich glaube, ich verstehe, was du meinst. Ich nenne das eher so die, oder ich sag, die haben halt so Soul. Das ist wie wenn bei großen Sportveranstaltungen in Amerika singen die ja immer vorher die Nationalhymne, und da wird die dann nicht so streng gesungen, sondern kommen dann irgendwelche Stars und die singen das in ihrem Style, ob das dann Country ist oder, oder ist eine Soul-Version und wenn du da Leute hörst, wie die so diese Nationalhymne singen, so wow, ey, das ist, was die da mit ihrer Stimme alles machen können, unglaublich.
Genau, ja, ich glaube, wir haben noch andere Leute, die wir kurz vorstellen.
Schmeiß noch einen rein, Axel.
Los, hau mal einen rein. Das ist Ronnie James Dio.
Ronnie James Dio, ey, einer meiner absoluten Lieblingssänger. Sein Genre, das sehen wir schon an den Bildern, ist härtere Rockmusik, Rockmusik oder auch Metal. Und Ronnie James Dio, über den gäbe es so viel zu erzählen. Also richtig bekannt geworden ist er, glaube ich, also in den 70er Jahren. Der ist ein Amerikaner, der war früher noch in den 60er Jahren bei einer Band, die hieß The Elves, wenn ich mich recht erinnere. Und das passt auch zu dem, weil schaut euch mal diesen Typen an, der hat auch so was Elfenhaftes. Manchmal würde es mich gar nicht wundern, wenn man die Haare auf die Seite nimmt, irgendwie so spitze Ohren wären oder so was. Und tatsächlich hat der, tatsächlich dieser Ronnie James Dio, der hat diese Energie, dieses Heidnische, dieses Fantasiemäßige, das hat er in den Metal gebracht, auch mit Texten und so weiter. Das ist, was er ist. Und was auch ganz bekannt ist bei ihm, das ist natürlich diese Geste, die er macht. Das ist die Manu Cornuta, wie wir sagen, die gehörnte Hand. Und das ist ein Riesenthema so in der Popgeschichte. Wer hat als Erstes die Mano Cornuta gemacht? Ja, wir wissen, es gibt auch ein Beatles-Plattencover, wo Lennon dieses Zeichen macht, aber es war Ronnie James Dio, der glaube ich dafür gesorgt hat, dass das so heute so ein Erkennungszeichen ist unter Metallern. Die Pommesgabel, wie man bei uns sagt, wenn man nach Wacken geht, jeder grüßt sich so. Und ich glaube, es war Ronnie James Dio, der dieses Symbol so reingebracht hat. Aber es hat natürlich auch eine heidnische Bedeutung oder es hat auch so ein okkultes Level. Und das ist eben, was dieser Ronnie James Dio auch reinbringt, was der auch einfach ist. Also der hat diese alte Connection. Und ganz ehrlich, wenn ich mir den anschaue und wenn ich vor allem den höre, dann habe ich bei Ronnie James Dio immer das Gefühl, das ist so zeitlos. Stell dir mal vor, wie es vor 3000 Jahren war, da gab es auch schon solche Typen. Der braucht kein Mikro, der braucht keine Verstärkung. Wenn du den als Comic zeichnen würdest, so ein kleiner Mann, der ist nicht groß, seine typische Pose ist so nach oben singen und dann ist es wie ein Vulkanausbruch, aus dem sein Mund kommt. Ein kleiner Mann, aber so viel Kraft da. Und da denke ich mir, weißt du, solche Typen, die gab es doch schon immer. Wie zeitlos es ist, wenn du so jemanden direkt neben dir hast am Lagerfeuer, wir machen Musik und dann reißt der mal sein Halschakra auf. Was da passiert, wie laut der ist, wie kraftvoll. Unglaublich. Was ein Typ. Das hier übrigens auch mega große Platte, da ist einer meiner absoluten Favorite Songs all times drauf, Stargazer, auf diesem Album. Das ist dann schon zusammen hier mit Ritchie Blackmore auch von Deep Purple. Das ist wahrscheinlich dann die Prime gewesen für Ronnie James Dio. Aber er war eben auch teilweise Sänger bei Black Sabbath als Nachfolger des legendären Ozzy Osbourne, und er hat auch einige Sachen solo gemacht. Für mich einer, hier Dio, für mich einer der allergrößten aller Zeiten.
Ja gut, ich glaube, wir können mal wieder ein bisschen auf das Deutsche gucken. Ja, also wir haben doch durchaus auch mal nicht nur internationale Größen, sondern hier haben wir mal einen ganz Deutschen, nämlich Udo Lindenberg. Ich habe ihn vorhin nämlich schon kurz erwähnt. Ich kann jetzt vielleicht noch ein bisschen mehr dazu sagen. Letztendlich ist es so, dass er, dass er ja schon, schon als Schlagzeuger angefangen hat, also bevor er überhaupt zum Singen gekommen ist. Das ist auf jeden Fall vielleicht auch für ihn, dass er, also man merkt auch, das Timing ist sehr, sehr gut, also auch vom Mikrofon. Man merkt, er sitzt also genau auf dem Beat, je nachdem, was, was für ein, für, für da geht. Also das sitzt natürlich auch, kein Wunder, als Schlagzeuger ist er da ja prädestiniert zu. Aber ansonsten würde ich sagen, ist ja, was seine Performance anbetrifft, hat er seine ganz eigene Art entwickelt, und du hörst ihn raus. Liegt sicherlich auch an seiner schnoddrigen Art zu sprechen, auch deshalb ist er auch so, der hat ja so diesen Sprechgesang teilweise auch mit dazwischen. Also wie gesagt, ich habe da mit ihm Erfahrung gemacht, sehr gute Erfahrung, immer auch menschlich gesehen war sehr, sehr gut. Ich bin total gut mit ihm ausgekommen, auch das kann man nicht immer sagen. Wir haben uns sofort verstanden. Er ist auch ein, der kann sich auch, der weiß auch, der ist ein Studiohase, der weiß natürlich auch, was er da tut, ne. Das heißt also nicht nur, dass er diese, diese, dass er dann weiß vor Mikrofon, sondern eben auch menschlich, wie man miteinander gut umgeht. Und der muss auch nicht motiviert werden, ne, sondern es reicht aus, wenn man sich bei ihm sozusagen so ab 16 Uhr meldet, ist es dann gut, ja. Also vor 16 Uhr wird schwierig, da geht er gar nicht erst ans Telefon. Also er hat einen ganz anderen Tagesablauf als andere Menschen, wollte ich damit sagen. Also das war aber super. Ansonsten kam der meistens gegen 18 Uhr und wenn dunkel, ja sozusagen, und dann haben wir durchaus eine gute Session gehabt. Also wie gesagt, wir hatten zwei Tage ins Auge gefasst. Am ersten Tag haben wir dann sozusagen den König von Scheißegal gemacht und am zweiten Tag kam die Annette Humpe dazu, weil wir ja wie gesagt diese Coverversion von Sex in der Wüste gemacht haben, was ja früher Ideal schon gebracht hat. Also das war so denn der Start. Ja, und insofern haben wir da eigentlich wirklich eine gute Sache abliefern können. Und ich bin auch sehr zufrieden gewesen mit, wie er das gemacht hat.
So eine Frage, die ich mir oft gestellt habe und die du als Produzent beantworten kannst: Ich meine, wie viele Takes macht man denn eigentlich gewöhnlich bei so einem Album? Ich meine, es hat ja so ein— die Stimme ist auch was Menschlich ist es ja nicht jeden Tag gleich. Man hat ja innerhalb eines Tages seine Aufs und Nieders. Man ist ja nicht jeden Tag gleich. Man ist ja keine Maschine, die man einfach einsteckt und jetzt knallt's. Solche Leute wie Udo Lindenberg, ich meine, du lädst einen in ein Studio und der funktioniert sofort. Oder wie oft musst du da das machen, sagen, heute wird es nicht, mal gucken, ob vielleicht morgen deine Stimme weiter aufgeht. Wie ist denn das?
Also bei ihm kann ich es jetzt nicht so genau sagen. Du hast recht, die Unterschiede sind aber das liegt am Typen selber. Also bei ihm weiß ich das ja, das ist ein Vollprofi. Der hat sich vors Mikrofon gestellt und hat losgelegt und hat das auch weitestgehend selber Regie gemacht, möchte ich sagen. Er hat dann entschieden, okay, ich weiß, ich kriege das besser hin, deswegen mache ich das jetzt noch mal. Und die Stelle müssen wir noch mal dran. Also vielleicht noch mal zur Erklärung auch, die Leute singen das nicht unbedingt durch. Also die Leute jetzt auf der Straße denken natürlich logischerweise, der fängt vorne an, den Song zu singen und singt ihn bis ganz hinten hindurch. Nein, zum Reinkommen schon mal, ja, aber dann geht man, weil sonst kannst du ja niemanden anleiten, ja. Du kannst ja nicht sagen, pass mal auf, hier du hast in Vers 1 die dritte Zeile und da, und dann zählst du auf, was du da halt noch nicht optimal ist. Das kann sich doch keiner merken. Also machst du sozusagen die erste Strophe, ja, oder den ersten bis zum Refrain, und dann machst du dann, ich habe häufig dann so gemacht, okay, jetzt ist der in der Strophe drin, mehr in den unteren Lagen meistens, ja, dann mache ich die zweite Strophe auch gleich hinterher, ja. Und dann, wenn ich merke, oh, jetzt ist er richtig gut geworden, dann habe ich sogar die erste Strophe noch mal gemacht, ja. Also auch um das zu, was du schon vollkommen recht hast, manchmal brauchen sie auch länger, um reinzukommen. Das gibt's ab und zu mal, ja. Die sind nicht auf Knopfdruck da, sondern merke ich, oh, hier muss ich noch ein bisschen, ja, das kann der Interpret besser, dann hat man so, das ist so eine das ist so der Moment, wo ich das zu entscheiden habe natürlich, als, sagen wir mal, ich, der jetzt sozusagen den Interpreten ja führen muss. Also insofern hast du schon recht, wir haben durchaus auch manchmal die Zeiten gehabt, aber dass ein Aufnahmetermin, sagen wir mal, so geendet hat, dass man sagt, oder dass da gesagt wird nach dem dritten Singen, du, heute kriegst du nicht auf Reihe, habe ich nicht erlebt, muss ich sagen. Also ich habe schon gehört, dass es dann trotzdem hier und da durchaus auch passiert bei anderen Studios. Hier bei mir ist es nicht passiert. Und klar, Profi Nummer 1, Udo, hat das im Griff.
Weil deine Stimme, die drückt ja immer auch direkt deine Gefühle aus und auch deine Laune. Ich meine, wenn du so ein Instrument in die Hand nimmst, eine E-Gitarre, die klingt halt, wie sie klingt. Und natürlich ist auch dein Gefühl drin, ist schon klar. Aber ganz grundsätzlich ist völlig egal, wie du gerade drauf bist. Das Ding kannst du spielen, wenn du es kannst. Bei der Stimme kannst du aber nicht bullshitten, du kannst dich nicht verstecken. Jeder hört sofort, wenn du Angst hast oder so, dann hörst du das in der Stimme. Wenn du wütend bist, hörst du das in der Stimme. Wenn du fröhlich bist, hörst du das in der Stimme. Und das kann man ja nicht einfach so auf Knopfdruck kreieren. Oder ist das vielleicht doch was, was eben die ganz Großen können? Halt bam, zack und jetzt funktioniere ich. Warum die dann auch live immer gut sind, so die ganz Großen.
Du hast vollkommen recht. Gerade wenn sie den Song zigmal gemacht haben. Also das gilt zum Beispiel, jetzt haben wir hier mal Udo Lindenberg als Beispiel. Irene Cara, die dieses What a Feeling zum Beispiel gesungen hat, die war ja auch im Studio. Die haben das so drauf, da muss man jetzt, da ist dann, die können das jederzeit, ja, je nachdem, wie oft du es gemacht hast.
Ach, Axel, faszinierend, mit dir über die menschliche Stimme zu reden. Aber leider sind wir jetzt schon wieder mit der Zeit durch. Wir haben noch viel mehr eigentlich auf der Liste, aber hey, was soll ich euch sagen, wir werden wahrscheinlich noch den ein oder anderen, die ein oder andere Sendung machen. Zu dem Thema Sängerinnen und Sänger, weil es einfach so unglaublich viel Großartiges gibt. Und das ist genau, was wir hier bei FRAX Music feiern. Ey, was es doch für tolle, großartige Künstlerinnen und Künstler auf dieser Welt gibt! Und den werden wir uns bestimmt wiedersehen, oder Axel?
Genau, so machen wir das. Ganz genau.
Ja, in diesem Sinne, stay tuned, denn das war noch lange nicht alles. Let's music!
